Während Österreichs Politiker noch Lösungen für den erwarteten Zustrom deutscher Studenten an die heimischen Unis suchen, verschärft die Schweiz für das kommende Semester die Zulassungsbedingungen
Wien - Doppelte Abiturjahrgänge und das Aussetzen der Wehrpflicht sorgen für Aufregung in Deutschlands Nachbarstaaten. Nicht nur in Österreich, auch in der Schweiz befürchten die Hochschulen einen massiven Anstieg deutscher Studenten.
Doch während sich die heimische Politik darüber uneinig ist, welche Maßnahmen getroffen werden können, um einen geregelten Uni-Betrieb zu gewährleisten, wird in der Schweiz gehandelt: Für das im September beginnende Herbstsemester werden nur noch Studienanfänger zugelassen, die auch an einer anerkannten deutschen Hochschule zugelassen sind. Für alle anderen Bewerber aus dem nördlichen Nachbarland gilt ab sofort ein Numerus clausus.
"Wir wollen die guten Leute"
Die verschärften Zulassungsbedingungen hat eine Arbeitsgruppe der Rektorenkonferenz der Schweizer Hochschulen (Crus) erarbeitet. Crus-Präsident Antonio Loprieno betonte, die Regelung stehe im Licht der Qualitätssicherung: "Wir sind offen für ausländische Studenten. Aber wir wollen nicht jeden, sondern die guten Leute." In der Schweiz galt bisher nur für vereinzelte Fächer an einzelnen Unis, dass Deutsche bereits an einer eigenen Uni zugelassen sein müssen. Die neue Guillotine-Regelung gilt nun schweiz-weit für alle Studienrichtungen. Ausnahmen bilden die Universitäten St. Gallen und Tessin.
"In Deutschland gibt es für viele Fächer einen Numerus clausus", führt Thomas Tschümperlin vom Rektoratsdienst der Universität Zürich aus. "Mit den neuen Zulassungsbedingungen wollen wir verhindern, dass wir zur Ausweich-Universität für jene Studierenden werden, die in Deutschland die Voraussetzung für einen Studienplatz nicht erfüllen."
Eine solche Lösung ist zwar im Nicht-EU-Land Schweiz möglich, nicht aber in Österreich. Aufgrund des Gleichheitsgrundsatzes der EU müsste der Numerus clausus für alle Studenten gelten - nicht nur für die Deutschen, wie das die Schweiz plant.
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) hat sich im Standard-Gespräch bereits gegen den Vorschlag von Tirols Landeshauptmann Günter Platter (ÖVP) ausgesprochen. Er sei weiter der Ansicht, strukturelle Maßnahmen seien Zugangsregeln und Studiengebühren.
"Unfair und dumm"
Der Wissenschaftssprecher der Grünen, Kurt Grünewald, bezeichnete den Vorschlag Platters, nach Matura-Noten zu urteilen, als "unfair und dumm. Die Bundesregierung muss endlich begreifen, dass wir mehr und nicht weniger Studierende in Österreich brauchen." (red, APA, STANDARD-Printausgabe, 23.8.2011)