US-Vizepräsident Joe Biden auf Charmeoffensive in China, dem größten Gläubiger der USA
Peking - Washington und Peking nutzen für ihre Beziehungen oft symbolische
Aktionen. Die Pingpong-Diplomatie half 1972, dass es zum Nixon-Besuch
kam. China setzte danach in seinem
Verhältnis zu den USA auf
Panda-Diplomatie als imageförderndes Mittel. Jetzt ging US-Vizepräsident
Joe Biden demonstrativ in einem lokalen Pekinger Familienrestaurant
essen.
Auf Empfehlung des neuen China-Botschafters
der USA, Gary Locke,
bestellte er für seine Entourage fünf Schüsseln Pekinger Nudeln, zehn
Riesenravioli, zwei vegetarische Vorspeisen und Kartoffelstreifen, dazu
eine Runde Cola. Die Rechnung über 79 Yuan (neun Euro) bezahlte Biden
mit 100 Yuan und ließ den Rest als Trinkgeld liegen. Hunderttausendfach
kursieren in Chinas Internet Fotos und
Berichte über den "Einfach-Snack
mit Volksnähe": "Biden's gefeierte Nudeldiplomatie" schrieb die Global
Times.
Der Public-Relations-Coup entschärfte zu Beginn des Fünftage-Besuchs
Bidens Befürchtungen auf eine konfliktreiche Begegnung im Schatten der
Schuldenkrise. Peking, Hauptgläubiger der USA, hatte nach der
Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit in Kommentaren Washington
"unverantwortliche Schuldensucht" vorgeworfen und mit Konsequenzen
gedroht. Nun lobte es demonstrativ die Stärke der US-Wirtschaft.
Beim Treffen mit Biden sprach Premier Wen Jiabao der US-Wirtschaft
quasi
ein offizielles Triple-A aus. Er sei "völlig zuversichtlich", dass sie
die Probleme überwinden und zur Prosperität zurückkehren werde. Beide
Staaten seien aufeinander angewiesen. Biden habe China eine "sehr klare
Botschaft" überbracht: Die USA würden zu ihrem "Wort stehen, die
Sicherheit, Liquidität und den Wert der US-Staatsanleihen zu erhalten."
Ähnlich positiv Bidens Hauptgastgeber, Vizestaatspräsident Xi Jinping,
der als designierter Nachfolger für den amtierenden Staatschef Hu Jintao
gilt: Peking vertraue auf die "Eigenreparaturkräfte der US-Wirtschaft",
sagte Xi. Für US-Unternehmen böten sich "größere Geschäftschancen als
bisher", weil das Land bis 2016 Importe von mehr als 8000 Milliarden
US-Dollar brauche.
"Bank of China"-Präsident Li Lihui
kündigte an, dass Peking seine
Währung weiterhin gegenüber dem US-Dollar graduell aufwerten werde,
schrieb Xinhua. Seit 2005 sei der Wert des Yuan zum Dollar um 20
Prozent
gestiegen. Die US-Wirtschaft sei "die robusteste unter allen westlichen
Volkswirtschaften. US-Staatsschulden bleiben die beste Quelle für
ausländische Währungsreserven", lobte Li. Seit März hat die Zentralbank
ihre US-Schatzanleihen Monat um Monat aufgestockt, zuletzt im Juni auf
1165 Mrd. US-Dollar, über acht Prozent der Gesamtschulden.
Nudeldiplomatie: Mit einer Bestellung von Nudeln, Ravioli und Cola in
einem Pekinger Familienrestaurant macht US-Vizepräsident Joe Biden
(Mitte links) guten Wind bei den chinesischen Gläubigern. (Johnny Erling, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 20.8.2011)