Libanon

Hisbollah-Anklagen vertiefen Risse im Libanon

Analyse | Gudrun Harrer, 18. August 2011, 18:00
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    foto: reuters/krim

    Libanesische Fahnen und Flaggen der Hisbollah an der Straße zum Flughafen Beiruts.

Namen und Details der Verdächtigen im Mordfall Rafik al-Hariri veröffentlicht

Beirut/Wien - Die Veröffentlichung der Anklage gegen vier Hisbollah-"Unterstützer" - so steht es in der Anklagebegründung des Special Tribunal for Lebanon (STL) - wegen des Mordes am libanesischen Expremier Rafik al-Hariri im Jahr 2005 hat eine akute Verschlechterung der ohnehin angespannten Beziehungen zwischen dem jetzigen Oppositionsführer Saad Hariri, Sohn des Ermordeten, und Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah zur Folge - und damit eine noch tiefere Spaltung des Landes. Die Sorge wächst, dass die in die Ecke getriebene, aber in der Regierung sitzende Hisbollah einen internen Konflikt - oder einen mit Israel - anzetteln könnte.

Nasrallah wiederholte am Mittwoch seine Behauptung, dass die vom STL vorgelegten Beweise - eine Rekonstruktion der Handygespräche während einer langen Zeitspanne vor dem Mord - von Israel, das im Libanon den nötigen Zugriff habe, manipuliert worden seien. Aber Nasrallah beschuldigte auch Saad Hariri, die Beziehungen der libanesischen Schiiten zu Sunniten, Christen und Drusen im Land zerstören zu wollen, indem er bei allen Gewaltakten im Land auf die schiitische Hisbollah zeige.

Hariri antwortete, dass Nasrallah seinerseits die Schuld für die Ermordung seines Vaters nun der "gesamten schiitischen Konfession" - anstatt konkreten Mitgliedern der Hisbollah-Miliz - zuschiebe und den Schiiten dadurch schwer schade. Der Versuch Hariris, einen Keil zwischen Hisbollah und den Rest der schiitischen Gemeinschaft zu treiben, ist offensichtlich. Die Hisbollah leidet derzeit unter einem Popularitätstief, weil sie sich beim Konflikt in Syrien auf die Seite von Syriens Präsident Bashar al-Assad gestellt hat. Das verübeln ihr zwar hauptsächlich die libanesischen Sunniten, aber auch Schiiten sind prinzipiell auf der Seite der arabischen Volksaufstände.

Die Regierung des Sunniten Saad Hariri und seiner "Kräfte des 14. März" war zu Jahresbeginn von der Hisbollah zu Sturz gebracht worden, weil Hariri nicht, wie von der Hisbollah angesichts der sich nähernden Anklageerhebung verlangt, die Zusammenarbeit des Libanon mit dem von der Uno eingesetzten STL beendet hatte. Regierungschef wurde nach Hariri mit Hisbollah-Unterstützung der Sunnit Najib Mikati, einstmals Verbündeter Hariris, der sich angesichts der Anklageveröffentlichung am Mittwoch entsprechend schwer tat: Er hoffe, zitiert ihn die libanesische Zeitung Daily Star, dass die UN-Ermittlungen "die volle Wahrheit und Recht und Gerechtigkeit bringen und gleichzeitig Libanons Stabilität, Einheit und Sicherheit erhalten werden".

Der Chefankläger des Sondertribunals, Daniel Bellemare, ließ am Mittwoch eine - um Zeugen zu schützen teilweise geschwärzte - Version seiner Anklageschrift herausgeben. Damit wird öffentlich begründet und detailliert, was in Grundzügen seit Wochen bekannt war: Gegen vier Hisbollah-Mitglieder, Mustafa Amine Badreddine, Salim Jamil Ayyash, Hussein Hassan Oneissi und Assad Hassan Sabra, wurde Anklage erhoben. Badreddine soll die gesamte Operation, bei der am 14. Februar 2005 in Beirut Rafik Hariri und weitere 21 Menschen mit einer Autobombe umgebracht wurden, überwacht haben, und Ayyash soll das Mordkommando geleitet haben - von dem laut STL jedoch nicht alle Mitglieder bekannt sind.

Falsche Fährte gelegt

Oneissi und Sabra sollen die falschen Fährten "weg von Beirut" gelegt und ein Videoband mit einem falschen Bekenntnis organisiert haben. Bellemare stellt fest, dass die Überreste des Terroristen am Anschlagsort definitiv nicht vom Mann im Video, Abu Adass, stammten, der die Spur auf "Mujahedin aus Saudi-Arabien" - also sunnitische Extremisten - lenkte.

Zwei der Angeklagten, Badreddine und Ayyash, sind über Ecken mit Imad Mughniya verwandt, dem 2008 bei einem - wahrscheinlich vom Mossad ausgeführten - Anschlag getöteten Hisbollah-Sicherheitschef und Terroristen. Alle vier STL-Angeklagten sind untergetaucht. Das STL richtete ein Ansuchen um Kooperation an die libanesische Regierung, die mitteilte, der Aufenthaltsort der Gesuchten sei unbekannt.

Der erste Verdacht im Hariri-Mord hatte sich gegen Syrien gerichtet - das nun von der Täterschaft entlastet, aber durch seine Verbindungen zur Hisbollah auch nicht reingewaschen ist. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 19.8.2011)

Kommentar posten
16 Postings
Hossam Hassan
00
14.11.2011, 15:19
Wenn der Schaefer seine mystischen Anfälle kriegt

dann ist der Mossad auf jeden Fall dabei gewesen.
Ohne Mossad könnten weder der Nasrallah noch der Schaefer einen einzigen Augenblick ihres Lebens auskommen.
Wahrscheinlich untersucht der Schaefer jeden Tag seinen Fernseher, bevor er ihn aufdreht, ob der Mossad nicht die Bilder auf dem Schirm dahinter versteckt hat.
Mossad hier und Mossad da! Dafür kriegt man vom Iran und von der Hizbollah die deutsche Ausgabe von "Mein Kampf" geschenkt, denn der Nasrallah ist ja objektiv und aus den "Protokollen der Weisen von Zion" (ebenfalls ein iranischer Exportschlager) weiß man dass die Spuren objektiv immer nach Israel führen.
Man muss nur so objektiv sein wie Schaefer, Nasrallah und Ahemdinejad. Dann geht das schon.

Stephan Schaefer
 
90
18.8.2011, 19:24
Liebe Frau Harrer

Warum sagen Sie, wenn es nur (gefaelschte) Verdachtsmomente gegen Iran/Hisb Allah gibt, dass es den Tatsachen entspricht, aber wenn einwandfrei erwiesen ist, dass der Mossad Auftragsmord begangen hat:

- wahrscheinlich vom Mossad ausgeführten - Anschlag getöteten

anstatt "wahrscheinlich" sollten Sie 100%-ig schreiben.

PatriotInnen sind IdiotInnen
00
25.8.2011, 17:11

Heul doch ...

Georg Schütt
00
20.8.2011, 19:54
Wenn denn so offensichtlich alle Beweise gegen die Hisbollah gefälscht wurden, ist unklar, warum man diese Fälschungen nicht vor aller Welt entlarvt.

Einen größeren Coup könnte die Hisbollah gar nicht landen, als vor aller welt die Fälscher und ihrter Hintermänner bloßzustellen.

Nicht nur jetzt, auch in Zukunft hätte man leichtes Spiel.

Warum also unterbleibt diese Aufdeckung?

77 88
00
19.8.2011, 10:51
Cool,

es ist gut wenn man den Mossad-Joker ziehen kann. Wenn Nasralla getötet worden wär, hät ich dafür ja Verständnis und Symphatie.
Aber Nasralle und Co sind so ziemlich das ekelhafteste, was es im Libanon gibt.

Stephan Schaefer
 
40
19.8.2011, 15:15
Dass man den Mossad-Joker ziejhen kann liegt einfach daran,

dass der Mossad eine Moerderbande ist, die sich an keinerlei Gesetze halten

RichardRoe
01
19.8.2011, 17:37

Äh, und an welche Gesetze hält sich die Hisb'Allah denn konkret?

Stephan Schaefer
 
10
20.8.2011, 21:22

Ohne die Hisb Allah gaebe es den Libanon nicht mehr

RichardRoe
00
21.8.2011, 07:43

MIT der Hisb'Allah wirds einen unabhängigen Libanon wohl bald nicht mehr geben - so schauts aus. Wenn der Libanon in absehbarer Zukunft durch ein unabhängiges Syrien vom Iran abgeschnitten ist, dann wird es für Israel ein Leichtes sein, den Libanon zu befrieden, d.h. von der Hisb'Allah zu befreien und denen ihre 30.000 Raketen aus den Lagern zu holen.

Stephan Schaefer
 
20
21.8.2011, 10:14

Die Regierung ist wetsabhaengig. Mit der Hisb Allah werden sie frei.

Die Befreiung analog Irak und Afghanistan ist nicht unbedingt zu empfehlen.

Und die "Befreiung" analog Israel mut Gaza oder WJL ebenfalls nicht.

Da ist die Hisb Allah und der Iran weit besser!"

ministry
03
19.8.2011, 06:24

und woher wissen sie dass es die mossad war? wenn ja, dann sollten sie schleunigst ihre informationen dem UNO tribunal weiterleiten und die 'Wahrheit' an das licht bringen und nicht hier rumposten.......poster wie sie wissen alles, geben aber ihre info nie weiter.....gehören sie auch der weltverschwörungsgruppe an???

ZeitgeistRL
40
19.8.2011, 12:00
Man muss die Mittel haben um so einen Anschlag auszuführen.

Die UNO ist ein unterwanderter Verein. Wenn man irgendeine Spur nach Israel findet würde man Keinen Angeklagten haben.
Ariel Sharon kam auch nicht vors Tribunal in Den Haag für seine Verbrechen in Sabra u. Chattila.
USA U. seine Verbündeten Veto.
Das Massaker in Palästina (beit Haruun)- Israel hat der U-Kommision einfach kein Visum ausgestellt.
Und hat die Uno was gemacht NEE.

lesen sie etwas über die Geschichte seit dem es die Uno gibt.
z. B.
JEAN ZIEGLER prof. und ehemals bei der Uno
Dr. Norman Finkelstein

Anatolia
00
20.8.2011, 00:29

ja, ja die UNO ist ein unterwanderter Verein, meinen Sie. Und die Hisbollah ist natuerlich kein unterwanderter Verein. Deren Handlungen sind immer objektiv - solang es nur gegen Israel geht. So objektiv, dass Israel immer der Boesewicht ist.

Stephan Schaefer
 
30
20.8.2011, 21:24

Richtig. Die Hisb Allah und vor allem Hassan Nasr Allah ist objektiv. Und die Objektivitaet fuehrt eben nach Israel!

Reddogg
 
21
19.8.2011, 07:28

Lesen und verstehen sind halt zwei verschiedene Dinge.
Eventuell nochmal drüber lesen. Der Vorposter meinte wenn Verdachtsmomente/gefälscht Beweise etc. ausreichen um den Iran/Syrien oder wen auch immer eine Tat als schon ausgesprochenes Urteil zu klassifizieren, warum wird dann nicht selbiges eben auch für andere "befreundete" Personen/Gruppen/Organisationen benutzt. Bestes Beispiel wäre da auch Iran und Saudi-Arabien mit ihrem Vorgehen gegen Minderheiten oder gar Frauenrechte. Wissen Sie wie man so etwas nennt, "double standards" oder gar im extremen "Opportunismus" aber das sind sicher Wörter die Ihnen bekannt vorkommen da Sie selber nach der Devise zu leben scheinen.

Stephan Schaefer
 
20
19.8.2011, 11:20

Wobei ich dies sogar noch schaerfer meine.

Die Beweise, die gegen den Mossad im Fall Mughniye vorhanden sind, sind mehr als erdrueckend. Und da spricht die Dame oben von ¨wahrscheinlich¨. Die Beweise sind so stark, dass kaum oder kein Zweifel daran besteht, dass es Auftragsmord von Mossad war!

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