Sozialsystem am Prüfstand

IHS-Felderer: Notfalls Eingriff in bestehende Pensionen

23. August 2011, 17:45

Wenn das Pensionsalter nicht drastisch steigt, sind Kürzungen bestehender Leistungen unausweichlich, warnt IHS-Chef Bernhard Felderer

Wenn das Pensionsalter nicht drastisch steigt, sind Kürzungen bestehender Leistungen unausweichlich, warnt IHS-Chef Bernhard Felderer. Generell stehen beim Forum Alpbach die Sozialsysteme auf dem Prüfstand.

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Alpbach - Manche sprechen von Sozialabbau, andere von -sicherung. Bei den Reformgesprächen des Europäischen Forums Alpbach dominieren nicht ganz überraschend die Reformideen. Laut Michael Eilfort, Chef der deutschen Stiftung Marktwirtschaft, "werden uns die steigenden Aufwendungen des Sozialsystems um die Ohren fliegen". "Aus der sozialen Marktwirtschaft wird zusehends eine staatliche Sozialwirtschaft mit schrumpfenden Marktnischen", stellt Eilfort, der der CDU nahesteht, fest.

Wenn die Zahl der wegen niedriger Einkommen steuerbefreiten Beschäftigten ständig steige, sei es kein Wunder, dass diese Gruppe kein Problem mit höheren Steuern habe, unterstreicht Eilfort. In Deutschland fehlten angesichts ähnlicher Niveaus von Sozialleistung und Einkommen aus Beschäftigung Anreizen zu Jobannahme. "Wenn diese Probleme nicht angegangen werden, drohen ein Verlust des Wohlstands und soziale Unruhen", konstatiert Eilfort. Bernhard Felderer, Chef des Instituts für Höhere Studien, kann sich dem nur anschließen.

Allerdings ortet er bei den großen Reformblöcken Gesundheit und Pensionen in Österreich Stillstand. Anreizwirkungen - sei es für längeres Arbeiten oder Präventivmaßnahmen im Gesundheitssystem würden von der Politik "völlig negiert". Nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa ortet Felderer nahezu eine "Entscheidungsunfähigkeit" und fordert nun radikale Schritte: Wenn die Frühpension nicht abgeschafft und das Antrittsalter in zehn bis 15 Jahren auf 62 bis 63 Jahre angehoben werde, seien Eingriffe in Bestandspensionen denkbar. Dazu zählt er Anpassungen der Renten unterhalb der Inflationsrate. Die Invaliditätspension gehöre überhaupt aus dem Versicherungssystem eliminiert, in der Regel könnten die Betroffenen auch bei Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit für adäquate Aufgaben eingesetzt werden. Die Abschläge bei vorzeitigem Pensionsantritt sollten sofort nach versicherungsmathematischen Grundsätzen erhöht werden, fordert das IHS in einer im Auftrag der Wirtschaftskammer erstellten Studie.

Im Gesundheitsbereich setzt sich Felderer für eine Reduktion der Akutbetten ein. Bei stationären Spitalsaufenthalten sei Österreich in punkto Ausgaben auf bestem Weg zum Weltmeistertitel. Eine andere Richtung hat Dänemark eingeschlagen, wie der frühere Gesundheitsminister und jetzige Privatkrankenhaus-Manager Jakob Axel Nielsen berichtet. Ab 2007 seien die Akut-Stationen des Landes auf 20 halbiert worden, primär um das Qualitätsniveau anzuheben, als "angenehmer Nebeneffekt" sanken freilich auch die Kosten deutlich. Zudem können Patienten ab einer bestimmten Wartezeit auf Privatspitäler zurückgreifen, die dann die Kosten ersetzt bekommen. So habe man die Effizienz im Spitalswesen deutlich angehoben, erklärt Nielsen.

Am deutschen Arbeitsmarkt sieht Peter Hartz, unter dessen Leitung eine nach ihm benannte Kommission im Auftrag der Regierung Gerhard Schröder (SPD) weitreichende Konzepte vorlegte, viele Verbesserungen, gibt aber zu, dass die Reform wegen des Aufschwungs bei Billigjobs umstritten sei. Größten Handlungsbedarf sieht er bei den zwei Millionen Langzeitarbeitslosen, wobei sich Hartz zu jenen Optimisten zählt, die hier eine Vermittlung am Arbeitsmarkt großteils für möglich halten. (as, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.7.2011)

Kommentar posten
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Rosenholzer
10
10.10.2011, 13:32

Na was sich der fordern traut, so eine Frechheit. Eingriff in bestehende Pensionen. Alternative: Wir rechnen aus, wieviel jeder in die Pension einbezahlt hat, und dann wird ausgerechnet wieviele Jahre Pension dass ausbezahlt werden können. Was darüber hinausgeht, müssens selber berappen.

okami
00
10.10.2011, 01:16
Vor kurzem war zu lesen: Vermögenssteuer ist Enteignung.

Was ist der Eingriff in bestehende Pensionen?

Christoph Karl Steininger
02
11.10.2011, 16:35
Diebstahl?

Schließlich ist auch die Pensionsversicherung eine Versicherung. Verträge sind einzuhalten!

orang orang
01
9.10.2011, 02:00

Mir steigen die Grausbirnen auf wenn ich all das unqualifizierte Gequatsche der sog. Eliten dieses Landes lese (adäquate Arbeitsplätze usw., Eingriff in bestehende Pensionen - passiert schon ständig u.ä.)

Solche Stehsätze dienen einzig und allein der Meinungsbildung, fern jeder Realität, und wie man in vielen Forenbeiträgen lesen kann fallen sie auf fruchtbaren Boden, man lässt denken und was dabei herauskommt liest man ja tagtäglich.

woody999
02
8.10.2011, 08:55
wo sind die arbeitsplätze für ältere (über 45 jährige), die keine einschränkungen haben?

es gibt nicht einmal diese arbeitsplätze!
für menschen mit irgendwelchen einschränkungen (gesundheitlich, geringe qualifikation) gibt sowieso keine arbeitsplätze, die "adäquat" sind!

herr felderer! in welchem elfenbeinturm leben sie? sowas von weltfremd! gehen sie mal aufs AMS und reden sie mit den menschen, die dort warten! nicht nur in statistiken blättern, die sie selber erstellt haben (= selber manipuliert)!

woody999
00
8.10.2011, 08:46
eingriff in bestehendes (pensions-)recht, damit die banken die nächsten milliarden bekommen

warum wird nicht endlich in das wahnsinnige spekualtionsunwesen der banken eingegriffen?
es gab keine wesentlichen änderungen für die zocker nach der letzten finanzn(banken)krise!
die psychopaten in den investmenbanken treiben weiterhin genauso ungebremst ihr unwesen!

warum sollten sie auch ihren wahnsinn beenden? die verluste, die sie bauen trägt dann die bevölkerung. die gewinnen gehören aber ihnen!

legal eagle
 
03
1.10.2011, 20:24
werter herr felderer, ich hätte wirklich geren eine einschätzung zum folgenden von ihnen:

seit 2007 werden asvg-pensionen über bestimmten beträgen (ab 2.300,- brutto) nicht mehr mit dem gesetzlichen anpassungsfaktir angehoben sondern nur mit geringeren prozentsätzen bzw. pauschalbeträgen angehoben - was zu einer de facto entwertung dieser pensionen um runde 15% geführt hat.

sehen sie das als eingriff in bestehende pensionen an?

wenn nein, warum nicht?

mml1
05
29.9.2011, 07:46
Der Felderer und sein "IHS" ist eine reine Eindimensionaldenkertruppe.

Der Hanswurst hat 1. nicht bemerkt, dass es bereits eingriffe in bestehende pensionen gab, im Vorjahr gab es für kleine Pensionen 1,2% brutto(!) Erhöhung für größere ("groß" ist alles über 2.000,--Eur brutto)gar nichts. Dann hat er nicht gesagt, wie ein schwer kranker Mensch (z.B. jemend nach einém Schlaganfall oder jemand mit einer therapieresistenen bipolaren Affektstörung) mit 50+ einen "adäquarten" Arbeitsplatz finden soll, abgesehen davon, was es für den Arbeitsmarkt bedeuten würde, wenn alte und Kranke nicht für die Jungen Platz machten. Von einer "höheren" Studie kann da sicher nicht gesprochen werden, wohl aber von Wichtigtuerei eines größenwahnsinnigen unitelligenten Schwätzers.

Rosenholzer
00
10.10.2011, 13:33

Das Problem ist, dass die Eingriffe zu schwach sind.

mml1
01
10.10.2011, 16:11
Nein, das Problem ist, dass man da nicht eindimensional sondern systemisch denken muss und das können weder Felderer noch die Politiker.

Dieses Thema hat so viele Aspekte, die in Interdependenz stehen, dass man das hier nicht einmal umreißen kann. Nur eine kleine Überlegung; wenn man (theoretisch) die 460.000 Invaliden wieder in den Arbeitsmarkt stößt (Felderer findet ja für jeden(!) einen adäquaten(!) Arbeitsplatz, verdoppelt sich (optimistisch gesehen) die Arbeitslosenquote und noch mehr, weil ja "Alte" den "Jungen" auch Arbeitsplätze wegnehmen, die werden ja kaum mehr. Die Auswirkungen? Vielschichtig. Das alles ist wie ein Mobile, man stößt ein Teil(chen) an und das ganze beginnt zu schwingen; bremst man ein anderes Teil, hat das wiederum Auswirkungen auf alle Anderen, uswusw. Systemtheorie halt und keiner dieser unintelligenten Dummköpfe kann komplex denken.

K._Tipster
02
18.9.2011, 19:41
Politikerpensionen halbieren, ja!

Rückwirkend bis incl. Jänner 2000

Karl-Ernbrecht von Stenitzer
 
00

Eingriff in bestehende Pensen? Hohooh - selten so gelacht. Der zweiten Karriere des Felderer als Komödiant steht nichts im Wege.

Herbert Novak1
03
Fehlende Preposition bei Felderers Formulierung

Fehlende Preposition bei Felderers Formulierung. Wenn der Satz so lautet, dann stimmt 100%: "Notfalls Eingriff in meine bestehende Pension" und zwar in alle Pensionen die höher als 2fache ASVG-Höchstpension.

paradiselost
12
31.8.2011, 22:49
kuenftig "Anpassungen der Renten unterhalb der Inflationsrate"???

das ist ein witz! und zwar ein schlechter.

wer sein leben lang ohne ersatzzeiten oder lücken stets die höchstbeiträge zur SV (damit auch der PV) einbezahlt hat, auf anraten der PV wegen langer versicherungszeit - also mehr als die erforderlichen beitragsmonate - und aufgrund der "altersfreundlichkeit" österreichischer arbeit- bzw. auftraggeber nicht mehr die existenz sichernden einkommensmöglichkeiten 9 monate vor erreichen des gesetzlichen pensionsalters in pension gegangen nun eine nicht gerade üppige pension von <2500 EUR brutto bezieht, der hat schon zwei jahre lang keine inflationsrate mehr abgegolten bekommen!

wer also spricht da von "künftigen" eingriffen in bestandspensionen???
verlasst doch bitte den elfenbeinturm!

super cat
06
31.8.2011, 18:15
Was hebt der im Monat ab für den Unsinn den er von sich gibt?

Früher verdiente ein Manager das 14fache eines Angestellten, heute das 40fache, das ist natürlich kein Thema - aber Hauptsache man will Invaliditätspensionen streichen weil es für Betroffene angeblich eh adequate Jobs gibt. Alleine diese Behauptung zeigt von völliger Unkenntnis der Realität und ist menschenverachtend.

my comment
14
30.8.2011, 07:04
Felderer

propagiert einen Vetragsbruch!

legal eagle
 
01
1.10.2011, 20:29
jein - die gesetzlichen pensionen beruhen auf dem pflichtversicherungssystem,

in dem es keine gegenseitigen verpflichtungserklärungen gibt wie in einem vertragssystem.

trotzdem haben sie nicht unrecht - der europäische gerichtshof düe menschenrechte hat ausgesprochen, dass die leistungen auf beitragsfinsnzierten sozialsystemen - wie dem österreichischen pensionssystem - dem grundrechtlichen eigentumsschutz unterliegen.

gesetzlich eingriffe in bestehende pensionen wären daher enteignungen und somit an sich bereits problematisch.

tuoba
01
28.8.2011, 23:41
Felderer ein Totengräber des Kapitalismus.

anyuser
 
01
29.8.2011, 09:50
der kapitalismus ist eine totgeburt

nosferatus3
012
28.8.2011, 11:30
vor einigen jahrzehnten

war der traum, daß maschinen unser leben leichter und unsere arbeitszeit insgesamt verkürzen können.
was hat der kapitalismus daraus gemacht? 2/3 hackeln wie die trotteln und ein drittel kriegt almosen. darüber schwebt ein klüngel von geschäftemachern und korrupten politikern.

nosferatus3
03
28.8.2011, 11:27
der herr felderer

sollte einmal seine erhebungen zur verteilung der einkommen öffentlich machen und da analysieren.
bei einer weiteren entwicklung so wie sie jetzt ist sind revolten nahezu unausweichlich.

Werkzeug
 
01
28.8.2011, 07:35
Wenn die Zahl der wegen niedriger Einkommen steuerbefreiten Beschäftigten ständig steigt,sollte man deren Einkommen "adäquat" anpassen

Das denen in Alpbach das nicht einfällt dürfte wohl durch eine
"bewusste Betriebsblindheit" ausgelöst werden.
" Zweckzynismus " denke ich wäre eine treffende
Bezeichnung für die Aussagen dieses "sauberen Herrn "

heinz strobl
 
06
27.8.2011, 22:30
einige Sozialwissenschafter

behaupten wir alle müssten länger arbeiten.Niemand von den Medien stellt aber die alles entscheidende Frage:Bei Wem ?
Heute werden Arbeitnehmer gedrängt, gemobbt und manchmal auch erpresst in Frühpension zu gehen, weil sie dem Unternehmer zu teuer werden.
Bei Invaliden ist es oft noch härter.Soviele geschützte Werkstätten gibt es gar nicht.
Statistiken sagen nicht viel über die Lebensrealität aus.Hier braucht es mehr qualitative Interviews als Ergänzung , als Korrektiv.

empört euch !
17
27.8.2011, 15:17
von Felderer bin ich ja schon einiges gewohnt

vorallem was die verteidigung der rechte der privilegierten betrifft, aber jetzt allen ernstes den vorschlag zu machen, bestehende pensionen zu kürzen schlägt dem faß den boden aus.
von vertrag noch nie was gehört, herr felderer? und pensionisten haben einen vertraglich gesicherten anspruch auf ihre pension aufgrund der einzahlungen ins pensionssystem.
ersuche höflich um ersatzlose schließung des ihs und wegrationalisierung des skrupellosen wirtschaftskammer/industriellenvereinigungsadlaten felderer. alle seine bisherigen prognosen waren falsch. wartum hält sich die regierung so einen falschen fufziger?

g'stieß
02
27.8.2011, 07:55
nur so nebenbei aus dem garten gepostet:

die eingriffe in bestehende pensionen gibt es ja längst - beamten zahlen auch noch von ihren pensionen einen pensionssicherungsbeitrag.

und bezieher "höherer" asvg- und gsvg-pensionen (ab ca. € 2.100,-) haben seit 2007 keine inflationanpassung mehr bekommen sondern nur unterdurchschnittliche pauschalanpassungen. das summiert sich im lauf der jahre auf runde 15% wertverlust.

verstehn's mich recht: ich finde, das ist sozialpolitisch diskutierbar (als betroffener).

aber wir wollen doch bitte auch in debatten redlich bleiben, oder, herr felderer?

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