Mode als Chance für psychisch Kranke

  • Die Sackerl designen die KlientInnen selbst.
    foto: derstandard.at/blei

    Die Sackerl designen die KlientInnen selbst.

  • Das LOK Couture auf der Mariahilfer Straße ist kein normales Second-Hand-Geschäft.
    foto: derstandard.at/blei

    Das LOK Couture auf der Mariahilfer Straße ist kein normales Second-Hand-Geschäft.

  • Die meiste Kleidung wird gespendet ...
    foto: lok

    Die meiste Kleidung wird gespendet ...

  • ... aber die MitarbeiterInnen stellen auch Taschen her.
    foto: derstandard.at/blei

    ... aber die MitarbeiterInnen stellen auch Taschen her.

  • Stammkunden wissen über das besondere Geschäft Bescheid - bei allen anderen wird Aufklärungsarbeit geleistet.
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    Stammkunden wissen über das besondere Geschäft Bescheid - bei allen anderen wird Aufklärungsarbeit geleistet.

Der Second-Hand-Laden LOK Couture hilft Menschen mit psychischen Erkrankungen zurück in ein strukturiertes Leben

"A, B, F, J, Z, G" - drei Männer und eine Frau reden wild durcheinander und doch klingt es wie aus einem Mund, als sie das Alphabet kreuz und quer aufsagen. Sie sitzen in der Ecke des Geschäftslokals und es sieht so aus, als würden sie sich gut unterhalten. Als die Tür aufgeht und ein potentieller Kunde den Raum betritt, schalten die Vier aber sofort um - jetzt heißt es professionell sein. Mit einem "There is the men's fashion", führt einer von ihnen den Mann sofort in die Herrenabteilung.

Auch im LOK Couture auf der Mariahilfer Straße im 15. Wiener Gemeindebezirk sind manchmal Fremdsprachenkenntnisse gefragt. Das Geschäft bietet Second-Hand-Mode, wie man sie oft in Wien findet und doch ist es kein durchschnittlicher Laden. Im LOK Couture arbeiten Menschen mit psychischen Erkrankungen oder intellektuellen Behinderungen. Der Trägerverein Leben ohne Krankenhaus (LOK), der das Beschäftigungsprojekt betreut, begann sich vor über zwanzig Jahren mit dem Thema Integration und Inklusion von psychisch erkrankten Menschen in der Gesellschaft zu beschäftigen.

Gegen den "Drehtüreffekt"

Die Gründer der Organisation waren selbst lange Jahre auf Psychiatrien tätig und erkannten bald, dass immer wieder die gleichen Menschen in den Krankenhäusern landen. "Drehtüreffekt", nennt das Julia Hickel, eine Leiterin der Beschäftigungstherapie von LOK. Nach der stationären Betreuung werden die PatientInnen in ambulante Behandlung gegeben und schließlich ohne Hilfe wieder ins Leben geschickt. Durch eine Krise kommen sie dann wieder zurück auf die psychiatrischen Stationen und der Kreislauf beginnt von vorne.

Wie viele Menschen durch das LOK Couture oder andere Beschäftigungstherapien aus diesem Kreis ausbrechen können, weiß Hickel nicht. Sie ist sich aber sicher, dass durch das "gesamte Paket" aus betreutem Wohnen, Beschäftigung und therapeutischer Unterstützung viele KlientInnen "in Krisensituationen ambulant begleitet werden können und nicht gleich wieder ins Krankenhaus müssen". Dass eine große Zahl psychisch kranker Menschen den Wunsch nach einem geregelten Tagesablauf haben, zeigt die Warteliste der Beschäftigungsprojekte: rund 135 Personen würden sich derzeit darauf befinden.

Orientierung an den KlientInnen

30 Personen haben es ins LOK Couture geschafft. Sie dürfen gemeinsam mit BetreuerInnen zwischen zwei- und fünfmal wöchentlich in das Geschäft und sich ein "Taschengeld" dazu verdienen. Da die Organisation und der Laden vom Fonds Soziales Wien und öffentlichen Geldern gefördert werde, würde der Nettogewinn 1:1 an die betreuten MitarbeiterInnen weitergegeben werden. Die unregelmäßigen Arbeitszeiten würden laut Hickel daher kommen, "da viele Menschen es nicht schaffen, jeden Tag aus der Wohnung zu gehen." Man versuche sich eben, so gut es geht, an den Bedürfnissen der KlientInnen zu orientieren. 

Zwei Gruppen arbeiten täglich jeweils fünf Stunden in dem Geschäft. "In der Früh bekommen die Leute etwa eine halbe Stunde, damit sie sich akklimatisieren und dann geht es schon an die Diensteinteilung", erklärt Betreuer Hubert Haslwanter. Dabei gäbe es verschiedene Aufgaben zu vergeben: Kundenbetreuung, Buchhaltung oder Sonderdienste. Unter letzteres fällt etwa das Abholen von Kleiderspenden oder die Tätigung von Einkäufen. Das meiste, das das Team von LOK Couture verkauft, wird von Privatpersonen zur Verfügung gestellt. "Dabei handelt es sich, ganz grob geschätzt, um einen Sack Kleidung pro Woche", sagt die Soziologin Christina Kolland, die ebenfalls als Betreuerin bei LOK tätig ist.

Spenden sortieren, waschen und mit Preis versehen

Wenn solch eine Spende eintrifft, wird sie in einem Gang hinter dem Verkaufsraum sortiert. "Dinge, die wir nicht mehr verkaufen können, geben wir dann an Einrichtungen wie die Caritas weiter", sagt Kolland. Sachen, die man gebrauchen kann, werden anschließend "gewaschen, gebügelt und angepreist". Das würden immer zwei KlientInnen mit einem/r BetreuerIn machen. "Dabei geht es zu, wie auf einem umgekehrten Basar", sagt Haslwanter: "Drei Euro für das T-Shirt? Ist doch viel zu wenig! Machen wir fünf, nein acht Euro draus!"

Mehr als zwanzig Euro für Markenjacken würde aber kein Kleidungsstück im Laden kosten. Manche Sachen fertigen aber auch die MitarbeiterInnen mit den KlientInnen selbst. Wenn Zeit ist, werden alte Hosen oder Jacken zu kleinen Taschen umgenäht. Auch die können käuflich erworben werden. "Meistens ist aber zu viel zu tun und wir können uns solche netten Auszeiten nicht leisten", sagt Haslwanter.

Aufklärungsarbeit

Doch nicht nur die Verkaufstätigkeit ist der Sinn des Geschäfts, sondern auch Integration in die und Aufklärungsarbeit gegenüber der Gesellschaft. "Eine Besonderheit dieses Projektes ist, dass die KlientInnen in der Öffentlichkeit stehen und nicht in einer Werkstatt in einem geschützten Bereich arbeiten", sagt Hickel. Man wolle Berührungsängste zwischen der Gesellschaft und psychisch kranken Menschen abbauen. Zwar würden laut Kolland viele Stammkunden wissen, welche VerkäuferInnen sie im Laden erwarten, aber eben nicht alle: "Viele Menschen schauen sich erst einmal um, aber meistens siegt die Neugier und sie fragen dann, was wir hier machen."

Die meisten KlientInnen können, so lange sie wollen, im Geschäft arbeiten. Aber ein kleiner Prozentsatz schafft es durch das LOK Couture und andere Beschäftigungsprojekte auch auf den "ersten Arbeitsmarkt", sagt Hickel. Und somit zurück ins Leben. (Bianca Blei, derStandard.at, 24.8.2011)

LOK Couture:

Öffnungszeiten: Mo-Fr 9:00-18:00 Uhr

1150 Wien, Mariahilferstrasse 187
Tel.: 01/60 141 - 625
Fax: 01/60 141 - 649

Link:

LOK-Homepage

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Wenn der erste arbeitsmarkt -

"das leben" sein soll, was sind dann der "letzte arbeitsmarkt" u. erwerbslose arbeit, ehrenamtliche tätigkeit, ruhestand, rekonvaleszenz...?
Etwa der Tod??

Das leben macht arbeit und arbeit ist nicht das leben!!

eigentlich ist der Artikel gar nicht mal so schlecht,-...

von einem poetischen Standpunkt aus betrachtet. X-D

"In den ersten Arbeitsmarkt" schaffen = "Zurück ins Leben"??

Also der Standard schafft es auch immer wieder - to blow it (mess up). Es klingt alles wie eine religiöse Beschwörung. Schrecklich.

Aber vielleicht soll ja "das echte Leben" gar keinen Spaß machen: hart, stressig, Akkordbetrieb, schlechte Bezahlung, lange Dienste, kurzes Diesseits, keine Erfüllung, sondern Entfremdung, keine Selbstbestimmung, sondern Ausführung, und das alles pünktlich bitte.

So geht es zumindestens den Unqualifizierten.

(Und nie wieder, NIE WIEDER möcherte ich derart
"in der Öffentlichkeit stehen".)

echtes leben heißt:

selbstbestimmt sein leben gestalten und selbst für seinen lebensunterhalt sorgen zu können. insofern sind hier ideologische klagen über die bösheit des erwerbslebens an sich ein bisserl fehl am platz.

was glauben sie, wie viel "spaß" es macht, wenn man aufgrund einer psychischen krankheit ausserstande ist, *irgendeiner* sinnvollen tätigkeit nachzugehen?

ganz abgesehen davon, dass ihr bild vom "ersten arbeitsmarkt" ein maximal überzeichnetes ist, wie es wohl nur jemand entwickeln kann, der das erwerbsleben aus der perspektive eines boboesken studenten aus gutsituiertem hause betrachtet...

Mist! Da stieß mir doch glatt die Galle hoch...

...und schon hat jemand bereits das kritisiert, was mir auch auf der Zunge lag. "Über die Arbeit zurück ins Leben" - davor is mensch wohl tot, wa?
Mensch, mensch, is ja ein Ding!

Und ich dacht, die Ö3-Fraktion lebt immer nur von Wochenende zu Wochende?
Montag: Ach, verdammt: WE vorbei!
Dienstag: naja, die Woche hat halt angerfangen, gö?
Mittwoch: die Hälfte der Woche ist schon geschafft!!
Donnerstag: Bald schon ist das Wochenende!!!
Freitag: Juhu, letzter Tag! Ab ins Wochenende!!!!!

Ich möcht nicht damit sagen, dass psychisch-kranke Menschen "Owezahrer" oder "Verweigerer" sind, aber mensch erlaube mir die Frage, wo der Wahnsinn denn im Grunde liegt.

auf der margaretenstraße gibt es das LOK-blumengeschäft "unverbümt" -

kann ich nur empfehlen, die machen richtig hübsche straüße, die qualität stimmt und den preis zahl ich gerne.

psychisch kranke SIND NICHT GLEICH intellektuel behinderte!

Und man kann sie, ähnlich wie intellektuell Behinderte, nicht alle in einen Topf werfen.

"Psychisch Kranke" sind häufig z.b. in kreativen oder mathematischen Berufen tätig, manche sind sogar prominent. In den Medien aber kommen diese nicht so häufig vor. Eine manische Depression ist auch eine psychische Krankheit, auch das Borderline-Syndrom; und die verschiedenen Formen der Schizophrenie sind wie Äpfel und Birnen. Auch das Asperger-Syndrom gehört, der medizinischen Einteilung nach, zu so einer Gruppe.

Meist kommen, so meine Vermutung, neben dem einen oder anderen Gewalttäter nur bildungsferne Patienten in den Medien vor, die von der Psychiatrie (vom Staat eigentlich) bislang im Stich gelassen wurden.

Vier "dürfen sich" im Geschäft ein "Taschengeld" dazuverdienen,

die dazugehörigen vermutlich voll bezahlten "BetreuerInnen" sitzen währenddessen wahrscheinlich im Büro und schreiben genaueste Berichte über ihre Zöglinge, um ihre so wichtige Präsens zu rechtfertigen, kennen wir das nicht alle vom AMS und seinen Zwangsbetrieben?

Das Wichtigste scheint dabei doch immer zu sein, "Problemfälle" temporär von einem Förderungstopf in einen anderen umzupflanzen, um die finanzielle Last auf alle zu verteilen, und das Ganze dann auch noch als soziale Errungenschaft zu bewerben: der "kleine Prozentsatz", der es "zurück ins Leben schafft"...

also mir stößt das ganz schön bitter auf

Haben Sie schon einmal mit Menschen, die hin und wieder labile psychische Phasen durchmachen, gearbeitet?

Ihre zynische Sicht ist in diesem FAll komplett deplaziert. LOK gibt vielen psychisch Erkrankten eine Stütze, einen Tagesablauf, der für sie oft lebensrettend ist. Hut ab vor LOK und weiter so. Es gibt auch Restaurants und viele mehr derartige Einrichtungen, um den Erkrankten je nach Interesse und Fähigkeiten eine Vielzahl an Möglichkeiten offen zu lassen.

Der Traum von der totalen Gesundheit -

was immer das auch bedeuten soll, dieser traum kann als alptraum enden!

sorry, das letzte post

gilt deinem vorposter

Ja, in manch Online-Forum.

- Sie nicht? Sie v.a. als Heimhilfe, wenn mich nicht alles täuscht, oder Sie sind dorthin befreundet. Übrigens ein ganz vernünftiges Posting. Wundert mich ein bißchen, da haben Sie ganz andere Sachen gepostet, ich erinnere mich (z.b.) an bestimmte zum Thema Schizophrenie.

Ich mag keine Einrichtungen.

sind Sie FraKraWa?

??

=eine Abkürzung für 'Frater Krawall' vielleicht?
Im übrigen habe ich Ihnen eh grün gegeben, warum die ganze Aufregung?

Dass Sie nicht einmal vernünftig und mit einer Stellungnahme antworten können!

Online foren... Wie lustig.

mindest-invaliditätspensionisten

dürfen sich gar nichts dazuverdienen, es wird ihnen wieder abgezogen von der ausgleichszulage und der wohnbeihilfe.

Nicht werben, mein Geheimtipp :D

Also ich schwanke da zwischen "Sozialzoo, Freakshow" und "gutes Projekt"...

der Nettogewinn 1:1 an die betreuten MitarbeiterInnen weitergegeben

Das klingt schon gaaaanz anders,
als die sogenannten Sozialbetriebe, welche nur geförderte Zwangsarbeiter als Gratissklaven einsteleln - wie es bei allen AMS-geförderten Gaunereien der Fall ist.

stimmt ja nicht

es kommt darauf an womit der klient versorgt ist. ist es die mindestpension inkl ausgleichszulage, wird ihm das taschengeld wieder abgezogen.

diese soztialbetriebe betreiben ausbeuterei und nützen nur den sozialarbeitern.

Komme darauf noch zurück.

wann kommen sie endlich darauf zurück, ich

warte schon seit tagen ?

Wenn Sie das Glück in den Augen jener Erkrankten sehen,

Die stolz berichten, dass sie arbeiten gehen, würde Ihnen eine derartige zynische Meldung nicht passieren.

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