Biosprit

Der Tiger im Tank ist aus gesammeltem Abfall

David Krutzler, 24. August 2011, 19:53
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    foto: riebenbauer

    Stipits rüstet seine Lkw-Flotte auf Biogas um

Die Entsorgungsfirma Stipits holt sich Strom, Wärme und Treibstoff nur aus erneuerbaren Energiequellen

Rechnitz - Ein Busunternehmen nimmt ihm sein Biogas bereits ab, erzählt Niki Stipits. Und auch ein privater Kunde hat seine Biotankstelle im burgenländischen Rechnitz schon entdeckt. "Der Mann fährt einen auf Biogas umgestellten 3er-BMW mit italienischem Kennzeichen" , erzählt der 36-jährige Unternehmer. "Dabei ist unsere Tankstelle offiziell noch gar nicht eröffnet."

Eigentlich verdient Stipits mit dem gleichnamigen Familienunternehmen sein Geld in der Entsorgungsbranche. Sondermüll- und Kanalentsorgung, Straßenreinigung und Bauschutt, Speisereste, Autowracks und Altspeisefett - es gibt kaum ein Entsorgungs- oder Recyclingproblem, für das die 70-Mann-Firma keine Lösung findet. Das mit dem Biogas als Sprit hat sich eher zufällig entwickelt. "Das ist mehr mein Hobby" , sagt Stipits. "Tagsüber wollen wir das sein, was wir sind: ein Entsorgungsbetrieb. Ab 17 Uhr widme ich mich Umweltfragen."

Tatsächlich produziert Stipits die im Unternehmen benötigte Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen selbst und damit völlig CO2-neutral. Eine Biogasanlage mit einem Blockheizkraftwerk liefert Strom und Wärme. Wird mehr Energie benötigt, schaltet sich eine Hackschnitzelheizung automatisch dazu, Überschussenergie wird ins lokale Stromnetz eingespeist.

"Anlage frisst fast alles"

"Unsere Biogasanlage frisst fast alles" , sagt Stipits. "In der Abfallverwertung sind wir noch lange nicht am Zenit. Da könnten wir noch viel mehr nützen."

Selbst der Treibstoff für den Fuhrpark wird aus den in der Region gesammelten Abfällen selbst hergestellt. Was nicht zu Strom, Wärme oder Dünger für die Landwirtschaft wird, landet seit heuer als gereinigtes Biogas im Tank. "Irgendwann war es uns zu wenig, nur Strom und Wärme zu produzieren und zu verkaufen" , sagt Stipits. "Wir haben zu viel Gas produziert. Und wir wollten möglichst viel im eigenen Kreislauf halten." Bis zu 350 Tonnen BioMethan könnten die Firmenautos, Lastkraftwagen und Stapler jährlich verbrauchen. Dazu müssen die Fahrzeuge freilich den gesunden Sprit erst verdauen können. 30 Lkws stehen im Fuhrpark, fünf davon können den CO2-neutralen Treibstoff bereits nützen. Anfang 2012 will Stipits acht Lkws mit Biogas fahren sehen.

Da die verwendeten Schwerkraftfahrzeuge eine Power von 400 PS brauchen, um voranzukommen, findet die Dual-Fuel- Technologie aus England Verwendung. Weil der Biogasmotor bei dieser Motorleistung zu viel "schlucken" würde, um umwelteffizient zu sein, wird neben Gas auch Diesel verwendet - allerdings nur zwischen 25 und 50 Prozent. Damit spart ein Lkw bei einer jährlichen Laufleistung von 100.000 km bis zu 75 Tonnen CO2. Und selbst den Diesel will Stipits in Zukunft aus gesammeltem Altspeiseöl produzieren lassen.

Schon jetzt spart Stipits den Ausstoß von rund 1000 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Das ist die Menge, die etwa 100 Österreicher pro Jahr verbrauchen. Stipits: "Ein bisschen Egoismus gehört natürlich dazu. Wenn wir es aber schaffen, Geld zu verdienen und dabei die Umwelt zu schützen, haben wir gewonnen." Ab Herbst soll seine versteckte Biogastankstelle offiziell öffentlich zugänglich sein. Wieso er seine Umweltbemühungen nicht mehr vermarkte, will der Standard wissen. Stipits: "Wir schreien erst dann, wenn wir wirklich was können." (DER STANDARD Printausgabe, 25.8.2011)

Misko
 
05
25.8.2011, 10:26
"Wir schreien erst dann, wenn wir wirklich was können."

Diesen Satz sollte man diversen Politikern und Wirtschaftsgrößen ins Stammbuch schreiben.

Emiliano Zapata
 
00
25.8.2011, 23:57
dann wär's aber sehr, sehr leise...

finde ich gut, dass sich leute finden, die sich für so was begeistern und engagieren, selbst wenn sie fürs erste wohl keinen profit davon haben...

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