"Young Director's Project"

Auf den Flügeln des Traums ins Herz der Finsternis

21. August 2011, 18:29
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    foto: young director's project

    Tastende Erfahrungen: "Symphony of a Missing Room" im Museum der Moderne am Mönchsberg.

Das "Young Director's Project" auf Bewusstseinsreisen

Salzburg - Die Kontrolle abgeben und die Welt im Kopf entstehen lassen: Das ist, kurz gesagt, die schöne "Aufgabe" des Besuchers der Performance-Installation Symphony of a Missing Room von Lundahl & Seitl - ein in London lebendes Künstlerduo aus Stockholm. Mit seiner poetisch-sinnlichen Reise durch das Museum der Moderne auf dem Mönchsberg zählt dieses Projekt wohl zu den herausragenden des diesjährigen Young Director's Project im Rahmen der Salzburger Festspiele.

Ausgestattet mit schnurlosen Kopfhörern und einer Augenbinde, begleitet von einem Schauspieler und geführt von einer Stimme im Ohr, durchwandern die Teilnehmer dieses Wahrnehmungsexperiments eine imaginäre Architektur des Museums. Es ist erstaunlich, wie verloren und vertraut man sich gleichzeitig in diesem Nicht-Raum fühlen kann. Nichts sehend, nur hörend und fühlend, gesteuert in einem sanften Rhythmus aus Berührungen und Worten, gleitet der Besucher in eine andere Welt.

Illusion und Realität verschwimmen, die anderen Besucher werden nicht mehr wahrgenommen, das Bewusstsein des eigenen Ichs in Zeit und Raum wird auf die Probe gestellt. "Das Selbst existiert nicht", ist eine der Thesen des Philosophen Thomas Metzinger, die Lundahl & Seitl zu diesem im wahrsten Sinne des Wortes berührenden Projekt angeregt haben.

Als Kunstwerk wächst es von einem Ort zum anderen. Bis 2012 wird das Auftragswerk mehrerer europäischer Museen ständig weiterentwickelt.

Die sinnlich ansprechende Komponente des Theaterstücks Mission Drift beschränkt sich auf die sich durch die gesamte Aufführung ziehenden Songs der New Yorker Künstlerin Heather Christian. Als "verlorene Mission" - so die freie Übersetzung des Titels - kann der langatmige Versuch im Republic, die 400-jährige Geschichte des amerikanischen Westens zu erzählen, aber nur teilweise bezeichnet werden.

Kritik der US-Mythen

Das US-Ensemble The TEAM - Theatre of the Emerging American Moment, sinngemäß: "Theater des entscheidenden Moments" - setzt sich kritisch mit zentralen US-Mythen auseinander. Mit Cowboy-Romantik wird ebenso abgerechnet wie mit den aktuellen Einreiseschwierigkeiten am Flughafen, die Ausbeutung der amerikanischen Ureinwohner wird genauso thematisiert wie das organisierte Verbrechen. Alles spielt sich in Las Vegas ab, dem bezeichneten "Herzen des amerikanischen Kapitalismus".

Mit der Wüste im Plastikkübel unternimmt ein niederländisches Einwanderpärchen auf seinem Weg in den Westen der USA eine Zeitreise in die Gegenwart. Ein eigenwilliges Stück, das den langen Atem des Zuschauers aber mit einem musikalischen Ohrenschmaus belohnt. (Elisa Weingartner, DER STANDARD - Printausgabe, 22. August 2011)

 

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