Christoph Wolf ist Jungpolitiker, stellvertretender JPV-Chef, Partylöwe - und er liebt seinen "Scheißjob"
Braungebrannt, gestreiftes Polo, ein verschmitztes Lächeln und gerne am Witzeln: Christoph Wolf sieht aus, als komme er gerade von einer ausgedehnten Beachparty. "Ich bin kein Bauer, kein Wirtschaftstreibender, und meine Eltern sind nicht reich", sagt er, weshalb er auch nicht in das Klischee eines jungen Schwarzen passe. Und dennoch: Er zählt zu den wichtigsten Köpfen der Jungen Volkspartei (JVP).
Der bodenständige Nachwuchspolitiker tritt auf, wie schon die gesamte ÖVP-Jugend im letzten Wiener Wahlkampf: Jugendliches, modernes Erscheinungsbild, aber konservative Werte. Trotzdem will Christoph Wolf die JVP als zeitgemäß verstanden wissen. "Unsere Werbebotschaften haben einen absichtlich zweideutigen Touch, damit wir Aufmerksamkeit erregen." Kampagnen wie "24 Stunden Verkehr", in der mit halbnackten Mädchen für die inzwischen umgesetzte Nacht-U-Bahn geworben wurde, hält er nicht für sexistisch, sondern für progressiv.
Mit seinen 25 Jahren hat Christoph Wolf Sprache und ruhigen Gestus eines erfahrenen Politikers, und im Grunde ist er das auch. Neben seiner Tätigkeit als stellvertretender Bundesobmann der JVP ist er auch ÖVP-Landtagsabgeordneter und Gemeindevorstand in seinem Heimatort Hornstein im Burgenland. Mit der Großstadt konnte sich der Pendler noch nicht ganz anfreunden: "Am Land ist alles leichter. In Wien kenn ich doch nicht mal meinen eigenen Nachbarn" .
Ob es der vor allem in ländlichen Gegenden starken JVP an Urbanität fehlt? "Der Begriff konservativ muss neu überdacht werden. Modernität und Tradition lassen sich vereinbaren." Ein Paradebeispiel sei Graz, wo die JVP gerade eine freiwillige Feuerwehr in der Stadt durchgesetzt habe.
Reicht das jungen Städtern nicht als Anreiz, legt er einen anderen Köder aus: "Wir schmeißen einfach die besten Festerln, manche davon haben seit über 50 Jahren Tradition." Die Linken würden sie deshalb "Partyweltmeister und nix dahinter" schimpfen, aber man dürfe den Wert geselliger Nächte nicht unterschätzen.
Einen Aufschwung schwarzer Jugendpolitik erhofft sich Christoph Wolf durch die Ernennung von JVP-Bundesobmann Sebastian Kurz zum Staatssekretär. Wenn sein Name fällt, kann er sich ein stolzes Grinsen nicht verkneifen. Er hoffe, dass die Parteigranden jetzt verstärkt Nachwuchs ins Boot holen, und damit meint er vermutlich sich selbst.
Denn auch wenn er sich durch seine "Exitstrategie", das Betriebswirtschaftsstudium, absichern will, merkt man, dass er in der Politik seine nähere Zukunft sieht, wenn auch nicht die ganze Karriere. "Ich halte es für sehr kritisch, wenn man auf einem Mandat sitzt, bis man endlich in Pension gehen kann. Da fehlt der Pfeffer im Arsch."
Einsatz versucht er seit seiner Jugend zu beweisen. Auf seinem Weg in die Riege der großen Politik hat er sich schon dafür starkgemacht, dass Äpfel im Schulbuffet verkauft werden oder am Pausenhof geraucht werden darf. Heute verbringt er seine Wochenenden damit, Proberäume für den Blasmusikverein oder Schwimmbäder zu eröffnen. "Jungpolitiker ist man lange unbezahlt und 24 Stunden am Tag. Im Grunde ein Scheißjob." (Katharina Mittelstaedt, DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2011)