Der große Plan

Hurra, wir tilgen schon

24. August 2011, 14:02

Geht es nach den Ideen eines deutschen Soziologen, sind die Schuldenberge der Staaten mit Hilfe der Vermögenden in Windeseile abgetragen

Alexander Dill ist ein Mann mit einer Mission. Dem Deutschen mit Schweizer Arbeitsstätte sind die Schuldenberge der Staaten ein Dorn im Auge. Unglücklich ist er aber auch mit den Rezepten, mit denen die Gesundung der staatlichen Haushalte nach Meinung führender Ökonomen bewerkstelligt werden soll.

Und so hat Alexander Dill auch einen Plan ausgeheckt. Der Soziologe, Philosoph und Chef des alternativen Basler Instituts für Gemeingüter und Wirtschaftsforschung "arbeitet" derzeit an einer Entschuldung der Bundesrepublik Deutschland. Sein Vorschlag, wie sich Deutschland mit einem Schlag seines Billionen-Euro-Problems entledigen könnte und den Euro damit gleich mitretten würde, sieht eine radikale Soforttilgung vor. Und zwar über eine Vermögensabgabe. Allein die "Abschöpfung" der Vermögenszuwächse der letzten zehn Jahre würde ausreichen, um die Staaten zu entschulden, ist Dill felsenfest überzeugt. Auf weniger Begeisterung stößt er mit seiner Radikalkur im Wirtschaftseck: "Die Ökonomen behaupten ja, dass eine Vermögensabgabe die Wirtschaft tötet."

Hauptlast für Vermögende

Für Deutschland sieht Dills Modell jedenfalls Folgendes vor: Weil das private Nettovermögen der Deutschen nach Dills Berechnungen bei 8,2 Billionen Euro liegt, kämen 1,7 Billionen Euro durch eine Abgabe in Höhe von gut 20 Prozent zusammen. Diese müsste auf jeglichen Besitz erhoben werden - vom Festgeldkonto über das Aktiendepot bis zur Immobilie. Weil den reichsten zehn Prozent der Deutschen gut 60 Prozent des gesamten Vermögens gehören, würden sie die Hauptlast schultern. Bund, Länder und Gemeinden würden mehr als 60 Milliarden Euro pro Jahr an Zinszahlungen sparen. In der Folge könnten die Steuern und Sozialabgaben drastisch sinken. Die Vermögenden würden im Gegenzug von sinkenden Zinslasten und den so geschaffenen Möglichkeiten zu Steuersenkungen und Investitionen entschädigt werden. Und außerdem: "Aktienbesitzer erleben es ja auch, dass ihre Aktie um 20 Prozent sinkt. Nichts anderes geschieht bei der Tilgung der europäischen Staatsschulden."

Angst um die Wählerstimmen

Eine Idee, die durchaus auch in der Alpenrepublik funktionieren könnte, findet Dill. "Es wäre ein unbedingtes Ziel, dass das in Österreich auch geschieht." Selbst wenn die Republik momentan niedrige Zinsen zahlt, belastet eine Schuldenquote von etwa 75 Prozent in den nächsten Jahren das Budget mit rund neun Milliarden Euro an Zinslast per annum. Die rot-weiß-roten Schulden (rund 212 Milliarden Euro, davon entfallen 179 Milliarden auf den Bund, der Rest auf Länder, Gemeinden und Sozialversicherungsträger) könnten in nicht mehr als zehn Jahren zur Gänze zurückgezahlt werden, so der Mann. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei rund 22.000 Euro. Das Privatvermögen bei etwa 101.010 Euro. Das Privatvermögen sei hierzulande von 2000 bis 2010 um 42,75 Prozent gestiegen. Dill ortet - wenn auch verhaltenes - alpenländisches Interesse an seinen Ideen. "Mich haben schon einige Leute aus Österreich angerufen. Allerdings gibt es auch maßgebliche Kreise, die die Diskussion verhindern wollen. Vor allem in der SPÖ, denn dort hat man Angst, Wählerstimmen zu verlieren."

Beitrag geleistet

Alexander Dill hat übrigens seinen Teil zum Abbau des deutschen Schuldenbergs bereits geleistet. Am Schalter der Sparkasse Landsberg-Diessen. Die erste Rate zur Tilgung der deutschen Staatsschulden hat er auf das Konto 860 010 30 der Deutschen Bundeskasse in Halle an der Saale, BLZ 860 000 00, eingezahlt. (siehe: An der Tilgungsfront). Das Tilgungskonto ist ein Sonderkonto in der Bundeskasse der deutschen Regierung. "Für die erste Zahlung über 15.000 Euro gab es eine Bestätigung der Bundeskasse. Die versichern uns, dass diese Gelder unmittelbar in den so genannten Schuldenhaushalt eingestellt werden." Die Debatte gestalte sich bei den Nachbarn allerdings etwas zäh, "weil die deutsche Regierung ebenso wie die österreichische auf dem Standpunkt steht, dass schon eine Reduzierung der Neuverschuldung eine Tilgung sei. Die Gelder, die wir einzahlen, vermindern natürlich die Neukreditaufnahme. Aber in Deutschland weigert man sich überhaupt, unsere Zahlung in den Berichten mitaufzunehmen. Das schwimmt jetzt gewissermaßen unbilanziert herum und ist ein Politikum." (Regina Bruckner, derStandard.at, 24.8.2011)

Kommentar posten
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Günther Hoppenberger
21
25.8.2011, 19:31

Herr Dill ist ein ehrenwerter Bürger und frohen Mutes. Wie wird er sich aber vorkommen, wenn sein Modell tatsächlich aufgegriffen würde: Wenn alles Geld, das es gibt, für die "Schuldentilgung" zur Verfügung gestellt wird, bleibt nämlich immer noch ein erklecklicher Schuldenberg über - es gäbe aber gar kein Geld mehr. Was dann?

Warum das so ist und ob das denn so sein muss, sollte uns beschäftigen.

Geld funktioniert anders! Es kommt darauf an, wie es geschaffen wird. Im jetzigen System können volkswirtschaftliche Schulden immer nur übertragen, aber niemals getilgt werden.

Ceterum censeo: Ein Staat darf sich nicht verschulden müssen!

sternwerk
00
15.9.2011, 12:19

Die Geldmenge entspricht automatisch genau der Schuldenmenge, zumindest nach der mE sehr vielversprechenden Theorie der Eigentumsökonomik

Günther Hoppenberger
00
15.9.2011, 12:50
Da haben Sie völlig Recht, dass Schulden und Guthaben immer gleich hoch sein müssen, aber.....

zur Schuldentilgung ist einzig und allein das offizielle Schuldentilgungsmittel (staatliches Geld) anerkannt. In der Hauptsache verwenden wir jedoch Bankengeld (= Forderungen auf Geld) und die würden in hohem Ausmaß bestehen bleiben, wenn bereits alles offizielle Geld bei der Schuldentilgung vernichtet wurde. Genau darum geht es bei den "Rettungsschirmen", durch fortlaufend höhere Staatsverschuldung offizielles Schuldentilgungsmittel zu schaffen. Global gesehen sind die Schulden der Staaten die Guthaben der Privaten.
Man kann es auch anders betrachten: Die akkumulierten Zinsen wurden ja nie erschaffen und können damit auch nicht getilgt werden. Sie bleiben als Forderung auf Geld übrig und entsprechen der untilgbaren Restschuld.

wurm83
 
00
29.8.2011, 12:11
hmm

wem schenke ich als unwissender wohl mehr glauben dir oder dem Soziologe, Philosoph und Chef des alternativen Basler Instituts für Gemeingüter und Wirtschaftsforschung

Günther Hoppenberger
00
29.8.2011, 13:06

Im Zweifelsfall einem "ungekauften" Mathematiker und Systemanalytiker

wurm83
 
00
29.8.2011, 15:47

im zweifelsfall mache ich mir selber ein bild...ich bin ja kein FPÖ wähler :)

ich wollte damit nur sagen, dass ein mann in so einer position mit hoher wahrscheinlichkeit nicht völlig ahnungslos ist...

Günther Hoppenberger
00
29.8.2011, 17:52

Oft gilt: Je höher die Position, desto mehr Mut erfordert es, Erkenntnisse, die nicht dem "mainstream" entsprechen, auszusprechen - zumindest bis zur Pensionierung.

Dr.Lion
04
25.8.2011, 16:20
Der arme Jon Tomes, der 5 Häuser geerbt hat und sich beschwert, daß er eines an Steuer abgeben mußte, ist z.B. so ein SCHWURBLER:

Erstens hat er nix dafür gearbeitet.
Zweitens vergißt er, dass inzwischen die Straßen zu seinen Häusern verbessert worden sind, daß Autobus- und Straßenbahnlinien dorthin betrieben werden, daß inzwischen eine MILLIARDENTEURE U-BAHN in der Nähe vorbeirauscht, daß ein MILLIARDENTEURER AUTOBAHNANSCHLUSS in der Nähe inzwischen ist, alles WERTSTEIGERNDE INVESTITIONEN, auf die er GANZ VERGESSEN hat, und die VON UNS ALLEN BEZAHLT WORDEN SIND UND NICHT VON IHM.

Aber er ist ZU NEIDIG und ZU GIERIG, was als Gegenleistung dafür abzugeben, oder er versteht nix von Wirtschaft und den Mechanismen der Wertsteigerung, oder ist schlicht zu schlicht gestrickt.

Dr.Lion
01
25.8.2011, 15:06
Man sieht deutlich, mit welchen verschwurbelten Argumenten hier in diesem Forum einige offenbar Wohlhabendere operieren.

Man lese sich nur einigermaßen vollständig durch die bisherigen Vorbringungen GEGEN JEDWEDE ÄNDERUNG DES VON UNS ALLEN TÄGLICH ERLEBTEN MISSSTANDES. Was da alles an HINSICHTL- UND RÜCKSICHTL-Argumenten niedergeschrieben wird - trotz der großen Hitze offenbar aus gut klimatisierten Büros - UM JA NICHT DAS KLEINSTE FUZZERL VOM VIELLEICHT GAR NICHT RECHTMÄSSIGEN VERMÖGEN ABGEBEN ZU MÜSSEN - wahrlich eine geistige Pseudoglanzleistung.

Dem Poster, der sagte, er gäbe von seinen 2000 Euro gerne die Hälfte ab, gehört meine Sympathie.
NICHT DEN GIERIGEN, DEN NEIDIGEN, NICHT DEN NICHTDENHALSVOLLKRIEGEN-KÖNNERN.

Der WIRTSCHAFT gehts nämlich erst gut, wenn HOHE MASSENEINKOMMEN KAUFEND AUF DEM MARKT AUFTRETEN, nicht wenn ein paar Gstopfte an ihren fad

Bountyhunter
10
25.8.2011, 16:04
Korrektur

Der Wirtschaft geht es dann gut, wenn es einen Gleichgewicht gibt.

Anbieter=Nachfrager

Heutige Situation:

Viele Anbieter und wenige Nachfrager (wegen der Kaufkraft). Also muss der Staat die Kaufkraft herstellen (durch Konsumausgaben).

Ein weiteres Problem: Die meisten Produzenten sitzen im Ausland. Die Arbeiter (im Ausland) müssen für einen Hungerlohn dort arbeiten, damit wir hier deren Waren abkaufen (was für unsere Produktionsstätten tödlich ist - Arbeitslosigkeit).

Kein Wunder, dass es den Menschen immer schlechter geht. Die Produktion nimmt prozentual zu Konsumenten ab (allerdings gibt es auch einige Nischen).

wurm83
 
00
29.8.2011, 12:16
sooooo ein schwachsinn

welchen menschen geht es denn schlechter ...was vergleichst du?

also vor 30 Jahren ist es den Leuten sicher schlechter gegangen, vor 50 auch davor sowieso...ka woher du deine Infos hast....

aber meine eltern hatten keine 2 fernseher, 2 autos meine mutter kommt vom land und hat als kind das wasser noch vom brunnen geholt...

1 telefon gabs beim wirten, heute hat jeder ein handy, ...

das könnte ich endlos fortsetzen...bitte nenn mir ein paar beispiele was besser war früher..

Milchleber
10
25.8.2011, 14:53

immer wieder verwunderlich wieviel ernstgemeintes über eine Fiktion geschrieben wird :)

Bountyhunter
00
25.8.2011, 15:59
Immer wieder verwunderlich,

dass man Ideen einfach so beiseite wischt.

Bill Gates hat über das Internet ja auch mal was gesagt. Und was wurde aus dem Internet? Eine Eintagsfliege?

:)

randolf
10
25.8.2011, 13:02
Ja ja

So mal rechnen... 14500 - 2900 = 11600 hmmm, noch imme nicht zufrieden stellend, aber der Staat kann gern auch die restlichen 80 % von meinen Schulden haben die ich immer wieder machen muss, weil mein Gehalt so hoch besteuert ist, dass ich nicht weiß wie ich die nächste Rechnung zahlen soll...

Günther Hoppenberger
01
25.8.2011, 13:21

Ja, ja. Zu solchen Verirrungen führt die jahrzentelange Gehirnwäsche bezüglich der Geldmechanismen. Es wird über Schuldentilgung und Sparpakete, über das rechte Ausmaß der Verschuldung, etc. diskutiert. Der Kernpunkt bleibt dadurch ausgeblendet: Da unseer Geld ein Schuldgeld ist, das also nur durch Verschuldung, vorgängig zu irgendeiner daraus hervorgehenden Werteschaffung entsteht, sollte klar sein, dass es ohne Schulden auch kein Geld gäbe. Außerdem betreiben wir unsere Wirtschaft fast ausschließlich mit Buchgeldschöpfungen der Geschäftsbanken. Das sind jedoch alles nur Forderungen auf Geld, auch wenn wir diese wie Geld benützen. Diese Forderungen auf Geld sind niemals zu erfüllen! Ein Staat darf sich erst gar nicht verschulden müssen!

your mother
01
25.8.2011, 12:51
von meinen -2.000 eur auf dem Konto gebe ich nicht nur 20%, sondern auch 100% gern sofort ab.

wurm83
 
00
29.8.2011, 12:18
lesen hilft...

es geht nicht nur um dein geld.... wohnung, auto, sonstiger besitz? 20% von allem!!!

***der schuft***
01
25.8.2011, 12:43
******

na, das kommt nie bei uns - weil, der is ja DEUTSCHER!!!
da mach ma lieber weiter schulden und erlassen den reichen die steuer - wegen den arbeitsplätzen.

bildungsferneschicht
21
25.8.2011, 12:40
schulden sind der schmierstoff,treibstoff und motor unserer gesellschaft.

ohne schulden kein geld.irgendein sektor ist immer überschuldet.entweder staaten,firmen oder private.
sollte wirklich jemand auf die idee eines haircuts kommen,da gibt es auch andere fürsprecher als dieser soziologe,beginnt das spiel eben von vorne.eine nachhaltige,nicht auf wachstum basierende wirtschaft und gesellschaft/geldsystem scheint illusion zu sein.
und nein,es kommt kein crasch,nur eine simple hohe inflation.(der endeffekt bleibt der gleiche)
also vergesst das geschreibsel von diesem soziologen.

your mother
01
25.8.2011, 13:02
Daß Wachstum gelcih bedeutend mit Schulden machen ist, ist schlicht falsch.

Man erkauft sich ja auch nur ein paar Jahre, die dann aber durch die Rückzahlung und Verzinsung anschliessend wieder verschleppt werden.
Darüberhinaus könnte zumindest der Staat Regulatorien haben, die es schlicht verbieten, ausser im Äussersten Notfall, Schulden zu machen.

Günther Hoppenberger
02
25.8.2011, 13:33

Was ist es denn, was wachsen soll? Wachstum ist nun einmal eine Geldgröße. Der Wachstumszwang unter dem wir stehen ist ja eigentlich der Schuldenwachstumszwang, den unser Schuldgeldsystem erpresst. Und freilich entsteht unser Geld nur durch Verschuldung und wird bei Tilgung wieder vernichtet! Was ist das überhaupt für ein Geld, für das sich der Staat verschulden muss? Ist es nicht merkwürdig, dass wir glauben, mit staatlichem Geld zu zahlen, obwohl es sich der Staat selbst über die Geschäftsbanken ausborgen muss? In einem geschlossenen Wirtschaftsraum (=Erde) sind verzinste Geldschulden volkswirtschaftlich niemals tilgbar. Mit diesem Faktum sollten wir uns auseinandersetzen.

your mother
00
25.8.2011, 17:49
"Wachstum ist nun einmal eine Geldgröße"

Dem ist nicht so. Wachstum kann in Geld gemessen werden, ebenso aber in Getreide, Gold oder Fussballfeldern.
Auch ist Wachstum kein Produkt der
Schuld-Geldwirtschaft, sondern wird dadurch nur forciert. Die Schulden zu tilgen trifft vorallem den Finanzsektor selbst, denn dem entgehen dann die Zinszahlungen und Rückzahlungen. Rückzahlungen von Geld, daß sie nie besessen, sondern lediglich über das Verwalten des Besitzes Anderer umgeleitet haben.
Geldschulden sind natürlich tilgbar, denn es gibt idealerweise ein Bevölkerungswachstum und ein Wachstum der Produktion bzw billiger werdende Produktion durch weitere Technisierung und Qualitätssteigerung.
Ausserdem gibt es zusätzlich eine Inflation, weshalb sich die Schulden im Betrag relativieren

Günther Hoppenberger
00
25.8.2011, 18:48

Mit Bevölkerungswachstum und Produktionswachstum entsteht leider kein Geld, um damit die Schulden der Vorperiode inklusive Zinsen tilgen zu können. Von Überschüssen (Gewinnen) ganz zu schweigen. Makroökonomische Schulden können immer nur weiter gereicht werden (weshalb sich alle Länder um Touristen und Auslandsinvestoren bemühen...). Die Inflation hilft die Schuldenlast zu mindern, weshalb sie besonders von "Großanlegern" gefürchtet wird, für die sich der erwartete Zinsgewinn entwertet. Derzeit müssen wir eher Deflation fürchten, bei gleichzeitig exorbitanten Preissteigerungen bei oligopolgesteuerten lebensnotwendigen Gütern.
Ceterum censeo: Ein Staat darf sich nicht verschulden müssen!

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