Arbeitsmarkt

Jeder fünfte junge Migrant hat keinen Job

Bericht | Maria Sterkl, 22. August 2011, 14:39
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    foto: apa/jäger

    Konsumzwang hin oder her: Vielen Kids aus Migrantenfamilien fehlt das nötige Einkommen dafür

AMS rüstet auf - Kurz-Vorstoß "mit uns nicht abgesprochen", sagt Sozialminister

Den Migrantenindex fürs Arbeitsmarktservice, Sebastian Kurz‘ neuer Einfall vom letzten Wochenende, es gibt ihn schon. "Wir arbeiten seit Jahren daran", erklärte Sozialminister Rudolf Hundstorfer am Montag. Und widerspricht auch gleich in aller Gelassenheit dem Staatssekretär für Integration, der seinen Vorstoß für "mit dem Arbeitsminister abgesprochen" erklärt hatte. "Was der Herr Kurz von sich gegeben hat, kann ich nur den Medien entnehmen", so Hundstorfer. Jedenfalls gebe es schon seit Herbst eine spezielle Zielvorgabe ans AMS, sich um migrantisches Publikum besonders zu kümmern. "Da brauch ich keine Task Force dazu", spielt Hundstorfer auf Kurz‘ zweiten Vorschlag an. Und überhaupt: Er verhandle mit den Sozialpartnern, und "nicht mit dem Koalitionspartner".

Schlecht ausgebildet

Wie auch immer: Dass dringend etwas getan werden muss, darin sind sich Hundstorfer und Kurz wohl einig. Menschen mit Migrationshintergrund sind doppelt so oft arbeitslos wie Menschen ohne Migrationshintergrund. Zwar sind sie im Schnitt kürzer auf Jobsuche, doch werden sie ihre Jobs auch schneller wieder los. Das liegt vor allem daran, dass MigrantInnen durchschnittlich schlechter ausgebildet sind. Nur 16 Prozent der Menschen ohne Migrationshintergrund haben lediglich einen Pflichtschulabschluss - aber 44 Prozent jener mit Migrationshintergrund. Das ist eine Folge der Gastarbeitermigration in den Sechziger- und Siebzigerjahren, als Österreich den Bedarf an minderqualifizierten Arbeitskräften nicht mit inländischem Personal decken konnte. Später wandelte sich das Bild: Jene MigrantInnen, die in den letzten Jahren ins Land kamen, sind sogar überdurchschnittlich gut gebildet, sagt Hundstorfer.

Muttersprachen sind AMS egal

Während nur 16 Prozent der Beschäftigten einen Migrationshintergrund haben, trifft das auf zwei Drittel der AMS-Kundschaft zu. Das liegt nicht nur an der geringen Qualifikation: Immer noch wird Mehrsprachigkeit nicht als Vorteil betrachtet. Während die Deutschkenntnisse bei AMS-Gemeldeten gezielt abgefragt und im schlechtesten Fall als  "Sprachdefizit" vermerkt werden, sind zusätzliche Sprachen im AMS-Erstgespräch kein Thema. Das bestätigt AMS-Vorstand Johannes Kopf auf derStandard.at-Nachfrage: "Nur, wenn der Kunde eine Sprache als besondere Qualifikation angibt, wird sie registriert", sagt Kopf. 

Auch bei der Anerkennung von Abschlüssen hapert es. Zugewanderte sind drei Mal so oft unter ihrer Qualifikation beschäftigt wie ÖsterreicherInnen.

Jugendliche bereiten Sorge

Brenzlig ist es vor allem beim Nachwuchs: Während bei den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund 7,3 Prozent keinem Job und keiner Ausbildung nachgehen, sind es bei den Jungen mit Migrationshintergrund fast zwanzig Prozent. Sorge bereitet hier, dass mehr als die Hälfte von diesen arbeitslosen Kids erst gar nicht in Kontakt mit dem AMS kommt. Zehn Prozent der Jungen mit Migrationshintergrund gelten als sogenannte "Nichterwerbspersonen", - sie sind also weder berufstätig, noch arbeitslos, noch in einer Ausbildungsstätte gemeldet. Bei den Jungen ohne Migrationshintergrund sind es nur 3,2 Prozent. "Da muss man wahrscheinlich mit Streetworkern arbeiten", vermutet Johannes Kopf. Der Sozialminister glaubt wiederum, dass ein zusätzliches Pflichtschuljahr helfen könnte. "Ich fordere das ja schon seit Jahren", beteuert Hundstorfer.

Wenige Fremdsprachen-BeraterInnen

Künftig sollen Jugendliche beim Umstieg von der Schule in den Beruf intensiver begleitet werden. Ein solches Projekt gibt es in Wien, nun soll der Pilot auch in drei Bundesländer wandern. Das Angebot an Muttersprachen-Beratung soll wachsen - schließlich hat das AMS erst vor zwei Jahren begonnen, gezielt nach Beschäftigten mit Migrantensprachen-Kenntnissen zu suchen. Das bescheidene Ergebnis: Heute hätten 176 von 5400 MitarbeiterInnen "profunde Kenntnisse einer der wichtigsten Sprachen der KundInnen mit nichtdeutscher Muttersprache", so AMS-Vorstand Herbert Buchinger. 

Um einen besseren Überblick zu haben, wie die Beschäftigungssituation von Menschen mit Migrationshintergrund ist, werden beim AMS künftig nicht nur Staatsbürgerschaften, sondern auch der Migrationshintergrund erfasst. Buchinger will noch weiter gehen: Er will künftig nicht nur wissen, wie viele MigrantInnen insgesamt arbeitslos oder in Schulungsmaßnahmen sind, sondern auch bei jedem und jeder AMS-Betreuten mit einem Mausklick erfahren können, ob er oder sie einen Migrationshintergrund hat. Zurzeit ist das aus Datenschutzgründen nicht erlaubt - die ethnische Herkunft gilt es besonders sensible Auskunft. Buchinger wünscht sich deshalb eine Novelle des Datenschutzgesetzes. 

"Österreich war und ist ein Einwanderungsland", stellt Hundstorfer fest. Grund für Existenzängste sei das keiner, sagt Hundstorfer: "Die Zuwanderung erhöht die Arbeitslosigkeit von Inländern nachweislich nicht", so der Minister. Denn dort, wo laut Statistik die meisten MigrantInnen arbeiten, stehen die inländischen Jobsuchenden selten Schlange: Landwirtschaft, Gastgewerbe, Bau. (Maria Sterkl, derStandard.at, 22.8.2011)

Kommentar posten
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Loyalist
00
Ich bin ex-Migrant (Westeuropa) und habe fast 10 Jahre keinen Job gehabt!!

Ich (öst. Staatsbürger) habe mich bemüht einen Job zu bekommen!
Und ich nehme mir das Recht nur diesen speziellen Job anzunehmen, weil die meisten auch das bekommen was sie erlernt haben.
Aber wenn man immer abgewiesen wird, dann soll man sich nicht wundern wenn man auf Kosten der Steuerzahler lebt.
Und nach kurzer Zeit habe ich mich nicht mehr dafür geniert.

Jambala Magdalena
01
23.8.2011, 18:28

Ich nehme an, es geht hauptsächlich um das AMS Wien und ich nehme auch an, dass die Bediensteten des AMS überfordert, ratlos und müde sind. Die Schuld trägt nicht zuletzt die Politik, weil eben die Arbeitslosen verwaltet werden sollen und müssen, denn Vermittlung ist oftmals einfach nicht möglich. Wenn jemand keine guten Deutschkenntnisse hat und sich diese auch nicht aneignen will, ist er nicht arbeitswillig und daher auch nicht mehr vorzumerken und schon hätte man ehrliche Zahlen.

Aktive Arbeitslose
30
23.8.2011, 15:41
Worum es Hundstorfer wirklich geht

Erstaunliche Hofberichterstattung die das wesentliche der Pressekonferenz eben nicht nenne: Dass das AMS Daten über die ethnische Herkunft bzw. Staatsbürgerschaften der einzelnen Arbeitslosen MigrantInnen habe will um diese von oben herab in AMS-Zwangsmaßnahmen zuweisen kann bzw. diese der Wirtschaft auf Kosten der Versichertengemeinschaft via spezieller Förderprogramme als billige Zwangsarbeiter zur Verfügung stellen kann ...

http://www.aktive-arbeitslose.at/news/2011... iling.html

bluebeard's 8th wife.
00

also, ich finde es jetzt nicht wirklich verwerflich, wenn zb eine kursmaßnahme geplant und durchgeführt und zugewiesen wird, die schwächen in gesprochener und geschriebener sprache ausgleicht...

Frau Trude
123
23.8.2011, 13:32

das bedeutet, dass 4 von 5 migranten den großteil der fpö-wähler durchfüttern.

hubert gambrinus
34
23.8.2011, 15:46
Es ist noch Ihre Antwort zu Ihrer "These" ausständig

Frau Trude
migranten zahlen in österreich mehr in das sozialsystem ein, als sie herausnehmen.

sie sollten also alles nochmals in ruhe überdenken

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Das hört man immer wieder,
können Sie das bitte mit Zahlen/Unterlagen/Quellen beweisen.

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palmström
02
24.8.2011, 10:48
so wie sich das darstellt

ist es lediglich ein effekt des geringeren durchschnittsalters

wobei sehr viele leistungen gar nicht eingerechnet sind ("sachleistungen") und zudem natürlich ein gutteil der migranten bereits durch einbürgerung als österreicher aufscheinen

dennoch: guter einblick, ich schlage vor, entsprechend dem kurzschen vorschlag auch den migrationshintergrund zu erfassen, dann sehen wir alle klarer und können vorurteile beiderseits abbauen

Bluestone
00
24.8.2011, 06:30

Die Daten sind von 2008-G´nä Frau.

ND1
12
23.8.2011, 14:58
also rein

kalkulatorisch betrachtet füttern nicht einmal 5 von 5 Migranten die Migranten durch ...

denkender Mensch
62
23.8.2011, 13:19

Wenn manche Leute im Argumentieren genauso gut wären wie im Bewerten Denunzieren und Phrasendreschen könnt hier ja sogar eine interessante Diskussion stattfinden. Es scheint aber, dass viele hier nur wiedergeben, was sie in der Krone gelesen haben oder ihnen ihr Vorrufer am Viktor-Adler-Markt vorbellt.

palmström
019
23.8.2011, 14:10
eine diskussion kann schon deswegen nicht stattfinden

weil die standardzensoren es nicht zulassen

aber auch weil ihresgleichen als argumente oft nichts anderes in petto haben als "sie krone-leser" und "sie fpö-wähler"... wahlweise garniert mit "sie können nicht sinnerfassend lesen", "beginnen sie zu denken" und freilich "pisa-opfer"...

gell ;)

denkender Mensch
120
23.8.2011, 14:26

Hätten Sie sich ein bisserl durch die Kommentare zu diesem Beitrag gelesen dann wäre Ihnen vielleicht auch aufgefallen, dass diversen meiner durchwegs argumentierten Kommentare hier nur mit roten Stricherln oder Polemik begegnet wurde...
Aber danke für die Schubladen!

palmström
03
23.8.2011, 17:38
ok hab ich jetzt gemacht (ihre postings durchgelesen)

1) asylanten dürfen sehr wohl arbeiten, nur asylwerber nicht

2) die ewige wegrelativiererei "es gibt auch bildungsferne eingeborene" bringt gar nichts, es geht immer schlicht um quoten - wo viel problem, da viel ansetzen

die gebetsmühle "alle menschen sind identisch bis auf ihr aussehen, egal woher sie kommen und egal wie sie sozialisiert sind" hat nie gestimmt und stimmt heutzutage erst recht nicht

(nota: das heißt nicht, dass manche etwas nicht könnten wenn sie wollen und die möglichkeit haben! art. 1 mrk stimmt schon, nur die persönliche prägung arbeitet oft dagegen...)

Montgomery McFerryn
07
23.8.2011, 14:43

Das liegt vielleicht daran das man aus ihren Kommentaren herauslesen kann das sie nicht offen für eine Diskussion oder Argumente sind sondern nur ihre eigene Meinung publizieren wollen.

denkender Mensch
00
25.8.2011, 11:41

Zb. wo? Weil ich populistischen Aussagen mit Argumenten und Fakten begegne? Dass ich zu meiner Meinung stehe ist wohl klar, sonst hätte ich hier ja auch nichts zu sagen. Argumenten gegenüber bin ich aber durchaus aufgeschlossen, wenn diese nachvollziehbar und sachlich begründet sind. Von diesen sieht man hier allerdings nicht allzu viel.

Chris Irgendwer
94
23.8.2011, 12:56
Gute Nacht Österreich

Wenn ich mir hier so manche Postings durch lese,......
Der typische Herr und Frau Österreicher von vorgestern ist halt von Haus aus ein Stänkerer und scheinbar nicht wirklich an gesellschaftlichen Problemen interssiert.

Natürlich posten hier gleich auch mal ein paar "Gutmenschen" in Auftrag von ZARA?

Ich persönlich habe einen relativ hohen Bildungs-Stand und schmunzle deshalb über deartige Vorverurteilung. Fakt ist ausserdem, dass ich in meiner Wohngegen so ziemlich Alles an Migrantentum vertreten habe, was so bei uns zuwandert. Absolut problemloses Miteinander! Ich habe mit rechter Gesinnung in etwa so viel gemeinsam, wie eine Kuh mit dem Fallschirm-Springen.

Schöne Hitzewallungen wünsche ich den Kleingeistern.

Systemerhalter
00

das ist echt mal eine lustige aussage.
danke

ich verneige mich selbstverständlich vor Ihrem "relativ hohen Bildungsstand" ;-)

stasiman
02
23.8.2011, 12:24
Die Menge...

...der AMS Beschäftigten entspricht dem "Best of" einer vergangenen Arbeistlosensituation...

Marquis
01
23.8.2011, 12:21
Qualitative Zuwanderung

Österreich braucht eine qualitative Zuwanderung. Es soll Quoten geben für Menschen mit geringer Bildung und welche mit guter Ausbildung. Denn wir brauchen auch Leute die Zeitungen austragen, Häuser putzen und auf der Baustelle hackln.

Aber nicht nur ... auch qualifizierte Arbeitnehmer sind gewünscht. Die ÖVP will nur Billiglohnarbeiter und die SPÖ hauptsächlich proletarisches Stimmvieh. Deshalb die Probleme mit Kriminalität, Arbeitslosigkeit und religösen Fanatismus.

Shibuya
01
23.8.2011, 13:32
Nicht ganz...

Wir haben genug Arbeitskraefte, viele nutzen aber lieber die guten Sozialleistungen. Wir brauchen gar keine Zuwanderung fuer Billiglohnleistungen.

Lieber am System was aendern, dass alle am Arbeitsmarkt teilnehmen/ teilnehmen koennen. Es gab Zeiten (70iger ) ohne Massenarbeitslosigkeit.

Warum geht das jetzt nicht?
Anmerkung an die links linken: In den 70iger war auch Kapitalismus in AT und Welthandel gab es auch schon.

weiter lesen
00
24.8.2011, 21:57
hm...

...Zitat eines Bekannten, gelernter Koch:

Ich arbeite dann, wann meine Kollegen frei oder Urlaub haben...

Also am Wochenende oder in der Hauptsaison. Und was dagegen machen?

Montgomery McFerryn
02
23.8.2011, 14:47

Warum sollte ich mir um 1000 Euro den Buckel krumm abeiten wenn ich vom Staat für fast das selbe Geld leben kann und gerade mal ab und zu in irgendwelchen Kursen vom AMS sitzen muß ? Diese unnötigen Kurse sollte man schnell abschaffen das stört halt schon leicht meine Freizeitgestalltung.

rapidfans.at
115
23.8.2011, 12:15
kein wunder

wachsen doch viele dieser kinder in clan-ähnlichen umgebungen auf. da zählt nicht bildung, sondern das ansehen in der gesellschaft,. und zwar in jener, die hier mitgebracht wurde. leider zählt dieses ansehen aber am arbeitsmarkt dann nicht.
das ist das problem. die alten haben großteils kein interesse ihre kinder zu bilden. da muss man ansetzen.

ich weiss, jetzt bin ich wieder der rapid nazi, aber das nehm ich halt auf mich. man muss da auch ansprechen dürfen. ev. hab ich da und dort unrecht, aber es sit sicher kein unwesentlicher aspekt.
und ja: ich habe genug freunde und ebkannte die in solchen gesellschaften leben (zb. türken).
ja, es sind FREUNDE - aber an ihnen seh ich auch, dass es so ist.

hayep
00
25.8.2011, 00:32

exakt. der schlüssel zu den problemen sind die eltern. die eltern, meist keine ausbildung, können dem kind nichts vermitteln, weitergeben..die spirale setzt sich fort.

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