Klarer Auftrag für Rot-Grün

Kommentar | Eric Frey, 24. August 2011, 18:31

Trotz Finanz- und Rechtsbedenken ist ein Wien ohne Spielautomaten möglich

Politiker agieren oft zwischen dem, was sie für richtig halten, und dem, was sich in der Realität umsetzen lässt - zwischen Moral und Möglichkeit. Aber manchmal lassen sie das Richtige einfach deshalb bleiben, weil es nicht opportun ist. 

Beim kleinen Glücksspiel steckt die Wiener Stadtregierung tief in diesem Dilemma. Die Grünen sind grundsätzlich gegen die Spielautomaten, die jedes Jahr tausende Menschen, meist aus bescheidenden Verhältnissen, in finanzielle Nöte stürzen. Und auch in der Wiener SPÖ hat ein Aufstand der Basis beim letzten Parteitag das Totalverbot zur Parteilinie gemacht.

Doch dieser Beschluss ist nicht so leicht umsetzbar. Denn vergangenes Jahr hat der Bund, unter reger Beteiligung der Glücksspielindustrie, ein neues Gesetz verabschiedet, das etwas anderes vorsieht - nämlich die Aufstellung einer gewissen Zahl von Spielautomaten, sogenannten VLTs, unter Bundeslizenz. Eine spielautomatenfreie Stadt ist unter diesem Gesetz nicht vorgesehen.
So weit die Realität, die der Moral - und den Parteibeschlüssen - im Wege steht. Aber Wien kann immer noch auf die weitaus größere Zahl von Automaten unter Landeslizenz verzichten. Die rot-grüne Regierung hat außerdem die Möglichkeit, durch eine breite Diskussion über die Folgen der Spielsucht so viel öffentlichen Druck zu erzeugen, dass der Bund - also auch die Bundes-SPÖ - letztlich einlenken muss. So hat Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler bereits angekündigt, man werde gegen den Willen der Stadt auch keine VLTs aufstellen.

Doch nicht nur die Rechtslage lässt die Wiener Stadtregierung an Automaten festhalten. Da sind die 55 Millionen Euro, die Finanzstadträtin Renate Brauner durch das kleine Glücksspiel einnimmt. Da ist wohl auch der Einfluss von Novomatic, dem mächtigen Marktführer bei Spielautomaten. Und da ist vor allem die Befürchtung, dass ein völliges Verbot das Glücksspiel in die Illegalität drängen würde. Dann würden kriminelle Banden und nicht der Staat die "Deppensteuer" kassieren.

Das Hauptproblem der weitverbreiteten Spielautomaten im Wirtshaus nebenan ist, dass sie die Hemmschwelle so niedrig ansetzen und deshalb die Spielsucht besonders fördern. Die neuen Spielsalons, die der Wiener Entwurf nun vorsieht, wären gegenüber den Einzelgeräten ein Fortschritt: Auch wenn dort höhere Einsätze erlaubt sind, lockt das große Glück dann nicht mehr an jeder Ecke. Außerdem kann in solchen Hallen Spielsüchtigen der Zugang viel leichter verwehrt werden.
Für die Umsetzung des Entwurfs spricht außerdem, dass ganz offensichtlich die Nachfrage nach dem kleinen Glücksspiel existiert und dass es grundsätzlich nicht dem Staat obliegt, Vergnügungen zu verbieten, mit denen man anderen nicht schadet.

Doch das Gesetz zwingt auch Autofahrer zum Angurten und verbietet ihnen den Konsum von Suchtgift. Die Spielsucht hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten sozialen Übel entwickelt, dem Politiker mit Gewissen nicht einfach tatenlos zusehen dürfen. Der SPÖ-Parteibeschluss mag zwar rechtlich nicht bindend sein, aber moralisch ist der Auftrag eindeutig. Ein automatenfreies Wien wäre ein Erfolg, auf den Rot-Grün stolz sein könnte und den sich die Stadt auch leisten kann. Den Mut, öffentlich "Wir wollen das nicht" zu sagen, könnte man von Bürgermeister Michael Häupl schon erwarten. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.8.2011)

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Vergib ihnen
10
28.8.2011, 09:25
Legalisierter Drogenhandel

manchen mag das zu weit gegriffen sien, doch bei näherer Betrachtung ist es das. Der Staat uam handeln mit der Automatendroge. Und was heißt hier 55 Mio Einnahmen? Halten wir doch mal ehrlicherweise die Ausgaben entgegen: vezweifelte Existenzen, zerrüttete Familien, resultierende Kosten für Krankheitsbetreuung, Psychotherapie, Sozialhilfe, Familiendramen, Vorstrecken von Alimenten für zahlungsunfähige Eltern, Arbeitslosigkeit...also bitte, warum warum warum bloss wird die Gleichung nicht zu Ende gerechnet. Bitte machen Sie das für oder mit oder gegen die Politiker (der ÖVP). Kostenlose Therapieplätze sind rar, es muss für jeden Spielsüchtigen einen Therapieplatz geben, wenn man schon legal mit AutomatenDrogen handelt. Eine Schande ist das.

tho_mi
10
25.8.2011, 17:03

Es ist ja jetzt nicht so, dass sich das Gesetz bzgl. der Automaten unter Bundeslizenz nicht ändern liese...

bula sagt
10
25.8.2011, 16:57
die ausrede, einem "lex novomatic"

auf länderebene nicht ausweichen zu können, ist zu billig.
ich bin zwar prinzipiell gegen noch mehr verbote - da sie ein abdriften in die illegalität fördern - bei dem kleinen glücksspiel wäre eine abwägung zumindest in richtung hohes einstiegshindernis überlegenswert.
mafiaähnliche zustände könnten zwar eintreten, werden aber durch die wöchentlich auftretenden neuen skandale und ihre politischen nutzniesser locker übertroffen.

. g.bac
01
25.8.2011, 15:45
andererseits

ein gedanke, abseits gutmenschlicher weltverbesserung, ist doch, ob das individuum mensch überhaupt noch in der lage sein soll, selbstbestimmt seine konsumgewohnheiten auszuleben.

ich spiel nicht, aber warum soll ich ihm kasino ungeschaut tausender verzocken dürfen, aber im wirtshaus nebenan nicht?

konsequenterweise muss die spö dann genauso energisch gegen brieflos, 6aus45 und co auftreten. oder wie kontrolliert die spö ob sich nicht hier jemand nur fürs glücksspiel einen kredit aufnimmt?

starship
 
30
25.8.2011, 16:22
es gibt eine vielzahl an freiheiten, die sinnvollerweise beschnitten werden...

z.b.:
nicht angegurtet auto fahren.
dem unsympathischen nachbarn eine zu donnern
die kinder nicht in die schule zu schicken
autofahren ohne haftplichtversicherung
hausbauen auf der ungewidmeten grünen wiese
....

es ist eine gesellschftliche/politische übereinkunft, dieses oder jenes zuzulassen oder auch - weil es gesamtgesellschaftlichen schaden anrichtet - zu untersagen.

Brel
00
25.8.2011, 15:43
Novomatic

hat sich die Politik verkauft. Die Parteien sind einerseits abhängig von den Versorgungsposten und auf gleichzeitig auf die zusätzlichen Steuereinnahmen angewiesen. Dieser Zug ist längst abgefahren. Wenn Häupl wollen würde, gäbe es kein kleines Glücksspiel mehr in Wien. Aber so stark ist nicht einmal Häupl.

Flood
00
25.8.2011, 14:34
Traurig und beschämend,

dass hier so offen und ungeniert lobbyhörige Politik gemacht wird - gegen die Parteilinie und, wie ich vermuten würde, auch gegen den mehrheitlichen Wählerwillen.

Kann sich jemand daran erinnern, wann die politischen Eliten in Österreich das letzte Mal eine mutige Entscheidung getroffen und durchgefährt haben?

Reich sein muss sich lohnen!
07
25.8.2011, 12:16

Unglaublich, da bin ich doch tatsächlich mal mit dem Frey einer Meinung.

Der große Mann
10
25.8.2011, 11:53

Nach 15 Jahren Bürgermeister Häupl muss man sich fragen, was von ihm bleiben wird.

Eigentlich nichts. Keine neuen bedeutenden Bauten, keine wichtigen sozialen Initiativen, eigentlich gar nichts Wichtiges.

Schade für die vielen enttäuschten Wiener!

j.h.k.
00
25.8.2011, 16:28
ach, männchen-

wenn man nicht wüßte, aus welcher ecke du kommst, müsste man dir fast rcht geben....

Schnurz Homunculus
00
25.8.2011, 15:04
ein Fettfleck?

F.S.K
01
25.8.2011, 14:28

na zB der pratervorplatz

Briefmarkenkleber
00
25.8.2011, 11:23
Na da hat das ZO der Grünen wieder ein dankbares Thema gefunden

...um vom 100-Euro-Jahresticket abzulenken.

Unschuldsvermutung0
00
25.8.2011, 11:12
1A Kommentar!

Mehr ist dem Thema nicht hinzuzufügen. Ach ja, einen Widerspruch habe ich entdeckt: "Häupl und Mut".

Richard III
10
25.8.2011, 10:06
Im Übrigen (jetzt ohne Polemik)

...unterstütze ich das Verbot dieser Automaten vorbehaltlos, da diese die Armen noch ärmer machen.

LG,

Ri

Dhimmi
23
25.8.2011, 10:01
Elendige DDR-Verbietungsmentalität.

" Die Grünen sind grundsätzlich gegen die Spielautomaten.....Und auch in der Wiener SPÖ...Totalverbot zur Parteilinie gemacht."

Merkt Euch diejenigen gut, die im Umsetzungsfall für den Anstieg von Bandenkriminalität verantwortlich waren!

VotefromtheRooftop
12
25.8.2011, 15:22

Lesen sie doch mal aufmerksam die Polizeiberichte über kleinere Raubüberfälle. Meist steht irgendwo ganz verschämt: "als Grund gab der Täter Spielschulden an"

Richard III
21
25.8.2011, 09:52
...? und was machen dann die ganzen Gelegenheitsarbeiter oder Arbeitslosen mit Migra-Hintergrund den ganzen Tag....?

Ist böse, aber leider wahr.

LG,

Ri

Bonobo
06
25.8.2011, 09:50
"true Storie" Glücksspielautomaten

Erinnere mich noch gut.
Habe vor Jahren auf einer Eisenbahnfahrt einen Amerikaner getroffen, der auf dem Weg war in Salzburg Glückspielautomaten zu verkaufen. Es stellte sich heraus, er selbst spielt überhaupt nicht. Aber er hat auch kein Problem damit solche Geräte zu bauen und zu verkaufen.
Bemerkenswert fand ich Eines. Er hatte in Salzburg bereits den Zug verlassen und mir zugewinkt. Da kam er nochmals zurück in mein Abteil und sagte in sehr eindriglichem Ton. "Ich gebe ihnen eine Rat, spielen sie NIE!"

Rigglerobber
01
25.8.2011, 18:29
*gähn*

dazu brauch ich keine geheimnisvollen Amerikaner, sondern nur in Mathe beim Thema Wahrscheinlichkeitsrechnungen ein bissl aufpassen...

freezer
52
25.8.2011, 08:59

Autofahrer töten Menschen u. zerstören Familien und zwar zu tausenden. Gibt es Anträge Autos abzuschaffen, obwohl die Infrastruktur Millionen kostet? Alkohol tötet Menschen u. zerstört Familien. Anträge dazu? Glaubt denn wirklich jemand, dass die Spieler bei Verbot der Automaten dann gemeinsam ins Kaffeehaus gehen und dort den Kategorischen Imperativ diskutieren? Nix wird besser, aber das Geld geht dann in die Unterwelt, welche Null Euro Steuern zahlt. Die Folgekosten hat trotzdem die Allgemeinheit.

bloody-nine
 
00
25.8.2011, 12:03
ich bin auch absolut dafür

die dumme und schädliche zentrierung unseres lebensstil auf das AUTO zu beenden.

aber die meisten leut wollens halt genau so, weils so cool ist. und selber wirds einen schon net treffen.

falter_von_der_mogelweide
10
25.8.2011, 10:17
Der Vergleich mit Alk und Auto ...

... hinkt nur leicht, ist aber sachlich durchaus richtig. Es ist der Wiener Hundstrümmerl-Konsens, der sich hier wiederholen soll (der am schnellsten verrottende Abfall wird nun in unverrottbare Saukerl gesteckt) - die Sektion 8 hat eine Profilierungsschiene entdeckt, die Österreichischen Lotterien tun so als wären sie das staatliche Glücksspiel, das neue Gesetz mit knallharten Vorschriften zum Spielerschutz wird geflissentlich von den Agierenden ausgeblendet und die dumme Forderung nach Verbot des nachgefragten Angebots politisch aufgeheizt.

Dumm deshalb, weil ebendiese Nachfrage bei einem Verbot der Aufstellung von Automaten zur illegalen ... ach was, lernt einfach Geschichte!

Harry_Haller
 
10
25.8.2011, 10:16
reines blabla...

...und mit Messern werden zwischendurch Menschen abgemurkst - gibts auch keine Anträge!

Speziell bei diesem Thema sollte der Staat regulieren - wieso ist es in Salzburg, Tirol... möglich diese Zockerei zu verbieten?

Roter Baron
06
25.8.2011, 08:56
na die haben sorgen....

wie schauts mit der integrationspolitik aus ?
oder hat euch strache noch zu wenig stimmen ?!!!

roter baron

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