"Noten-Guillotine"

Schweiz: Neue Hürden für deutsche Studienanwärter

21. August 2011, 13:17
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    photo: oliver berg dpa

    Doppelte Abiturjahrgänge und das Aussetzen der Wehrpflicht in Deutschland sorgen wie auch in Österreich für einen zunehmenden Druck auf die Schweizer Universitäten.

Rektoren-Präsident: "Wir wollen nicht jeden, sondern die guten Leute"

Bern - Die Schweizer Hochschulen reagieren auf den Zustrom von deutschen Studenten. Für das im September beginnende Herbstsemester werden nur noch Studienanfänger zugelassen, die auch an einer anerkannten deutschen Hochschule zugelassen sind. Für alle anderen Bewerber aus dem nördlichen Nachbarland gilt eine "Noten-Guillotine". Das berichtet die aktuelle Schweizer Sonntagspresse.

Die verschärften Zulassungsbedingungen hat eine Arbeitsgruppe der Rektorenkonferenz der Schweizer Hochschulen (Crus) erarbeitet. Crus-Präsident Antonio Loprieno betonte, die Regelung stehe im Licht der Qualitätssicherung: "Wir sind offen für ausländische Studenten. Aber wir wollen nicht jeden, sondern die guten Leute."

"In Deutschland gibt es für viele Fächer einen Numerus Clausus", führte Thomas Tschümperlin vom Rektoratsdienst der Universität Zürich aus. "Mit den neuen Zulassungsbedingungen wollen wir verhindern, dass wir zur Ausweich-Universität für jene Studierenden werden, die in Deutschland die Voraussetzung für einen Studienplatz nicht erfüllen."

20 Prozent mehr Anmeldungen

Doppelte Abiturjahrgänge und das Aussetzen der Wehrpflicht in Deutschland sorgen wie auch in Österreich für einen zunehmenden Druck auf die Schweizer Universitäten. Laut der Zeitung "Sonntag" erhöhten sich die Anmeldungen von Deutschen an der Uni Zürich im Vergleich zum Vorjahr bereits um 20 Prozent. Das sage aber noch nichts aus über die Zahl der Studierenden, die im Herbst tatsächlich beginnen werden. Den Grund nennt Tschümperlin: "Die Studienplätze werden in Deutschland erst jetzt vergeben."

Für die nördlichen Nachbarn sei es bisher deutlich einfacher gewesen, einen Studienplatz in der Schweiz zu ergattern als in der Heimat. Laut der deutschen Rektorenkonferenz gibt es dieses Jahr 140.000 zusätzliche Studieninteressenten. 50.000 Studienplätze in Deutschland würden indes noch fehlen.

Schweizweite Regelung

In der Schweiz galt bisher nur für vereinzelte Fächer an einzelnen Unis, dass Deutsche bereits an einer eigenen Uni zugelassen sein müssen. Die neue Guillotine-Regelung hingegen gilt schweizweit für alle Studienrichtungen. Ausnahmen bilden lediglich die Universitäten St.Gallen (HSG) und Tessin (USI/ Universita della Svizzera italiana). Sie haben anderslautende Bestimmungen. Die HSG mit ihrem ausgezeichneten Ruf in Wirtschaftswissenschaften hat den Ausländeranteil auf 25 Prozent beschränkt. Die Nachfrage aus dem Ausland, vor allem aus Deutschland, ist deutlich höher als das Angebot.

Der "Sonntag" schreibt weiter, dass es neu A- und B-Universitäten in der Schweiz gibt. Zu den Elite-Hochschulen mit den strengsten Auflagen gehören Zürich und Bern. Sie verlangen von deutschen Bewerbern die Abitur-Note 2. Das entspricht einer 5 in der Schweizer Skala (1 bis zur Höchstnote 6). Die Universitäten Basel, Freiburg, Genf, Lausanne und Neuenburg schreiben eine deutsche 2.5 vor.

In der Schweiz gibt es insgesamt 10 Universitäten und 2 Eidgenössische Technische Hochschulen. Im Gegensatz zu letzteren sind die Unis Angelegenheit der Kantone. Nach Angaben des Bundesamts für Statistik (BfS) waren im Wintersemester 2010/2011 rund 131.000 Studierende an den Universitäten eingeschrieben. Laut einer vom "Sonntag" publizierten Nationalitätenrangliste der Studierenden 2011 stammen etwas mehr als 10.000 aus Deutschland und immerhin noch 937 aus Österreich. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 46
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Sirwolfgang
43
22.8.2011, 07:57
Studium einmal anders

Ich begrüsse, die Entscheidung der Schweizer Universitäten. Der Gedanke, dass jeder heute zu studieren hat und fast alle es auch irgendwie schaffen, beunruhigt. Eine Universität sollte Qualität hervorbringen, und den Weizen von der Spreu trennen!
Nationalität ist nicht ausschlaggebend am Ende, doch sollte die Schweiz nicht als gelobtes Land angesehen werden, in welchen man sich ausbilden lässt und danach erneut ins Ausland geht!!!

smea_gol
00
22.8.2011, 10:44

und was machen wir mit dem "spreu"?
zum zwangsarbeiten in die minen schicken?

na, das ist eine ernstgemeinte frage - was macht man mit leuten, die keinen (aus)bildungsplatz bekommen?
zum ams schicken? schön...
ein arbeitsloser kostet übrigens um einiges mehr als ein studierender, der dann mehr chancen hat.

das brett vorm kopf ist offenbar so nahe, dass man immer wieder dagegentuscht, oder?

Turbinenreiter
00
22.8.2011, 11:01

sowenig ich dem Sirwolfgang zustimme, aber alle nichtstudierten als arbeitslos einzustufen deutet auch nicht gerade auf brettfreiheit hin.

Sirwolfgang
01
22.8.2011, 10:53
Wir brauchen nicht nur Akademiker

Einer unserer Kommentare, fragt, was machen wir mit all den Jugendlichen, welche keinen Ausbildungsplatz bekommen! Nun einfach zu studieren ist sicherlich auch keine Lösung, Es sind tausend von Ausbildungsplätzen in der BDR offen. Natürlich ist es gemütlicher zu studieren, aber eine auch untergeordnete Lehre, würde mit Sicherheit einem Jugendlichen helfen, sollte er wirklich ein Studium anstreben, die Zeit zu überbrücken, die es dann schaffen zu studieren, werden sicherlich Spitzenkräfte, ich war selbst an der UNI, begreife jedoch nicht, warum eine normale Ausbildung disckrementierend sein sollte. In unserer Gesellschaft braucht es jeden, nicht nur Akademiker, welche meistens ohne der Arbeiter auch nicht weiter kommen!!!

rocknroll13
13
22.8.2011, 12:49
"disckrementierend"-not bad.

"ich war selbst an der UNI, begreife jedoch nicht, warum eine normale Ausbildung disckrementierend sein sollte..."

Aber bitte sagen sie mir, dass es keine deutschsprachige Uni war.

Ich Bins6
10
22.8.2011, 13:04

naja, von einckremen halt, oder?

Shibuya
00
22.8.2011, 07:49
Unsere Politiker sind schlimmer als EU!!!

Man wuerde meinen, dass das kleine Oesterreich flexibler agiert als die grosse schwerfaellige EU und schneller Schlupfloecher findet, aber nein, die oesterr. Politiker leben Gemuetlichkeit auch waehrend der Arbeit und verwirren sich hin hick-hack anstatt Loesungen voranzutreiben!

Ideen haette jeder(ausser Politker):
* Numerus Klausus -- angepasst an den oesterreichischen Lehrstoff.
* Aus "organisatorischen und rechtlichen Gruenden" muss man mehrmals bei einer oesterreichischen Gemeinde(Botschaft) vorstellig werden (analog Botschaft/Visa).
* Fuer oesterreichische Schueler wird automatisch ein Studienplatz reserviert. Auslaender muessen aus planungstechnischen Gruenden 2 Jahre vorher ansuchen.
* ...
Es muss nur eine Idee halbwegs gut sein.

dasandere
10
21.8.2011, 21:20
Man sollte wohl anmerken,

dass es hier primär um die Deutsch-Schweiz geht, wie auch die Regelungen gerade für Bern und Zürich zeigen. Beide Standorte sind im Übrigen auch beim Unipersonal hoch im Kurs, was gerade nicht auf Ö zutrifft. Ob mit oder ohne deutschen Studenten, darum geht es eigentlich nicht, sondern Finanzmittel, Ausstattung, Professionalität...

chrilly donninger1
22
21.8.2011, 20:57
Ausgleichende Gerechtigkeit

Nach dem üblichen Schema sind die angeblich so dummen Prolos gegen die EU und die so Gebildeten dafür.
Auf einmal ist dann gerade in den akademischen Schichten Europa nicht mehr ganz so chic. Weil es sie auch selber trifft.
Ob man für oder gegen etwas ist, hat nix mit Bildung zu tun. Sondern ob es einem nützt oder schadet.
Ich finds gut, dass in diesem Fall einmal die Richtigen die Zeche zahlen müssen.

Bertel Mann
25
21.8.2011, 19:01
Wieder ein Beispiel dafür, dass die Schweizer es bedauern müssen, nicht in der EU zu sein

Andere Beispiele sind der krachende Franken und die LKW-Maut.

rules90
00
22.8.2011, 12:20

so ein blödsinn..die sind alle heil froh..exportplus trotzt hohen franken, + noch viel weniger inflation wegen günstigere importe, ich bin euer und wär lieber schweizer

Kondratjew -Zyklus
 
00
21.8.2011, 16:19
Die Universitätenstehen längst im globalen Wettbewerb um die besten Studierenden.

magenta cyan
00
21.8.2011, 22:27
gut erkannt

könnten sie beizeiten die politiker unseres landes aus ihrer dumpfheit erwecken und ihnen das nahelegen?

Kondratjew -Zyklus
 
10
22.8.2011, 03:49
Das ist wohl die Aufgabe des Wahlvolkes.

Und das hat niemals bessere Politiker/innen, als es verdient.

chrilly donninger1
23
21.8.2011, 21:01
Es kommen aber nur die Deppen zu uns

die in Deutschland keinen Platz bekommen.
Den besten 1000 Deutschen Studenten könnte man durchaus was zahlen, damit sie zu uns kommen. So wie die US-Eliteunis den besten Indern und Chinesen Stipendien anbieten.

janwillem
00
22.8.2011, 10:46

Nur wenn ich glauben würde, was Sie da schreiben, würde ich Sie fragen, ob Sie auch aus Deutschland nach Österreich gegangen sind, um zu studieren.

Aber ich glaubs Ihnen eh nicht.

chrilly donninger1
01
22.8.2011, 12:19
Es sind keine Deppen, sondern Filterrückstand

In Deutschland wurde für den Uni-Zugang ein Filter eingebaut. Bis auf einen Bruchteil der wegen der Meeres- und Liebewellen zu uns kommt, bekommen wir den Filterrückstand.
Ich ziehe daher meine Bezeichnung Deppen mit einem Ausdruck des Bedauerns zurück. Filterrückstand trifft es viel besser.

Quintus Beckloeffel
21
22.8.2011, 07:17
"Nur die Deppen"

Welchen Schluss lässt nun der Umstand zu, dass selbst diese bei den Aufnahmeprüfungen in Österreich überproportional gut abschneiden?

a) Dass Österreicher Oberdeppen sind?

oder

b) dass es doch nicht "nur die Deppen" sind?

Kondratjew -Zyklus
 
00
22.8.2011, 03:53
Das Zulassungskriterium in Deutschland ist nicht, ob man zu den "Deppen" gehört, sondern der Notendurchschnitt im Abiturzeugnis.

Interessant ist übrigens, dass das deutsche "Abitur" - wie schon der Name sagt - ein ABGANGS-Zeugnis beinhaltet, während die alpenländische "Matura" - wie ebenfalls der Name klarstellt - eine ZUGANGS-Reife ausweist.

chrilly donninger1
00
22.8.2011, 11:44
Es kann mir niemand einreden

dass jemand, der z.B. Erlangen Medizin studieren kann nach Wien auf die Medizin geht. Oder bei den Programmierern statt nach Paderborn nach Linz geht.

Kondratjew -Zyklus
 
00
22.8.2011, 12:34
"Programmierer" werden nicht an Universitäten ausgebildet - ebenso wenig wie Maurer.

chrilly donninger1
00
22.8.2011, 13:05
Nenen wir es halt vornehmer Informatiker

die dann bei Siemens oder der Raika als Programmierer arbeiten.
Was aber nix daran ändert, dass ein Deutscher Informatiker nicht freiwillig nach Linz geht.

Kondratjew -Zyklus
 
00
22.8.2011, 16:18
Ich habe 1975 in einem Referat auf die Parallelität der Bau- und der Datenbranche hingewiesen.

Am Podium saßen übrigens unter anderen Christiane Floyd (?), Heinz Zemanek und Helmut Schauer.

Steverino
10
22.8.2011, 00:20

Ein Deutscher mit einem Abidurchschnitt von 1,6 ist für Sie also ein Depp.

chrilly donninger1
00
22.8.2011, 12:09
Er ist offensichtlich nach den Deutschen

Kriterien fürs Studium ungeeignet.

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