Die Stunde der Wahrheit naht

Kommentar | Gudrun Harrer, 21. August 2011, 21:28

Wenn der Libyen-Konflikt entschieden ist, muss sich die Nato sofort zurückziehen

Der letzte arabische Revolutionär der politischen Nasser-Generation wird durch eine Revolution hinweggeschwappt. Es ist allerdings eine Revolution der besonderen Art, begonnen als lokaler Aufstand im vomRegime schlecht behandelten Osten des Landes, der sich durch eine - von der Nato aus der Luft unterstützte - Rebellenarmee in den Westen fortsetzte - mit angesichts des Widerstands wachsenden Zweifeln, ob dort die allermeisten diese Revolution auch wirklich wollen.

Die Gaddafi-Front hat erstaunlich lange, ein halbes Jahr, gehalten. Das System, für das die Loyalistenarmee kämpfte, hat seine Klienten ganz gut ernährt, dafür sorgte schon das libysche Ölgeld. Sie hatten viel zu verlieren. Bei einigen wird auch die Behauptung Gaddafis, dass in Libyen eine imperialistische oder eine Attacke Al-Kaidas - oder beides kombiniert, das geht in diesem Denken durchaus - abzuwehren ist, gegriffen haben.

Die Nato hat immerhin die Bedingung des Uno-Sicherheitsrats, keine "Eroberungsarmee" zu senden, strikt erfüllt, wenn auch zweifellos Kommandos aus Nato-Mitgliedsstaaten zuhauf auf libyschem Boden waren. Es wird sehr wichtig sein, dass sich der Westen sofort militärisch aus diesem Konflikt zurückzieht, sobald er politisch entschieden ist. Aufräumen müssen die Rebellen - dann Exrebellen - alleine. Allerdings sollte man sie das nicht ohne Beobachtung von außen tun lassen. Das Thema Menschenrechtsverletzungen wird auch für die Sieger auf den Tisch kommen müssten. Vertrauen ist nicht angebracht.

Nun geht es darum, die Post-Gaddafi-Ära mit einer Transitionszeit zu beginnen, die in ein möglichst demokratisches System führen soll. Analysten halten Libyen für schwer benachteiligt im Vergleich mit den beiden anderen Umsturzländern, Ägypten und Tunesien: In beiden Staaten gab es Strukturen und Institutionen, die zwar nur einer politischen Scheinpartizipation dienten, aber immerhin, sie sind da und können mit Leben gefüllt werden.

Oder jedenfalls stellte man sich das so vor. Ganz so leicht ist es nicht - gerade auch weil sich alte Strukturen als sehr beständig erweisen -, und vielleicht ist es für Libyen ja auch eine Chance, bei null beginnen zu können. In Gaddafis krauser politischer Welt des Grünen Buchs gibt es nichts, an das man anknüpfen kann.

Die Rebellen konnten, ähnlich wie die syrische Opposition heute, die Frage "Wer seid ihr eigentlich?" am Anfang nur schwer beantworten. Als eine Antwort jedoch nötig wurde - denn die Nato brauchte ja einen "Partner" -, schufen sie rasch einen professionell wirkenden Übergangsrat auf geografischer Basis sowie ein Exekutivkomitee. Zuletzt haben diese Organe einiges an Überzeugungskraft eingebüßt, es zeigten sich Brüche, die in Mord und Totschlag mündeten. Ob der Sieg nun als Kitt wirkt - oder ob die Opposition, die nun das gemeinsame Ziel verliert, daran zerbricht -, wird sich weisen. Die Stunde der Wahrheit naht.

Ebenso professionell wie im ersten Moment der Rat klingt dessen Plan für den politischen Übergang: Wahlen für ein Interimsparlament, das eine neu zu schreibende, durch ein Referendum zu legitimierende Verfassung verabschieden soll, danach die ersten verfassungsmäßigen Wahlen etc. Dieses an sich vernünftige Lehrbuch-Skript kann funktionieren, muss aber nicht: Im Irak führte es in den Bürgerkrieg, weil das Land für so komplexe politische Prozesse noch nicht reif war. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2011)

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Berta Müller
10
23.8.2011, 09:41
Dann werden wieder die einzelnen Staaten einrücken und sagen, wir sind ja gar nicht die NATO

Das Spiel mit Worten wurde jetzt schon mehrmals praktiziert, gedeckt von der Witzfigur Ban Kimoon, dem alle Verstöße gegen die UN Resolution egal sind, solange das Herrl USA mit dem Kipf nickt und sagt, passt schon. . Was oder wer sollte die Kriegsverbrecher hindern, dieses Spiel weiter zu spielen? Die Frau Harrer?

superloser
11
22.8.2011, 17:14

Also, wenn tatsächlich anzunehmen ist, dass ein Rebellenregime ähnlich unangenehm wird, wie das Gaddafiregime, ist es wesentlich sinnvoller, die Nato bleibt und installiert eine Militärverwaltung, die für eine gewisse Übergangszeit das zivile Leben in Libyen organisiert. Innerhalb einer Frist von sagen wir ein bis zwei Jahren sollte ein von der Bevölkerung per Referendum bestätigter Rat eine Verfassung ausarbeiten und freie Wahlen vorbereiten.

Lord Chaos
00
22.8.2011, 16:59
muss sich die Nato sofort zurückziehen

Wie kann sich die NATO zurückziehen wenn sie, wie auch Frau Harrer zugibt, gar nicht vor Ort ist?

pike bishop
14
22.8.2011, 15:54

Man hat bei Frau Harrer immer das Gefühl, dass sie bei diesem Thema nicht ganz schreiben darf, was sie wirklich denkt. Diesmal hängt sie sich aber sehr weit aus dem fenster und sagt deutlich wie nie, dass sich man von diesen Rebellen ziemlich in Acht nehmen muss. Jetzt ist es ja auch schon egal, der Sieg ist errungen, Gaddafi wahrscheinlich in ein paar Stunden oder Tagen tot. Hintennach können dann eh alle sagen, dass man sich das alles nicht geünscht hat. Das aber alles vorauszusehen war, erwähnt dann keiner mehr. Wie immer kann ich mich irren, ich fürchte aber ich irre mich nicht (und Frau Harrer auch nicht).

Cymbalist
00
22.8.2011, 15:25
Gebt zuerst der Rache eine Chance, dann der Versöhnung!

Zuerst wird unvermeidbar eine Stunde der Rache kommen gefolgt von möglicherweise heftigen Kämpfen um die Macht. Wird dann eine Stunde der Versöhnung folgen?

miss chicken
21
22.8.2011, 13:43
Dxie NATO-Staaten sollen sich jetzt um den Lohn prellen lassen?

Reiche Öl- und Gasvorkommen und der Revanchismus von vor Jahrzehnten enteigneten Multis,.. warum glauben Sie, Fr. Harrer, sollen sie jetzt nciht nehmen was zu kriegen ist?

Bonnie Entkleid
49
22.8.2011, 12:23
Klar, die NATO hat dort Bomben im Werte von Millionen

hinuntergeschmissen um eine "Demokratiebewegung" zu unterstützen. *lach*

Zwielichte Gestalten unterschiedlicher Herkunft und Absicht (Rebellen) von denen immer noch niemand so recht weiß wer die sind und was sie wollen und eine zwielichte Organisation (NATO) die eine Sicherheitsratsresolution pervertiert hat und die Rebellen in jeglicher Hinsicht unterstützt hat, werden nun die Früchte ernten. Da wirds jetzt Privatisierung, "lukrative Auslandsgeschäfte" und dergleichen mehr geben.

Die Demokratie wird nur in den Schlagzeilen der Systemmedien vorkommen, sonst nirgends.

ichbinsofrei.net
22
22.8.2011, 13:53
Klar, die NATO hat dort Bomben im Werte von Millionen hinuntergeschmissen um eine "Demokratiebewegung" zu unterstützen. *lach

Ja, wussten Sie denn nicht, dass die NATO eine uneigennützige Demokratiemaschine ist? Ich wusste das auch lange nicht, habe mich aber heute morgen von den vielen kompetenten Postern hier überzeugen lassen.

quick & dirty
64
22.8.2011, 13:40
solches geschwurbel ...

überzeugt mich immer, dass jede bombe richtig war.
.
für die freiheit und demokratie.
.

Gobi Todic
00
22.8.2011, 12:04
medienjob

http://www.filmabc.at/documents... S_Film.pdf

white words, black words. siehe seite 13

Nik M
11
22.8.2011, 11:21
Solang man nicht weiss, was von den Rebellen zu erwarten ist,

ist es wohl besser, die NATO bleibt. Es muss ja nicht sein, dass ein weiteres Regime, dass Maedchen die Bildung verweigert, Nasen abscheidet und Menschen steinigt mit Hilfe der NATO etabliert wird.

Bertel Mann
48
22.8.2011, 11:19
"...muss sich die NATO sofort zurückziehen"

ABer gaaaanz sicher wird sie das tun. Niemals wird sie - natürlich nur auf inständiges Drängen der "Rebellen" - einen Stützpunkt einrichten.

P.S.: Die Leute, die das Märchen vom "Schutz der Zivilisten" glauben, sind dieselben I... die auch das Märchen von den Massenvernichtungswaffen im Irak geglaubt haben. Allerdings ist diese Lüge raffinierter, da sie prinzipiell unüberprüfbar ist.

Dhimmi
01
22.8.2011, 17:44
Wen soll da ein Sützpunkt interessieren, wenn Malta 200km entfernt ist.

Dummes Zeug.

PS: Frag mal die Kurden und Iraner ob Saddam Giftgas (=Massenvernichtungsmittel) hatte und die Trägerraketen dazu.

anyuser
 
01
22.8.2011, 12:02
Abwarten...

The Unpockable
00
22.8.2011, 10:51

sobald die Gefechte vorbei sind wird der Flüchtlingsstrom in die EU erst so richtig einsetzen...vorallem wenn die Nato sofort abzieht...blauäugig bis zum geht nicht mehr...

ichbinsofrei.net
00
22.8.2011, 10:28

Die Stunde der Wahrheit - man darf gespannt sein:
http://derstandard.at/plink/131... 6/22551696

norbert mummenschanz
25
22.8.2011, 08:48
Westen will für seine Hilfe neue Erdöl-Felder

also so eigennützig humanitär waren die Nato-Angriffe nicht.

Rose Bud
00
22.8.2011, 11:00
Es geht...

...immer um die Wurscht und nie um die Haut

Pyotr Alexeyevich
23
22.8.2011, 04:31

Sarkozy ist schon auf dem Weg zur Siegesrede auf dem Flugzeugträger: "Mission accompli"

sterngucker
 
02
22.8.2011, 08:26
accomplie

So viel zeit muß sein.

Pyotr Alexeyevich
10
22.8.2011, 20:24

Danke. Da sieht man's mal wieder, was Sparmaßnahmen im Bildungsbereich anrichten :)

johann potakowskyj1
 
48
22.8.2011, 02:45
Und die Wahrheit ist

Dass der nächste Diktator schon wartet. Wo bitte Frau Gudrun Harrer, wurde von den Libyschen Rebellen erwähnt, dass sie eine Demokratiebewegung sind. Sie sagten dass sie das Land vom bösen Diktator Gadaffi befreien möchten.

Wo haben denn unsere tollen Journalisten das mit der Demokratie eigentlich her?

Warum wird uns dieser Schwachsinn dauern vorgetragen?
.... und wofür hält ihr uns eigentlich, dass wir das glauben?

Dhimmi
22
22.8.2011, 10:30
"Wo haben denn unsere tollen Journalisten das mit der Demokratie eigentlich her? "

behauptet doch keiner hier.
Geben Sie sich immer die Stichwörter selber?

tramezzino
12
22.8.2011, 10:02

natürlich gibt´s wenn überhaupt nur eine pseudodemokratie. ich denke, die jornalisten wissen das auch, nur verstehe ich nicht, warum sie das nicht schreiben (so naiv können sie nicht sein). diese länder können auch mit demokratie soviel anfangen, wie ein bergbauer mit einem cabrio.

es wäre aber schon ein großer schritt weiter, wenn der nächste machthaber, die kohle nicht in seine eigenen taschen scheffelt.

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