Ankogelgruppe

Dreitausendertour mit dreifachem Preis

22. August 2011, 16:42

Die Ankogelgruppe, eine der schönsten Regionen der Hohen Tauern, fordert dem Bergsteiger einiges ab

Wer von Mallnitz aus den Ankogel besteigt, der wandelt auf historischem Boden. Der 3252 Meter hohe Gipfel in den östlichen Hohen Tauern war der erste vergletscherte Dreitausender der Alpen, dessen Gipfel erreicht wurde - und das um das Jahr 1760 herum. Jedenfalls feiert Mallnitz nächstes Jahr den 250. Jahrestag der Erstbesteigung, auch wenn die Pioniere von damals den längeren Weg von Böckstein gewählt hatten.

Mallnitz, ein idyllisches Kärntner Bergsteigerdorf mit Retro-Feeling, das dank seiner guten Bahnanbindung am Südende der Tauernschleuse auf autolosen Urlaub setzt, hat auch heute noch Herausforderungen zu bieten. So ist es Ausgangspunkt einer anspruchsvollen und anstrengenden hochalpinen Bergtour, bei der in drei Tagen drei Dreitausender bewältigt werden - darunter die Hochalmspitze, die mit 3360 m zwar nicht der höchste Tauerngipfel ist, aber sicherlich einer der schönsten.

Tückische Königin

Was die Rundtour rund um die "Tauernkönigin" allerdings so tückisch macht, ist das sogenannte Blockwerk: riesige Granitsteine und -felsen, die das Schmelzen der Gletscher freigelegt hat. Die meisten Wege in der Ankogelgruppe sind mit ihnen übersäht, und sie fordern bei jedem Schritt höchste Aufmerksamkeit.

Wer nach drei Tagen vom dritten Gipfel wieder ins Tal absteigt, der spürt seine alpine Leistung bis in den letzten Knochen. "Der Glockner ist im Vergleich ein Kindergeburtstag", warnt uns Bergführer Rudi Preimel sogleich.

Abschrecken lassen sollte man sich allerdings nicht: Die Landschaft ist traumhaft, die Hütten sind besonders gemütlich, und die Tour ist technisch auf einem Niveau, das auch für wenig erfahrene Bergsteiger (wie den Autor dieses Berichtes) bewältigbar ist.

Der angenehmste Teil kommt gleich am Anfang: Mit dem Mallnitzer Wanderbus geht es zur Ankogelbahn (Achtung: Montag und Dienstag geschlossen) und mit dieser auf eine Höhe von 2600 m. Von der Bergstation ist der Aufstieg auf den Ankogel daher eine Halbtagstour, die erst in der letzten Phase etwas Kletterei erfordert. Aber die Mischung von Schnee und Granitblöcken verlangt auch hier jedem Schritt etwas ab.

Der Abstieg führt zuerst über einen Felsgrat, dann über das Kleinelendkees genannte Gletscherfeld (das Großelend wartet da noch auf den Wanderer). Ein Abstecher zu den einsamen Schwarzhornseen dauert rund eine Stunde und ermöglicht den wohl schönsten Blick auf die Hochalmspitze.

Von dort geht es steil bergab auf 2000 m Seehöhe zur Osnabrückerhütte, wo die letzten Spaziergänger aus dem Maltatal gerade ihren Rückweg über den Kölnbreinspeicher antreten. Die Hochalmspitze, die am nächsten Tag bestiegen werden soll, wirkt von hier aus unendlich fern.

Der Weg dorthin führt über Schotterfelder, einen kurzen Klettersteig und dann das Großelendkees, dessen Schneefeld fast bis zum Gipfel reicht. Mit etwas Klettern erreicht man das Gipfelkreuz, das bei besserem Wetter, als es uns vergönnt war, einen ungestörten Blick auf Glockner und die gesamten Hohen Tauern freigibt.

Was kostet das Hochgefühl?

Der mühsame Abstieg auf der Südseite des Berges zur Gießener Hütte, von wo die meisten Hochalmspitzengipfelstürmer aufbrechen, ist der Preis für dieses kurze Hochgefühl: Er besteht aus Felsengraten, Klettersteigen, einem steilen Gletscherfeld und schließlich einem endlosen Weg über Tau-sende Granitblöcke hinunter zur rettenden Unterkunft.

Von dort geht es am dritten Tag hinauf auf die Mallnitzer Scharte und das Säuleck, mit 3086 Metern der Hausberg von Mallnitz, der seinen Spitznamen "Damendreitausender" allerdings nur im emanzipatorischen Sinn verdient. Auch wenn für seine Besteigung weder Seil noch Steigeisen notwendig sind, so ist der Weg zum Gipfel und zurück dank des besonders großen Blockwerks kein Kaffeekränzchen.

Aber vom Gipfel aus lockt schon der Blick auf das Arthur-von-Schmid-Haus am Ufer des tiefblauen Dösener Sees (2286 m Seehöhe). Ist dieses Ziel einmal erreicht, dann bleibt nur noch eine leichte Wanderung zurück ins Tal und die Fahrt im Wanderbus zurück nach Mallnitz - mit drei neuen Dreitausendern im Trophäenschrank und dem Gefühl, dass es kein heimisches Bergmassiv gibt, das nicht zu schaffen ist.

Der Bahnhof Mallnitz-Obervellach hat täglich mehrere ICE-Anschlüsse, per Auto ist Mallnitz über die A 10 (Abfahrt Lendorf) gut erreichbar. Die geführte 3-mal-3000er-Tour wird über Tauernalpin (429 Euro inkl. Halbpension bei vier Personen, 629 Euro bei zwei Personen) angeboten. (Eric Frey/DER STANDARD/Printausgabe/20.08.2011)

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