Hochschulpolitik: Armutszeugnis

Kommentar | Michael Völker, 22. August 2011, 18:30

Die Schweiz wehrt sich mit einem Numerus clausus nur für Deutsche - Auch Österreich wird etwas unternehmen müssen

Eigentlich müsste man sich darüber freuen, wenn mehr junge Menschen ihre Chancen nutzen und ein Studium beginnen wollen. In der guten Ausbildung der Jugend liegt die Zukunft, hat die Regierung irgendwann einmal behauptet, aber vielleicht war das auch schon die vorige Regierung. Und eigentlich müsste man stolz darauf sein, wenn viele Studenten aus dem Ausland bei uns studieren wollen. Das ist quasi wie eine Visitenkarte für die Qualität unserer Universitäten.

Aber eigentlich sind wir in Österreich. Und hier wird ein verbissener Abwehrkampf gegen jeden zusätzlichen Studierenden geführt. Wollen wir nicht und brauchen wir nicht. Die Regierung kann oder will keine zusätzlichen Mittel bereitstellen, um einen halbwegs qualitätsvollen Massenbetrieb an den Universitäten sicherzustellen - ein Armutszeugnis, auch rein finanziell gesehen.

Freilich ist Österreich mit diesem Problem nicht allein. Auch die deutschen Hochschulen kämpfen mit dem starken Andrang bildungs- und karrierehungriger junger Menschen. Deutschland reicht das Problem gerne weiter: an Österreich eben oder auch an die Schweiz.

Die Schweiz wehrt sich mit einem Numerus clausus - nur für Deutsche. Die Schweiz darf das. Das EU-Mitglied Österreich nicht. Aber auch Österreich wird etwas unternehmen müssen. Den Zugang beschränken oder, besser noch, Mittel zur Verfügung stellen. Sonst: Armutszeugnis. (DER STANDARD, Printausgabe, 23.8.2011)

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duplo66
00

Als Schweizer wundert mich seit langer Zeit eins:

In meiner Heimat ist ein Studium ein durchaus anspruchsvoller Weg, der nicht jedem Menschen einfach so offen steht. Das beginnt bereits bei dem Schwierigkeitsgrad der Matura - die eidgenössische Variante ist um einiges strenger als ein deutsches Abitur.

Des weiteren geniessen viele "Lehrberufe" in der Schweiz nach wie vor hohes Ansehen, damit verbunden sind auch deutlich bessere Gehälter als im restlichen deutschsprachigen Raum.

Das Ganze hat womöglich damit zu tun, dass man junge Menschen, die studieren, so lange wie möglich aus der Arbeitslosenstatistik heraushalten kann. Nur, wer früher arbeitet, zahlt auch früher Steuern...

Ein trauriger Teufelskreis, würde ich meinen.

keep cool1
 
00
23.8.2011, 18:19
Numerus clausus versus Aufnahmeprüfung

Numerus-clausus - also Studiengang bezogene, vorgegebene Notendurchschnitte als Voraussetzung für einen Hochschulplatz - geben keinen Aufschluss darüber - ob Bewerber z.B. für Medizin, Wirtschaft, Publizistik, Psychologie oder Architektur geeignet sind oder nicht! Hier finde ich fachbezogene Aufnahme-/Eingangsprüfungen wesentlich gerechter und effizienter, weil hier Affinität/Leidenschaft/Talent für bestimmte Studienrichtungen getestet werden können!

Munis
03
23.8.2011, 12:39
Ein Armutszeugnis für dieses Land

Den jungen bildungswilligen Menschen wird eine Barrikade nach der anderen aufgebaut, dafür schieben wir den Banken das Geld in den Arsch. Ich schäme mich für diese Politiker , vor allem für jene der so "christlich-sozialen" Volkspartei. Ich habe langsam aber sicher einen tiefen abgrundtiefen Hass auf diese kurzsichtigen Politiker.

mikromalist
 
01
23.8.2011, 17:37
Sie haben so recht,

aber seien Sie ruhig. Hassen Sie nicht.
Denken Sie daran wie tüchtig diese Bevölkerung ist, die es schafft, trotz der Tyrannei der politischen Idiotie, im internationalen Kontext so gut da zu stehen.

Ja, im Bereich Forschung und Bildung ist es die Mittelalter ÖVP, die mit Gewalt versucht unsere Jugend auf niederösterreichisches Funktionärs-Einfaltsniveau nieder zu zwingen.

Und die naiv-idiotische ÖH spielt fröhlich mit. Sie boykottiert ihre eigenen Träume in uni-beschädigendem Aktionismus. Uni brennt Reloaded. Hurra!

Durch Hass kommen wir nicht weiter. Wir müssen sie mit kühlem Kopf verjagen. ÖVP zuerst.

Benjamin Klein
01
23.8.2011, 12:37
numerus clausus ?

man sollte eine EU-weite Zugangsregelung suchen und auch die deutsche Numerus-clausus Regelung hinterfragen ....

Solange die Staaten einzelregelungen haben sollte nur jene Ausländer genommen werden dürfen, die auch im Heimatland eine Studienberechtigung erhalten haben !

Dr. Viktor Frankenstein
00
23.8.2011, 10:44
Und eigentlich müsste man stolz darauf sein, wenn viele Studenten aus dem Ausland bei uns studieren wollen. Das ist quasi wie eine Visitenkarte für die Qualität unserer Universitäten.

Also "wollen" ist da ein bisschen uebertrieben. Fuer viele deutsche Studenten ist es die einzige Moeglichkeit irgeendwo/irgendwas zu studieren. Ein Rueckschluss auf die Qualitaet der oesterreichischen Universitaeten ist unzulaessig.

4321
20
23.8.2011, 09:39

aha herr völker. weil die politik geld verweigert, wird österreich künftig eine noch niedrigere rate an studierten brauchen? wer wird ihre pension zahlen? jene denen dieselben menschen im übernächsten schritt dann auch die volksschule verweigern? mit derselben argumentation: kein geld, und ist ja wirklich nicht einzusehen, dass echt jeder.... nur weiter so und weigern sie sich (wie die meisten ihrer kolleginnen auch) beharrlich fakten, zahlen, daten zur kenntnis zu nehmen.

trollvottel
01
23.8.2011, 10:31

"Wollen wir nicht, brauchen wir nicht" ist eine Verdeutlichung der Haltung der bildungsfeindlichen Hackler und Bauern in Österreich - und ihrer Parteien SPÖ und ÖVP.

Allerdings ist es ein echtes Armutszeugnis, wenn man sofort nach Beschränkungen, Gebühren, Einsparungen schreit, sobald Studierende aus dem Ausland an unsere miesen hinterwälderlischen Unis wollen!
Wir sollten doch froh sein, wenn junge talentierte Leute aus ganz Europa bei uns studieren, Miete zahlen, essen, trinken, Liebschaften und künftige Geschäftspartner kennen lernen und sich mit Österreichern vernetzen wollten! Statt dessen nur das kurzsichtige "Unsere Uni für unsere Leute"-Gequake: Die fremdenfeindliche Propaganda der FP beeinflusst halt nicht nur das Fremdenrecht.

4321
01
23.8.2011, 12:42

gebe ihnen völlig recht. im tourismus argumentiert man mit umwegrentabilität. bei gaststudentinnen kein thema. die övp weigert sich vermögen auch nur annähernd eu schnitt gemäss zu besteuern. argument: bringt ja nur paar hundert millionen. bei den studiengebühren die nachweislich durch die verwaltung aufgefressen werden, ist das plötzlich anders. österreich hat zuwenig studentinnen und man wird das problem nicht lösen, in dem man weiter beschränkt. herr völker bereitet nur wieder boden für övp propaganda auf. diese sorte beiträge ist mehr als verzichtbar, weil längst inhaltl. widerlegt.

her wig
21
23.8.2011, 07:58
Auf der Visitenkarte steht dann drauf:

Zuhause hat man mich zwar nicht genommen, weil ich zu schlecht qualifiziert war, aber die Ösis nehmen dann eh alle.

Benjamin Klein
00
23.8.2011, 12:40
ist einer der die Beschränkungen in Deutschland

knapp verfehlt wirklich schlecht qualifiziert ?
oder ist das dortige System schlecht, weil man es sich bequem macht und -
die Studenten exportiert -
aber die fertigen Akademiker importiert,

das ist soetwas wie Bildungsschmsrotzertum der reichen deutschen Länder .....

keywords
12
23.8.2011, 08:55

zuhause hätte ich in irgendeiner stadt studieren müssen die ich mir nicht aussuchen kann und selbst darauf hätte ich zwei jahre warten müssen, in österreich bin ich zu einem guten arzt ausgebildet worden.

site:°~+*-||!#.\>
02
23.8.2011, 01:49

Alles eine Frage der Prioritäten.

Die Asfinag versenkt in den nächsten 10 Jahren über 10 Mrd. – auf Schulden.

Die ÖBB verbraten in den nächsten 10 Jahren über 15 Mrd. – auf Schulden.

Ein Armutszeugnis für unser Land sind Journalisten wie Völker, die diese Skandale verschweigen.

Erwin Wolfram
10
22.8.2011, 22:40

Ist das der heutige Artikel ueber die Unis?

Asylwiener
111
22.8.2011, 22:32
von wegen armut

ich hab das zwar schon mal gepostet, muss aber postings recyclen wg der hohen kosten..

Unis (Minister) brauchen + 300 Mio.

Die ÖBB hat 2010 4850 Mio verbraucht - Unis bräuchten davon 6%

Der Koralmtunnel kostet 5400 Mio Euro - Unis bräuchten davon 5%

4300 Mio Euro sind 2010 vom Staat zu Pensionen zugeschossen worden - Unis bräuchten davon 7%

Steuereinnahmen Jan - Apr 2011 liegen 1300 Mio über den Erwartungen - die Unis bräuchten davon nicht einmal ein viertel und wären voll finanziert.

aber haben wir nicht alle lieber mehr frühpensionisten, mehr unterschlagenes ÖBB geld und fette parteienförderungen statt funktionierenden unis?

aber es is ja nicht unser problem, damit soll sich die nächste generation gfrettn!

Flann O'Brien.
03
22.8.2011, 21:48

Heutzutage muss ein junger Mensch schon ein politikvermitteltes schlechtes Gewissen haben, wenn er studieren will. Eine Schande!

byron sully
04
22.8.2011, 21:21

so ist es. hierzulande moechte man, dass moeglichst wenig junge leute studieren. denn allzu kritische waehlerInnen sieht man als gefahr.

eiserner
00
23.8.2011, 11:28

Ja, denn nur studierte Sozialwissenschaftler, Publizisten und Politikwissenschaftler wissen was wahr ist. Ob sie mit ihrem Studium einen Job bekommen, ist ja nebensächlich.

The Chaos Path
00
23.8.2011, 11:57

ah ja, daher soll nur noch das unterrichtet werden, was man wirtschaftlich verwursten kann. und bloss nicht auf die unis beschränken! weg mit der unnüten allgemeinbildung in den schulen! sachunterrich in der volksschule? nein, wozu denn bitte das.

welch traurige einstellung...

thinkabout1
06
22.8.2011, 21:15
Unwilligkeit

Wenn man beobachtet, mit welchen Budgetsummen jongliert wird, welche Summen man - ohne mit der Wimper zu zucken - in Tunnellöcher wirft oder den Abfangjägern nachschmeißt, muß man ganz hart konstatieren: Es liegt nicht am Geld sondern ganz einfach am mangelnden Willen der Regierenden.
Davon abgesehen, dass die ausreichende Dotierung der Universitäten und die politischen Rahmenbedingungen zwei paar Schuhe sind, die immer junktimiert werden. Studiengebühren als Lenkungsinstrument zu diskutieren ist legitim, kann aber nicht die Ausfinanzierung der Unis ersetzen (alles andere ist Lug und Trug)

Phan Tast
00
22.8.2011, 22:50

Unwillen und Ignoranz sind die tönernen Beine des Abgesangs.

Wenn nicht bald etwas geschieht, werden noch mehr Menschen resignieren. Das darf nicht passieren. Die Politik darf nicht länger ignorieren.

RationalMensch
03
22.8.2011, 21:11
Die Politik ist nur so schlau wie seine Bürger.

Und da liegt das Problem. Denkende, das System hinterfragende Menschen sind in der durch Lobbyismus bestimmten Politik nicht erwünscht. Fußballern, reichen Russen oder Großindustriellen die ihr Geld in Ö parken wollen wird die Staatsbürgerschaft nachgeschmissen. Top-Wissenschaftlern nicht (siehe das Kasperltheater um Josef Penninger und dessen Familie).

wizenstain
00
22.8.2011, 20:16
Den Zugang beschränken oder, besser noch, Mittel zur Verfügung stellen

sehr kreative loesungsvorschlaege - waer ich wohl nie drauf gekommen

Queen of Sheba
 
94
22.8.2011, 18:59
Wieso soll man stolz darauf sein, den Ausschuss der deutschen Hochschulzulassung aufnehmen zu müssen ?

smea_gol
00
24.8.2011, 19:39

Ich glaube Sie sollten gut überlegen, ob sie wirklich in der lage sind zu beurteilen was ausschuss ist, und was nicht...

Menschen als Ausschuss zu bezeichnen führt uns recht rasch in bestimmte Untiefen, und da wollen sie sicher nciht eingeordnet werden, oder?

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