Bei jeder zweiten Patientin, die eigentlich eine komplette Brustentfernung benötigen würde, kann die Brut erhalten werden
Wien - Eine Chemotherapie vor der Brustoperation erhöht offenbar drastisch die Chancen der Brusterhaltung bei lobulären Mammakarzinomen. Forscher der Medizinischen Universität Wien haben festgestellt, dass auf diese Art bei jeder zweiten Frau die Brust erhalten werden kann, teilte die Med-Uni mit.
"Bisher war man der Ansicht gewesen, dass eine neoadjuvante (vor der Operation, Anm.) Chemotherapie bei lobulärem Mammakarzinom durch die schlechte Ansprechrate des Karzinoms kaum Vorteile bringt, jedoch hat man die Fragestellung der Brusterhaltungsrate bis jetzt nicht genau untersucht", sagte Studienleiter Florian Fitzal von der Universitätsklinik für Chirurgie, der auch im interdisziplinären Brustgesundheitszentrum der MedUni Wien tätig ist.
Brusterhaltung bei jeder zweiten Patientin
"Wir konnten zeigen, dass bei jeder zweiten Frau, die diese Art von Brustkrebs hat und eigentlich eine komplette Brustentfernung benötigen würde, mit Hilfe dieser Therapiestrategie die Brust erhalten werden kann", so der Universitätsprofessor. Die Therapie sorge häufig für eine ausreichende Verkleinerung des Karzinoms, "sodass bei der anschließenden operativen Entfernung die Brust in 48 Prozent der Fälle doch erhalten werden konnte". Die mittelfristige onkologische Sicherheit der Erhaltung sei in diesem Fall ebenfalls gezeigt worden. Der Mediziner: "Nur drei Prozent haben nach fünf Jahren ein Lokalrezidiv, also einen Tumor an selber Stelle, bekommen. Damit sollte man das lobuläre Mammakarzinom nicht a priori von einer neoadjuvanten Chemotherapie ausschließen."
Verbesserung der Lebensqualität
Der Effekt ist eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität der Patientin. Fitzal: "Genau das war und ist unser Ziel. Das wollen wir durch die Kombination der neoadjuvanten Therapie mit den onkoplastischen (brusterhaltende Operationen unter Berücksichtigung ästhetischer Gesichtspunkte, Anm.) Operationsmethoden, wie sie in Wien angeboten werden, erreichen. Wir hoffen, dass eine antihormonelle Therapie vor der Operation noch weitere Verbesserungen bringen wird." Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im amerikanischen Fachmagazin "Annals of Surgical Oncology" veröffentlicht.
Etwa jede fünfte Patientin leidet unter lobulärem Brustkrebs, der zwar weniger aggressiv als das häufigere duktale Karzinom ist, aber lokal betrachtet zumeist mehr verzweigt ist und insgesamt einen größeren Tumordurchmesser hat. Knoten sind erst später tastbar. Die Folge dieser besonderen Art der Ausbreitung ist, dass der Tumor häufig erst entdeckt wird, wenn er sich schon in einem lokal fortgeschrittenen Stadium befindet. (APA)