Philippinen

Ein Liter Licht, in Plastikflaschen abgefüllt

Bericht | Malte E. Kollenberg aus Manila, 24. August 2011, 19:41
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    Die in Wellblechdächern montierten Solar-Flaschenlampen streuen Licht wie eine 50-Watt-Glühbirne, verbrauchen aber keinen Strom. Wasser mit Bleiche bringt die Plastikflasche zum Leuchten

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    Spezialisten bauen 70 Lampen täglich zusammen. Pro Stück erhalten sie 65 Cent

Licht im Haus ist für viele Filipinos nicht leistbar - Ein Sozialprojekt erleuchtet nun die Slums

Marissa Manayon strahlt über das ganze Gesicht. In ihren Augen spiegelt sich der Lichtschein einer Lampe. Jahrelang hat die Filipina darauf gewartet. "Die Küche ist ein wichtiger Platz in der Wohnung, war aber immer dunkel. Jetzt beleuchtet das Solarlicht die Küche von morgens bis abends" , sagt sie. Seit März dieses Jahres steckt eine Solar-Flaschen-Lampe in der Wellblech-Küchendecke der Manayons in einer illegalen Siedlung in Cebu City auf den Philippinen. Wenn tagsüber die Sonne scheint, spendet die Konstruktion so viel Licht wie eine 50-Watt-Glühbirne, verbraucht aber nicht das geringste bisschen Strom.

Das Konzept ist einfach: Eine Ein-Liter-Plastikflasche wird mit Wasser und Bleiche gefüllt. Das Bleichmittel verhindert die Algenbildung im Wasser. Wird die Flasche in ein Dach montiert, leitet sie das Sonnenlicht ins Innere des Gebäudes. Weil Licht in Wasser anders bricht als in Luft, strahlt die Solar-Flaschenlampe wie eine Glühbirne. Das Licht streut in alle Richtungen.

Sozialprojekt

Tausende solcher "Lampen" sind seit März in den Slums des Inselstaates im Pazifik installiert worden. Initiiert hat das die My-Shelter-Stiftung von Illac Diaz. Der 39-Jährige ist Sozialunternehmer. Er entwickelt soziale Projekte, die Bedürftigen helfen. "Es muss zugänglich für die Armen sein, sie müssen es sich leisten können, und es muss einen unternehmerischen Aspekt haben" , sagt Diaz. Wenn sich aus einem Projekt ein Unternehmensmodell entwickeln lässt, kann das sowohl für Kleinunternehmer als auch für Kunden ein Weg aus der Armut sein. Die MyShelter-Stiftung gibt den Anschub, alles andere läuft von selbst, im Idealfall.

Die Idee für die Solar-Flaschen-Lampe stammt aber gar nicht von Illac Diaz selbst. 2002 hat der Brasilianer Alfredo Moser sie entwickelt. Er hat mit der ungewöhnlichen Lampe seine Arbeitshalle unabhängig von Stromausfällen machen wollen. Das Entwicklungslabor des amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) wurde 2008 auf das Projekt aufmerksam. Dort haben sie die Solarflasche weiterentwickelt. Daher hat Illac Diaz, der dort seinen Doktor macht, die Idee: "ein Liter Licht" .

Ein echtes Businessmodell

Bis Ende 2012 will die MyShelter Foundation auf den Philippinen eine Million Flaschen installiert haben. Finanziert wird die Solarbeleuchtung von den Gemeinden, nur eine Plastikflasche müssen die Slumbewohner selber besorgen. Wasser, Bleichmittel, Dichtmaterial und eine Wellblechschelle wird gestellt. Aus der Idee hat sich ein echtes Businessmodel entwickelt. Kaum eine Siedlung, in der sich nicht Bewohner auf die Installation der Solarlampen spezialisiert haben.

Im Stadtteil San Pedro in der Metropolregion Manila ist das Dime Bukas. Täglich baut der 47-Jährige 70 Flaschenlampen zusammen. In seiner Gemeinde hat er schon fast 6000 davon installiert. Für Demi sind die Flaschen zu einer Einnahmequelle geworden. 40 Pesos, rund 65 Cent, bekommt der Kleinunternehmer für jede montierte Flasche.

Auch für Familien wie die von Marissa Manayon bedeutet die Flasche eine finanzielle Erleichterung. "Früher habe ich 3800 Pesos im Monat für Strom bezahlt. Jetzt zahle ich nur noch 2800" , freut sich die Mutter zweier Söhne. Der Durchschnittsverdienst auf den Philippinen liegt bei 17.200 Pesos (280 Euro) pro Monat.

Die Energiefirmen des Landes unterstützen das Projekt. Für Illac Diaz überraschend, aber logisch: "Früher haben die Bewohner der Armenviertel tagsüber Strom genutzt, konnten ihn aber nicht bezahlen. Wenn sie nun kostenlose Beleuchtung haben, müssen sie nur noch für den Strom bei Nacht zahlen." Doch auch dieses Problem will der Unternehmer 2012 angehen. Ein neues Modell der Solar-Flaschenlampe mit integrierter Leuchtdiode, Batterie und Solarzelle ist bereits in Planung. (Malte E. Kollenberg, DER STANDARD Printausgabe, 25.8.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 120
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anyuser
 
00
plastikflaschen enthalten BPA (bisphenol-a)

http://en.wikipedia.org/wiki/Bisphenol_A

in österreich ist mineralwasser in flaschen nicht mehr erhältlich, wollen die uns alle sterilisieren ?

ist ja voll öko, vor allem dem menschen zu schaden.

Chocoholic
00
29.8.2011, 19:40
Geil!!!

che1
02
27.8.2011, 21:56
und so geht's

wer mehr sehen will:
http://www.spiegel.de/video/vid... 37720.html

genial, oder?!

Chocoholic
00
30.8.2011, 08:59
Super! Danke.

Vielleicht mach ich mein eigenes Gartenhüttl Projekt!

Bluestone
90
25.8.2011, 20:28
@Redaktion

Auf welchem Phänomen beruht das mit der Bleiche?

Ich schätze, es sind sog. "optische Aufheller" gemeint, wie man sie in jedem Waschmittel findet-dann könnte ich mir den Effekt des kalten Lichts erklären.

nickmaxell
05
25.8.2011, 22:06

nein keine Aufheller - wie im Text erwähnt wird es als Desinfektionsmittel verwendet um Algenwachstum zu verhindern (in dem Sinne könnte man von Aufheller reden) - eine komplett veralgte Flasche würde kein Licht mehr abgeben

Bluestone
31
26.8.2011, 06:29

Wissen Sie, wie es funktioniert?

Im Standard sind wissenschaftlich-technische Artikel immer sehr mit Vorsicht zu genießen.

Frau Techne
00
31.8.2011, 19:51
Lesen hilft.

Craig Christ
02
26.8.2011, 10:01

Ich schaetze gleich wie bei uns in den Aquarien: Stehen sie im direkten Sonnenlich wachsen vermehrt Algen. Damit das nicht passiert stellt man das Aquarium irgendwohin wo keine direkte Sonneneinstrahlung vorhanden ist. Bei diesen "Leuchten" ist die Sonne aber wichtig, deshalb gibt man Chlor oder was aehnliches rein, damit keine Algen wachsen.

Bluestone
31
26.8.2011, 20:49

Ein wissender Poster hat den Hinweis mit der Schusterkugel gegeben.
Das Wichtige scheint aber das Filtern der aufheizenden IR-Strahlung zu sein, um kaltes Licht zu bekommen. Sonst hätte es ein Streukörper in Form eines Stücks zerkratzen Fensterglases auch getan-aber eine lichtverstärkende Wirkung durch optische Aufheller (phosphoriszierender Effekt) scheint aber-entgegen meiner Annahme nicht notwendig zu sein.

peregrines
16
26.8.2011, 09:36

... und manche leser kapieren einfach gar nix ;)

sonnenlicht-->flasche/wasser-->streuung-->beleuchtung

chlor-->algenhemmer

Bluestone
50
26.8.2011, 20:18

Dann würde es ein Loch mit einer leeren Plastikflasche auch tun, Blitzkapierer!

peregrines
24
27.8.2011, 15:08

ich wollt es ihnen eigentlich nicht sagen, ab nun kann ich mich nicht mehr halten: ich glaub sie sind dumm.

jeffk
00
27.8.2011, 11:41

nein, würde es nicht (lichtbrechung im wasser)
lesen sie doch wenigstens den artikel....

carbonara
01
25.8.2011, 18:32
Das Patent dafür stammt allerdings von den Schildbürgern

...in ihrem Streich "Die Schildbürger bauen ein Rathaus".

Steven Biko
12
25.8.2011, 16:41
Aus eigener Betrachtung......

während eines Urlaubes auf Cebu, während ich in Cebu City, abseits des Vergnügungsviertels ( enormes Prostitutionsproblem, laut Kinderhilfswerk auch vor allem mit Kindern ), hatte ich zum ersten mal richtigen Kontakt zu Armut.
Es war mein erster Urlaub seit Jahren, den ich zum Tauchen nutzen wollte, meine eindrücklichsten Erlebnisse hatte ich jedoch in der Konfrontation mit der Armut dort.
An und für sich bedeutet mir Geld nichts, es reicht zum leben und ab und an einen Urlaub, angesichts dieser Menschen wünschte ich mir jedoch reich zu sein, und den Reichtum dort sinnvoll einsetzen zu können.

Aber leider läßt dies mein Einkommen nicht zu,

SB

Scherberich
 
90
25.8.2011, 15:31
das Problem ist nicht

das die dunkle Wohnungen haben, das Problem ist ihre ARMUT, das verstehen hier wohl einige nicht.

Und diese Plastikflaschen tragen nur dazu bei, vom größeren Problem abzulenken.
"Was, ihr könnt euch keinen Strom für die Zimmerbeleuchtung leisten? Braucht ihr nicht, da gibt es jetzt was viel besseres".

Zinsenfeger
01
30.8.2011, 15:27
gott sei dank, die Welt erklärt

Hände auf den Schoß legen, auf der Couch sitzen bleiben, ja nix tun bis das Problem gelöst ist.

Dürfen arme Menschen etwa nichts unternehmen, was ihren Alltag leichter macht? Der Ablenkungseffekt dürfte wohl eher gering sein, es gibt für diese Menschen sicher noch genügend andere Hürden im Alltag.

Scherberich
 
00
30.8.2011, 21:59
ganz richtig

wir sollten GARNICHTS tun. Die Regierung in diesen Ländern sollte etwas tun, Rohre und Elektroleitungen verlegen, eine anständige Infrastruktur aufbauen.
Geld haben sie genug, es fließen durch die im Exil lebenden Phillipinen abermilliarden Dollar und Euros in dieses Land.

Gabi_001
00
25.8.2011, 16:36
Und die Wurzel des PROBLEMS ist

Überbevölkerung. Hemmungslose Reproduktionsraten bei eingeschränkten Ressourcen kann nicht funktionieren.

Schon mal DARÜBER nachgedacht?

Rush
00

können sie das mit den eingeschränkten ressourcen auch mit einer wissenschaftlichen quelle irgendwie belegen?

oder haben sie das ergoogelt und brav auswendig gelernt?

das man malthus, diesen alten sack, auch immer wieder hervorholt...

eze eze
 
01
30.8.2011, 22:49

http://www.google.de/publicdat... l=de&dl=de

Also als "hemmungslos" würd ich die Reproduktionsrate nicht gerade bezeichnen, in etwa so wie bei uns in den 50ern. Und wenn die modernen Industriestaaten weniger auf Kosten der anderen Erdteile leben würden, wäre genug für alle da.

Scherberich
 
21
26.8.2011, 09:23
das ist unsinn

tut mir leid wenn ich das so sagen muss. Der Malthusianismus wird von Zeit zu Zeit wieder aufgewärmt von bürgerlichen Ideologen, aber wirkliche Argumente (und nicht Hausfrauenlogik) bleiben außen vor.

Wir sind sehr weit entfernt von den Grenzen der Tragfähigkeit unserer Erde. Selbst mit unserer konventionellen Landwirtschaft haben wir noch viel Bewegungsspielraum, und falls wir uns entscheiden sollten, neue Wege in der Nahrungsmittelproduktion zu gehen, wird die menschliche Bevölkerung der Erde noch um 1 bis 2 Größenordungen wachsen können.
Und das ist eine GUTE Sache.

Herbert Prikopa1
03
25.8.2011, 17:29

und noch was zum nachdenken, von einem gewissen Herrn Mohandas Karamchand Gandhi: "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier."

chg4711
253
25.8.2011, 10:47
Ist dort das Fenster noch nicht erfunden ?

Kann mir auch ein Stück Plexiglas als Dachluke vorstellen ?
Der Artikel hat mir den Sinn dieser Konstruktion nicht verständlich gemacht.

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