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vergrößern 680x453Die Drohung mit drastischen Einsparungen am Wiener AKH mag die Schmerzen von Professoren und Studenten zwar etwas lindern, bringt aber der Med-Uni kein frisches Geld.
Den Universitäten geht es budgetmäßig schlecht, und das wird sich mittel- und langfristig zu einer kaum gutzumachenden bildungspolitischen Katastrophe auswachsen. Leider machen auch die Unis in dieser Situation einen Fehler: Sie kommunizieren reflexartig nur mit der Drohung, was in Zukunft aufgrund dieser Situation alles gekürzt werden muss und führen überwiegend Stakeholderdiskussionen. Das ist zwar sachlich richtig, reicht aber nicht aus.
Was die Unis seit langem brauchen, ist eine umfassende Informationskampagne, die der Bevölkerung klarmacht, welche gesellschaftliche Funktion die Universitäten erfüllen und wie sich eine Verminderung ihrer Leistungsfähigkeit für alle BürgerInnen und deren Alltag auswirken wird.
Nehmen wir die Med-Uni Wien als Beispiel: Nicht überall wo Med-Uni drin ist, steht auch "Med-Uni" drauf. Der direkte Nutzen, den auch die Bürger haben, vermittelt sich nicht von selbst. So wissen die wenigsten, dass wenn sie im AKH behandelt werden oder eine Ambulanz in Anspruch nehmen, alle Ärzte von der Med-Uni Wien gestellt werden. Es ist auch nur wenigen wirklich bewusst, dass die Ausbildungsqualität der Fachärzte und Praktiker einen direkten Einfluss nicht nur auf die eigene Lebensqualität, sondern auch ihre Lebenserwartung haben kann. In vielen Fällen ist es die Forschungsarbeit der Med-Uni, die Medikamente oder Behandlungsmethoden ermöglicht, die das eigene Leben retten können. Dass die Wiener und die umliegende Bevölkerung ein allgemeines Krankenhaus mit besonders hoher medizinischer Qualität haben, verdanken sie auch dem Umstand, dass das AKH - ebenso die Zahnklinik - eine der größten Uni-Kliniken der Welt ist.
In der Diskussion hört man jetzt oft: "Die Unis müssen sich halt auch selbst anstrengen, um über Sponsoren zu Mitteln zu kommen" . Das wäre ein weiterer Ansatz für die leider fehlende Informationskampagne. Der Allgemeinheit ist nicht bewusst, dass die Med-Uni bereits rund ein Drittel ihrer Mittel selbst aufbringt - über Sponsoren, Spenden, oder Kooperationen in der Forschung. Jeder Professor, jeder Forscher ist schon längst neben seiner eigentlichen Tätigkeit unentgeltlich auch als Fundraiser und Geldeinsammler unterwegs. Ohne das würde es eine Reihe von Jobs an der Uni nicht mehr geben, und viele Projekte wären nicht realisierbar. Aber das ist kaum bekannt. So bleiben Professoren und Mitarbeiter oft als jene übrig, die nur nach Geld rufen, und die Rektoren als die Zusperrer der Unis.
Die Unis sind lebenswichtig im wahrsten Sinne des Wortes und daher unverzichtbar für das ganze Land, nicht nur für Studenten und Professoren. Das muss professionell kommuniziert werden. Regierung und Parteien setzen ständig ein Vielfaches der Kosten einer solchen Informationskampagne ein, um über ihre Standpunkte und Aktivitäten zu informieren. Da sollten die Unis notfalls Geld in die Hand nehmen, um nachhaltig Geld zu sichern. Das wäre als Notwehrinvestition jederzeit zu argumentieren. Vielleicht finden sich ja auch in der Wirtschaft Partner, die das mitfinanzieren.
Zukunft der Jugend
Das Ziel: Es geht nicht um das Gewähren einer Budgetierung, die "überleben" lässt, sondern um nachhaltige Ausstattung der Universitäten mit jenen Mitteln, die notwendig sind, um im globalen Bildungswettbewerb bestehen zu können. Wenn wir das nicht schaffen, entziehen wir den kommenden Generationen die Möglichkeit, im immer globaler werdenden Wettbewerb um Jobs überhaupt eine Chance zu haben. Das Gleiche gilt auch für unsere Wirtschaft, deren Wettbewerbsfähigkeit von der Ausbildungsqualität unserer Jugend abhängt. Der Jugend die Zukunft zu stehlen hat sich noch immer bitter gerächt.
Das alles muss aktiv den Bürgern des Landes, mit allen Kommunikationsmittel, die wir haben, bewusstgemacht werden. Nur übers Zusperren und Totsparen zu diskutieren ist zu wenig. Nur eine breite Akzeptanz bei der Bevölkerung kann die Politik von ihrem bildungspolitischen Suizidkurs abbringen. (Rudi Klausnitzer, DER STANDARD, Printausgabe, 24.8.2011)
Autor
Rudi Klausnitzer ist Medien- und Kulturmanager und Mitglied des Universitätrats der Med-Uni Wien.
von den wenig verfügbaren Ressourcne auch noch welche in die Öffentlichkeitsarbeit zu stekcen wenn zuletzt die Rektoren nicht mal einen Termin beim Bundeskanzler erhalten haben. Selbst wenn die öffentliche Meinung sich positiv entwickeln würde wäre das denn Herren Regierungsmitgliedern egal - aussitzen heisst das Motto, hat ja bisher auch gut funktioniert.
Und einer Bevölkerung der ich die Bedeutung von Universitäten erklären muß bei der dürft ja eh Hopfen und Malz verloren sein.
Es ist damit zu rechnen, dass sich durch gesteigerte Marketingausgaben, die Einnahmen soweit erhöhen lassen, dass die Ausgaben kompensiert werden. Nach und nach könnten die Unis so die Ausgaben von Forschung und Lehre zu Marketing umschichten und insgesamt sogar den "Gewinn" steigern. 10% sollte man halt für die Lehre lassen: zum Reinigen der Hörsäle, Abstempeln der Zeugnisse etc. ("Geldnot" im Uni-Bereicht scheint sich ja ohnehin immer durch mangelnde Qualität der Hörsäle zu äußern. Seltsame Dynamik.)
Das Volk zahlt sich seine eigene Werbeberieselung mit Steuern selbst. So ist es ja auch schon bei der Wahlwerbung.
Es geht doch darum, der Bevölkerung auch den direkten und indirekten Nutzen der Universitäten verständlich und spürbar zu machen- oder? da finde ich die Beispiele der Meduni, was Patientenbetreuung, Entwicklung von Medikamenten und Behandlungsmethoden, Ausbildungsstandards unserer Ärzte etc.,etc schon berechtigt. Aber das gilt natürlich auch für viele anderen Universitäten und auch die müssten ihren jeweiligen Nutzen für die Allgemeinheit darstellen. Und das durchaus plakativ! Das heisst ja nicht, dass das die Basis der Lebensberechtigung der Unis darstellt. Aber es ist ein Punkt, der den Unis im Kampf um ausreichend Geld Verbündete bringen kann. Und deshalb finde ich die Überlegung schon richtig.
finde ich ja, dass Klausnitzer den Wert der Med-Uni zum Großteil mit Dingen untermauert, die nichts mit der Rolle als Uni zu tun haben. Patientenbetreuung. Aha, dafür braucht es also eine Uni. Der Rest des Kommentars liest sich nach: Die Regierung und die Öffentlichkeit sind zu beschränkt, um das offensichtliche (den Wert der Unis) zu sehen, bei der Regierung ist sowieso Hopfen und Malz verloren, daher müssen die Unis wenigstens der Öffentlichkeit die Augen öffnen. Wenn die Regierung schon keinen rationalen Argumenten zugänglich ist, dann vielleicht wenigstens der Wählermacht.
natürlich hat die klinik, also in diesem fall die universitätsklinik etwas mit der uni zu tun und zwar eine menge. und eine universitätsklinik, die in diesem fall das akh ist hat eben auch patienten. diese patienten werden von ärzten der meduni behandelt. diese patienten müssen wissen, dass wenn die uni stellen streichen muss, dies auch - wie ja angekündigt - im bereich der patientenversorgung sein wird und daher auch auf ihrem rücken ausgeht. aber die hauptleidtragenden sind die ärzte und studenten, weil bei überlastung durch unterdotierung der spielraum für klinische forschung immer kleiner wird.
"bessere kommunikation" allein wird es nicht bringen; das problem sitzt tiefer. gentechnik in der landwirtschaft wird hierzulande nicht dadurch akzeptabler, daß sie "besser kommuniziert" wird. ein universitätsratsmitglied sollte das wissen, aber gut, die meisten von ihnen wissen es auch nicht.
Gerade bei den Massenvorlesungen könnte sehr viel Geld und Ressourcen frei werden. Kein Audi Max mehr zu erhalten, ein Professor statt drei oder vier pro Semester, und das alles wiederholbar auf youtube... Oder sind sich die Professoren da zu gut dafür, weil sie im alten System mehr Macht und Kohle abkassieren können?
Es ist im Sinne der Wisschenschaftlichkeit und des Niveaus universitärer (Aus-)Bildung eigentlich unumgänglich, dass ein führender Wissenschaftler seines Faches eine Grundlagen-VO *persönlich* abhält - DAS macht universitäre, freie Lehre aus!
Dieses dämliche Geschwafel mit YouTube-Vorlesungen und online-streaming etc. - das geht auf der Volkshochschule!
Im Übrigen: Vergleich 1. klassischer Tafelvortrag (eben zum Selbstmitschreiben), in Kombination mit Voll-Skriptum zum Nachlesen/Vertiefen, etc. / 2. massiver Einsatz elektronischer Medien, angefangen vom Runterbeten des Vortragenden vom Skriptum auf Präsentations-Slides - dazu gibt es ja empirisch genug Erfahrung: Sie zeigt, dass der Lernerfolg im ersten Fall immer noch der höchste ist.
es geht doch um die kernfrage, ob die unis aktiv von sich aus jene bevölkerungskreise ansprechen sollen, die normalerweise mit unis nichts am hut haben, aber steuerzahler und wähler sind. ich glaub schon, dass es gut wäre, auch diesen menschen verständlich zu machen, warum mehr von ihrem steuergeld für die unis ausgegeben werden MUSS ! und was es für uns alle bedeutet, wenn dies nicht passiert.
Also in GB z. B. machen Unis wie Cambridge, Oxford, UCL, etc. das auch dem kleinen Maxi auf der Straße nicht selbst klar. Dafür gibt es dort allerdings sehr gute Berichterstattung für breite Kreise über Wissenschaft und Forschung in den Printmedien, davo kann man hier nur traümen (ja, auch im Standard gäbe es da noch viel zu tun, anstatt immer nur die gleichen mittelmäßigen Dampfplauderer und üblichen Verdächtigen aus der "Szene" zu präsentieren!). Das führt zu einem wesentlich breiteren Konsens in der Bevölkerung über die gesellschaftliche Notwendigkeit dieser Spitzeninstitutionen - davon sind wir hier leider noch weit entfernt, wo immer noch Schifahren als die wichtigte Tugend angesehen wird!
Bei uns wird immer gleich alles verdodelt...
werden die Universitäten in einer Krise stecken.
Die Universitäten sind eine Institution der Bildung. Und der Adressat der Bildung ist das Individuum. DAS muss kommuniziert werden.
Nicht ein bestimmter Konsum macht jemanden "einzigartig", "individuell". Kein Manager der Welt wird eingestellt, weil er Fähigkeiten besitzt, die sonst keiner der 6 Milliarden Menschen auf der Welt hat.
Erst durch das Auseinandersetzen des Geistes mit sich selbst und seiner Umwelt wird man zum Individuum.
Aber wie die Leute, die meinen, sie seien individuell, wohl reagieren, wenn man ihnen sagt: Ihr seid nur Kopien eures Nachbarn; und der Drucker steht in den Hallen der Ökonomie?
Föderl-Schmied hat unlängst im Zusammenhang mit den "Wutprofessoren" geschrieben "Wollen die Rektoren wirklich gehört werden, müssen sie angesichts der politischen Ignoranz zu drastischeren Maßnahmen greifen." Also worauf noch warten?
die unis wurden nach dem krieg nur für eine kleine elite installiert, je mehr seit den 80er jahren die lehrlingsausbildung versagt gibt und gab es für die jugend nur mehr eine richtung und die hies studium.
so wie das schulsystem ist auch das unisystem politisch unterwandert worden. ein student sollte sich aufs studieren konzentrieren können und sich nicht noch mit nebenjobs sich herumschlagen müssen. von den studierenden sollte man auch verlangen das sie sich vor studiumbeginn richtig orientieren (hier sollten die unis und der staat helfen) und dann schnellstmöglich ihr studium abschliesen. eltern sollten kosten die für sie anfallen steuerlich absetzen können. die lastenverteilung stimmt einfach nicht mehr. wozu bildungsminister die nur de
aber wenn man gegen die "tiefsitzende bildungsfeindlichkeit" angeblich nichts tun kann...was ist die lösung? einfach resignieren, bis die unis wirklich kaputt sind? die krone hat gezeigt, dass kampagnen schon mal was bewegen können. wenn auch nicht immer in die richtige richtung :) und die politiker schlagen mit kampagnen non stop die schlacht um die wähler. also warum nicht zumindest mal versuchen? in der derzeitigen situation sollten alle mittel eingesetzt werden.
Dabei gibt es zwei Probleme:
Eine Kampagne muss jemand bezahlen und jemand in den Medien umsetzen. Die herrschende Bonzokratur wird das Geld abdrehen, die großen Medien würden nichts derart Destruktives gegen die Bonzokratur unternehmen, die sie am Gängelband haben (Krone) bzw an deren Gängelband sie hängen (orf).
"resignieren, bis die unis wirklich kaputt sind?" - Bis der Schaden wirtschaftlich greifbar wird. Vorher wird sich nichts ändern.
Jedes Unternehmen, jeder Verein, die Tierschützer, Greenpeace...und natürlich unsere Regierung gehen aktiv an die Öffentlichkeit, wenn sie was wollen. Die Studenten auch - manchmal. Warum nicht die Professoren? Jetzt wäre es an der Zeit. Am besten gleich mit den Studenten gemeinsam!
Das stimmt schon.Wenn die Diskussion nicht in die Bevölkerung getragen wird, wird die Politik nicht aktiv. Solang das hauptsächlich in den elitären Zirkeln diskutiert wird, diskutiert die Politik zwar eifrig mit, tut aber nichts.
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