Konzern will bei Affäre rund um iPhone4-Prototypen nicht locker lassen - Von internen Durchsuchungen bis zum Vorgehen gegen Medien
Es gibt weltweit wohl kein zweites Unternehmen, dass auch nur ansatzweise eine ähnliche Kultur der Geheimhaltung kultiviert hat wie Apple. Wenn Apple-Boss Steve Jobs wieder einmal zu einer seiner Keynotes ansetzt, soll das dort Vorgestellte für alle wirklich neu sein, kein Detail vorab durchsickern, so sieht es die Inszenierung vor.
Strikt
Die Sicherheitsvorkehrungen, die Apple treibt um das zu ermöglichen, sind mit dem Begriff rigide kaum mehr korrekt zu erfassen. Selbst Partner-Unternehmen bei der Herstellung des iPhones bekommen nur die für sie absolut notwendigen Informationen zu sehen, nie aber vollständige Design-Entwürfe oder gar umfassende Spezifikationen.
Durchsuchungen
Das ist aber noch gar nichts gegen die internen "Sicherheitsmaßnahmen" des Konzerns. So soll es Berichten zu Folge in jeder relevanten Abteilung eigene "Informanten" geben, die Auffälliges melden. Zudem soll es regelmäßige Durchsuchungen geben, bei denen sowohl die Computer als auch die Smartphones der Angestellten unter die Lupe genommen werden. Dass die Erstellung von Fotos auf dem Apple Campus generell strikt untersagt ist, versteht sich da schon von selbst.
Klagen
Gerät dann doch einmal eine Information vorab an die Öffentlichkeit, kommt Apples Rechtsabteilung ins Spiel, die dafür sorgen soll, dass das Gegenüber nicht vergisst, mit wem man sich angelegt hat. Für einige Aufregung hatte etwa das Vorgehen gegen die Gerüchteseite "Think Secret" im Jahr 2004 gesorgt. Dessen Betreiber, der damals 18-jährige Apple-Fan Nicholas Ciarelli, hatte vorab Wind von einem neuen Mac-Modell - dem Mac Mini - bekommen und darüber geschrieben. In Folge der Apple-Klage musste Think Secret Ende 2007 die Publikation einstellen.
iPhone 4
Am meisten Aufregung hat aber ein anderer Vorfall auf sich gezogen: Als im April 2010 ein Prototyp des noch unveröffentlichten iPhone 4 in die Hände des Tech-Blogs Gizmodo gelangt, war so etwas wie der "Worst Case" eingetreten. Die Rechtsstreitigkeiten dazu ziehen sich bis jetzt, und auch wenn die US-Behörden bisher keinen Grund für einen Anklage gegen Gizmodo-Betreiber Gawker Media gefunden haben, Apple will nicht locker lassen.
Verkauf
So stehen nun ab Donnerstag jene zwei Personen vor Gericht, die damals jenes iPhone 4 an sich genommen hatten, das ein Apple-Entwickler in einer Bar verloren hatte. Diese hatten das Gerät anschließend an mehrere Medien zu verkaufen versucht, bei Gawker fand man einen willigen Abnehmer, der 5.000 US-Dollar dafür hinblätterte. Dabei ist das Interesse von Apple an den beiden Beschuldigten wahrscheinlich eher gering. Viel mehr gehe es darum, Fakten für eine Zivilklage gegen Gawker/Gizmodo zu sammeln, wie man bei CNET spekuliert.
Risiko
Eine solche ist aber selbst nicht bar jeglichen Risikos: So bestehe die Gefahr, dass Apple mit einem langwierigen Prozess gegen das Tech-Blog ernsthaft die öffentliche Meinung gegen sich aufzubringen, und so dem eigenen Image nachhaltig schade, so CNET. Denn eines ist sicher: Kommt es zum Showdown vor Gericht, wird Gizmodo jedes noch so kleine Detail über Apples Methoden öffentlich breit treten - und das Unternehmen kontinuierlich in den negativen Schlagzeilen halten. (red, derStandard.at, 22.08.11)