Papst ruft zu Radikalität gegen "Gottesfinsternis" auf

19. August 2011, 14:45

Benedikt XVI. kritisiert rein ökonomische Orientierung von Universitäten

Madrid - Papst Benedikt XVI. hat Geistliche zu einer radikalen Antwort auf eine "Art Gottesfinsternis" in der heutigen Welt aufgerufen. "Angesichts des Relativismus und der Mittelmäßigkeit erhebt sich die Notwendigkeit dieser Radikalität", sagte Benedikt am Freitag vor jungen Ordensfrauen im Kloster von El Escorial nordwestlich von Madrid. Eine auf das Evangelium zurückgehende Radikalität bestehe darin, in Christus verwurzelt und fest im Glauben zu bleiben.

Bei dem Treffen im Rahmen des Weltjugendtags erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche den Ordensfrauen ferner, ihr Leben in der Nachfolge des keuschen, armen und gehorsamen Christus sei eine "lebendige Auslegung des Wortes Gottes". Der Begegnung mit Christus komme dabei eine besondere Bedeutung zu, weil viele Menschen heute das Christentum ablehnten.

Vor jungen Universitätsprofessoren nannte der Papst anschließend die Hochschule den idealen Ort, wo man jenseits von Ideologien "die eigentliche Wahrheit über den Menschen sucht". Dies sei ein "Weg des Verstandes und der Liebe, der Vernunft und des Glaubens", der den Menschen als ganzen einbeziehen müsse. Er warnte zugleich vor den Gefahren einer Wissenschaft, die sich ausschließlich nach der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt richte. "Wenn nur die Nützlichkeit und der unmittelbare Pragmatismus zum Hauptkriterium erhoben werden, können die Verluste dramatisch sein." Er nannte laut Kathpress die Missbräuche einer Wissenschaft, die keine Grenzen über sich anerkenne, und den politischen Totalitarismus, der jederzeit neu aufleben könne, wenn der höhere Bezug aus Machtkalkül beseitigt werde. Heutzutage werde die Meinung vertreten, technische Fertigkeiten seien das einzige, was in der gegenwärtigen Konjunkturlage gefördert werden müsse, sagte der Papst. Die Universität dürfe jedoch nicht durch "Willfährigkeiten gegenüber einer utilitaristischen Logik des Marktes, die den Menschen nur als Konsumenten sieht," zersetzt werden.

Mit einem Besuch beim spanischen Königspaar hatte Benedikt seinen zweiten Tag in der spanischen Hauptstadt begonnen. Juan Carlos und Sofía sowie Kronprinz Felipe, Prinzessin Letizia und die älteste Königstochter Elena empfingen das Kirchenoberhaupt am Vormittag im Zarzuela-Palast. Offizielle Reden gab es bei der Visite nicht. Nach einem Mittagessen mit einem Dutzend junger Leute stand am frühen Abend eine Zusammenkunft des Papstes mit dem sozialistischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero auf dem Programm.

Als Höhepunkt des zweiten Tages auf dem Glaubenstreffen war ein feierlicher Kreuzweg mit Jugendlichen am Abend auf dem zentralen Cibeles-Platz vorgesehen. Dort hatte der Papst am Vorabend bereits mit Hunderttausenden ein stimmungsvolles Begrüßungsfest gefeiert. Er war am Donnerstag in Madrid angekommen und bleibt bis zum Sonntag.

Die spanische Regierung kündigte an, den Vatikan um Unterstützung bei der geplanten Umgestaltung der Grabstätte des Ex-Diktators Francisco Franco (1939-1975) bitten zu wollen. Madrid will das Mausoleum im Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen) zu einem "Ort der Versöhnung" machen. Das Grab befindet sich in einer Basilika, die in einen Felsen geschlagen ist.

Im Zentrum von Madrid kam es in der Nacht auf Freitag erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Papstgegnern und der Polizei. Dabei wurden vier Menschen verletzt. Die Zwischenfälle ereigneten sich, als etwa 200 Menschen im Zentrum von Madrid gegen das Vorgehen der Polizei bei einer Kundgebung von Papstgegnern am Vorabend demonstrieren wollten. Die Beamten gingen mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor, als Auseinandersetzungen zwischen Papstgegnern und Teilnehmern des Weltjugendtags drohten. (APA)

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Sao Tomé
29
20.8.2011, 09:35
Universitäten

Theologische Fakultäten sollten nicht mehr vom Staat bezahlt werden!!!

Zuben Elgenubi
01
20.8.2011, 07:37

Die Katholiken glauben doch an den Hl. Geist?
Im Vatikan herrscht Geistesfinsternis!

Piefke in Tirol
40
20.8.2011, 12:58
Aber nicht ganz so viel, wie in Ihrem Kopf! :-))

Flann O'Brien.
36
20.8.2011, 04:57

Glaubt, was ihr wollt. Aber belästigt die Menschheit nicht damit!

johann potakowskyj1
 
04
20.8.2011, 04:08
Wer hat sich denn da vor Gott geschoben, dass der so finster ist

??

SterzinOz
09
20.8.2011, 03:13
Die drei radikalen Gottesfinsternisse, über die ein Papst in Spanien zu reden hätte,

sind die Inquisition, die Unterstützung der Franco-Mörderbande durch die katholische Kirche, und das nicht auf Spanien begrenzte und nicht enden wollende Elend des von der Kirche gedeckte und vertuschten Missbrauchs von ihr anvertrauten Kindern.
Aber das mit dem Balken im eigenen Auge (Matth. 7,3-5) hat ja nur ein antiker Wunderrabbi gesagt, der in der Kirche nicht so ernst genommen wird.

mike meyers
02
20.8.2011, 02:49
"Gottesfinsternis", "Relativismus und der Mittelmäßigkeit"

Das klingt eher nach Umnachtung.

salzmen1
00
20.8.2011, 00:42
nur beim ORF gibt es keine INFO davon.

beim ARD schon.
bei einen ideologischen,kofessionsfreien und gendergerechten Orf schwerpunkten nicht möglich wegen von....

auch eine arte von ab - und ausgrenzung.

machen sie wertfrei so weiter!

buff flyer
13
19.8.2011, 23:43
herr professor ratzinger ist ja kein idiot

und seine theoretischen abhandlungen sind - wenn man sich die zeit dafür nimmt - genauso wie seine diversen reden ja wertvolle beiträge zum diskurs.

aber papst benedikt mit seiner allmacht in der organisation ist eine fehlbesetzung erster klasse. das ist so, als würde man den leiter der grundlagenforschung zum generaldirektor machen.

mike meyers
25
20.8.2011, 02:43
Grundlagenforschung im Glauben?

Wenn man der Forschung wissenschaftliche Methoden unterstellt, hat Glauben damit genau gar nichts zu tun!

buff flyer
00
20.8.2011, 10:26
naturwissenschaft ist es keine, eh klar

aber zu den sozialwissenschaften oder zu jus ist der unterschied schon ziemlich verschwommen. es wird halt eine prämisse genommen.

sag ich als unbeteiligter.

sternwerk
11
22.8.2011, 07:27

Zu Sozialwissenschaften gibt's eine Gesellschaft, die ist real. Zu Jus gibts Rechtsquellen, die sind real.

Zu Theologie gibt's gar nichts außer Märchenbücher und Theorien, die davon ausgehend aufgestellt wurden

an kog
11
19.8.2011, 23:46

also einer Institution die 2000 Jahre auf dem Buckel hat, tut einer aus der Grundlagenforschung sicher gut.

Gerade wenn vorher so einer wie der Johannes Paul II gefühlte 100 Jahre das Sagen hatte.

buff flyer
01
20.8.2011, 00:00
ergänzung:

es sollten immer nur italiener päpste werden, die haben den ausgleich über jahrhunderte gelernt ;-)

buff flyer
12
19.8.2011, 23:58
auch wenn ich mir damit halb polen zum feind mache

woityla war zwar vorerst gut als symbol nach aussen aber sein ablaufdatum war das ende des kalten krieges: ein verzopfter marien-mystiker.

grundlagenforschung hat der nicht gemacht - zurecht nicht bis 1989, aber seither?

aber jetzt ist es genauso schwer, weil es ist feuer am dach. und wenn ich die weissen socken mit den roten schuhen seh, muss ich immer lachen. und als furche-abonnent auch wenn ich die religionsseite lese oder. das ist nicht die welt unserer zeit, das hat etwas skurriles. nur dann gefallen mir die orthodoxen gleich besser: ein riesen-zinnober jeden sonntag.

an kog
00
20.8.2011, 09:15

Also eines ist sicher: auch nur mit der leisesten Kritik an Johannes Paul II machen Sie sich mindestens 95% der Polen zum Feind:-)

Sie haben natürlich recht, dass es da einiges brauchen würde um im Jetzt oder gar im wirklichen Leben (was aber wohl zuviel der Erwartung wäre) anzukommen. Aber als unbeteiligter bin ich jedenfalls über jedes vernünftige Wort aus dem Mund des jeweiligen Papstes froh.

Die lustigen Uniformen und Gewänder finde ich ja schön. Aber wenn man die Kirche ernst nehmen will, hat man sicher echte Probleme mit diesen Kostümen, das verstehe ich.

buff flyer
00
20.8.2011, 10:25
seh ich auch so

100% d'accord.

an kog
11
19.8.2011, 23:39

Er warnte zugleich vor den Gefahren einer Wissenschaft, die sich ausschließlich nach der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt richte. "Wenn nur die Nützlichkeit und der unmittelbare Pragmatismus zum Hauptkriterium erhoben werden, können die Verluste dramatisch sein."

und weiter:
Die Universität dürfe jedoch nicht durch "Willfährigkeiten gegenüber einer utilitaristischen Logik des Marktes, die den Menschen nur als Konsumenten sieht," zersetzt werden.

Und gegen den demonstrieren die jungen Leute, die keine Chancen in der heutigen Gesellschaft haben?

Das würde ich gerne einmal von irgendeinem Politiker hören und er hätte meine Stimme!

Mynnia
00
20.8.2011, 08:46

Piraten.

Bertel Mann
00
20.8.2011, 08:30
Von den Politikern hören Sie noch viel besseres

"Arbeitsplätze schaffen"
"Der Jugend eine Chance geben"
"Der Mensch im Mittelpunkt unserer Politik"
Bla bla bla...

Sie haben also eine große Auswahl an Parteien, die Sie wählen können.

Konkret sind es aber genau die christlichen, konservativen Politiker, die den Neokonservativen Kurs treiben und unterstützen, der uns in die heutige Abfolge von Krisen geführt hat.

an kog
10
20.8.2011, 08:56

Die christlich konservativen Politiker und die meisten anderen Politiker meinen ihr geplappere aber nicht ernst, verbreiten einzig leere Worthülsen und sind einzig irgendwelchen Seilschaften und sagen wir einmal vorsichtig "Geldgebern" verpflichtet.

Ich haben mit der Kirche und mit "christlich konservativ" wirklich nichts zu tun, aber eines muss man den Päpsten zu Gute halten: sie stehen wenigstens zu dem was sie sagen und haben ein paar Minuten darüber nachgedacht.

Bertel Mann
20
20.8.2011, 14:52
Was heisst hier "...sie stehen wenigstens zu dem, was sie sagen..."

Werden Arbeitnehmer in kirchlichen Betrieben oder in Betrieben an denen die Kirche Anteile hält, irgendwie anders, besser behandelt?
Wer den nächsten so liebt wie sich selbst, hat nicht mehr als der nächste.
Wenn man das mit dem Prunk und Protz der Kirche und der kirchlichen Hierarchie vergleicht.

Der Teufel trägt Prada.

neptunx
01
19.8.2011, 23:27
schääämen

wenn es einen gott gäbe, müsste er sich schämen.

FlauschBär
 
01
19.8.2011, 23:24
politischer totalitarismus?

was herrscht denn in benedikts einflußsphäre?
es gibt in (west-)europa heute kaum ein staatsoberhaupt welches in sovielen bereichen des lebens der untergebenen mitsprache beansprucht, von den inszenierten "aufmärschen" und den propaganda-medien ganz zu schweigen.

Hans Vogel
01
19.8.2011, 23:22
Ratzinger ist mutiger als Wojtila!

Während sich Wojtila nach jedem Flug mit Alitalia auf den Boden geworfen hat und dankbar, dass er den Flug mit Alitalia ohne Schaden überlebt hat, die Erde geküßt hat, ist Ratzinger ohne die Miene zu verziehen aus dem Flieger ausgestiegen. Möglicherweise ist er von der Lufthansa abgehärtet.

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