Hitze in Wien

Schwimmen im Donaukanal: Erlaubt, aber nicht erwünscht

26. August 2011, 12:20
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    Rund um die Summerstage an der Roßauer Lände wäre der Einstieg in den Donaukanal relativ einfach zu gestalten.

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    Bernhard Engleder ist Dienststellenleiter der MA 28 (Straßenbau) und Donaukanalkoordinator.

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    Bei der Sophienbrücke (heute Rotundenbrücke) fanden nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur Schwimm- sondern auch Wassersprungwettkämpfe statt.

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    1919 sollen 250.000 Schaulustige dem Bewerb "Quer durch Wien" verfolgt haben. Aufgrund von antisemitischen Anfeindungen verlor das Spektakel in dern 1930ern an Popularität.

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    In dem Buch "Der Donaukanal" sind zahlreiche Fakten, Anekdoten und Geschichten über die Entstehung und Entwicklung des 17 Kilometer langen Kanals gesammelt - mehr dazu hier.

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    Schwimmanlagen oder Badeanstalten am Donaukanal plant die Stadt Wien in nächster Zukunft keine. Allerdings soll der Zugang zum Wasser wieder erleichtert werden.

Strömung ist gefährlicher als Wasserqualität, sagt die Stadt – Keine Badeplätze vorgesehen

Gerade während einer Hitzewelle wie der jetzigen taucht immer wieder die Frage auf: Ist das Wasser im Donaukanal tatsächlich zu dreckig, um darin schwimmen zu können? Bernhard Engleder, Donaukanalkoordinator der Stadt Wien, hat zwar spontan keine aktuellen Daten zur Hand, verweist aber darauf, dass sich die Wasserqualität stets im Bereich zwischen Güteklasse II und III bewege. "Stufe II bedeutet unbedenklich, III ist nicht mehr unbedingt Badewasser-Qualität", erklärt Engleder: "Aber wir wollen am Donaukanal überhaupt keinen Badeplatz nach EU-Verordnung - denn ein solcher muss ganz speziellen Kriterien entsprechen."

Dabei hat Schwimmen entlang des 17 Kilometer langen Fließgewässers eine relativ lange und recht abwechslungsreiche Geschichte, aber dazu in Kürze. Auch heutzutage ist Schwimmen im Donaukanal nur im Bereich der Schiffsanlegestellen und der Schleuse am oberen Ende verboten - sonst ist Baden überall erlaubt. "Das liegt eben immer in der Verantwortung der jeweiligen Person", so Engleder, der auch Dienststellenleiter der MA 28 (Straßenbau) ist: "Das ist ähnlich wie beim Bergsteigen. Da kann man den Leuten auch nicht verbieten, auf einen bestimmten Berg zu gehen, nur weil es gefährlich ist."

Verwirbelungen als Unfallursache

Die größte Gefahr im Donaukanal lauere aber gar nicht so sehr in der zu hohen Verschmutzung, sondern in der relativ starken Strömung, wie Koordinator Engleder betont: "Eine Strömung von fünf km/h ist eher nur für geübte Schwimmer geeignet." Vor allem bei Bauten, die aus dem Wasser herausstehen oder knapp unter der Oberfläche liegen, könne es zu gefährlichen Verwirbelungen und in weiterer Folge zu schweren Unfällen kommen.

Allerdings könne sich Engleder an keinen schwereren Unfall in den vergangenen Jahren erinnern. "Es gibt zwar immer wieder Leute, die hineinspringen, aber geborgen werden muss nur ganz selten jemand", so Engleder. Auch das Problem von Illuminierten, die nach einer Partynacht in den Donaukanal stürzen würden, sei verschwindend. An einen besonderen Vorfall kann sich der Donaukanalkoordinator dann doch erinnern: Rund um die Fußball-EM 2008 sei ein Radfahrer im Bereich des Badeschiffs so abrupt ausgewichen, dass er in den Kanal stürzte und sich verletzte.

Strombäder und Schwimmbewerb "Quer durch Wien"

Besondere Geschichten über den Donaukanal hat auch Peter Payer aufgespürt. In dem heuer erschienenen Buch "Der Donaukanal - Die Entdeckung einer Wiener Stadlandschaft" präsentiert der Historiker und Stadtforscher gemeinsam mit Judith Eiblmayr (Architekturspezialistin) und Christiane Zintzen (Kulturkritikerin) die Entwicklung des innerstädtischesten Großgewässers von Wien. Neben zahlreichen geschichtlichen Fakten hat sich Payer auch recht intensiv mit dem Donaukanal als Bade- und Schwimmplatz beschäftigt.

"Es hat bereits in der Zwischenkriegszeit einen gewaltigen Boom am Donaukanal als Naherholungsgebiet gegeben", erklärt Payer, der hauptberuflich als Bereichsleiter im Technischen Museum Wien tätig ist. "Sowohl wildes als auch organisiertes Baden war populär, genauso fanden im Donaukanal Schwimmwettbewerbe statt." 

Donauregulierung hält Abwässer fern

Die erste öffentliche Einrichtung zum Baden sei bereits 1827 eröffnet worden, berichtet Payer: "Steinlein's Schiffbadeanstalt", nahe der heutigen Rotundenbrücke. 1838 sei ein Strombadeschiff am Schüttel hinzugekommen. An zusätzlicher Beliebtheit habe der Donaukanal im Zuge der großen Donauregulierung zwischen 1870 und 1875 gewonnen. Dass im Zuge dieser auch die Abwässer nicht mehr in den Kanal geleitet wurden, habe den Aufschwung klarerweise begünstigt.

So befanden sich an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert  entlang des Donaukanals insgesamt fünf sogenannte Badeschiffe mit Strombädern: oberhalb der Augartenbrücke (früher Maria-Theresien-Brücke), unterhalb der Verbindungsbahnbrücke, oberhalb der Rotundenbrücke (früher Sophienbrücke), bei der Nußdorfer Schleusenanlage sowie bei der Stadionbrücke (früher Kaiser-Franz-Josefs-Brücke).

Tausende Badefreudige und Schaulustige

Wie Payer herausgefunden hat, haben sich alleine in der Badeanstalt bei der ehemaligen Sophienbrücke gleich im ersten Betriebsjahr über 40.000 Personen eingefunden. Ein noch viel größeres Spektakel stellte allerdings der Schwimmbewerb "Quer durch Wien" dar. Erstmals wurde der Wettkampf, bei dem von der Nußdorfer Schleuse bis zur Sophienbrücke geschwommen werden musste, im Jahr 1911 ausgetragen. Nach Unterbrechung aufgrund des Ersten Weltkriegs wurde das Spektakel 1919 wieder durchgeführt und soll gleich 250.000 Schaulustige angezogen haben, wie Payer schreibt.

Dieser Trend habe sich in den folgenden Jahren noch verstärkt. Jedoch sei der Boom zu Beginn der 1930er Jahre zusehends abgeflaut: Einerseits weil die Besucher gern "ein bisschen mehr Abwechslung gesehen" hätten, wie Payer erzählt, und andererseits weil "die antisemitischen Anfeindungen gegenüber jüdischen Sportlern zugenommen hätten". Der Wettbewerb sei daher nach Krems verlegt worden, wo er 1938 eingestellt wurde.

Donaukanal als Demarkationslinie

Die NS-Zeit und der Zweite Weltkrieg bedeuteten auch für den Donaukanal einen massiven Einschnitt. Durch die Nazipropaganda wurde der Fluss als Grenze zum "Judenbezirk Leopoldstadt begriffen", so Payer. "Die Bebauung jenseits des Kanals galt als 'minderwertig und veraltet'." Erst 1945 sei der Donaukanal als heftig umkämpfter Kriegsschauplatz wieder in den Mittelpunkt gerückt. Allerdings habe sich der Kanal als Freizeitanlage mitten in der Stadt von der geschichtlichen Schwere all dieser Ereignisse bis vor kurzem nicht erholt, ist sich Payer sicher.

Es gebe zwar noch aus den 1950er Jahren Fotos, auf denen man Leute beim Baden sieht, berichtet Payer. Über organisierte Bade- oder Schwimmanlagen hat der Stadtforscher bei seinen Recherchen allerdings nichts herausgefunden. "Ich würde es schon begrüßen, wenn der Donaukanal wieder Möglichkeiten zum Schwimmen bieten würde", bekennt Payer. "Man sieht ja auch heutzutage viele Leute, die am Ufer in der Sonne liegen."

Näher ans Wasser

Genau das wolle man auch fördern, sagt Donaukanalkoordinator Engleder von der MA 28: "Wir wollen die Leute schon wieder näher an das Wasser heranbringen, damit sie eventuell die Füße hineinhalten können - zum Beispiel im Bereich der Friedensbrücke." Für das Baden selbst sollen die Leute aber weiterhin die bereits etablierten Anlagen und Plätze, etwa an der Alten oder Neuen Donau, nutzen. Schließlich würde dort die Badewasserqualität in regelmäßigen Abständen geprüft.

Eine Überprüfung der Qualität des Donaukanalwassers gab es im Jahr 2011 übrigens noch keine: "Es wurde heuer keine Messung beauftragt", hieß es auf Anfrage von derStandard.at von Seiten der zuständigen Behörde, der MA 45 (Wasserbau), knapp. Aber im Prinzip komme das Wasser aus der Donau und habe daher eine vergleichbare Qualität, ergänzt Bernhard Engleder von der MA 28 - einzige Ausnahme: "Wenn bei Starkregen die Kanäle überlaufen, wird in den Donaukanal abgeleitet. Da ist dann auch Fäkalwasser dabei - aber das passiert nur ganz selten." (Martin Obermayr, derStandard.at, 26.8.2011)

Lesetipp:

Judith Eiblmayr/Peter Payer: Der Donaukanal - Die Entdeckung einer Wiener Stadtlandschaft. Metroverlag 2011. Mehr dazu hier.

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Posting 1 bis 25 von 199
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Fürchtegott Dreist
00
31.8.2011, 12:39
die gute wasserqualität des donaukanal bezweifle ich

seit jahren laufe ich quer durch die stadt den kanal entlang und bin auch schon einige male mit dem paddelboot runtergefahren.
die geruchsintensität mancher abschnitte läßt mich an der "hohen wasserqualität" doch sehr zweifeln. besonders der abschnitt im 3 bezirk bei der henkelfabrik stinkt häufig wie eine kloake, das wasser ist häufig schaumig (abwässer der waschpulverproduktion?).
weiters ist quer durch die stadt immer wieder mal deutlicher fäkaliengeruch vom wasser her zu erschnuppern. ob da der ringkanal nicht 100% dicht ist?

Amish Bob
 
00
Die waschen sicher nur ...

... das Wasser, damit es nicht so stinkt. ;-)

hagane
01
28.8.2011, 08:39

da keine fälle bekannt sind, wo menschen nach dem baden dort krank geworden sind, ist es offenbar nicht gefährlich. wahrscheinlich stärkts sogar das immunsystem. ich mag kristallklares bergeseewasser auch lieber, aber gibts halt nicht überall, also lassts die leut da baden wos wollen.

Boots Mann
00
27.8.2011, 22:43
...einfach

ausprobieren

www.tramway.at
01
27.8.2011, 22:19
wir haben schon von 2001-2005 darauf aufmerksam gemacht...

...gucki: http://www.xobarap.net/donaukanal05.html

weisungsgebunden
10
27.8.2011, 21:06
Ich las einmal in einer Anglerzeitschrift,dass der Donaukanal eines der fischreichsten Gewässer Mitteleuropas ist

So entsetzlich verschmutzt kann er also wohl nicht sein

Quatremère
01
28.8.2011, 10:50

angesichts der tatsache dass sich viele fische von aas, scheiße und müll ernähren, muss ich widersprechen...

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
10
28.8.2011, 13:17

Aber Forellen gibts im Donaukanal und die wollen es sauber.

sincerely
00
27.8.2011, 20:45
...soll doch jeder baden gehn wo er will.

Eine gewisse Selbstverantwortung den Leuten aufzuerlegen ist doch von Vorteil. Ich bade regenmäßig in Graz in der Mur, kein Problem und herrlich erfrischend. Auch sind die Sedimente im Wasser sicher gesünder als ein Chlorbad zu nehmen...

vorname nachname1
01
27.8.2011, 16:12
Da muss man schon etwas behämmert sein freiwillig in diese Kloake zu steigen

Nur weil etwas theoretisch machbar ist, muss man es ja nicht tun. Es kann mir keiner erzählen das das Wasser im Kanal nur irgendwie Trinkwasserqualitaet hat, und beim Schwimmen kommt nun mal Wasser in den Mund, die Nase, die Ohren, etc.

Die kritische Stimme
12
27.8.2011, 19:28
Kloake?

- Die Hauptsammelkanäle sind seit einigen Jahren fertig. Inzwischen gelangt aus dem Wiener Stadtgebiet nicht mal mehr simples Regenwasser ungeklärt in Donau oder Donaukanal. Schließlich sind die Straßen schmutzig genug (Öl, Hundek...e).

- In vielen beliebten Urlaubsorten am Mittelmeer ist das Wasser weit schmutziger als das der Donau in Österreich.

- Wenn eine Hitzewelle ist, sinkt die Wasserqualität von Neuer und Alter Donau sehr rasch. Schuld sind nicht nur die Temperaturen, sondern auch das, was die vielen Badenden eintragen. Nach zwei Wochen ist das Wasser um nichts mehr sauberer als das der Donau.

- Die Alte Donau wird gegen Austrocknen sogar mit Donauwasser gespeist.

- Das Trübe in der Donau ist einfacher Sand (Gebirgsfluss).

userc23
11
27.8.2011, 21:56
Wenn mich meine Nase nicht taeuscht,

richt es dort aber immer heftig nach Hintern...

runas /user:public\ivan
22
27.8.2011, 12:59
wtf ist ein illuminierter?????

systemfehler1
00
27.8.2011, 18:37
Ein Beeinträchtigter,

eigentlich ein "Erleuchteter", wenn man´s genau übersetzt :-) - beeinträchtigt wodurch auch immer.

Any Herbert
01
27.8.2011, 14:50

Ein Besoffener.

Der Begriff ist anscheinend in der heutigen Sprachkultur nicht mehr gebräuchlich.

Easy Rawlins
12
28.8.2011, 17:49

Doch, der ist durchaus gebräuchlich, aber offenbar nicht bei "wtf"-verwendenden Kleinschreibern.

runas /user:public\ivan
10
30.8.2011, 18:47
scheinbar sind sie über die bedeutung des eher unwichtigen kürzels wtf

ja auch informiert...

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
03
27.8.2011, 13:27

Ein Geheimbündler. http://de.wikipedia.org/wiki/Illu... natenorden

Des Nachts wird aus dem "Geheimen" manchmal ein "Heim gehen". Wenn der Heimweg einen Schiffsweg kreuzt, führt das zu deutlichen Platschern.

Quatremère
00
28.8.2011, 10:53

haha, lol

Wunder Wuzzi
31
27.8.2011, 17:37
na, kasperle,

a illuminierter is ana der ziemlich fett is. und des mant net des körpergewicht....net sovü vaschwörerei lesen tun, gell.

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
11
28.8.2011, 13:13

Na, du bist aber ein Blitzgneißer.

gleich gleichgültig Gesinnter
 
22
27.8.2011, 10:52
Weils mir grad einfällt:

Kommt ein Tourist nach Wien und fragt einen Wiener nach dem Donaukanal. Der Wiener, freundlich, erklärt dem Touristen, wie er dorthin kommt. Der Tourist bedankt sich, will gehen, dreht sich dann aber nochmal nach dem Wiener um und fragt, ob man da auch wasserskifahren kann, worauf der Wiener antwortet:"Nein, so steil ist der Kanal nicht...".

Elisa B
00
27.8.2011, 09:30
Schwimmen?

warum im Donaukanal schwimmen, wenn man mit 3!! U-Bahnen zur Donauinsel und zur Alten Donau kommt!? Warnung für Schwimmer - die Schiffe in Meer und Flüssen haben Vorrang!

Amish Bob
 
00
Also wenn ich richtig informiert bin, ...

... hat die Berufsschifffahrt Vorrang - wurscht wo, See, Fluß, Meer.

Wenn der Pepi sein Schnellboot ausführt, muß er auf Schwimmer Rücksicht nehmen, wieder egal wo.

Elisa B
01
27.8.2011, 09:28
sauberer als früher

der Donaukanal und die Donau sind jetzt viel sauberer als vor 40 Jahren und davor!
Damals gingen alle Abwässer der Siedlungen ungereinigt (Kläranlagen gab es nirgends in Österreich und Bayern) direkt ins Gewässer!

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