VKI-Test zeigt Bevorzugung von Privatpatienten

24. August 2011, 11:33

Kassenpatienten warten länger - Gleichbehandlungsgrundsatz nicht direkt verbindlich verankert

Wien - Privatversicherung und/oder Primar können's richten: Bei den einfachen Katarakt-Operationen (Grauer Star) gibt es österreichweit sehr unterschiedliche bis viel zu lange Wartezeiten für die "Normalversicherten". Zweifelhafte Auswege: via private Krankenversicherung oder gar über die Privatordination des Abteilungsleiters. Das ergaben eine schriftliche Umfrage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) und Anrufe durch eine Testpatientin.

Der Hintergrund: Im kommenden Jahr soll eine Gesetzesnovelle (KAKuG Novelle) in Österreichs Spitälern für eine auch für Patienten transparente Vergabe von OP-Terminen bei planbaren Eingriffen sorgen. Wie sehr das notwendig erscheint, belegt offenbar die VKI-Erhebung unter 29 Spitälern in ganz Österreich zu den Wartezeiten für Patienten mit Grauem Star.

Wartezeit bis zu einem halben Jahr

Doch obwohl die Notwendigkeit entsprechender Kapazitäten unbestritten sein dürfte, gibt es - bundesländerweise - zum Teil erheblich lange Wartezeiten auf solche Eingriffe. Die Verbraucherschützer in der neuesten Ausgabe der VKI-Zeitschrift "Konsument": "Aufgrund der zunehmenden Zahl an nötigen Kataraktoperationen kann der Bedarf in Österreich derzeit nicht kurzfristig gedeckt werden. Die Wartezeiten für einen OP-Termin betragen je nach Spital bis zu weit über einem halben Jahr."

In der Umfrage unter 29 Spitälern mit Augenabteilungen ging es nun um zwei Fragen: Erstens sollte die Wartezeit für Kataraktoperationen generell erhoben werden, andererseits sollte festgestellt werden, ob das Vorhandensein einer Privatversicherung die Wartezeit eventuell verkürze. Dies dürfte - so der VKI - eigentlich nicht sein. So heißt es in der österreichischen Bundesverfassung: "Eine hochstehende medizinische Versorgung für alle Bürgerinnen und Bürger, unabhängig vom Einkommen, ist vorrangiges Ziel."

Übereinstimmend wird regelmäßig von Seiten des Gesundheitsministeriums und des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger festgestellt, dass eine Privatversicherung für den Versicherten in Spitälern nur eine bessere "Hotelkomponente" (Ein- oder Zweibettzimmer etc.) betreffen könne, nicht aber die medizinische Versorgung.

Stöger: "Das ist eine Sauerei"

Für Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) sind die kürzeren Wartezeiten für Personen mit Zusatzversicherung nicht tragbar. "Das ist eine Sauerei. Die Menschen haben den gleichen Zugang zur Medizin zu haben. Punkt. Aus.", sagt er im Ö1-Mittagsjournal. In öffentlichen Spitälern müssen alle Personen gleich behandelt werden. Die Sozialversicherung finanziere das gesamte Gesundheitssystem, daher müssten die Beitragszahler auch ernstgenommen werden.

Der Minister fordert nun, dass die Bundesländer sein Gesetz für österreichweit transparente Spital-Wartelisten innerhalb der vorgegebenen acht Monate umsetzen. Bei längerfristig planbaren Operationen könnten die Patienten dann die Wartezeiten vergleichen und sich das am besten geeignete Spital aussuchen.

Unterschiedliche Kriterien für Dringlichkeit

Doch die Erhebung brachte gleich in mehrfacher Hinsicht Unterschiede zutage. Der VKI: "Kassenpatienten warten länger. In der Praxis offenbart sich ein zwiespältiges Bild." Zunächst einmal werden bundesländerweise offenbar unterschiedliche Kriterien für die Dringlichkeit der Katarakteingriffe und somit für zumutbare Wartezeiten angelegt: "Während diese etwa in der Augenklinik Innsbruck für nicht dringliche Fälle vier bis sieben Monate beträgt, werden im LKH Graz drei bis sechs Monate als angemessen betrachtet." Nur bei den Wiener Städtischen Spitälern (KAV) und bei der Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft m.b.H. (KAGES) hätte es zum Zeitpunkt der Befragung ein "transparentes Wartezeitenmanagementsystem" gegeben, jedoch nicht einsehbar für die Patienten.

Privatpatienten profitieren

Brisant waren die Ergebnisse bezüglich möglicherweise kürzerer Wartezeiten bei Vorliegen einer Privatversicherung. So heißt es zu der VKI-Erhebung in der Zeitschrift "Konsument": "Sieben Spitäler gaben an, dass sich die Wartezeit bei Vorliegen einer Privatversicherung verkürzen würde. Am meisten profitieren würden Privatpatienten am Landesklinikum Waidhofen, im LKH Innsbruck, im SMZ-Ost (alle jeweils bis zu 16 Wochen weniger, Anm.) sowie bei den Barmherzigen Brüdern in Wien (bis zu 20 Wochen weniger, Anm.)."

Damit nicht genug, so die Resultate laut dem VKI: "Interessant ist die Auskunft aus dem SMZ Ost (Donauspital/Wien/KAV, Anm.). Hier wurden wir vom Primar, der selbst ein privates Augenzentrum betreibt, darauf hingewiesen, dass sich Patienten mit Zusatzversicherung jederzeit im Privatspital ohne Wartezeit operieren lassen könnten. Dieser Vorschlag ist zwar rechtlich korrekt, allerdings würden dem Spital in solchen Fällen die von der Zusatzversicherung geleisteten Zahlungen verloren gehen."

Gemäß dem VKI noch mehr in Schlingern kommt das System aber, wenn eine Testperson persönlich in den Krankenhäusern anruft und eine Terminanfrage stellt. Dies erfolgte telefonisch. Die Testperson gab an, "ihre Mutter war zu Besuch und bekam plötzlich Sehstörungen (Lichtblitze, eingeschränktes Sichtfeld). Eine Untersuchung in der Uni-Ambulanz habe ergeben, dass die Patientin unter Katarakt leide. Sie benötige nun einen OP-Termin. Ein Arztbrief liege vor."

"Küss-die-Hand-Patienten"

Wurde da gar von einer vorhandenen Privatversicherung geredet, war plötzlich vieles anders. Der VKI: "Hier legten die Spitäler ihre bei der offiziellen Anfrage gezeigte Zurückhaltung ab. Nicht weniger als 18 Einrichtungen (62 Prozent) boten eine teilweise deutliche Verkürzung der Wartezeit an. Vier Spitäler (Barmherzige Brüder Linz, Klinikum Klagenfurt, Bezirkskrankenhaus Kufstein sowie Wiener Rudolfstiftung) machten unserer Testperson sogar ein 'besonderes' Angebot: Die Wartezeit, so wurde ihr beschieden, ließe sich voraussichtlich verkürzen, wenn vor dem Eingriff ein Besuch in der Privatordination des Primars erfolgen würde - gegen entsprechende privat zu begleichende Kosten natürlich." Letztere Patienten werden im Spitalswesen oft als "Küss-die-Hand-Patienten" bezeichnet.

Lücke im Rechtssystem

Was die "Gesundheits-Konsumentenschützer" bei ihren juristischen Recherchen überraschte: "Es ist zwar in der Bundesverfassung verankert, dass eine hochqualitative Gesundheitsversorgung ohne Abhängigkeit vom Einkommen das Ziel ist, aber es gibt nirgends einen Passus, der direkt festlegt, dass Patienten mit privater Krankenversicherung in medizinischer Hinsicht nicht bessergestellt werden dürfen, als Kranke ohne eine solche Zusatzversicherung." Dies gelte auch für Wartezeiten. Bei knappen Kapazitäten müssten zumindest auch nicht ausgelastete Privatbetten in Spitälern für die breite Versorgung genutzt werden. (APA, red, derStandard.at, 24.8.2011)

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Abwerbung

die privat operierenden Krankenhaus (Chef-)Ärzte brauchen kein Marketing oder Werbung - sie werben den Krankenhäusern (ihren Dienstgebern wenn man so will) vor Ort die Patienten ab...

und das wg. der Privatklasse-Versicherung...

Nach dieser Aktion kündige ich auch mein VKI Abo!

Ich dachte immer der VKI ist unabhängig, dabei ist er das Zentralorgan der Herrn Hundsdorfer und Stöger! Liebe Leute vom VKI das war überflüssig. Ich mache mir die Mühe und zahle schon jahrelang ein in eine meine Zusatzkrankenversicherung inkl. freier Arztwahl. Dann kommt ihr daher und verdammt das. Das kann ja wohl nicht sein!!! Obendrein profitieren die Spitäler von den Privatversicherten, da sie in diesen Fällen zusätzlich noch Geld von den privaten Versicherungen bekommen!!! Diese Studie war ein ökonomischer Unsinn!!!

ich habe auch...

... eine Private Krankenversicherung. ABER trotzdem sehe ich ein, dass diese eigentlich offiziell das Liegen auf Sonderklasse betrifft und nicht die OPs, dass es hier Unterschiede gibt, sagt einem nur der Versichererer unter der Hand um die Vertragsunterschrift zu bekommen.
Außerdem ist es im Gesetz verankert, dass alle gleich behandelt werden MÜSSEN, wenn nicht, dann sollte das offen deklariert werden...
und die reichen Oberärzte werden immer reicher und arroganter...
Und ich freue mich, dass der VKI so unabhängig arbeitet und behalte mein VKI Abo...

Ja, überflüssig ...

...denn das weiß doch längst jeder, daß es die 2-Klassen-Medizin gibt. In Wirklichkeit gibt es aber 3 Klassen: Wenn man als Nutznießer einer Zusatzversicherung neben einem "wirklichen" Privat-Bar-Zahler liegt, kann man gewisse Verwöhn-Unterschiede ganz deutlich feststellen!

genau fuz

so sehe ich das auch. Was mich am meisten stört ist, dass sich der VKI hier vor den Karren zweier Gewerktschafter spannen lässt, ich meine den Stöger und den Hundsdorfer! Den die Fekter hat dem VKI diesen vertrottelten Auftrag sicher nicht erteilt.

auf wessen Seiten der VKI hier Klientenpolitik macht

muss ich hoffentlich niemandem erklären.
Unabhängig ist anders.
Auch Privatversicherte sind Konsumenten. Und gehören geschützt. Auch vor "übler Nachrede". Werde wohl mein Abo kündigen. Der VKI hat sich schon für ganz andere Dinge instrumentalisieren lassen, für die Wissenden, Hauptverbandsauftrag zur Belästigung von pro bono Ordinations - Aktion...

und deswegen sind die, ...

... die keine Privatversicherung haben, keine Konsumenten? Der VKI deckt einfach unabhängig auf, was Sache ist. Punkt.

Ach ja: Ich habe auch eine Private Krankenversicherung.

einfache formel

mehr lernen und/oder mehr hackeln -> mehr kohle haben -> mehr leisten können -> bevorzugt werden.

oder

nix lernen und/oder nix hackeln -> keine kohle haben -> sozialsystem belasten -> viel freizeit haben/tschicken/riesen hundsviech -> "auf die da oben, die sich's richten" schimpfen.

grausame elitäre Gesellschaft

meine Güte, wie elitär...
ist deswegen der eine Mensch mehr WERT als der andere? Kann man das messen...?

Grausame Gesellschaft.

Im übrigen kann auch jemand der wenig Geld hat, das für eine Privatversicherung ausgeben.
Es besteht die Möglichkeit dass einer der "nix hackelt" sich statt Tschick eine Krankenvers. leistet und einer der "viel hackelt" oder einfach viel Geld hat, weil reiche Familie usw. viele Tschick raucht und keine Vers. hat...

Noch viel einfachere Formel:

hugotintifax = Trottel

Das jemand Pech hat, keine reichen Eltern hat, aus gesundheitlichen Grründen nicht arbeiten kann wie ein Viech usw usw sollte eigentlich auch einen geistig halbwüchsigen wie Dir einleuchten.

Oder noch einfacher: Auch bei bester Ausbildung und intensiver Arbeit kann nicht JEDER viel verdienen. Das geht einfach nicht, soviel Geld ist nicht da.

RICHTIG!

Richtig!

und manchen die ihr Leben lang viel arbeiten (und dabei nicht viel verdienen), sind viell. deshalb krank und können sich keinen Arzt leisten.

Andere, die reiche Familien haben und nie etwas arbeiten bekommen dann den Privatarzt.

Gerechte Gesellschaft, freu mich richtig Bestandteil davon zu sein... :-(

zusatzversciherung hat nichts mit reichen Eltern sondern mit Verantwortung zu tun.

doch,...

... denn diejenigen, die sich diese nicht leisten:

haben entweder
a) wenig Geld (keine reiche Eltern oder gut BEZAHLTER Job)
oder
b) denken nicht an ihre Gesundheit, und darüber muss man nicht reden.

Wer kein Geld hat, macht was falsch.

Warum soll der eine genau so gute Versorgung erhalten? Das seh ich jetzt aber wirklich nicht ein.

Ah so, ja, Pech haben kann man natuerlich auch. Aber Pech ist eben Pech. Pech gehabt, sagt man so schoen.

Oh, ein Glückskind...

Was heißt, Sie haben Glück. Denn sonst würden Sie anders reden...

wie siehts aus? Wohlbehütete Kindheit, Eltern, die Ihnen eingeredet haben, wie gut
Sie sind und dass Sie besser sind als die anderen?
Ohhh, die Psychologen hätten viel zu tun mit Ihnen...

Lieber "flotter denker"

Leute wie Sie sind mir echt ein Gräuel.

Warum soll der eine genau so gute Versorgung erhalten? Das seh ich jetzt aber wirklich nicht ein.

Klar, weil Sie, wie schon sehr oft von vielen bemerkt wurde, das genaue Gegenteil eines flotten Denkers sind.

Und Ihr Pech ist es eben, dass Sie mit Ihren Beiträgen auch für Arme mit zahlen.

Ah ja, dann

nennen Sie mir einen Grund warum Sie besser behandelt werden sollten, als jemand anderer?

Wegen dem Geld, dem (selbst oder nicht selbstverdienten) Mammon oder weil Sie BESSER als andere sind?

Wenn Sie das denken, dann haben Sie echt ein Problem und sind auch als Bürger einer DEMOKRATIE nicht würdig. Denn das ist das System in dem Sie auch leben.

Na Na Na

Net gleich schimpfen, Herr Kaiser. Außerdem sind wir nicht Per-Du!

Hinkt übrigens ein bisserl, die Ausreißer nach oben und unten zu strapazieren. Ich meine die breite Masse, die sich eine derartige Versicherung durchaus leisten kann. Tschick sind beispielsweise sicherlich teurer, als die Prämie!

Und wenn einem in Ö "bei bester Ausbildung und intensiver Arbeit", wie Sie das so geschwollen formulieren", das Geld dafür nicht bleibt, dann - Verzeihung - macht er etwas falsch!

Nur wenn dann fast jeder für eine Zusatzversicherung bezahlt, kann es auch keine Bevorzugung bzw. sonstige Schweinereien geben. Das System nivelliert sich nach oben ... und der dreckige Rest fällt dann ganz schnell durch den Rost. Vielleicht kann man dann auf einen OP-Termin bieten. Zum ersten, zum zweiten, ...

ja,

wenn ALLE eine Zusatzversicherung haben, wer wird dann bevorzugt. Ein schönes Gedankenexperiment...

derjenige der am meisten bietet oder am meisten Geld hat.
Und dazu gehören sicher nicht die Poster hier... gefällt Ihnen das System dann auch noch so gut?
;-)
denn dann müssen Sie genauso warten...

falsch abgeleitet

Jetzt haben sich mich überzeugt ...

Ich meine die breite Masse, die sich eine derartige Versicherung durchaus leisten kann.

Das wäre Unsinn. Der Sinn einer Zusatzversicherung ist ja genau die bessere Behandlung als die breite Masse sie bekommt. Würde man wollen, dass die "breite Masse" die bessere Behandung erhält, brauchte man nur die generelle Qualität verbessern und die Kosten der "breiten Masse" aufbürden. Und genau dieses Systen haben wir jetzt auch schon.

Eigentlich

haben wir ja das Gesundheitssystem damit es sich ALLE leisten können und keiner zuzahlen muss. Mittlerweile ist das "normale" Gesundheitssystem schlechter geworden, und man muss erst wieder zahlen... hat was von Mittelalter.

das ist eben das Problem, wenn alle bei so einem System mitmachen, wenn Geld zum wichtigsten wird, dann geht das ursprüngliche System vor die Hunde.

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