Neue Studie

Wien: Ausbildungsdefizite bei Jugendlichen

24. August 2011, 11:22

Laut Wifo immer mehr schlecht qualifizierte Jugendliche - Stadt Wien will gegensteuern

Wien hat ein Problem: Die Bundeshauptstadt könnte schon bald deutliche Verluste in Sachen Wettbewerbsfähigkeit in Kauf nehmen müssen. Grund sind Ausbildungsdefizite, vor allem bei den Jugendlichen. Das besagt eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo). Demnach ist die wirtschaftliche Lage zwar stabil, der Anteil der Pflichtschulabgänger, die danach keine Ausbildung machen, aber alarmierend hoch.

Wien hat in Sachen Arbeitskräfte bald keine Standortvorteile mehr: "Es gibt ein Defizit bei den formalen Qualifikationen", sagte Studien-Koordinator Peter Mayerhofer im Gespräch mit Journalisten. Der Anteil jener, die nach der Pflichtschule nicht mehr ausgebildet werden bzw. wurden ("early school leavers"), liegt in Wien bei steigender Tendenz mittlerweile höher als im Durchschnitt der EU-Großstädte und der EU-Regionen insgesamt.

Problem Schulabbrecher

Wobei die Wiener keine Ausbildungsmuffel sind. Jedoch: "Es sind die Ausgebildeten, die sich weiterbilden", so Mayerhofer. Kopfzerbrechen bereiten den Experten hingegen die wachsende Zahl an Schulabgängern ohne weitere Ausbildung, die vielleicht nicht einmal einen Schulabschluss haben - sondern nur die erforderliche Anzahl der Schuljahre.

Dieser Trend sei, so betonte Mayerhofer, vor allem im Hinblick auf den derzeitigen Strukturwandel problematisch. Dienstleistungen bzw. die Bereiche Technologie oder Wissenschaft würden immer wichtiger. Nur 26,5 Prozent der Wiener Erwerbstätigen verfügen aber beispielsweise über einen Hochschulabschluss, der Durchschnitt der insgesamt 65 untersuchten europäischen Großstadtregionen beträgt hier 32,6 Prozent - in Städten wie Brüssel, London oder Paris liegt der Wert jenseits der 40 Prozent.

Einpendler setzen sich durch

Auch Michael Wagner-Pinter vom Forschungsinstitut Synthesis warnte vor der Entwicklung. In Wien, so berichtete er, würden heuer tausende Arbeitsplätze neu dazukommen, etwa in den Bereichen Gesundheit und Pflege oder Information bzw. Kommunikation. Der Großteil davon werde jedoch von Personen aus dem Umland - vor allem aus Niederösterreich - besetzt: "Arbeitsplätze schaffen wir genug, die Wiener können sich aber nicht gegen die Einpendler durchsetzen."

Der Anteil der Wiener Jugendlichen mit "akutem Qualifikationsbedarf" nehme zu, obwohl die Zahl der Jugendlichen insgesamt zurückgehe. Rund 13.000 Mädchen und Burschen hätten in Wien nicht die entsprechenden Voraussetzungen, um sich um die neu geschaffenen Jobs zu bewerben: "Das sind die künftigen Bezieher der bedarfsorientierten Mindestsicherung."

Schlechte Schulausbildung

Die Gründe für die Entwicklung sind laut Wagner-Pinter unter anderem im Schulsystem zu finden. Und sie haben damit zu tun, dass nicht nur Pendler nach Wien kommen. Denn die Stadt wird offenbar auch immer attraktiver für Jugendliche aus anderen Bundesländern, die nicht mehr gern in die Schule gehen und die darum nach Wien übersiedeln, wie Wagner-Pinter berichtete.

SPÖ: Neue Angebote

Die Stadt will nun gegensteuern: Wie Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ) ankündigte, soll ein eigener "Qualifikationsplan" ausgearbeitet werden. Dieser soll unter anderem ein höheres Bewusstsein für das Erlangen von Qualifikationen schaffen. Es sollen aber auch eigene Fortbildungs-Angebote geschaffen werden. Wien will sich laut Brauner vor allem jenen widmen, die keine oder zu niedrige formale Bildungsabschlüsse vorweisen können. Das Nachholen dieser soll erleichtert werden.

Brauner verwies auch auf bestehende Angebote - wie etwa jene des "ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds" oder die Wiener Ausbildungsgarantie, die Jugendlichen einen Lehrabschluss ermögliche. Bekräftigt wurde auch die Forderung nach Einführung der Gesamtschule. (APA)

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24 Postings
ulrike schmid-klampfer
01
29.8.2011, 08:56

darum kürzen wir auch für das kommende schuljahr wieder die stunden in der pflichtschule und hortplätze gibt's nur für VS-kinder! weiter so! was ein sozialer kollaps ist konnten wir ja gerade erst in london wieder miterleben.

sonne-licht
 
03
26.8.2011, 10:44
geldverschwendung der spö

es gilt die sozialpolitik und ihre förderungen zu überdenken

wenn jeder weiss auch ohne leistung bist gut abgesichert durch soziale ewigliche unterstützung, gibt keinen anreiz seine familiensituation über generationen zu verändern

bekenntnis der spö auch leistung einzufordern
ist natürlich uninteressant!

Reg.Rat Borromäus Maschitz
03
26.8.2011, 07:56
hausgemachtes problem!

in wien ist die gesamtschule am weitesten gediehen.

voilá: hier die ersten zu erwartenden resultate!

ABER: ideologische scheuklappen verhindern, dass man auf ein stärker differenziertes schulsystem setzt.
dazu kommt noch ein veritables migrantInnen-problem, aber - ups - das darf man in der heutigen zeit ja nicht mehr schreiben...

sonne-licht
 
04
25.8.2011, 08:51
gründe sozialpolitik

wo nur verwaltet wird ohne wirklich zu helfen und alle veränderungen mit reflexartiger unmöglichkeit zurückgewiesen wird,
entstehen keine motivierten und leistungsbereiten jugendliche

seit jahrzehnten wird das volk nicht gehört
weiterhin das geld verspekuliert
wie wenns kein morgen geben würde, diese vorbildwirkung von öffentlichen regierungsmitgliedern mit pompösen societyfesterln, auslandsreisen, regierungsfahrzeugen und schuldzuweisungen

macht es einem als jugendlicher leicht zu glauben ohne bildung, leistung bzw. arbeitswillen an ein vermögen durch betrug, korruption und freunderlwirtschaft zu kommen

symptome alkohol, zigarettengenuss, drogen-/medikamentenmissbrauch, essensverhalten werden einfach ignoriert

Denker9
10
26.8.2011, 15:29

Daher: bedingungsloses Grundeinkommen! Damit Menschen endlich DAS tun können, was sie am besten können! Es gäbe dann keine Ausrede mehr für sie am Ende ihrer Tage "Ich habe das nicht machen können, was ich wollte!"

sonne-licht
 
00
27.8.2011, 11:16
bedinungsloses grundeinkommen?

nach welchen kriterien

- der grösse der wohnung
- des verbrauches des autos
- des monatlichen zigaretten-/alkoholkonsumes
- der höhe der spekulationsbereitschaft bis ich ohne arbeit zu geld komme in spielcasinos/börsen oder
- nach meinem medikamentenverbrauch und
gesundheitlichen zustand

welchen "ich" ohne rücksichtnahme auf vernunft oder eigenverantwortung mir jahrzehntelang selber zufügte!

hab gehört elsner erholt sich gut an der cote d'azur so mittellos, wie er sich darstellt!

bycicle
08
24.8.2011, 15:15
es ist mir unerklärlich

dass es einer studie bedarf, um das herauszufinden. das muss doch schon seit mindestens 10 jahren bekannt sein. getan wurde bis jetzt nur wenig dagegen.
es ist auch unerklärlich, dass jugendliche die pflichtschule absolvieren und dann nicht ausreichend rechnen, schreiben oder lesen können.
die bildungspolitiker reden viel, gehandelt wird nicht. und parteipolitik geht vor bildungspolitik. deshalb wird sich kaum was tun, das niveau eher noch weiter sinken.

EricderRote
12
25.8.2011, 07:40
doch

man war sehr einfallsreich bei diesen allerschwächsten kindern, seit 2004 hat man ihnen mehr als 30% der stunden gekürzt. wie sollen sie da noch etwas lernen, genau die kinder, die mehr förderung bräuchten.
die desaströse ernte erleben wir nun, verbunden mit dem dreisten versprechen (bmukk, landeshauptleutekonferenz) bis 2014 weier einzusparen...

Denker9
06
24.8.2011, 15:30

Jugendliche, die nicht ausreichend rechnen, schreiben und lesen können sind vor allem jene, die bei Eintritt in die Schule (sowohl in die VS als auch in die HS) über wenig bis keine Kenntnisse in der Unterrichtssprache verfügen. Diese Defizite sind kaum aufholbar. Wer die Unterrichtssprache nicht einmal mündlich versteht, kann den Lehrstoff nicht erlernen!

EricderRote
71
25.8.2011, 07:42
unrichtig

diese sogenannten problemkinder sind in der mehrheit aus österreich und keineswegs migrantinnen, aber das wird immer verdreht dargestellt...

Denker9
04
25.8.2011, 11:50

In Wien sind es zu 90% Kinder mit nicht deutscher Muttersprache, die die größten schulischen Probleme haben. Viele dieser Kinder haben natürlich schon die österreichische Staatsbürgerschaft, womit sie Recht haben, dass es mehrheitlich Österreicher sind!

trollvottel
53
24.8.2011, 16:24

Biertischnazis allerdings erklären einem dann, "die" seien halt "von Natur aus deppert" und ihre eigenen Buam (immerhin der eine beim Bundesheer, der andere Straßenbauer!) seien ja als reinrassige Germanen dem Ausländer haushoch überlegen... als Beweis wird dann gern gebracht, dass die Türkenbuam so oft in der Sonderschule landen.

... dass das daran liegt, dass man ohne gute Kenntnisse der eigenen Muttersprache auch Fremdsprachen nie gut lernen wird, dass auch Lehrer oft rassistisch denken und deshalb jungen Türken fast automatisch Haupt/Sonderschule und Bauhacklerjob empfehlen, wird natürlich lautstark abgestritten; und bei jeder Maßnahme (etwa Türkischunterricht in unseren Schulen) lautstark dagegen gebrüllt :-/

Tethys
03
24.8.2011, 16:13

Es gibt auch österreichische Jugendliche - und zwar nicht wenige - die nicht sinnerfassend lesen können und die Grundrechnungsarten nicht beherrschen.

Solche Defizite haben unterschiedliche Ursachen: bei Migranten sind es fehlende Sprachkenntnisse, bei anderen fehlende Förderungen, wieder andere haben intellektuelle Defizite, weil sie das was sie lernen nicht üben und sich das gelernte nicht verfestigen kann (gerade beim Lesen hat fehlendes Üben verheerende Folgen für den Rest des Lebens!)

Einfach zu sagen: es sind die Migranten, die nicht lesen können, ist eine grobe Vereinfachung.

Denker9
02
24.8.2011, 18:51

Bei den österreichischen Jugendlichen sind oft die Eltern schuld, dass sie nicht gefördert werden! Bei den Migrantenkindern, deren Eltern die Sprache oft selbst nicht beherrschen, liegt die Schuld im Schulsystem. Kinder in Klassen zu setzen, bevor sie auch nur das geringste verstehen, ist wenig zielführend- man sieht es an den Ergebnissen: Viele Migrantenkinder landen nach der VS in Sonderschulen! Die VS-Lehrerinnen sind überlastet, da sie nicht gleichzeitig allen Kindern gerecht werden können!

Tethys
00
25.8.2011, 08:44

Es soll auch Migranteneltern geben, die Ihre Kinder fördern.

Jetzt einfach zu sagen: bei den Migranten ist es so, bei den Einheimischen ist es so, ist nicht zielführend, weil es eine genau Analyse der Probleme (ja, es ist mehr als eines) verhindert indem es einfache Antworten präsentiert.

Denker9
03
25.8.2011, 12:02

Die Lehrer an den einzelnen Schulstandorten wissen SEHR genau, woran es jedem einzelnen Schüler fehlt! Es gibt genügend Dokumentationsmaterial darüber- nur will man im Ministerium das gar nicht genau wissen!

EricderRote
01
25.8.2011, 07:44
schuld

sind in erster linie die 30%igen stundenkürzungen bei den allerschwächsten, die sich nicht whren können!!!!!

algierfranzösischer Kulturattaché
02
25.8.2011, 11:38
Falsch.

Schuld ist die gängige Praxis, JEDEM mit spätestens 18 ein Abschlußzeugnis für die Pflichtschule zu geben, weil 2die ja sonst überhaupt keine Chance haben".
Wenn Sie es nicht glauben, fragen Sie doch einfach ein paar Hauptschullehrer.

EricderRote
01
25.8.2011, 19:00
Einspruch Euer Ehren

das mag vielleicht in Wien so sein (Wien ist anders), sicher aber nicht bei uns, ich brauche auch niemand fragen, weil ich selbst eine solche Schule leite. ei uns bekommt natürlich keiner etwas geschenkt, sondern die einschlägige Bestimmung (jeder hat Recht auf Pflichtschulabschluss bis 18.LJ) kann nicht durchgeführt werden, weil keine Stunden für diese Schüler von "oben" BMUKK kommen. Die Kinder brechen die Schule einfach ab (inzwischen 9000 pro Jahr in Öst.) und kosten einmal enormes Geld, eine Sozialversorgung oder gar eine Gefängnisplatz kostet ein Vielfaches dessen, wenn man die Kids so gefördert hätte, dass sie den Abschluss auch realistisch erreichen. Nur hier wird irr eingespart und es wir immer geben, die auf der Strasse landen....

algierfranzösischer Kulturattaché
03
26.8.2011, 07:50
In diesem Artikel geht es um Wien.

Denker9
01
25.8.2011, 17:25

Dies wird wahrscheinlich deshalb so sein, weil Schüler ohne Pflichtschulabschluss sonst gar keine Chancen am Arbeitsmarkt haben!

GoodieGoodie
01
27.8.2011, 13:09

Es stimmt natürlich, dass Schüler ohne Pflichtschulabschluss gar keine Chancen am Arbeitsmarkt haben, aber Schüler mit einem geschenkten Pflichtschulabschluss haben auch keine!

algierfranzösischer Kulturattaché
02
26.8.2011, 07:54
Da gab es einmal ein Interview

mit dem Vorstandsvorsitzenden eines großen Unternehmens, der meinte, daß sich auf 300 Lehrstellen 1000 Jugendliche bewerben; auf den Einschube des Interviewers, daß er dann nur die Allerbesten bekommen würde, meinte er "Nein. Wir nehmen die, die Lesen und Schreiben können".
Fragen Sie einmal irgendjemanden, der für Personalwesen zuständig ist, nach den Bewerbungsschreiben von Heute. Die sind teilweise auf Kaaszetteln abgefaßt, sogar der eigene Name wird falschgeschrieben, und vom Rest soll hier nicht die Rede sein. Die haben oft zwar ein Zeugnis, können aber nicht 27 mal drei rechnen. Da nützt das Zeugnis gar nichts, um eine Chance am Arbeitsmarkt zu haben, deswegen gibt es Standardtests beim Vorstellungsgespräch.

Denker9
00
26.8.2011, 14:49

Fact ist, dass sich nur jene Jugendliche um eine Arbeit umsehen, sprich Lehrlinge werden wollen, die nicht lernen wollen (nämlich das nicht lernen wollen, das sie aber brauchen würden). Die Interessierten besuchen weiterführende Schulen!

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