Expertenbericht zum Hochschulplan

Ja eh

Kommentar | Lisa Nimmervoll, 23. August 2011, 18:50

In Österreich ist der Änderungswille im Bildungsbereich seit Jahrzehnten in den ideologischen Zwingern von SPÖ und ÖVP eingesperrt

"Tempora mutantur, nos et mutamur in illis" steht als Motto auf dem Expertenbericht für einen Hochschulplan für Österreich. Das ist ein hehres historisches Wort, gelassen ausgesprochen, wenn man die "innerösterreichischen Befindlichkeiten", von denen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bei der Präsentation gesprochen hat, kennt. Der Satz besagt nämlich: "Die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns in ihnen." Oha. Ändern? Wir uns? Wo wir seit Jahrzehnten unsere bildungspolitischen Diskussionen mit einem kompakten, überschaubaren Wortschatz bestreiten? Studiengebühren. Zugangsbeschränkungen. Nein. Ja. Wie auch immer. 

In Österreich ist der Änderungswille im Bildungsbereich seit Jahrzehnten in den ideologischen Zwingern von SPÖ und ÖVP eingesperrt. Ob ausgerechnet eine Schweizerin, ein Schweizer und ein Deutscher, die den Bericht verfasst haben, es schaffen, diese Zwinger aufzubrechen, wird sich zeigen. Jedenfalls ist das Problem wieder in der Hand der Österreicher. Sie müssen nur lesen und tun. Ja eh. 

Nicht anders kann auch der Expertenbericht zum Hochschulplan gelesen werden. Ja eh. Nichts Neues unter der Sonne, was die international üblichen Instrumentarien zur Steuerung eines hochkomplexen Bereichs wie eines Hochschulsystems anlangt. Österreich muss nichts erfinden. Es muss nur endlich den Laden in Ordnung bringen, damit er wieder funktioniert.
Dazu gehören ein bisschen Ehrlichkeitszumutung und Mythenzertrümmerung. Die Idee des freien (de facto ungeregelten) Hochschulzugangs war und ist schön. Aber im Grunde hat er nur einen - der allein war ihn schon wert! - nachweisbaren Effekt gehabt: Die Zahl der Mädchen, die (wie ihre Brüder) an die Uni „durften", ist dadurch deutlich gestiegen. Aber von sozialer Durchmischung kann keine Rede sein, Studiengebühren hin oder her. Die universitäre Bastion ist bis heute für Kinder aus bildungsfernen, sozial schwachen Familien schwer einzunehmen. 

Oder: Warum gerade bei den Universitäten das Naturgesetz der Endlichkeit von Kapazitäten quasi als fiktive und wenn, dann höchstens selbstregulierende Größe gilt, möge verstehen, wer kann. Jedes Sportstadion wäre längst polizeilich gesperrt worden, wenn es wie die Unis überfüllt wäre.

Diese alten Polit-Scheingefechte verhindern eine intelligente Reform. Dabei sollte gerade im Bildungsbereich der Vorsprung der geänderten Zeiten nie zu groß werden. (DER STANDARD; Printausgabe, 24.8.2011)

karl65
01
24.8.2011, 17:48

Das Stadion wäre ausgebaut, nicht gesperrt worden.

Die Kehrseite von zu viel Studenten ist zu wenig Plätze. Haben wir in Ö zu viel Akademiker?

dieweise
00
24.8.2011, 17:44
nimmersinnvoll

die kommentare der frau nimmervoll sind meist oberflächlich und wenig sinnvoll.
jede insiderin weiss, dass die auswahl der 3 expertinnen so erfolgt ist, damit ein resultat herauskommt, das der OeVP und den interessensgruppen hinter ihr genehm ist.
zB die empfehlung, die universitäten abzubauen und stattdessen die FHs auszubauen, ist ein kotau vor denen, die von den FHs profitieren, finanziell und (landes)politisch.

3 expertinnen, die zB von den rektorinnen ernannt worden wären, hätten in einigen wichtigen punkten etwas diametral anderes empfohlen.

die uninformierte berichterstattung a la kommentare von nimmervoll sind wenig hilfreich.

her wig
00
24.8.2011, 09:21
Warum sollte man etwas ändern?

Aus der Perspektive eines pragmatisierten Profs gesehen wäre das nur ein unnötiger Stress. Aus der Perspektive eines pragmatisierten Beamten gesehen ist ohnehin alles in Ordnung, solange alle Formulare rechtzeitig ausgefüllt werden. Das einzige was irgendwie drängt ist das schlechte Bild in der Öffentlichkeit, aber die hat ausser einem "Ja eh" nichts zu sagen.

danielle durands schatten
03
23.8.2011, 21:08
nichts neues

...sind allerdings auch kommentare wie dieser. wie wäre es einmal, wege aufzuzeigen, wie die kapazitäten (sinnvoll) erweitert werden können, um möglichst vielen ein studium zu ermöglichen? wieso macht man sich immer nur gedanken, möglichst viele von der universität fernzuhalten? das ist paradox, denn als es studiengebühren für alle gab, war die situation keinen deut besser. und von zugangsbeschränkungen profitieren meistens die, für die auch studiengebühren kein problem sind - es lernt sich halt leichter, wenn man nicht daneben noch arbeiten gehen muß.

Dampfschiff St. Nepomuk
04
23.8.2011, 21:17

Das passiert eigentlich im gegenständlichen Bericht:
Internat. Abkommen, Beteiligung der Länder, Beteiligung der Wirtschaft, Verbesserung der akademischen Qualität an den FHs, etc.

Interessant ist nur, dass das anstandslos von Politik und Kommentatoren überlesen wird und nur die Resourcenverengung in der einen, wie in der anderen Richtung zur Debatte steht.

Dampfschiff St. Nepomuk
05
23.8.2011, 20:20

Das Beste daran: Wetternachrichten als Related Link.

Warum spricht eine fehlende Korrelation für die Abschaffung des realen Gegenstücks einer untersuchten Variablen? Wenn Studienfreiheit nur einen Effekt auf die Genderverteilung nicht aber auf die soziale Durchmischung hat, spricht das schon ausreichend für deren Abschaffung? Wenn für Sportstadien ein erhöhter Andrang besteht, warum wird Fussball anläßlich von E/WMs nicht abgeschafft, anstatt zusätzliche Infrastruktur bereit zu stellen? Warum sind alle Fakten im Bildungsfeld nur im Sinne einer Eingrenzung zu interpretieren, garniert mit ad-hoc Parallelen, die gerade ganz anderen Umgang mit gleichartigen Phänomenen zeigen?
Ich unterstelle der Autorin allerdings nicht diese Position.

kopfsalat
00
24.8.2011, 16:31
in diesem fall zumindest ist klar,

welche partei, aus dogmatisch-populistischen gruenden, jede aenderung des status quo verweigert.

quantitaet vor qualitaet ist das deklarierte motto, was aus stimmentechnischen gruenden sinnvoll erscheint.

quantitaet mit qualitaet interessiert bezeichnenderweise ebensowenig wie qualitaet vor quantitaet. mit der qualitaet ham mirs halt generell net so.

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