Statt über Zusperren und Totsparen zu diskutieren, müssten die Unis ihre Leistungen besser bewusstmachen - Von Rudi Klausnitzer
Den Universitäten geht es budgetmäßig schlecht, und das wird sich mittel- und langfristig zu einer kaum gutzumachenden bildungspolitischen Katastrophe auswachsen. Leider machen auch die Unis in dieser Situation einen Fehler: Sie kommunizieren reflexartig nur mit der Drohung, was in Zukunft aufgrund dieser Situation alles gekürzt werden muss und führen überwiegend Stakeholderdiskussionen. Das ist zwar sachlich richtig, reicht aber nicht aus.
Was die Unis seit langem brauchen, ist eine umfassende Informationskampagne, die der Bevölkerung klarmacht, welche gesellschaftliche Funktion die Universitäten erfüllen und wie sich eine Verminderung ihrer Leistungsfähigkeit für alle BürgerInnen und deren Alltag auswirken wird.
Nehmen wir die Med-Uni Wien als Beispiel: Nicht überall wo Med-Uni drin ist, steht auch "Med-Uni" drauf. Der direkte Nutzen, den auch die Bürger haben, vermittelt sich nicht von selbst. So wissen die wenigsten, dass wenn sie im AKH behandelt werden oder eine Ambulanz in Anspruch nehmen, alle Ärzte von der Med-Uni Wien gestellt werden. Es ist auch nur wenigen wirklich bewusst, dass die Ausbildungsqualität der Fachärzte und Praktiker einen direkten Einfluss nicht nur auf die eigene Lebensqualität, sondern auch ihre Lebenserwartung haben kann. In vielen Fällen ist es die Forschungsarbeit der Med-Uni, die Medikamente oder Behandlungsmethoden ermöglicht, die das eigene Leben retten können. Dass die Wiener und die umliegende Bevölkerung ein allgemeines Krankenhaus mit besonders hoher medizinischer Qualität haben, verdanken sie auch dem Umstand, dass das AKH - ebenso die Zahnklinik - eine der größten Uni-Kliniken der Welt ist.
In der Diskussion hört man jetzt oft: "Die Unis müssen sich halt auch selbst anstrengen, um über Sponsoren zu Mitteln zu kommen" . Das wäre ein weiterer Ansatz für die leider fehlende Informationskampagne. Der Allgemeinheit ist nicht bewusst, dass die Med-Uni bereits rund ein Drittel ihrer Mittel selbst aufbringt - über Sponsoren, Spenden, oder Kooperationen in der Forschung. Jeder Professor, jeder Forscher ist schon längst neben seiner eigentlichen Tätigkeit unentgeltlich auch als Fundraiser und Geldeinsammler unterwegs. Ohne das würde es eine Reihe von Jobs an der Uni nicht mehr geben, und viele Projekte wären nicht realisierbar. Aber das ist kaum bekannt. So bleiben Professoren und Mitarbeiter oft als jene übrig, die nur nach Geld rufen, und die Rektoren als die Zusperrer der Unis.
Die Unis sind lebenswichtig im wahrsten Sinne des Wortes und daher unverzichtbar für das ganze Land, nicht nur für Studenten und Professoren. Das muss professionell kommuniziert werden. Regierung und Parteien setzen ständig ein Vielfaches der Kosten einer solchen Informationskampagne ein, um über ihre Standpunkte und Aktivitäten zu informieren. Da sollten die Unis notfalls Geld in die Hand nehmen, um nachhaltig Geld zu sichern. Das wäre als Notwehrinvestition jederzeit zu argumentieren. Vielleicht finden sich ja auch in der Wirtschaft Partner, die das mitfinanzieren.
Zukunft der Jugend
Das Ziel: Es geht nicht um das Gewähren einer Budgetierung, die "überleben" lässt, sondern um nachhaltige Ausstattung der Universitäten mit jenen Mitteln, die notwendig sind, um im globalen Bildungswettbewerb bestehen zu können. Wenn wir das nicht schaffen, entziehen wir den kommenden Generationen die Möglichkeit, im immer globaler werdenden Wettbewerb um Jobs überhaupt eine Chance zu haben. Das Gleiche gilt auch für unsere Wirtschaft, deren Wettbewerbsfähigkeit von der Ausbildungsqualität unserer Jugend abhängt. Der Jugend die Zukunft zu stehlen hat sich noch immer bitter gerächt.
Das alles muss aktiv den Bürgern des Landes, mit allen Kommunikationsmittel, die wir haben, bewusstgemacht werden. Nur übers Zusperren und Totsparen zu diskutieren ist zu wenig. Nur eine breite Akzeptanz bei der Bevölkerung kann die Politik von ihrem bildungspolitischen Suizidkurs abbringen. (Rudi Klausnitzer, DER STANDARD, Printausgabe, 24.8.2011)
Autor
Rudi Klausnitzer ist Medien- und Kulturmanager und Mitglied des
Universitätrats der Med-Uni Wien.