"Memento mori" am Straßenrand

24. August 2011, 16:24

"Ghostbikes" heißen die Manhmale für im Straßenverkehr getötete Radfaher. Seit 2003 ist ihre Zahl auf über 150 auf der ganzen Welt angestiegen

Natürlich wäre es Alec Hager lieber, es gäbe die weißen Räder nicht. Auch, weil er dann nie gefragt würde, wieso nirgendwo in Wien vom Sattel bis zur Kette weiß angemalte Räder zu finden sind: Was Städtereisende oft für Kunst im öffenlichen Raum halten, erklärt der Kopf der "IG Fahrrad", ist in Wirklichkeit nämlich etwas anderes: Die Räder sind Mahnmale. Für im Straßenverkehr getötete Radfahrer.

"Ghostbikes" heißen sie. Das erste wurde im Jahr 2003 in St. Louis, Missouri, aufgestellt. Mittlerweile gibt es sie an mehr als 150 Orten auf der ganzen Welt, heißt es auf ghostbikes.org.

Auch Wien steht auf dieser Liste. Zuletzt tauchten hier im Februar 2009 Ghostbikes auf: Nach einem Unfall wurden - auch als Erinnerung an früherer Tote - acht weiße Räder aufgestellt. Nicht bei Nacht und Nebel: Magistrat und Bezirke waren informiert.

Doch Wien ist Wien: Einzig jenes Rad, das in der Behördenliste vergessen worden war, wurde nicht sofort amtlich entfernt. "Gespräche mit dem damaligen Stadtrat Rudolf Schicker verliefen ergebnislos", erinnert sich Hager. Aber "heute ist das eine andere Situation".

Hager hofft, die Ghostbikes-Debatte noch lange theoretisch führen zu können. Dennoch beobachtet er den Umgang mit Geistern anderswo: New Yorks Verwaltung etwa hörte der Rad-Community zu - und definiert weiße Bikes seither nicht automatisch als zu entsorgende Wracks. Aus Respekt vor der Trauer der Angehörigen - und als Beitrag zur Verkehrssicherheit: Das weiße Rad am Straßenrand ist ein "Memento mori" - wenn man weiß, wofür es steht. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/19.08.2011)

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20 Postings
Transparentvorschlag bei den Motorradstrecken des Landes:

Wir danken den Organspendern!

Beileid für die 66-jährige Radlerin, aber es trifft auch junge

Als trauriges BSP. zwei Australierinnen, die wegen ihrer großen Passion ihr Leben auf Europas Straßen ließen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Amy_Gillett

http://de.wikipedia.org/wiki/Carly_Hibberd

es trifft auch männer

oder sind das keine menschen ?

Das sollte sich ein Bürgermeister am Land wagen, ein Marterl wegräumen, oder ein Holzkreuz, wo sich der Karli mit´n Moped derstessen hat.

Aber Wien ist da anders....

In Wien herrscht ja auch noch Zucht und Ordnung!!!

wo versteckt sich der unterschied? da karli hat sich ned mitten auf der mariahilferstraße (z.b.) dastessn und das holzkreuz hat nicht die ausmaße eines fahrrads auf einem vielgenutzten gehsteig.

Man könnte die Ghostbikes doch auf den Fahrradweg stellen ;-)

Ich hoffe ...

Sie sind nicht so ärmlich
wie seelisch erbärmlich !

Ein originelles Outing als Vollkoffer, gute Arbeit.

nana

von ghost gibts ausgezeichnete bikes!

hier die richtige adresse

http://ghostbikes.org

eine gute und leider notwendige aktion!

war selbst als 12jähriger opfer eines radunfalls, durch einen unvorsichtigen führerscheinneuling... gottseidank keine bleibenden schäden, nur eine grosse narbe...
der strassenverkehr in wien ist mir inzwischen zu brutal zum radfahren - und die u-bahn bringt mich auch direkt von zuhause ins büro...

ich verstehe den aktionismus

aber bin eher dafür dass die radwege endlich verbessert werden (in jeder stadt).

Klassische Radwege _sind_ die Gefahr.

http://www.bikexprt.com/bikepol/f... dfc173.htm

Aber "verbessert" im Sinne von nicht-klassisch-österreichisch/wienerische Radwege? Das wäre doch was, oder?

Vorsicht, Contradictio-in-adjectio-Gefahr!

hat sich angeboten

radfahrer kennen diese marke.

scnr

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