Der erste Mann auf allen 14 Achttausendern tut sich schwer, die Leistung der K2-Besteigerin zu beurteilen
Karakorum/Wien - Noch wartete Ralf Dujmovits unten im Basislager,
noch
war seine Ehefrau Gerlinde Kaltenbrunner oben am Berg unterwegs. Am
Dienstag stand die Oberösterreicherin auf dem Gipfel des K2, hatte sie
mit dem 14. Achttausender ihre Sammlung komplettiert. Auf Mittwoch
übernachtete sie in Lager IV (8000 m), gestern stieg sie mit dem Polen
Darius Zaluski sowie den Kasachen Maxut Zhumayev und Vassiliy Pivtsov
weiter ab.
Unterwegs setzt Kaltenbrunner ab und zu einen Funkspruch ab,
Dujmovits
verbreitet die Neuigkeiten per Satellitentelefon. "Die vier steigen
heute", sagte er am Mittwoch, "voraussichtlich bis Lager I auf 5300 Meter
ab, verbringen eine letzte Nacht am Fuße des Nordpfeilers und steigen am nächsten Morgen über den schon extrem spaltigen Gletscher zu unserem
Depot ab. Wo ich sie hoffentlich gesund und munter in Empfang nehmen
kann."
Von dort sind es mit dem vielen Gepäck dann nochmals drei Stunden
über
den aperen K2-Gletscher bis ins Basislager. Dies wurde mittlerweile fast
komplett abgebaut. Am Donnerstagnachmittag soll es dann noch weitere
drei Stunden ins "Chinesische Basislager" gehen, wo Kameltreiber warten.
Für Diskussionen sorgen Wortmeldungen von Reinhold Messner sowie ein
Interview, das er dem ORF gab. Messner (66) ist quasi Kaltenbrunners
männliches Pendant, er war 1986 der erste Mann, der alle 14
Achttausender bestiegen hatte. Und wie nun Kaltenbrunner war der
Südtiroler seinerzeit ohne Flaschensauerstoff "by fair means" unterwegs.
Doch was die Beurteilung von Kaltenbrunners Leistungen in den Bergen
angeht, ist Messner seit jeher im Wickelwackel.
Aktuell meinte er zwar, ihr gebühre "mehr Respekt" als der
Südkoreanerin
Oh Eun-sun und der Spanierin Edurne Pasaban, die zu Flaschensauerstoff
gegriffen hatten. Andererseits ging's laut Messner ja "nur um die Frage,
wer kann am schnellsten diese 14 Achttausender abhaken". Ein Zugang, den
Kaltenbrunner stets vehement bestritten hat. Die Frage, ob Kaltenbrunner
nun seinen vollen Respekt habe, beantwortete Messner eher ausweichend.
"Also, ab heute hat sie mehr Respekt als vorgestern." (fri, DER STANDARD Printausgabe 25.08.2011)