Ingrid Thurnher trug diesmal eine andere Bluse. Aber sonst?
War das jetzt eine Wiederholungssendung? Nein, kann nicht sein. Ingrid Thurnher trug diesmal eine andere Bluse. Aber sonst? Das ORF- Sommergespräch vom Dienstagabend mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hörte sich an wie ein alter Schlager. Man kennt den Refrain, kann den Text schon auswendig mitsingen und kippt nach ein paar Takten weg.
ORF-Sommergespräche mit Strache: Das ist wie Aufzieh-Fernsehen. Ständig die gleichen Fragen, ständig die gleiche Leier, ständig ein hyperventilierender blauer Chef, der widerspruchslos seine Stehsätze absondern darf. Moderatorin Thurnher (warum immer und immer wieder sie?) spaziert mit Strache plaudernd durch seichte Gewässer, so gerät er nie in Gefahr, mal wirklich argumentativ nach Luft schnappen zu müssen. Und was veröffentlichte der ORF als Headline dieses Gesprächs? Strache habe dem erstinstanzlich verurteilten Uwe Scheuch den Rücken gestärkt. Na bumm. Nächstes Highlight: Strache sei "gegen Ausländer, die nicht arbeiten und sich nicht integrieren wollen". Auch nicht gerade neu.
Diese ORF-Sommergespräche bräuchten wirklich und dringend eine Generalüberholung, einen neuen Zugang und Frische. Einen Beleuchtungswechsel, wie es der Wiener Philosoph Robert Pfaller an anderer Stelle formuliert hatte. Für Smalltalk und Gemütsgespräche - wie aktuell über die "Opferrolle" Straches - hat der ORF ohnehin ein anderes Format: Die Barbara Karlich Show. (Walter Müller, DER STANDARD; Printausgabe, 25.8.2011)