Jazzfestival Saalfelden

Produktive Missverständnisse

Andreas Felber, 21. August 2011, 18:15
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    foto: universal

    Jazz für ein junges Publikum: Reid Anderson, Ethan Iverson und Dave King (v. l.).

Mit The Bad Plus gastiert eine der aufregendsten Bands des Jazz - mit Gastsaxofonist Joshua Redman - beim Jazzfestival Saalfelden

Ein Gespräch mit Pianist Ethan Iverson über Ironie und jazzigen Rock.

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Wien - Bei Dingen, die ihm wichtig sind, kann Ethan Iverson recht ausführlich werden. Nachzulesen etwa in seinem Blog Do The Math, wo der 38-Jährige mühelos gewagte Gedankenketten verschriftlicht: Diese beginnen etwa bei einer Rede Obamas, führen weiter zu politisch inkorrekten Aussagen des legendären Schlagzeugers Art Blakey ("Die einzige Art, wie ein weißer Musiker swingen kann, ist mit einem Seil!") und münden in einer Abhandlung über Cool-Jazz-Vater Lennie Tristano. Iversons Mitteilungsfreudigkeit ist allerdings, wie man sieht, nicht frei von diskursfördernder Ironie.

Wie aber hält es The Bad Plus (Iverson ist deren Pianist), die durch eigenwillige Coverversionen u. a. von Queen (We Are The Champions) oder Black Sabbath (Iron Man) bekannt geworden ist, mit der Musikironie? "Wir haben uns dafür entschieden, nicht über Musik zu improvisieren, die zwischen 1920 und 1965 entstanden ist. Stattdessen finden wir es interessant, aus Rock-, Pop- und Electronica-Tunes Vehikel für zeitgenössische Paraphrasen zu machen", so Iverson.

"Damit einher geht ein grundlegendes Missverständnis: Viele glauben, The Bad Plus parodiere diese Songs. Was nicht der Fall ist. Unsere Interpretationen sind nicht als Witz gemeint! Das sind Lieder, mit denen wir aufgewachsen sind und die noch immer Teil unseres Alltags sind." The Bad Plus? Das ist jenes Trio, das die Jazzszene kräftig aufgemischt hat - als US-Pendant zum 2008 durch den tragischen Unfalltod des Leaders aufgelösten schwedischen Esbjörn-Svensson-Trio. Ähnlich wie dieses versteht The Bad Plus ein junges Publikum mit unpuristischer Musik zu berücken. Und ähnlich wie dieses setzt die Combo auf die Besetzung Klavier-Bass-Schlagzeug. Hier enden freilich die Parallelen, denn die Amerikaner verstehen sich nicht als Klaviertrio.

In der High School nur Jazz

Sie fühlen sich vielmehr als basisdemokratischer Bund aus Schlagzeug (Dave King), Bass (Reid Anderson) und Klavier (Iverson), bei dem es schon vorkommen kann, dass Songthemen auf Trommeln und Becken vorgestellt werden. Und: The Bad Plus, anno 2000 in Minneapolis gegründet, ist im Gegensatz zu den Schweden eben dafür bekannt, sich kräftig im Pop-Repertoire zu bedienen.

Iverson hatte anfangs mit Rock allerdings nicht viel am Hut: "In der High School interessierte ich mich anfangs für Boogie-Woogie, dann den frühen Jazz. Schließlich machte meine erste Thelonious-Monk-Platte großen Eindruck auf mich; und mit 17 Jahren war Free Jazz für mich das Thema. Meine Geschichte ist also die der Jazzgeschichte", so Iverson, der auch eine Anekdote aus der Anfangszeit von The Bad Plus bestätigt: Als King und Anderson die Nirvana-Hymne Smells Like Teen Spirit vorschlugen, zuckte Iverson, obwohl drei Jahre jünger, nur mit den Schultern - um sich in der Folge dem Stück gleichsam als "außerirdischer Android" anzunähern. "Es waren letztlich praktische Überlegungen, die uns dazu brachten, Rocksongs ins Programm einzubauen. Wir hatten nicht genug Material für zwei Konzertsets. Ich mochte es damals nicht, wenn Jazzmusiker Rock spielten, aber wir waren eben ein Kollektiv, also dachte ich: ,Zum Teufel, gehen wir halt bei einem Stück mit fliegenden Fahnen unter, was soll's?'"

Es sollte etwas anders kommen. Wobei sich The Bad Plus vor allem durch das "Wie" aus der Masse der Pop und Rock covernden Jazzbands abhob: Als druckvolle, kantig-groovige, Progressiv-Rock-orientierte Trio-Einheit. Beim aktuellen Opus Never Stop "war es allerdings nach zehn Jahren einfach einmal Zeit, eine Platte nur mit Eigenkompositionen zu machen", so Iverson, der u. a. das Stück Bill Hickman at Home beisteuerte. "Bill Hickman war ein bekannter Stuntfahrer. Ich schrieb über ihn eine Art Blues und stellte mir vor, welche wahrscheinlich wenig aufregenden Dinge dieser mächtige Stuntman tat, wenn er zuhause war, ganz allein, und sich vielleicht ein bisschen einsam fühlte."

Was sich für das Saalfelden-Debüt erwarten lässt, bei dem man mit Saxofonist Joshua Redman bestreitet? "Wir jammten im April mit Josh eine großartige Woche lang im Blue Note in New York. Ich sage nur so viel: Wir spielen keine Popsongs mit ihm." (Andreas Felber, DER STANDARD - Printausgabe, 22. Ausgust 2011)

25.-28. 8., Jazzfestival Saalfelden u. a. mit Max Nagl, Lorenz Raab, Elliott Sharp & Henry Kaiser, Jim Black, Das Kapital, Jessica Pavone, Nels Cline, David S. Ware.

Lee Perry
00
22.8.2011, 18:19

Bin ein großer Fan von Bad Plus; hab sie 2x live in Wien gesehen (Szene bzw. Porgy & Bess), war jedoch beide Male ziemlich enttäuscht. Eine der wenigen Bands die ich auf Platte aufregender als live finde. Vielleicht hab ich aber auch nur 2x Pech gehabt.

selmasupersad
 
00
25.8.2011, 19:03

2x pech, echt.

jack johnson
 
00
22.8.2011, 08:39
shit, und ich net' im Lande :

hanni fridrich
00
22.8.2011, 12:52

nicht aergern,ist eh ausverkauft.leider

Lappe ohne Rentier
00
23.8.2011, 10:14
Mann muss sich rechtzeitig Karten besorgen,...

...seit die Hauptbühne im Kongresszentrum und nicht mehr im Zelt ist. Dann zahlt sich sogar die Anreise aus Rovaniemi aus.

Herzelichst
Ihr Lappe

hanni fridrich
00
23.8.2011, 11:34

ich will das zelt wieder haben!!

numu
 
00
22.8.2011, 14:06

scho ausverkauft?! :((((((((

sadfjklöaglsjkfga
01
21.8.2011, 20:55

großartige band, unfassbar guter schlagzeuger

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