Raumfahrt-Krise

ISS-Crew muss wegen "Progress"-Absturz länger im All bleiben

26. August 2011, 12:12

Untersuchungen zur Klärung der Ursache des Unglücks eingeleitet - NASA bleibt vorerst gelassen

Moskau - Der Absturz des unbemannten Raumfrachters vom Typ "Progress" im Osten Russlands hat Schätzungen zufolge einen Schaden von an die 70 Millionen Euro verursacht. In der Summe seien auch die Transportkosten für 367 Kilogramm Materialien aus den USA enthalten, die für das amerikanische Modul der Internationalen Raumstation ISS vorgesehen gewesen seien. Das sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der russischen Weltraumindustrie am Freitag der Agentur Interfax. "Für die Lieferung zahlt die US-Weltraumbehörde NASA 5.000 US-Dollar pro Kilogramm", hieß es. 

Die russischen Behörden haben alle weitere Raketen-Starts vorübergehend ausgesetzt, auch der für diesen Freitag geplante Start eines Satelliten für das Navigationssystem Glonass wurde auf einen späteren Zeitpunkt verlegt. Die Rückkehr dreier Raumfahrer von der ISS zur Erde verzögert sich nach Informationen von Interfax voraussichtlich um zwei Wochen vom 8. auf den 22. September. Dementsprechend werde wohl auch der für den 22. September geplante Start der nächsten Besatzung auf den 6. Oktober gelegt - und etwas anderes als russische "Sojus"-Kapseln steht derzeit nicht zur Verfügung, um Menschen zur ISS und zurück zu bringen.

Stillstand

Nun wollen die Behörden eine systematische Überprüfung aller Trägerraketen durchführen. Es sollten nicht einzelne technische Probleme untersucht werden, sondern das gesamte System, sagte der Kommandant der russischen Weltraumtruppen, Oleg Ostapenko. Dies gelte sowohl für die Raketen für die bemannte Raumfahrt wie die "Sojus" als auch für jene, die für den Transport von Satelliten eingesetzt werden, wie die "Proton".

"Der Unfall ist ein Hinweis für uns, auf parallele Strukturen zu setzen", sagte der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln, Johann-Dietrich Wörner. "Im Cargo-Bereich haben wir das, wir haben es nicht im Personentransport."

Der russische Regierungschef Wladimir Putin befahl Roskosmos eine radikale Verbesserung der Kontrollen. Das gelte besonders für die Herstellung und die Überprüfung vor dem Start, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Der neue Roskosmos-Chef Wladimir Popowkin versprach die Bildung einer neuen Kontrolleinheit für die Raumfahrtindustrie.

Fast drei Tonnen ISS-Nachschub verglüht

Der Frachter vom Typ "Progress 12 M-12" war mit fast drei Tonnen Versorgungsgütern an Bord auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS im Altai-Gebirge im Osten Russlands abgestürzt. Grund war nach ersten Erkenntnissen eine fehlerhafte Zündung der dritten Raketenstufe an der "Sojus" nach dem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Es war die erste Panne dieser Art seit 1978.

Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Auch die Staatsduma in Moskau will sich mit dem Absturz vom Vorabend beschäftigen. Offenbar hatten sich einige Dutzend Menschen in der Gegend des Absturzes in Südsibirien aufgehalten. Allerdings sei niemand verletzt worden, hieß es.

Galileo vorerst nicht betroffen

Am 20. Oktober sollen zudem die ersten funktionstüchtigen Satelliten für das Navigationssystem Galileo mit "Sojus"-Raketen vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana starten. "Dieses Vorhaben ist aber wohl nicht betroffen, weil Galileo eine andere Raketenoberstufe benutzt", erklärte Wörner. Unterdessen bringt Russland den nächsten "Progress"-Raumtransporter nach Baikonur. Über den Start werde jedoch erst nach der Untersuchung des Unfalls entschieden, sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der Raumfahrtindustrie der Agentur Ria Nowosti.

Russland musste zuletzt immer wieder über Pannen berichten. Erst vor einer Woche war gleich nach dem Start der Kontakt zu einem mit europäischer Hilfe konstruierten Kommunikationssatelliten abgerissen. Zu einem besonders schweren Zwischenfall kam es im Dezember 2010, als eine Trägerrakete mit drei Satelliten, die für das russische Navigationssystem Glonass vorgesehen waren, nach dem Start in den Pazifik stürzte. 

NASA bleibt gelassen

Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat unterdessen gelassen reagiert. Der Verlust der Versorgungsgüter sei für die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS problemlos verkraftbar, zitierte das Internetportal space.com. am Donnerstag den zuständigen NASA-Manager Mike Suffredini. "Wir sind logistisch in einer guten Position." Tatsächlich verfüge die ISS-Crew über genügend Vorräte, um monatelang ohne Nachschub auskommen zu können.

Die NASA will zunächst die Untersuchungen darüber abwarten, was den Fehlstart der "Sojus"-Trägerrakete am Mittwoch ausgelöst hatte, bevor sie weitere Schlüsse daraus zieht. Seit der Einmottung ihrer Space-Shuttle-Flotte im Juli ist die Behörde für den Transport seiner Astronauten zur ISS auf Plätze in den russischen "Sojus"-Kapseln abhängig. Eine längere Unterbrechung der Flüge könnte ihre Besetzungspläne für die Raumstation durcheinanderbringen.(red/APA)

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Posting 1 bis 25 von 49
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werwolfi
00
26.8.2011, 15:19

perfektes timing, nachdem gerade die amis ihr shuttleprogramm eingestellt haben...

Raphael Hythlodeus
00
26.8.2011, 12:53
5000 dollar transportkosten pro kilo. das ist auch nicht viel mehr, als die österreichische post für ein internationales paket verlangt...

Roderic Schuchart
00
26.8.2011, 13:00

Naja, da hast du dich um einen Faktor von 250 geirrt. Anders sieht es aus, wenn du als Vergleich UPS/Fedex-Preise heranziehst...

Fuy Gawkes
00
26.8.2011, 12:38

ich würde die ISS in einer letzten Mission (Treibstofftransport hin, Astronauten zurück) beim Mond in einer stabilen Umlaufbahn parken, die Astronauten kommen zurück, und wenn dann wieder ein funktionierendes bemanntes Raumsystem verfügbar ist, wieder besiedeln und weiter ausbauen ..
Erspart uns: Kosten, Unfälle, mir fällt kein ISS Müll auf den Kopf
Bringt: eine bemannte Mond(umlaufs)mission bzw. für zukünftige (Mond,Mars) Missionen eine Startbasis

Martin Rosenkranz
00
27.8.2011, 05:49
Mit welchem Antrieb

wollen Se die ISS in die Mondumlaufbahn verfrachten ???

Schon mal durchgerechnet ?

Vorschlag: Vor dem Posten ein paar Basics lesen und lernen, dann ersparen sie sich solchen Unsinn zu posten.

Martin Rosenkranz
00
27.8.2011, 16:28
ist alles dokumentiert ..

Guter Mann

Beim heben der ISS gehts um einige m/s.

Um vom LEO in ein Lunar Orbit zu kommen braucht man zuerst einen Geschwindigkeitszuwachs von 4,1km/s und dann 0,7km/s Bremschub.

Macht gesamt eine Geschwindigkeitsänderung von 4,8km/s.

(http://en.wikipedia.org/wiki/Delt... -v_budget)

ISS hat ~417.000kg Leergewicht (März 2011).

Mit welchem Antrieb wollen sie diese Masse entsprechend Beschleunigen ?

Fuy Gawkes
00
27.8.2011, 20:31

da wäre http://www.star-tech-inc.com/, dauert noch etwas, http://de.wikipedia.org/wiki/Gaskernreaktor dauert auch noch, schneller könnte es mit einigen motoren von http://de.wikipedia.org/wiki/Magn... er_Antrieb in verbindung mit einem konventionellen Atomreaktor gehen.
der artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Antr... _Raumfahrt ist sehr lesenswert.

Club-der-dichten-Toten
00
26.8.2011, 15:37
Bringt: eine bemannte Mond(umlaufs)mission bzw. für zukünftige (Mond,Mars) Missionen eine Startbasis

Wieso eine bemannte Mondumlaufstation?
Sie wissen schon, dass die Distanz zum Mond nochmal eine ganz andere ist, als die "paar Kilometer" rauf zur ISS?

Fuy Gawkes
00
26.8.2011, 15:45

Ja, 1000 mal mehr, wieviel Treibstoff kostet 1kg vom jetztigen Orbit in den Mondorbit (ich habe es leider noch nicht nachgerechnet, fahre selten zur ISS :-) )

Die Erde bekommt eh "bald" viele neue ISSen (China bastelt ja auch schon ..)

Materialermüdung ist natürlich ein Thema ..

Martin Rosenkranz, airpower.at
02
27.8.2011, 06:11
Um die ISS in ein Mondorbit zu verfrachten

braucht man 3.100.00kg Hydrazin-Treibstoff...sagt mein DeltaV Rechner....und um das in die Umlaufbahn zu bringen an die 30 Saturn V...macht 90.000t Startmasse für Ihr Vorhaben....

:-)))))))

ROFL !!!!

Fuy Gawkes
00
27.8.2011, 21:16

ok, ich komme nach http://en.wikipedia.org/wiki/Delta-v_budget von LEO auf LLO auf 4.04 dV km/s. macht geschätzte 4000 kWh pro t, macht 200t Benzin für die ISS. dafür braucht 8x die Angara A5, macht wahrscheinlich nicht viel sinn einen chemischen antrieb zu verwenden :-)

Martin Rosenkranz
00
28.8.2011, 04:05
Natürlich haben sie recht

Man geht ja übers GTO und nicht über den L4.
Und Hydrazin ist auch nicht erste Wahl – habs nur als drastisches Beispiel genommen.
Aber Benzin/Kerosin wird’s auch nicht machen – brauchen sie ja noch den Oxydator. Und da das nicht von alleine zündet ein recht kompliziertes Triebwerk. Aber was auch immer es wären hunderte Tonnen Treibstoff + ~10% Strukturgewicht für Tank und Antrieb – unrealistischer geht’s nicht.

Fuy Gawkes
00
28.8.2011, 13:34

für Hydrazin hab ich die kWh nicht gefunden :-)
wenn alle militärausgaben der welt in die weltraumforschung + erkundung gehen würden, dann würden Sie mir vielleicht schon vom mond und ich Ihnen vom Mars die postings schreiben :-)

Der junge Jim Kirk
00
26.8.2011, 14:57

Die ISS hält aber nicht mehr lange, die materialien ermüden ja auch und haben ein geplantes ablaufdatum nachdem die sicherheit nicht mehr "garantiert" werden kann.

Bürger Europas
80
26.8.2011, 09:27

Die Menschheit hat die russische Tyrannei überlebt; sie wird auch die russische Raumfahrt überleben.

ANNOnymus
00
25.8.2011, 20:10

Halt mal .
vermutlich eher glonas nicht galileo
es gibt keinen grund die galileo sateliten nicht mit arianee raketen hochzubringen

Trurl
00
25.8.2011, 20:28

Für die ersten Testsatelliten des Galileo-Systems wurde tatsächlich die Sojus-Fregat als Trägerrakete verwendet und auch für die beiden ersten "echten" Galileo-Satelliten war das russische System geplant, allerdings mit Start vom 'Europäischen Weltraumbahnhof' in Kourou. Erst später war dann der mögliche Einsatz einer Ariane5 vorgesehen, aber vielleicht ist das Alles jetzt schon wieder ganz anders.

DERHETZER1
51
25.8.2011, 18:46

seltsam.... laut der meinung einiger standard.at poster sei doch die russische technik so zuverlässig und die amerikaner wären so dumm bzw. unfähig....

fehler schleichen sich immer wieder ein. das ist kein grund zur schadenfreude. schließlich hoffe ich, dass die russen die probleme in den griff bekommen.

Alfred Fux
21
27.8.2011, 11:28
Das ist nicht Amerikanische Technik, sondern Deutsche Technik. Und die ist eben auch schon 70 Jahre alt.

Was Raumfahrt betrifft, muss man sich mal von der Methode verabschieden, einen haufen hochexplosiven Materials aufzutürmen, anzuzünden und zu hoffen, dass nicht alles gleichzeitig hochgeht. Mit aller Gewalt gegen die Schwerkraft und den Luftwiderstand. Deshalb sind Raumflüge so unrentabel.
Raketen sind Erfindungen aus dem Frühmittelalter. Es wird Zeit, was anderes auszuprobieren. Ansätze dafür gäbe es genug. Leider sitzen nur Raketentechniker in den Lobbys. Und die wollen Geld und nichts Neues lernen müssen.

Gaston Federer
00
28.8.2011, 23:34
OT

"einen haufen hochexplosiven Materials aufzutürmen, anzuzünden und zu hoffen, dass nicht alles gleichzeitig hochgeht"
LOL
Zuviel Kerbal Space Program gespielt?
http://kerbalspaceprogram.com

werwolfi
01
26.8.2011, 15:24

du machst deinem nick ja alle ehre...
es geht um die einfachere und verlässlichere technik (ursprünglich durchaus, weil die russen sich nichts komplexeres leisten konnten - das ist jetzt eine tugend)

und in der zeit, die Progress unfallfrei geflogen ist (seit 1978) haben die amis 2 shuttles und 13 astronauten verloren.

Trurl
18
25.8.2011, 19:36

Naja, ein verlorener Frachter in 33 Jahren finde ich jetzt nicht gerade eine katastrophale Bilanz, oder doch?

M L3
10
26.8.2011, 10:19
Keinesfalls, aber es scheint, als ob sich in den letzten Tagen eine Häufung von Pannen ergeben hätte

Klar, aus 2 Ereignissen kann man keine sehr aussagekräftige Statistik machen. Trotzdem sollte man sich nicht "auf den Lorbeeren ausruhen".

DERHETZER1
13
26.8.2011, 00:17

nun, in letzter zeit häufen sich die technischen pannen bei den russen merklich. das betrifft jetzt sojus nicht alleine. vor einiger zeit wären auch zwei raumkapseln der russen vom rückweg von der ISS beim wiedereintritt beinahe verglüht. irgendwie scheint es in letzter zeit punkto qualität auch bei den russen ein klein wenig zu hapern.

obwohl sich europa punkto bemannter raumfahrt ruhig ein klein wenig mehr anstrengen könnte.....

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