Die Schweiz wehrt sich mit einem Numerus clausus nur für Deutsche - Auch Österreich wird etwas unternehmen müssen
Eigentlich müsste man sich darüber freuen, wenn mehr junge Menschen ihre Chancen nutzen und ein Studium beginnen wollen. In der guten Ausbildung der Jugend liegt die Zukunft, hat die Regierung irgendwann einmal behauptet, aber vielleicht war das auch schon die vorige Regierung. Und eigentlich müsste man stolz darauf sein, wenn viele Studenten aus dem Ausland bei uns studieren wollen. Das ist quasi wie eine Visitenkarte für die Qualität unserer Universitäten.
Aber eigentlich sind wir in Österreich. Und hier wird ein verbissener Abwehrkampf gegen jeden zusätzlichen Studierenden geführt. Wollen wir nicht und brauchen wir nicht. Die Regierung kann oder will keine zusätzlichen Mittel bereitstellen, um einen halbwegs qualitätsvollen Massenbetrieb an den Universitäten sicherzustellen - ein Armutszeugnis, auch rein finanziell gesehen.
Freilich ist Österreich mit diesem Problem nicht allein. Auch die deutschen Hochschulen kämpfen mit dem starken Andrang bildungs- und karrierehungriger junger Menschen. Deutschland reicht das Problem gerne weiter: an Österreich eben oder auch an die Schweiz.
Die Schweiz wehrt sich mit einem Numerus clausus - nur für Deutsche. Die Schweiz darf das. Das EU-Mitglied Österreich nicht. Aber auch Österreich wird etwas unternehmen müssen. Den Zugang beschränken oder, besser noch, Mittel zur Verfügung stellen. Sonst: Armutszeugnis. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.8.2011)