"Jedes Haus wird analysiert"

Interview |
  • Roland Murauer: "Es geht nicht nur um die infrastrukturelle oder soziale Entwicklung, 
sondern um die gemeinsame Finanzierung der Immobilienentwicklung 
besonders in B- und C-Lagen."
    foto: cima

    Roland Murauer: "Es geht nicht nur um die infrastrukturelle oder soziale Entwicklung, sondern um die gemeinsame Finanzierung der Immobilienentwicklung besonders in B- und C-Lagen."

Immobilienbesitzer und Kommunen verbessern gemeinsam problematische Stadtteile

Wie Quartiersentwicklung funktioniert, erklärt Berater Roland Murauer im Gespräch mit Jutta Berger.

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STANDARD: Was versteht man unter Quartiersentwicklung?

Murauer: In Österreich - im Gegensatz zu den USA oder norddeutschen Bundesländern, wo es gesetzliche Auflagen gibt - die freiwillige Kooperation von Privaten und öffentlicher Hand, ein klassisches PPP-Modell.

STANDARD: Das Besondere an dieser öffentlich-privaten Partnerschaft?

Murauer: Es geht nicht nur um die infrastrukturelle oder soziale Entwicklung, sondern um die gemeinsame Finanzierung der Immobilienentwicklung besonders in B- und C-Lagen.

STANDARD: Wo ist Quartiersentwicklung sinnvoll?

Murauer: Sie kann ein probates Mittel sein, bei schwierig zu entwickelnden Stadtteilen oder Einkaufsstraßen, wo der Markt nur noch negativ reguliert, einzugreifen.

STANDARD: Also in erster Linie ein Instrument, um den Immobilienwert zu halten oder zu steigern?

Murauer:  Man kann durch solche Business-Improvement-Districts Spekulation fördern, aber auch die Eigenverantwortung. Kleinteilige Besitzerstrukturen, wie wir sie in unseren Städten kennen, brauchen Beratung und Entscheidungshilfen.

STANDARD: Wie bringt man die vielen Besitzer unter einen Hut?

Murauer: Durch Kommunikation. Diese erste Phase mit Sitzungen und Einzelgesprächen dauert etwa ein Jahr. Jedes Haus, jedes Geschäft wird analysiert, die Nutzung hinterfragt, auch die Preise.

STANDARD: Miet- und Pachtpreise werden transparent?

Murauer: Was manche Makler nicht freut. Durch die Transparenz wird aber die Diskussion über mögliche neue Nutzungen einfacher. Sie ist Basis für gemeinsames Agieren. Nutzungen werden abgesprochen, oder beispielsweise die Gestaltung von Fassaden oder Innenhöfen. Der ganze Prozess dauert drei bis fünf Jahre.

STANDARD: Werden die Bewohner miteinbezogen?

Murauer: Ja, weil die Qualität des Wohnumfelds analysiert werden soll. Die Ergebnisse determinieren dann den Aktionsplan. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21.8.2011)

ROLAND MURAUER (44), Betriebswirt, beschäftigt sich mit wirtschaftlicher Stadt- und Regionalentwicklung. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Cima Beratung und Management GmbH in Ried.

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