"Ich kann nichts dafür. Dafür kann keiner was"

Raffaela Rudigier , 18. August 2011, 17:19

"Peggy Pickit" vom Deutschen Theater Berlin zu Gast

Bregenz - Angesichts der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika fühlt man sich hilflos. Was kann man tun? Spenden? Patenschaften übernehmen? Selbst als "Entwicklungshelfer" tätig werden und nach Afrika gehen? So hilflos wie die meisten sind auch die vier Protagonisten des Deutschen Theaters Berlin in Peggy Pickit sieht das Gesicht Gottes von Roland Schimmelpfennig. "Ich kann nichts dafür. Dafür kann keiner was", entschuldigt sich Frank.

Liz und Frank, Carol und Martin kennen sich aus der gemeinsamen Arbeit im Krankenhaus nach dem Medizinstudium. Carol und Martin sind dann als Ärzte nach Afrika gegangen, während Liz und Frank daheimgeblieben sind. Hier haben sie sich eine Existenz mit Haus und Kind aufgebaut und fleißig für Afrika gespendet. Nach sechs Jahren treffen sich die beiden Paare das erste Mal wieder zum gemeinsamen Abendessen. Der Abend wird eine Katastrophe. Die Gespräche kreisen um Verantwortung, Ignoranz, Ohnmacht.

Die vier Protagonisten stehen das ganze Stück hindurch in einem weißen beengt wirkenden, gleißend erhellten Kubus von Annette Murschetz. Dahinter ist nichts, nur endloses Schwarz.

Regisseur Martin Kusej vertraut der Dialogkraft seines fantastischen Ensembles, und seine Rechnung geht voll auf: Das Schauspielerquartett Maren Eggert, Norman Hacker, Ulrich Matthes und Sophie von Kessel ist schlichtweg brillant. Jeder Satz ist kraftvoll, nichts wirkt aufgesetzt.

Im entscheidenden Moment regnet es im schwarzen Raum hinter der Bühne tonnenweise Müll. Die hilflosen Helfer stehen fassungslos vor dem Müllhaufen der Welt, während leise Michael Jacksons We are the world eingespielt wird.

Kein Pärchen kommt gut weg. Ist es nur ein ausgelebter Egotrip, wenn man den Menschen in Afrika "helfen" möchte? Und wie selbstgerecht sind all jene, die fein in Europa sitzen und sich mit Spenden freikaufen? Roland Schimmelpfennig gibt mit Peggy Pickit keine Antworten, aber er unterstreicht die Dringlichkeit des Themas Afrika. (Raffaela Rudigier, DER STANDARD - Printausgabe, 19. August 2011)

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