Soll in einigen Monaten in Beta-Phase gehen - Mitbegründer erklärt Vorteile des dezentralen Modells
Das als Facebook-Alternative geplante dezentrale soziale Netzwerk hatte sich im vergangenen Jahr unter großem medialem Echo angekündigt. Nun scheint Diaspora etwas in der Versenkung verschwunden zu sein, obwohl Nutzer mit Spenden von rund 200.000 Dollar das Projekt antreiben wollten.
Mitgründer bezeichnet sich als "Hacker"
In einem Interview mit Technology Review erklärt Mitbegründer Maxwell Salzberg die langfristige Vorgehensweise. Der 23-jährige absolvierte ein Informatikstudium an der New York University und bezeichnet sich selbst als Hacker. Dort hat er auch seine Freunde und weiteren Diaspora-Gründer Dan Grippi, Ilja Zhitomirskiy und Raphael Sofaer kennengelernt. "Es war wirklich ein bisschen wie ein verrücktes Märchen damals", erinnert sich Salzberg an die Anfangszeit im Mai 2010 und die finanzielle Starhilfe.
In wenigen Monaten Beta-Version
Seit Oktober sei die Alpha-Version mit dem Quellcode online, die Beta-Phase starte auch bald. Nun ist Diaspora in ein Büro des Unternehmens Pivotal Labs nach San Francisco gezogen, wo sie vom Pivotal-Know-How mit der Programmiersprache Ruby profitieren. Diese ist bei Diaspora im Einsatz.
Special Interest Network
Der wesentliche Unterschied zu Facebook liege darin, dass es ein "föderales System ist, das die vielen und oft sehr spezialisierten Netz-Communities enger miteinander verbindet", erklärt Salzberg und ergänzt: "Unser größtes Problem derzeit ist, wie wir die Leute überzeugen können, unser System zu nutzen. Viele können sich unter einem dezentralen Netzwerk noch nichts vorstellen".
User hat mehr Kontrolle
Bei Facebook sei man von der zentralen Seite abhängig, während in einem dezentralen Modell die Foren und Gemeinschaften im Web miteinander kommunizieren. Der Nutzer erhält mehr Kontrolle, da er selbst entscheidet, von welchem Ort er seine Kontakte und Infos steuert.
Aktive Mitarbeit bringt Entscheidungsrechte
In den kommenden zwei Jahren soll der Kreis der Kernentwickler erweitert werden. Den Vorwurf, sich irrationalen Spielereien hinzugehen, weist Salzberg zurück. "Das Ganze braucht viel Disziplin. Das System wird von den vier Gründern entwickelt. Es gibt derzeit wöchentlich etwa 5000 aktive Beiträge auf unserem Diaspora-Server, wir müssen das schon aus organisatorischen Gründen begrenzen, indem wir Einladungen vergeben. Aber insgesamt sind wir sehr liberal: Wenn jemand bewiesen hat, dass er aktiv mitarbeiten und einige grundlegende Regeln beachten will, gebe ich ihm dieselben Rechte wie mir selbst." (ez, derStandard.at, 22. August 2011)