Entwurf kolportiert

Wien: Kleines Glücksspiel wird offenbar nicht verboten

22. August 2011, 13:26
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    foto: standard/corn

    Trotz SPÖ-Parteitagsbeschlusses enthält ein kursierender Gesetzesentwurf kein Verbot der Spielautomaten.

Heute angeblich Gespräch zwischen Rot-Grün - Bis zu 56 Spielsalons mit je 50 Geräten sollen erlaubt werden - Insider: "Auf Große zugeschnitten"

Wien - Das Thema Kleines Glücksspiel könnte in der Wiener SPÖ erneut für Gezänk sorgen. Nachdem sich im Mai der Landesparteitag nach heftigen parteiinternen Debatten für das Verbot der Spielautomaten ausgesprochen hat, wurde eine rot-grüne Arbeitsgruppe zwecks Ausarbeitung einer Gesetzesnovelle eingesetzt. Nun liegt offenbar ein erster Entwurf vor. Von einer Verbannung von Automaten aus der Bundeshauptstadt kann darin nicht die Rede sein: Das Papier, das der APA vorliegt, sieht drei Lizenzen für Spielsalons mit je 50 Geräten vor, Automaten in Einzelaufstellung soll es keine mehr geben.

Heute, Montag, sollte es angeblich ein Gespräch zwischen der zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) und den Grünen geben. Diese sind ausgesprochene Gegner des Automatenspiels. Aus dem Sima-Büro gab es heute auf APA-Nachfrage weder eine Bestätigung für den Gesprächstermin noch für den angeblich ausgearbeiteten Entwurf. Es gebe laufend Gespräche zu diesem Thema, zeigte man sich dort wortkarg. Auch seitens der Grünen war keine Bestätigung zu bekommen.

Spielautomaten-Aus für SPÖ-Parteilinie

Eigentlich ist das Aus für Spielautomaten SPÖ-Parteilinie, hat doch beim Landesparteitag Ende Mai ein entsprechender Antrag eine Mehrheit gefunden. Angezettelt wurde die Debatte von den Bezirksorganisationen Josefstadt ("Sektion 8") und Alsergrund. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) war darüber nicht gerade erfreut, spülen doch die Automaten rund 55 Mio. Euro jährlich in die Stadtkasse. Sima selbst hatte sich bereits kurz nach dem Parteitag skeptisch zu einem Verbot gezeigt. Ein solches prolongiere lediglich die Ist-Situation, da bereits vergebene Lizenzen erst 2014 auslaufen würden, so ihre Argumentation. Ziel müsse es sein, vor allem die "Zweier-Kabäuschen" - also Spielzellen mit zwei Automaten - wegzubekommen, sagte sie damals.

Der nun kursierende Entwurf könnte erneut für parteiinterne Debatten sorgen. Aber auch den Wirten, die momentan einzelne Geräte betreiben, dürfte an dem neuen Plan so einiges nicht passen: Der Plan sieht nämlich nur noch Spielhallen mit 50 Automaten mit hohen Einsätzen und Gewinnmöglichkeiten vor. "Eine Einzelaufstellung von Glücksspielautomaten ist nicht vorgesehen", heißt es in den Erläuterungen. In den Hallen wiederum dürfen pro Spiel 10 Euro in den Automaten gesteckt werden, ausspucken darf das Gerät sogar bis zu 10.000 Euro.

"Auf die Großen zugeschnitten"

Spielerschützer finden das bedenklich. Sie kritisieren auch die aus ihrer Sicht zu hohe Anzahl von Automaten: Diese ist laut Entwurf auf ein Gerät pro 600 Einwohner beschränkt - macht bei 1,7 Millionen Wienern rund 56 Automatensalons mit je 50 Geräten.

Ein weiterer Kritikpunkt von Insidern: "Der Entwurf ist auf die Großen, wie zum Beispiel Novomatic, zugeschnitten." Eine Bewilligung können nur Kapitalgesellschaften mit Aufsichtsrat erhalten, die einen finanziellen Polster von 400.000 Euro brauchen. Bewerber müssen nämlich "den Nachweis eines eingezahlten Stamm- oder Grundkapitals von mindestens 8.000 Euro je betriebsberechtigtem Glücksspielautomaten" erbringen", wie es heißt.

Skepsis herrscht auch über folgende Passage: "Für den Fall, dass mehrere Bewilligungswerberinnen das zweckgebundene Nutzungs- oder Verfügungsrecht über den Standort nachweisen können, ist die Bewilligung jener Bewilligungswerberin zu erteilen, deren Bewilligungsansuchen früher bei der Behörde eingelangt ist." Dies heißt nichts anderes als "first come, first serve"; größere Firmen, so Insider, hätten hier einen Vorteil, weil sie mehr Erfahrung mit diversen Verfahren hätten und daher imstande seien, sich schneller zu bewerben.

Was außerdem gegen kleinere Betreiber spreche: Bewerber sollen laut Entwurf ein Konzept vorlegen, mit welchen Maßnahmen sie sicherstellen werden, "dass die Zahl der in Wien betriebenen Glücksspielautomaten so rasch wie möglich auf die nach diesem Gesetz zulässige Höchstzahl abgesenkt werden kann. Je rascher diese Zahl mit diesen Maßnahmen erreicht werden kann, desto besser ist das Teilkonzept zu bewerten", heißt es in dem Papier. Dazu sei nur jemand imstande, der jetzt schon viele Automaten betreibt, meinte ein Brancheninsider dazu. Die Stadt Wien will ja - entsprechend der Deckelung im Bundesgesetz - die Anzahl der Automaten auf rund 2.800 reduzieren, derzeit stehen weit mehr Geräte in der Bundeshauptstadt.

Neben diesem Entwurf kursiert angeblich noch ein zweiter, erfuhr die APA am Montag aus Branchenkreisen. Demnach sollen 1.000 Geräte in Einzelaufstellung erlaubt werden, und zweimal je 900 Geräte in Automatensalons. Dieser Plan sehe vor, dass nur um halb so viel Geld gespielt werden darf: In der Einzelaufstellung sollen die Einsätze 50 Cent betragen und die Gewinne 500 Euro, in Spielhallen sollen die Beträge auf 5 bzw. 5.000 Euro beschränkt werden. 

Rot und Grün bestätigen nicht

Von Seiten des roten Rathausklubs wollte man die genannten Gesetzesentwürfe gegenüber derStandard.at nicht bestätigen. Auch David Ellensohn, Grüner Klubchef im Rathaus, gibt an, die kolportierten Papiere nicht zu kennen. Man sei laufend in Gesprächen heißt es von beiden Seiten. Ob die SPÖ nun ihre Linie ändert oder nicht, sei zunächst einmal das Problem der SPÖ, so Ellensohn. Für die Grünen gelte weiterhin die Koalitionsvereinbarung, in welcher man sich auf verstärkten Jugendschutz und mehr Geld für Prävention geeinigt habe. Im Regierungsübereinkommen steht übrigens nichts von einem Verbot des kleinen Glücksspiels. (APA, derStandard.at, 22.8.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 291
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rowa
01
31.8.2011, 07:36
Der Prater, die Spielhölle Nr. 1

Der Wiener Prater bleibt die Spielhölle von Wien und Novomatic der Geldgeber der Politiker.

Novomatic und der Wiener Prater ist die Brutstätte der Spielsüchtigen!!!

Barbara Schett
01
25.8.2011, 13:29
HA HA!

"Sima selbst hatte sich bereits kurz nach dem Parteitag skeptisch zu einem Verbot gezeigt. Ein solches prolongiere lediglich die Ist-Situation, da bereits vergebene Lizenzen erst 2014 auslaufen würden, so ihre Argumentation."

Wusste gar nicht, dass die Simpsons-Autoren jetzt auch für die Wiener Stadtregierung arbeiten.

Guantana-Mo
00
24.8.2011, 17:23
@Redaktion:

Falls es noch niemand korrigiert hat: "Angezettelt wurde die Debatte von den Bezirksorganisationen Josefstadt ("Sektion 8") und Alsergrund."
Das mag naheliegend klingen (zumal die Sektion 8 ja schon ein bissl bobo ist und die Josefstadt der 8te ist...), ist aber falsch: Die Sektion 8 ist meines Wissens ein Bestandteil der SPÖ 9 Alsergrund.

tapsel
 
01
23.8.2011, 21:36
Eine wirklich interessante Rede vom Parteitag der Wr. SPÖ

Das wurde von Linksverdreher schon mal weiter hinten gepostet. Bitte seht euch das an!

http://www.youtube.com/watch?v=kPRUU3CYGx8

francis79
 
02
23.8.2011, 14:04
Ein Essen ...

Ein Essen für Michi H :
Beim Mäci -bis er satt ist- 45 €.
Im In-Lokal -bis er satt ist- 1000€

Ein Gesetzesentwurf nach dem Geschmack von Novodingsbums:
UNBEZAHLBAR!

francis79
 
02
23.8.2011, 14:19
Da mein Posting zu lang war ist sich folgendes nicht ausgegangen:

es gilt die Unschuldsvermutung!

Pink Fanta
01
23.8.2011, 12:46
"Leuteln, haltets ein!

Denkts doch ein bisserl an die Millionen Arbeitsplätze die durch die Novomatic erhalten werden!

Und das viele Sponsern was die guten Menschen von der Novomatic tun!"

tapsel
 
22
23.8.2011, 12:45
Ein totales Verbot macht meiner Meinung nach keinen Sinn, weil...

die Spieler immer Wege finden werden ihrer Sucht nachzugehen. Wenn das legal nicht mehr geht, wirds illlegal passieren.

Ich könnte mir eher vorstellen, dass man nach dem Verursacherprinzip vorgeht und den Glücksspielunternehmen neben den normalen Steuern die Kosten für die negativen Auswirkungen des Glücksspiels auferlegt, die bis jetzt die Gesellschaft trägt.

starship
 
11
23.8.2011, 15:37
wer nie automaten kennenlernt, kann dort auch kein geld einwerfen...

im unterschied zu illegalen drogen, lassen sich automaten in lokalen oder im "casino" nicht so ohne weiteres verstecken.

keine automaten, weniger neue spielsüchtige.
so einfach ist das.

tapsel
 
00
23.8.2011, 17:56

Was an dem Satz "...weil die Spieler immer Wege finden werden ihrer Sucht nachzugehen" haben sie nicht verstanden?

Wenns nicht Automaten sind, ists halt was anderes.
Die Sucht und/oder die Hoffnung schnell zu viel Geld zu kommen gehört wohl zur menschlichen Natur.

Jan Sommer
10
23.8.2011, 13:06
Ellensohn beklagt doch schon seit Jahren, dass

die öffentliche Hand gar nichts bei der Spielsuchttherapie beiträgt,
sondern nur abkassiert
und nur die Automatenindustrie diese privaten Therapievereine unterstützt.
js

bildungsferneschicht
00
23.8.2011, 14:35
einfach verbieten,

dann benötigt man auch keine suchttherapie.

Jan Sommer
00
24.8.2011, 11:55
Das fällt unter die Kategorie "Bösartige Satire"

js

mightyjust
20
23.8.2011, 14:30

Die "privaten Therapievereine" der Automatenindustrie haben aber leider anscheinend nicht viel Erfolg in ihrer Tätigkeit. Bei keiner anderen Form des Glücksspiels gibt es so einen großen Anteil süchtiger Spieler. Vielleicht auch ein Interessenskonflikt mit dem Geldgeber?

tapsel
 
20
23.8.2011, 14:13
Die öffentliche Hand zahlt aber Unmengen an Geld...

für die anderen negativen Auswirkungen wie Beschaffungskriminalität, Mindestsicherung, dafür notwendige Bürokratie, Sozialarbeiter etc. etc. Es gibt wahrscheinlich noch ganz andere Auswirkungen, die mir gar nicht bewußt sind.

Ich bin mir aber sicher, dass die Gesellschaft materiell und vor allem immateriell MASSIV DRAUFZAHLT, während die Glücksspielindustrie MASSIVE GEWINNE macht mit Dummheit, Unwissenheit und Krankheit. Das Kleingeld, dass diese Unternehmen für Therapieeinrichtungen aus der Portokasse zahlen, kann man nur als Verhöhnung bezeichnen.

mightyjust
30
23.8.2011, 13:03

Es geht ja nur um ein Verbot des "Kleinen Glücksspiels" nicht um Glücksspiel an sich. Wer will wird auch nach einem Verbot in jedem Casino bei einem Automaten spielen können.

Katerle
01
23.8.2011, 12:24
Hand in Hand

Unsere Lügen-Politiker und die Verbrecher spazieren Hand in Hand. Dort ein bißl kassieren, da ein bißl provisionieren. Und bitte, warum richtet das Kleine Glücksspiel sooft großes Leid an?

weisungsgebunden
01
23.8.2011, 12:00
Auf der Homepage der Wiener Grünen ist ein klares Nein zum Kleinen Glücksspiel zu lesen

Da es ja bisher noch keine offizielle Bestätigung dafür gibt, dass die Grünen einem der obigen Entwürfe zugestimmt haben, würde ich eine solche einmal abwarten, bevor ich diese Partei vorschnell verurteile. ich glaube, sie wissen, dass sie sich einen solchen "Umfaller" gegenüber ihren Wählern einfach nicht leisten können...

komischerVogel
02
23.8.2011, 11:50
weg mit dem Dreck.

Verbatim
02
23.8.2011, 11:46

und das bei ROT - GRÜN

ich lach mich tot... da wird wohl die eine oder andere Partei brav Spenden bekommen.

Es ist ja wirklich egal was man bei uns wählt... überall der selbe Filz...

Mimir
06
23.8.2011, 11:19

Hab meist einen Grant gekriegt, wenn die Novomatic in den Wirtschaftskammerzeitungen über den grünen Klee gelobt wurde. In Anbetracht dessen, was diese Falotten mitzuverantworten haben, waren die Berichte unangemessene Huldigungen.
Mangelnder Anstand zeigt sich auch, wenn Artikel über die Novomatic, im Vergleich zu erfolgreichen UND für die Gesellschaft nützlichen Unternehmen unverhältnismäßig oft Eingang in die Publikationen der WK finden.
Werbeverbote für Buchmacher, Automaten und Casinos sollten längst gelten. Automatencasinos müssten niederschwellige Betreuungseinrichtungen für Spielsüchtige, in unmittelbarer Umgebung des Casions miterhalten.

starship
 
01
23.8.2011, 11:16
die automaten machen aus menschen junkies...

- die automatenbetreiber sind die "großdealer" der spielsüchtigen.

- die sucht hinterläßt tausende zerstörte familien.

- die direkten und indirekten folgen der spielsucht verursachen ernorme gesellschaftliche schäden, die nicht dadurch aufgewogen werden, dass auch der staat einen "gewinnanteil" erhält.

Shaman141
 
05
23.8.2011, 10:32
...

sorry, aber das stinkt geradezu nach korruption! don michael in seinem element...!

belgma
 
02
23.8.2011, 10:50

stimmt ... war auch mein erster gedanke! die vergabekriterien muten etwas ... ähm ... seltsam an.

cipf
 
012
23.8.2011, 10:29

Mir ist das grunzsätzlich egal - ich spiele nicht.
Aber eines würde mich schon interessieren:
Sogar beim Landesparteitag haben sich die - eigenen - Funktionäre für ein Verbot des kleinen Glücksspiels ausgesprochen. Diesem Verlangen wurde seitens der Regierenden NICHT entsprochen. Bitte auf wen, wenn nicht die eigenen Funktionäre hört die Stadtpartei???? Wie soll für den einfachen Bürger "Mitbestimmung" und "Teilhabe" glaubwürdig gemacht werden, wenn sogar die eigenen Funktionäre(!) kein Gewicht haben????

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