"Der Kapitalismus zerstört sich selbst ..."

21. August 2011, 20:36

... und das ist gar nicht gut so.

"Marx hatte schon recht damit: Der Kapitalismus könnte sich selbst zerstören", sagte Starökonom Nouriel Roubini vergangene Woche. Und er sei drauf und dran, das zu tun. Einer der Hauptgründe: Die wachsende Ungleichheit. Nachdem sich die Marktwirtschaft zu einer The-Winner-Takes-It-All-Ökonomie verwandelt hat, wird jetzt erst recht nur bei den normalen Leuten gespart. Die Ergebnisse sind so eindeutig wie vorhersehbar: Das Wachstum bricht noch mehr ein, es droht eine neuerliche Rezession. Denn woher soll denn das Wachstum kommen, wenn die Nachfrage einbricht? Und warum sollten denn Unternehmen investieren, wenn sie ohnehin nicht damit rechnen können, dass ihre Güter Abnehmer finden? Und wie sollen denn die Staaten ihre Schulden loskriegen, ohne Wachstum? Manche freuen sich schon: Hat er sich endlich selbst um die Ecke gebracht, der Kapitalismus, ist er bald verreckt, und justament an den Ungerechtigkeiten, die er produziert. Aber ist ein "Fatal Error" wünschenswert? Sicher nicht. Und gibt es andere Auswege: Aber klar doch!

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Dem kann ich mich nicht anschließen.

Eine Marktwirtschaft ist ja nicht zwingend auch kapitalistisch. Daher kann man sich auch als Befürworter des Marktes gegen den Kapitalismus aussprechen.
Derart große Umwälzungen wie sie nötig sind um unser System nachhaltig, sozial und gerecht werden zu lassen werden außerdem auch nicht ohne großen Krach möglich sein.

Wir notieren: Nach dem nächsten Weltkrieg, Unschuldsvermutung also auch für Herrn Misik. Als ideologischer Anstifter.

Spätestens seit dieser Folge

lohnt sich das Anschauen nicht mehr.

Sehr interessant finde ich die Analyse des "Breiten Spektrums" an Leuten die gut zurecht kommen mit der kapitalistischen Marktwirtschaft aber dennoch diesen "inneren Groll" verspüren. Sehr schön das Hr. Misik das mal in Worte fasst.

Gleichzeitig zerstört sich die

Linke selbst, weil sie zwischen Kapitalismus und Markt nicht unterscheiden kann.
Die dazu verwendeten Wörtersuppen sind so lächerlich ...
Dabei wäre eine intakte, intelligente Linke so wichtig. Gerade jetzt.

Schieder Zitat: "Du sollst nicht dem Neoliberalismus frönen" zitiert im dieswöchigen Profil. Nein! Weil der Nl im nicht-anglo-amerikanischen Verständnis ist für Chancengleichheit.
"Du sollst Keynes ehren", Häupl (Profil).
Dabei hat die Keynesianische Falle: Kapitalismus mit Steuergeld, zu einem grossen Teil zum anhaltenden Knatsch beigetragen.

"Du sollst kein Loblied auf den freien Markt singen", Häupl" (ebendort). Und DAS ist der Freibrief für ungezügelten Kapitalsmus, der Märkte kapert um Kapital zu akkumulieren.

das ist ja kompletter blödsinn

Sagte der Narr,

mit stolz geschwellter Brust.

fand den beitrag diesmal nicht so überzeugend - zum thema kapitalismus gibts übrigens ein kleines interessantes büchlein vom grossartigen historiker braudel "die dynamik des kapitalismus"

"der kapitalismus zerstört sich selbst" naja, der menung kann man sein, aber was ist das eigentlich, DER kapitalismus, WIE funktioniert er und könnte es sein, dass man strukturell differenzieren sollte zwischen marktwirtschaft, kapitalismus und finanzkapitalismus?

"der kapitalismus" war immer schon sehr beweglich und anpassungsfähig

vielleicht die treffendste metaper zum sogenannten kapitalismus:
"in der langfristigen perspektive ist der kapitalismus ein später gast. er tritt erst ein, wenn der tisch bereits gedeckt ist ... das spezifische problem der hierarchien geht weit über den kapitalismus hinaus ..."

WAS also zerstört sich da selbst?

kurzum, das eigentliche problem liegt wohl nur sekundär beim sogenannten kapitalismus. alles klar?

Der Kapitalismus

Der Kapitalist benutzt sein Vermögen, um dieses wachsen zu lassen. Er Investiert in Waren, die er günstig einkauft, um sie teurer zu verkaufen. Ihm geht es nicht um die Waren, um deren Nutzwert, sondern allein um deren Tauschwert. So wird sein Vermögen zu Kapital. Der erwirtschaftete Gewinn wird - nach Abzug des selbsterhalts - reinvestiert und so als Kapital verwendet, das Spiel beginnt von neuem (Quelle: Karl Marx, "Das Kapital" - Band I).

So setzt der Kapitalismus auf permanentes Wachstum, das nicht nur durch äußere Umstände begrenzt ist sondern auch durch innere und innere Widersprüche, die durch keine Reform aufgehoben werden können. (in folgenden Texten nachzulesen: http://www.exit-online.org/html/text1.php).

dass der kapitalismus sich zerstört, das erzählen uns die jünger von marx nun schon seit hundertfünfzig jahren. ich glaube nicht, das ich das ende noch erleben werde. einen kapitalismus hat es schon im antiken rom gegeben und besonders raffiniert hat er sich zwischen dem 15. und dem 18. jhdt entwickelt.

ich glaube auch, wenn sich eine türe schliesst, dann tut sich woanders eine neue auf. sicher wird immer wieder geld vernichtet, aber davon stirbt der kapitalismus nicht

marx hat einen wichtigen beitrag geleistet und sozusagen eine solide grundlage geschaffen. auf diesem humus ist aber in den letzten hundert jahren einiges gewachsen, das man auch in betracht ziehen kann. marx ist ja kein heiliger und das denken hört mit ihm nicht auf

Fortsetzung:

Da der Kapitalismus diese Grenzen nicht kennt, sie im System nicht vorgesehen sind und daher schlicht ignoriert werden, zerstört er sich, über kurz oder lang, selbst.

Wie ein Auto ohne Bremse, dass mit Vollgas auf eine Mauer zu rast :)

...oder anders gesagt, der kapitalismus mag vieles zerstören, aber am wenigsten sich selbst. schliesst sich hier ein loch, tut sich woanders ein neues auf und er verlagert sich, schneller als man schauen kann. dieses spiel kann man seit jahrhunderten beobachten

Dann sind die Beobachtungen, welche nur die Verlagerung der Probleme sehen, leider nicht vollständig und tiefgreifend genug.

Wenn man horizontal über einen Gletscher schaut, sieht man die tiefen Spalten nicht.

Misik macht einmal mehr klar,

worin das politische Dogma (und, wie zu befürchten ist, wohl auch das erkenntnistheoretische A Priori) der gemäßigten Linken, zu deren penetrantester Sprechplatte in Österreich er selbst avanciert ist, besteht und immer bestanden hat: Dass es nichts außerhalb von Staat UND Kapital gibt und geben darf und daher das höchste Ziel darin zu bestehen hat, den Kapitalismus vor (zumal für ihn selbst) schädlichen Elementen wie Gier, Kommerz und neoliberaler „Kolonialisierung aller Lebensbereiche" zu befreien.

All die Weisen und trotzdem sind noch immer die selben Leute die reichsten

Grundsätzlich soll man ja Kritik ernst nehmen, man solle auch jede Meinung hören und reflektieren, aber bitte nicht nur auf eine Meinung stützen und die jetzt ausschlachten und zwar:
1. Die Person hat das sich er deswegen gesagt, weil Panik sich gut verkauft und der Typ ins Fernsehen wollte.
2. Ich finde das ja putzig wenn immer darauf berufen wird, dass das die Starökonomen etc. sind, entweder der Starökonom verdient kein Geld, oder er ist nicht unbedingt der so tolle Weise, weil soweit ich weiß noc immer die selben Leute die Top 10 der reichsten Personen anführen.
3. Alles das könnte man auch auf einem etwas gebildeteren Stammtisch hören, trotzdem ist der Mensch ein Individuum und der Markt stark genug sich immer auszugleichen.

Misik verschweigt die halbe Wahrheit

1. Die Steuern sind in Amerika vollkommen anders verteilt als bei uns dort können sicher die Besserverdiener mehr zahlen.
2. Den freien Markt gibt bis jetzt noch nicht, weil die Politik immer eingreift.
3. Der Kapitalismus zerstört sich nicht selbst, wiel wenn das so "Spitzenökonomen" sagen, dann sind das welche die naiv genug waren zu glauben das ewiges Wachstum immer nur mit dem PÜfeil nach oben war.
Er zerstört sich nicht selbst er lebt davon, ewiges Wachstum liegt darin zu wachsen, sich teilweise zu korregieren, zu crashen, das Versagen aufzuzeigen und eben wieder vom Boden zu wachsen.
Wieso treibe ich mit dem Verkauf von Anleihen die Zinsen nach oben?? Hat Misik jemals außer dem Buch "Das Kapital" auf dem Finanzmarkt teilgenommen?

Darfs noch ein Stückerl sein?

Die Frage ist aber diesmal: Ist Ihr schumpeterscher Markt der schöpferischen Zerstörung wenigstens diesmal klug genug, den Faktor Mensch mitzubedenken? So ein reinigender Crash kann schließlich auch in einer größeren kriegerischen Auseinandersetzung enden, wie uns die Geschichte lehrt - und bei der heutigen Weltmarktkonstellation + den heutigen Waffen besteht durchaus die Möglichkeit, dass da kein Boden mehr ist, wo da was wachsen kann. Ad 2.: Nicaragua! Da sehn sie, wie der freie Markt ohne störende Politik funktionierte; da hatte doch immerhin ein Milton Friedman, einer der wichtigsten Marktbefreier, wie sie sicher wissen, vollkommen freie Hand. Davon abgesehen, will ich sie nicht korrIgieren.

Waschmaschinen leben länger mit Calgon!

Nix zerstoert sich selbst

Von einer Ungleichheit, wie sie zu Zeiten Karl Marxens geherrscht hat, sind wir noch sehr weit entfernt.

so sehr weit ist es gar nicht mehr

1960 betrug die deutsche Vermögens/Schuldendifferenz 0 Milliarden.
Im Jahr 2007 betrug das Gesamtvermögen etwa 7000 Milliarden ebenso die Gesamtschulden. Ob da etwa ein systemischer Zusammenhang vorliegt?
Immerhin, der Trend ist absehbar, aber glauben Sie ruhig weiter daran, im besten aller Systeme zu leben.

(Quelle: Deutsche Bundesbank Ges.wirtsch. Finanzierungsrechnung)

Sieh die Ungleichheit im globalen Zusammenhang!

Ja, da ist die Ungleichheit gewaltig

Aber hier bietet der Kapitalismus den Armen die Chance, aufzuholen. Dauert halt noch 100 Jahre. Aber immerhin

Da hab ich ein paar super Beispiele

Den afrikanischen Ländern wurde durch den IWF verboten, ihren Baumwollmarkt zu subventionieren. Die Bauern haben am internationalen Markt keinen (staatlichen) Einfluss mehr und keine Chance, Transport und Düngemittel zu bezahlen. Sie machen reihenweise Bankrott und flüchten mit ihren Familien in die Elendsviertel. Benin z.B. erzeugte 2005 noch 250 000 Tonnen Baumwolle, nach der IWF-Kur nur noch 20 000. So bringt man eine Wirtschaft in Schwung! Von den 76 AKP-Staaten sind mittlerweile 58 durch ihre "Wirtschaftsbeziehungen" mit Europa verelendet. Wenn Sie jetzt mit der Formel kommen, das sei das beste für den Weltmarkt, widersprechen Sie ihrer Hoffnung auf eine Aufholjagd durch die Ärmsten.
Tipp: J. Ziegler, Der Hass auf den Westen, S.87ff.

Herr Misik, was wollen sie eigentlich sagen?

Ich habe mich tatsächlich überwunden, das ganze Video anzuhören.

Immerhin, sie sind jetzt bereit zu akzeptieren, dass man den "Kapitalismus" nicht abschaffen kann - puh das muss ja eine Überwindung gewesen sein. Aber die bösen "Finanzmärkte sollen reguliert werden".

Was soll das heißen? Wird das Kaufen und Verkaufen von Aktien (=Unternehmensanteilen) verboten? Wird der Kauf von Staatsanleihen etwa Griechenlands Pflicht?

Letztlich zeigt das alles nur die Ratlosigkeit der mittlerweile ziemlich zahmen Linken.

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