Young Directors Project

Festspiel-Award für "Symphony of a Missing Room"

24. August 2011, 15:34

10.000 Euro Preisgeld an Regisseure Christer Lundahl und Martina Seitl

Salzburg - Die Sieger des "Young Directors Project" 2011 der Salzburger Festspiele heißen Christer Lundahl und Martina Seitl. Die Regisseure setzten sich gegen vier weitere Theatergruppen durch und bekommen den von Montblanc gestifteten Young Directors Award für ihre Inszenierung "Symphony of a Missing Room". Diese Auszeichnung ist mit 10.000 Euro und einem exklusiven Max-Reinhardt-Füllfederhalter dotiert.

Die Jury, bestehend aus den Schauspielern Klaus Maria Brandauer und Birgit Minichmayr, dem Galeristen Thaddäus Ropac, der Kulturjournalistin Andrea Schurian und Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, begründete ihre Entscheidung mit der "hohen Qualität der Gedanken und Konzeption. (...) Die poetische Führung und Verführung in Fantasiewelten und eigene Innenräume wird zum Gesamterlebnis."

Lundahl und Seitl haben in ihrer Performance die Zuschauer in kleine Gruppen geteilt und durch das Museum der Moderne geführt. Dabei suggerieren via Kopfhörer eingespielte Sounds endlose Hallen, Grotten, Heizräume oder stark frequentierte Foyers. Menschen laufen und stampfen und erzeugen Geräusche und vermitteln den Eindruck von Ereignissen, die optisch nicht stattfinden. Dann gibt es weiße Augenbinden, der Fokus des Sinnlichen wird auf die Berührung fremder Hände gelenkt.

Die Stimme im Ohr malt Bilder und konfrontiert mit dem eigenen Innenleben - Christer Lundhal und Martina Seitl haben nicht eigentlich Theater gemacht, sondern eine Art Meditationsanleitung gegeben und Selbsterfahrung theatralisch inszeniert.

Konfliktfrei lief die Kür zum Sieger des "Young Directors"-Awards 2011 aber keineswegs. Für Diskussionen hat besonders der Umgang der Jury-Mitglieder Brandauer und Rabl-Stadler mit zwei der fünf Produktionen gesorgt. Beide Juroren waren vorzeitig gegangen, Rabl-Stadler soll sich sogar lautstark und abwertend geäußert haben. Thomas Oberender, Schauspielchef der Festspiele und inhaltlich für das YDP letztverantwortlich, sagte, er verstehe, dass diese Vorgangsweise für die Künstler kränkend gewesen sei. Aber: "Auch das Verlassen einer Vorstellung ist eine Art von Bewertung." Der Wettbewerb sei also regulär. (APA)

Thomas Rothschild
 
01
24.8.2011, 17:35
Wenn die Mehdorns Juroren werden

Auch das Bewerten einer Vorstellung, die man nicht bis zum Ende gesehen hat, ist eine Bewertung. Wenn nicht über die Darbietungen, für die die Flüchtlinge dann doch einen Preis zu vergeben hatten, dann für deren Auswahl. So oder so: mehr als eine Taktlosigkeit den Künstlern gegenüber, nämlich ein Offenbarungseid. Entweder der Schauspielchef Thomas Oberender ist inkompetent, oder die Juroren sind es. Tertium non datur. Oder doch? Nicht entweder-oder, sondern sowohl-als auch?

Schicke Schickse
01
24.8.2011, 18:49
juroren sollten schon alle aufführungen in ihrer gesamtheit gesehen haben.

"normale" zuschauer dürfen natürlich früher gehen, aber juroren nicht. das ist unprofessionell.
auch von den jurymitgliedern bei filmfestivals wird erwartet und vorausgesetzt, dass sie sämtliche wettbewerbsfilme zur gänze gesehen haben, auch jene, die keinen preis erhalten.
das gilt auch für seriöse rezensenten, von musik über theater bis zur kulinarik.

Thomas Rothschild
 
00
24.8.2011, 19:16
Richtig

Einverstanden. Soll das ein Einspruch gegen meinen Beitrag sein?

Schicke Schickse
00
25.8.2011, 01:44
nein, kein einspruch.

ich beziehe mich auf das "entweder... oder..." bzw. das "tertium non datur". ich halte das verhalten der juroren für inakzeptabel. mit oberender hat das nichts zu tun. selbst wenn die auswahl der teilnehmer am ydp total mies gewesen wäre: die juroren müssen sich schon alles anschauen, was sie zu beurteilen haben.
interessant wäre, was diese juroren sagen würden, wenn sich ein rezensent so gegenüber aufführungen verhielte, die sie vorschlagen bzw. in denen sie mitwirken.

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