Rektoren-Präsident: "Wir wollen nicht jeden, sondern die guten Leute"
Bern - Die Schweizer Hochschulen reagieren auf den Zustrom
von deutschen Studenten. Für das im September beginnende
Herbstsemester werden nur noch Studienanfänger zugelassen, die auch
an einer anerkannten deutschen Hochschule zugelassen sind. Für alle
anderen Bewerber aus dem nördlichen Nachbarland gilt eine
"Noten-Guillotine". Das berichtet die aktuelle Schweizer
Sonntagspresse.
Die verschärften Zulassungsbedingungen hat eine Arbeitsgruppe
der
Rektorenkonferenz der Schweizer Hochschulen (Crus) erarbeitet.
Crus-Präsident Antonio Loprieno betonte, die Regelung stehe im Licht
der Qualitätssicherung: "Wir sind offen für ausländische Studenten.
Aber wir wollen nicht jeden, sondern die guten Leute."
"In Deutschland gibt es für viele Fächer einen Numerus
Clausus",
führte Thomas Tschümperlin vom Rektoratsdienst der Universität Zürich
aus. "Mit den neuen Zulassungsbedingungen wollen wir verhindern, dass
wir zur Ausweich-Universität für jene Studierenden werden, die in
Deutschland die Voraussetzung für einen Studienplatz nicht erfüllen."
20 Prozent mehr Anmeldungen
Doppelte Abiturjahrgänge und das Aussetzen der Wehrpflicht in
Deutschland sorgen wie auch in Österreich für einen zunehmenden Druck
auf die Schweizer Universitäten. Laut der Zeitung "Sonntag" erhöhten
sich die Anmeldungen von Deutschen an der Uni Zürich im Vergleich zum
Vorjahr bereits um 20 Prozent. Das sage aber noch nichts aus über die
Zahl der Studierenden, die im Herbst tatsächlich beginnen werden. Den
Grund nennt Tschümperlin: "Die Studienplätze werden in Deutschland
erst jetzt vergeben."
Für die nördlichen Nachbarn sei es bisher deutlich einfacher
gewesen, einen Studienplatz in der Schweiz zu ergattern als in der
Heimat. Laut der deutschen Rektorenkonferenz gibt es dieses Jahr
140.000 zusätzliche Studieninteressenten. 50.000 Studienplätze in
Deutschland würden indes noch fehlen.
Schweizweite Regelung
In der Schweiz galt bisher nur für vereinzelte Fächer an
einzelnen
Unis, dass Deutsche bereits an einer eigenen Uni zugelassen sein
müssen. Die neue Guillotine-Regelung hingegen gilt schweizweit für
alle Studienrichtungen. Ausnahmen bilden lediglich die Universitäten
St.Gallen (HSG) und Tessin (USI/ Universita della Svizzera italiana).
Sie haben anderslautende Bestimmungen. Die HSG mit ihrem
ausgezeichneten Ruf in Wirtschaftswissenschaften hat den
Ausländeranteil auf 25 Prozent beschränkt. Die Nachfrage aus dem
Ausland, vor allem aus Deutschland, ist deutlich höher als das
Angebot.
Der "Sonntag" schreibt weiter, dass es neu A- und
B-Universitäten
in der Schweiz gibt. Zu den Elite-Hochschulen mit den strengsten
Auflagen gehören Zürich und Bern. Sie verlangen von deutschen
Bewerbern die Abitur-Note 2. Das entspricht einer 5 in der Schweizer
Skala (1 bis zur Höchstnote 6). Die Universitäten Basel, Freiburg,
Genf, Lausanne und Neuenburg schreiben eine deutsche 2.5 vor.
In der Schweiz gibt es insgesamt 10 Universitäten und 2
Eidgenössische Technische Hochschulen. Im Gegensatz zu letzteren sind
die Unis Angelegenheit der Kantone. Nach Angaben des Bundesamts für
Statistik (BfS) waren im Wintersemester 2010/2011 rund 131.000
Studierende an den Universitäten eingeschrieben. Laut einer vom
"Sonntag" publizierten Nationalitätenrangliste der Studierenden 2011
stammen etwas mehr als 10.000 aus Deutschland und immerhin noch 937
aus Österreich. (APA)