Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu
Wenn bei uns weniger Verbrauch und damit weniger CO2-Ausstoß und sauberes Abgas gefordert wird, wird letztlich nur ein ganz geringer Teil der globalen Automobilität berührt. Gerne spricht die Autoindustrie von den sogenannten Bric-Staaten, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China.
Wer als Autohersteller auch künftig noch eine Rolle spielen will, muss in diesen Märkten erfolgreich sein. Dort erwartet man sich enorme Wachstumsraten im Autoverkauf, während das Geschäft in den traditionellen Märkten stagniert. Das heißt, der steigende Wohlstand in den Schwellenländern, der den Menschen zuzugestehen ist, wird global noch zu einem enormen Zuwachs an Energieverbrauch führen, weit mehr als wir hier mit noch so komplizierter Technologie einsparen können. Sicher ist, die Autoindustrie wird ihre Chancen dort nützen, ob sie es ungebremst kann, ist offen. Denn das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu.
Österreich hat rund 80 Einwohner pro Straßenkilometer, während in China statistisch fast zehnmal so viele Menschen auf einen Straßenkilometer kommen. Die Zukunft der Mobilität in den Bric-Staaten liegt in der Hand der Politik, weil sie letztlich über Infrastrukturmaßnahmen bestimmt. Die Autoindustrie kann nur Druck machen in die ihr genehme Richtung. Umso wichtiger wäre es genau jetzt, die Entwicklung der Automobilität nicht auch dort ihrer Eigendynamik zu überlassen, sondern die einmalige Chance zu ergreifen, auch andere Formen der Mobilität zu forcieren. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/19.08.2011)