Firmenpolitik

Apple: Geheimniskrämerei mit harter Hand

22. August 2011, 14:37

Konzern will bei Affäre rund um iPhone4-Prototypen nicht locker lassen - Von internen Durchsuchungen bis zum Vorgehen gegen Medien

Es gibt weltweit wohl kein zweites Unternehmen, dass auch nur ansatzweise eine ähnliche Kultur der Geheimhaltung kultiviert hat wie Apple. Wenn Apple-Boss Steve Jobs wieder einmal zu einer seiner Keynotes ansetzt, soll das dort Vorgestellte für alle wirklich neu sein, kein Detail vorab durchsickern, so sieht es die Inszenierung vor.

Strikt

Die Sicherheitsvorkehrungen, die Apple treibt um das zu ermöglichen, sind mit dem Begriff rigide kaum mehr korrekt zu erfassen. Selbst Partner-Unternehmen bei der Herstellung des iPhones bekommen nur die für sie absolut notwendigen Informationen zu sehen, nie aber vollständige Design-Entwürfe oder gar umfassende Spezifikationen.

Durchsuchungen

Das ist aber noch gar nichts gegen die internen "Sicherheitsmaßnahmen" des Konzerns. So soll es Berichten zu Folge in jeder relevanten Abteilung eigene "Informanten" geben, die Auffälliges melden. Zudem soll es regelmäßige Durchsuchungen geben, bei denen sowohl die Computer als auch die Smartphones der Angestellten unter die Lupe genommen werden. Dass die Erstellung von Fotos auf dem Apple Campus generell strikt untersagt ist, versteht sich da schon von selbst.

Klagen

Gerät dann doch einmal eine Information vorab an die Öffentlichkeit, kommt Apples Rechtsabteilung ins Spiel, die dafür sorgen soll, dass das Gegenüber nicht vergisst, mit wem man sich angelegt hat. Für einige Aufregung hatte etwa das Vorgehen gegen die Gerüchteseite "Think Secret" im Jahr 2004 gesorgt. Dessen Betreiber, der damals 18-jährige Apple-Fan Nicholas Ciarelli, hatte vorab Wind von einem neuen Mac-Modell - dem Mac Mini - bekommen und darüber geschrieben. In Folge der Apple-Klage musste Think Secret Ende 2007 die Publikation einstellen.

iPhone 4

Am meisten Aufregung hat aber ein anderer Vorfall auf sich gezogen: Als im April 2010 ein Prototyp des noch unveröffentlichten iPhone 4 in die Hände des Tech-Blogs Gizmodo gelangt, war so etwas wie der "Worst Case" eingetreten. Die Rechtsstreitigkeiten dazu ziehen sich bis jetzt, und auch wenn die US-Behörden bisher keinen Grund für einen Anklage gegen Gizmodo-Betreiber Gawker Media gefunden haben, Apple will nicht locker lassen.

Verkauf

So stehen nun ab Donnerstag jene zwei Personen vor Gericht, die damals jenes iPhone 4 an sich genommen hatten, das ein Apple-Entwickler in einer Bar verloren hatte. Diese hatten das Gerät anschließend an mehrere Medien zu verkaufen versucht, bei Gawker fand man einen willigen Abnehmer, der 5.000 US-Dollar dafür hinblätterte. Dabei ist das Interesse von Apple an den beiden Beschuldigten wahrscheinlich eher gering. Viel mehr gehe es darum, Fakten für eine Zivilklage gegen Gawker/Gizmodo zu sammeln, wie man bei CNET spekuliert.

Risiko

Eine solche ist aber selbst nicht bar jeglichen Risikos: So bestehe die Gefahr, dass Apple mit einem langwierigen Prozess gegen das Tech-Blog ernsthaft die öffentliche Meinung gegen sich aufzubringen, und so dem eigenen Image nachhaltig schade, so CNET. Denn eines ist sicher: Kommt es zum Showdown vor Gericht, wird Gizmodo jedes noch so kleine Detail über Apples Methoden öffentlich breit treten - und das Unternehmen kontinuierlich in den negativen Schlagzeilen halten. (red, derStandard.at, 22.08.11)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 212
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abischle
00
24.8.2011, 17:59

Wer ein tausendjähriges Smartphone-Reich errichten will, der kommt naturgemäß auch nicht ohne Blockwarte aus.

alwayson
34
23.8.2011, 12:46
Die öffentliche Meinung ist Apple doch völlig egal.

Und offensichtlich auch der Öffentlichkeit. Sonst würde niemand mehr Apple Produkte kaufen. Und das iPhone4 war trotz aller bisheriger Vorgehensweisen seitens Apple ein Erfolg.
Ich persönlich kaufe keine Apple Produkte mehr, aber die Mehrzahl wird es dennoch machen weil die Produkte nunmal sehr durchdacht und qualitativ hochwertig sind. Muss jeder selbst entscheiden, ob er/sie dieses Unternehmen und damit das Vorgehen unterstützen will, oder nicht...

Daruma-San
01
23.8.2011, 23:47

Lieber Vorgehen als Rückschreiten ;-)

Aiaidudu
32
23.8.2011, 12:37

Ah, Apple muss sich tausende Anwälte leisten, das begründet natürlich den hohen preis der Geräte....

systemfehler1
23
23.8.2011, 12:22
Dai Paranoia der Größenwahnsinnigen

hat eben auch Apple und seinen schwer gezeichneten Chef erfasst.
Nix gegen die Produkte, ich will mich da gar nicht erst auf ein simples Bashing einlassen, nix gegen Geheimhaltung bei innovativen Produkten, Industriespionage ist eben "part of the game", aber wie die sich derzeit aufführen, empfehle ich dringendst eine Langzeittherapie.
Ungustiöser Betrieb das....

Diversion
32
23.8.2011, 11:19
apple ist eine gefahr für die meinungsfreiheit!!

VanDalbus
11
23.8.2011, 12:01

wieso? nur weil sie für Überraschungen sorgen wollen?
Es ist ihr gutes Recht, etwas der Öffentlichkeit zu Präsentieren nur wenn sie es wollen. Ist ja schließlich deren Produkt.

Wie oft geht denn ein Promi auf die Paparazzos los?
Sicher öfters und trotzdem wird es nicht breit getreten

systemfehler1
01
24.8.2011, 12:01
Der Paparazzo, die Paparazzi.

Irgendwas dazwischen gilt net :-)

suit
 
03
23.8.2011, 12:25

Wenn sie mit einem Prototypen öffentlich herumlaufen, dann muss denen klar sein, dass den jemand sieht und Fotografiert und die Bilder dann veröffentlicht werden.

Es gibt nichts, das das verbieten würde. Das ansicht nehmen eines Geräts und verkaufen an die Medien ist natürlich eine andere Sache.

Sermon72
00
23.8.2011, 18:34

Es läßt sich leider nicht vermeiden, daß man mit Prototypen extensives "Field-Testing" machen muß und das ist genau der Fall gewesen, als der Prototyp in dieser Bar verloren ging. Labortests alleine reichen da leider nicht aus. Der Prototyp befand sich aber in einer Art Schutzhülle, welcher das Ding wie ein iPhone 3Gs aussehen ließ. Ist also nicht unbedingt so, daß sie's nicht versuchen, aber das hilft halt alles nix, wenn man das Ding verliert, was ja natürlich passieren kann ...

hsse_robsi
38
23.8.2011, 10:21

"dass Apple mit einem langwierigen Prozess gegen das Tech-Blog ernsthaft die öffentliche Meinung gegen sich aufzubringen, und so dem eigenen Image nachhaltig schade"

die haben sich doch schon längst selbst disqualifiziert...
siehe u.a. beweismittelfälschung....

Hobin Rood
00
23.8.2011, 15:24

Beweis?

Green.L
 
41
23.8.2011, 10:10

Think different. Get a PC

tyrol_dude
19
23.8.2011, 09:17

so sehr ich die produkte mag, so abartig wird zunehmend diese firma. die sagten doch mal: "think different"

dr.straussenburgerbecken
 
02
23.8.2011, 17:24

"sue different"

(°)(°)
13
23.8.2011, 10:24

Machens eh...

Das Problem wird wohl durch das "same same" der Konkurrenz verursacht.

Kein Heute ohne Morgen
22
23.8.2011, 13:30
Das Problem wird eher dadurch verursacht,

das "normale" Konsumenten zuerst mal auf die Funktionalität, den Preis und die Bedingungen die an den Grebrauch gebunden sind, schauen.
- sprich Preis-Leistungsverhältnis.

Die Funktionalität war und ist bei Apple ok - trotzdem eindeutig "anders" als bei der Android-Famile.

Der Preis ist bei JEDEM Apple-Produkt hoch.

Die Nebenbedingungen sind "frei" denkenden Konsumenten nicht zumutbar - angefangen von den Anfangs noch üblichen Knebelverträgen mit nur EINEM Provider pro Land (T-mobile), weiter mit den proprietären Anschüssen "aller" I-Geräte , weiters mit dem extrem restriktiven App-Shop usw. usw.

Apple will halt seinen Konsumenten ALLES vorgeben - so mancher Konsument möchte sich aber so WENIG wie möglich vorgeben lassen.

Dormouse
24
23.8.2011, 08:20

arme irre...

DatCat
 
14
23.8.2011, 08:09
Ist euch aufgefallen

dass die Artikel zu Apples "Beweismittelfälschung" irgendwie nicht mehr zu finden sind?

Der junge Jim Kirk
01
23.8.2011, 10:55
swiss
11
23.8.2011, 08:53
Noxventa
07
23.8.2011, 08:25

Schauen sie mal rechts neben ihrem Posting. ;-)

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