Voest gehen durch Studium Lehrlinge verloren
Alpbach - Die Wirtschaft bangt verstärkt um Facharbeiter und macht dafür auch die bisher gelobten Reformen dafür mitverantwortlich. So berichtet Voest-Chef Wolfgang Eder zum Auftakt der Reformgespräche in Alpbach, mit der Einführung der Berufsmatura kämen den Betrieben Fachleute abhanden. Nach Lehrabschluss wählten viele Absolventen Studienrichtungen, bei denen die Voest Alpine und andere Industriebetriebe keinen Bedarf hätten.
Die Berufsmatura, die zum Antritt eines Studiums berechtigt, wurde bisher von 14.000 Lehrlingen abgelegt. Diese Facharbeiter "kommen uns abhanden, wenn sie an die Universität wechseln", meint Eder. Er beklagt zudem einen "dramatischen Qualitätsrückgang" der Pflichtschulabsolventen in manchen Regionen, vor allem in den Städten. Überdies wünscht sich der Industriemanager eine stärkere "Bedarfsorientierung der Bildung" und meint damit Anreize, damit die gefragten Technik-Zweige gewählt werden. Dazu kann sich Eder umfangreichere Stipendien für Mangelfächer vorstellen. Auch eine Verkürzung der Studienzeit in technischen Bereichen würde die Attraktivität der Fächer steigern, meint Eder, weshalb der Lernstoff durchforstet werden sollte. Dieser Schritt sei im Medizinstudium auch gelungen, erklärt der Voest-Chef.
Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl bekräftigt, die Lehre soll durch eine größere Durchlässigkeit verbessert werden. Der Wechsel zwischen dualer Ausbildung und AHS soll nach seinen Vorstellungen erleichtert werden. Neben der Sicherung der Fachkräfte bezeichnet Leitl die Führerschaft bei Innovationen als wichtiges Ziel.
Hart mit der österreichischen Energiepolitik ins Gericht geht Peter Koren, stellvertretender Generalsekretär der Industriellenvereinigung. Die Maßnahmen in Richtung Energieautarkie Österreichs stünden im Widerspruch zum Anliegen der Regierung, das Land als internationale Energie-Drehscheibe zu etablieren, meint Koren.
Zur Bekämpfung der Eurokrise fordern die drei Wirtschaftsvertreter umfassende Konzepte, statt täglich neue Ideen, die sofort Gegenvorschläge provozieren. Der frühere schwedische Premier Göran Persson hält es für wichtig, Sparpakete ausgewogen zu gestalten und dann resolut durchzuziehen. Diesbezüglich kommt Lob vom Sozialdemokraten für das von der konservativ-liberalen Regierung in London ausgeheckte Konsolidierungsprogramm. Aus Perssons Sicht besonders wichtig bei den Programmen: "Keine Budgettricks." Schweden habe in seiner Amtszeit sieben Mal die Budgetziele übertroffen. (as, STANDARD-Printausgabe, 23.8.2011)