Fidler erfreut sich am Niederstrahlbach: Da wird geknödelt und gesaut
Für die Reparatursau nach einem etwas ausgedehnteren Grillabend in Böhmen ist dieses Wirtshaus weitestgehend ungeeignet. Das liegt nicht daran, dass die Restauration gleich vor (aus Böhmen) oder hinter (aus Wien) Zwettl keinen gescheiten Schweinsbraten hätte oder gar keine anständigen Waldviertler Knödel. Im Gegenteil, der Braten perfekt, die Knödel prototypisch und ohnehin einer der Schwerpunkte des hiesigen Schaffens. Allein: Bis 15, offiziell 16 Uhr kann der Fidler in solchen Notsituationen nicht warten. Und erst dann sperrt das Prachtwirtshaus Mittwoch, Donnerstag und Freitag auf.
Zwettl am Attersee
Gut, man könnte natürlich auch vor oder am Wochenende in Böhmen grillen, dann wäre das mit dem Reparaturbesuch im Demutsgraben kein Problem. Oft kann man sich halt nicht aussuchen, wann man von Freunden begrillt und befüllt wird. Aber weil der Wirt, der mich Donnerstagmittag abweisen musste, so nett und essbegeistert aussah. Und weil der Herr Reuer gar so vom Demutsgraben geschwärmt hatte. Und weil mir für gscheites Essen ohnehin kein Weg zu weit ist, war ich wochenends gleich wieder da - vom Attersee liegt Zwettl ja praktisch auf dem Weg, wenn man ein gescheites Moped hat.
Süße Katzen
Ich habe keinen Meter Umweg bereut: Wunderbare Wirtsräume mit alter Schank, ein gemütlicher Hof mit unglaublich süßen Hauskatzenkindern in grau und rot (nein, nicht zum Essen, Fidler!). Und eine Karte, die es einem nicht leicht macht.
Reuer begeisterte insbesondere die Knödelei (Schafskäseknödel mit brauner Butter und Parmesan, divers bekrautete Blunznknödel, Grammelknödel, Fleischknödel, italienische Fleischknödel, gebackene Geflügelknödel in Erdäpfelhüll, Pilzknödel auf Curry-Zwiebelkraut und „original Zwettler Bierknödel mit Kalbfleischfülle"). Die hob ich mir im August doch lieber für einen Besuch im Oktober oder November auf.
Schwamm und Schwein
Dann lieber was ganz Leichtes: geröstetete Eierschwammerl vorweg, Pilz und Ei sind ja ganz light verdaulich, wie wir wissen. Und drauf ein Schweinsbraten mit Krautsalat (ist ja heiß) und prachtvollen Waldviertlerknödeln. Ich komme wieder, nicht allein für die Knödel.
Hirn ins Web
Frau Schell wiederum begeisterte am Niederstrahlbach Hirn mit Ei so sehr, dass sie das bildhübsche Denkorgan gleich ins soziale Web stellte. Auch die Gurkensuppe "war ganz hervorragend". Und den Wirten, gemeint: das Wirtshaus, fand sie "sehr nett". Recht hat sie, wie so oft. Und: Was will man mehr?
Brauch ich nur noch einen Drittwohnsitz im Demutsgraben. Oder kann man dort gar auch Zimmer zur Verdauung mieten?
Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald
Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und
Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute,
die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen
Vergnügen. Was nicht immer gelingt.