Glawischnigs Flucht nach Europa

Kolumne | Gerfried Sperl, 21. August 2011, 18:09

Die Grünen-Chefin präsentierte sich als glühende Europäerin, die in Österreich gar nichts mehr werden will

Geschwommen ist sie so richtig beim Wasser. Der Treibstoff des Lebens wird in Wien um 33 Prozent verteuert - der Grünen-Chefin war das beim ORF-Sommergespräch keinen Protest wert. So als handle es sich um Benzin, das den Grünen auch nicht teuer genug sein kann. Aber den Durst der Radfahrer mit durch exorbitant Gebühren belastetem Wasser stillen zu wollen, das geht zu weit.

Die eine Interpretation für das Stillhalten der Grünen lieferte Eva Glawischnig höchstselbst. Man müsse über die Gebühren eine Art neuer Sozialpolitik finanzieren, zum Beispiel eine "Grundsicherung" für Kinder. Verstehe das, wer kann. Plausibel war's nicht.

Die andere Interpretation konnte man bereits am Beginn der Wiener Koalition anstellen: Michael Häupl umarmt Maria Vassilakou und erdrückt sie. Was strategisch nicht sehr gescheit ist, weil die meisten grünen Wähler nicht mehr an die Urnen gehen würden. Vom Rückgang der einen würden die anderen profitieren:die Blauen. Schon bei den nächsten Bundeswahlen.

Genau das aber könnte geschehen, weil Glawischnig bei diesem Sommergespräch Österreich faktisch verlassen hat. Sie will das Waldviertler Holzspielzeug mit dem "ökologischen Fußabdruck" billiger machen - gegenüber chinesischem Plastik. Sie will eine Wende in der Verkehrspolitik - vom Öl zum Elektroantrieb und zur Aufforstung der Landschaft mit Windrädern. Auch ein europäisches Projekt.

Die Grünen-Chefin präsentierte sich als glühende Europäerin, die in Österreich gar nichts mehr werden will. Was man verstehen kann, angesichts der Verschiebung der politischen Gewichte nach Brüssel und angesichts des Schneckentempos in Wien.

Die Gesprächspartnerin von Ingrid Thurnher ist den Publikumsfragen nicht ausgewichen, war schlagfertig im Detail ("Meine Großmutter hat immer ein Kopftuch getragen") und ehrlich in Bezug auf ihre eigene Lebensführung. Dazu kam: Die ORF-Journalistin fragte zeitweise wie eine Pressereferentin von Heinz-Christian Strache und unterstellte Glawischnig unverhohlen kommunistische Positionen.

Die grüne Spitzenfrau hat nicht zurückgeschlagen und ihre Lockerheit bewahrt. Sie hat nicht den Mephisto gespielt, den Strache beim nächsten Sommergespräch wieder geben wird.

Aber keinen Punkteplan für die österreichische Zukunft vorgestellt zu haben ist ein schweres Versäumnis. Die Regie der heurigen Sommergespräche erschwert das zweifellos. Wenn sie gewollt hätte, wäre es ihr trotzdem gelungen.

Denn genau das ist ein Manko der Koalitionsparteien. Sie schwimmen im europäischen Teich und halten sich dabei passabel über Wasser. Sie überstehen Gewitter und kleine Stürme. Dann hissen sie die Flagge, während andere im Untergehen sind.

Wie sie das österreichische Boot umbauen möchten, was dabei die Baustoffe der Zukunft und die Instrumente der Selbstbehauptung bei rauem Wetter sein könnten, darüber schweigen sie sich aus. Glawischnig ebenfalls. Sie flieht nach Europa. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2011)

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Posting 1 bis 25 von 121
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wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
00
22.8.2011, 20:19
Und:

Menschenrechtswidrige -
kürzung u. streichung der "mindestsicherung", zwangscoaching durch fragwürdige firmen, aussichtslose zwangsbewerbungen u. zwangsarbeit für ehemalige sozialhilfeempfänger u. bezieher der "mindestsicherung" gefallen den grünen?
Oder??

KL
01
22.8.2011, 19:17

vielleicht waers sinnvoll aufzuhoeren unseren polit-muell in europa zu entsorgen. das kommt naemlich paar jahre spaeter dann wieder zurueck.

Kubaner
11
22.8.2011, 17:39
Transit

Reisende soll man nicht aufhalten!
wieviel Hähne werden krähen wenn sie weg ist?
Ich glaube eine Hand genügt zum zählen!

Papa Radzy
01
22.8.2011, 17:09

ja eh, der größte futtertrog steht in brüssel.

Nubuk und Nanuk
10
22.8.2011, 16:22

Woran erinnert dieses gütige Wohlwollen? An Norbert Steger über H.C.Strache? Naja, wegen den Kindern ... Und das Kuckucksei? Da hat jemand seine Hand ins Feuer gelegt. Das muss verdammt weh tun.

Nadine Mayer
08
22.8.2011, 14:36
bitte bleib..

wer kann sich sonst mit Laura Rudas auf Augenhöhe duellieren ?

Joe Frost
33
22.8.2011, 14:20
"Meine Großmutter hat immer ein Kopftuch getragen"

Das soll doch nicht etwa heißen: "Zurück ins Klima der 1950er Jahre?"

Feyjama
43
22.8.2011, 15:06

nein, aber es sollte unter der österreichischen Bevölkerung doch für mehr Toleranz gegenüber dem Kopftuch werben.

Meine Oma hat auch oft Kopftuch getragen, Sonntag in der Kirche war das für sie Pflicht.

Joe Frost
01
22.8.2011, 16:28
Vergleich unzulässig

war mir natürlich klar, insofern war´s ironisch gemeint ;-)

Problematisch wirds halt beim durch den Familienpatriarchen erzwungenen Tragen ab Erreichen der Pubertät. Genau das ist auch der Grund, warum der Vergleich "Ältere Frauen in Ö hatten sowas doch immer auf" zu den Zuwanderinnen jetzt mehr als hinkt, da der elterliche (väterliche?) Zwang nicht berücksichtigt wird. Insoweit werden hier verschiedene Dinge verglichen, was auch eine "Gleichbewertung" in Richtung Toleranz nicht unbdingt nahelegt.

These(!) zum behaupteten Freiwillig-Tragen des Kopftuchs: Nona, was soll sie denn sonst sagen, ohne sich troubles daheim einzufangen?

Entfesselter Prometheus
222
22.8.2011, 14:06
Blabla für BlablaistInnen

Glawischnig ist ein 100%iges Geschöpf aus den Retorten der politischen Wolkenkuckucksheime. An der Realität scheitert die Dame jedoch vollkommen mangels Praxisbezug.

Captain 11
13
22.8.2011, 16:33

...100% korrekt! die grünen wären eine schöne antithese zu den anderen 3 parteien gewesen. daher stammen auch ihre wahlerfolge der vergangenheit. damit wird es bald vorbei sein. diese chance haben sie dank dieser obfrau verloren, denn sie ist nicht authentisch, lebt nur in ihrem miniuniversum und zeichnet sich durch ignoranz aus, die die partei dorthin beamen wird wo sie vor van der bellen war...ins nirwana!

trollvottel
95
22.8.2011, 14:40

Prometheus ist ein feiger Troll, der unter erfundenem Namen Prominente beleidigt; die theoretisch interessante Möglichkeit, Postings zu verfassen und zu kommentieren, wird durch hasserfüllte Beschimpfungen ohne jegliches Argument entwertet.

Vorschlag: Foren dicht machen. Steht eh nie was interessantes oder originelles drin.

RZugDZug (ungebremst)
12
22.8.2011, 16:50

Glawischnig ist prominent ?
Diese Dame kassiert wie auch andere Politiker ihr Gehalt aus unseren Steuergeldern.
Sie hat sich somit jeder Kritik zu stellen !
Da Grüne gerne Richtung Brüssel schleimen, also für eine Reduktion des Rechtes auf Freiheit des Einzelnen Bürgers eintreten, sollten Sie froh sein, dass es noch möglich seine Meinung kundzutun, auch wenn man von der Politikerkaste ohnedies ignoriert und vom Standard manchmal zensuriert wird.
Das sind Politiker, keine Götter, wir leben in keinem offenem Feudalstaat(noch nicht) und sie haben gefälligst die Meinung der Bevölkerung zu respektieren

roterbruder1
01
22.8.2011, 16:30

sie müssen eh in den foren nicht herumlesen

M K
 
01
22.8.2011, 15:23

Sie machen Ihrem Namen wieder alle Ehre!

hockshank
114
22.8.2011, 13:56

"...war schlagfertig im Detail ("Meine Großmutter hat immer ein Kopftuch getragen")...."

wahnsinnig schlagfertig.

Staatssekretär
04
22.8.2011, 14:52

Naja, wenn man Schlagfertigkeit so definiert:

Findet immer schnell zu jeder Frage die auswendig gelernte Antwort bzw. Assoziation.

Peterk K
00
22.8.2011, 13:35
Wer sein Politleben optimieren will, der handelt richtig in dem er die Flucht

nach Europa oder in die Bundesländer antritt. Sowohl die Verweildauer, das Einkommen als auch die weitaus geringere öffentliche Rechtfertigungserfordernis ist ihnen allen dort sicher. Grüne wissen zu optimieren und sei es, wie man Wahlversprechen umgeht, das machen sie wie altgediente Politprofis mit Dauerregierungserfahrung!

dölerich hirnfidler
00
22.8.2011, 13:27

dieses format ist eine katastrophe und hat mit journalismus überhaupt nichts zu tun. wenn schon die handzahmen fragen von fr. thurnherr an fr. glawischnig als strenges verhör gelten, dann ziehts euch auch bei 33 grad im schatten warm an. wenn die fr. thurnher den zahntechniker auch so zahm rennimmt, wird das eine propagandasendung für die rechten. schauts mal in deutschland die öff-rechtl, da erlebt man mitunter perfekt vorbereitete journalisten, die wirklich hart, aber fair nachfragen.

sepp schilehrer
09
22.8.2011, 12:22

Die Wehleidigkeit der Linken Journaille: FP-Politiker darf man alles fragen, in jedem Tonfall, ja man darf diese direkt mit einem norwegischen Massenmörder in Verbindung bringen.

Wenn eine Grüne mal schärfer gefragt wird, dann wird sofort wehleidig aufgeschrien......

Wie mich diese selbstgefällige Jagdgesellschaft schon ankotzt.......

PS: Mag sein, dass die Grossmutter am Feld ein Kopftuch trug, sie hat aber dennoch ins Freibad gehen dürfen. Frauenrechtlerinnen, die das Kopftuch verteidigen, sind nicht ernst zu nehmen.

PPS: Dennoch gefällt mir ihre Einstellung zu Europa.

Feyjama
00
22.8.2011, 15:09

wenn Frauen ein Kopftuch tragen wollen ist das doch ok. Wenn wir akzeptieren das Menschen mit grünen Haaren auf die Straße gehen sollte das doch auch drinnen sein.

Wenn Frauen dazu gezwungen werden das Kopftuch zu tragen, dann ist das ein nogo.

Die Kopftuchträgerinnen die ich kenne tragen es freiwillig, sagen sie.

flohimpelz
13
22.8.2011, 11:41
Den einzigen Anspruch den dieser Scientologenbund

für sich geltend machen kann ist, dass sie das geringere Übel darstellen - aber das ist zu wenig Programm für den nächsten Urnengang, sie werden wieder unter 7 % fallen und das ist aufgrund der sozialen Kälte die sie vertreten noch zuviel!!!

Drago+
00
22.8.2011, 13:01

Warum Scientologenbund?

rompitasche
01
22.8.2011, 11:24
kann mir jemand den vorletzten Absatz übersetzen?

weder weiß ich, ob Hr. Sperl mit Koalitionsparteien die im Bund oder die in Wien meint, noch verstehe ich, wie in diesem Kontext "Manko" passen soll.

TRockenmilch
00
22.8.2011, 12:31

die metapher bezieht sich darauf, dass unsere parteien erst position beziehen wenn alles gelaufen ist.
also es wird die opportunistische attitüde unserer parteien in europa angeprangert.

dem kann ich nur voll und ganz zustimmen.

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