Mit Tragflächen für die Prestigeprojekte Superjet und MS-21 steigt der Rieder Flugzeugzulieferer FACC weiter auf
Dem oberösterreichischen Luftfahrtzulieferer FACC sind bei der Moskauer Flugzeugmesse Maks Liefervereinbarungen gelungen, die ihn zu einem wichtigen strategischen Partner für die beiden russischen Prestigeprojekte Sukhoi Superjet 100 (SSJ 100) und MS-21 machen. Mit einem ehrgeizigen Programm will Russland, das zwar große Tradition im Flugzeugbau hat, aber derzeit mit Boeing und Airbus nicht mithalten kann, wieder international tätig werden.
Für den Superjet, ein 100-sitziger Regionaljet, ähnlich dem von Niki verwendeten brasilianischen Embraer 190, bauen die Oberösterreicher die Flügel sowie wesentliche Teile des Leitwerks. Für das russische Airbus-A320-Konkurrenzprodukt MS-21 hat FACC einen extrem leichten Flügelkasten (Karbonfaser) entwickelt, der in einem einzigen Stück hergestellt wird, ein Novum in der kommerziellen Luftfahrt.
Darüber hinaus unterzeichnete FACC, das nach dem Ausstieg von Fischer und der Salinen nunmehr zu 100 Prozent in chinesischem Besitz ist, den Vertrag für ein Jointventure mit Aerocomposit, einem Tochterunternehmen der United Aircraft Corporation. Auch Sukhoi ist Teil von UAC. Das Jointventure soll ab 2013 unter FACC-Management Aufträge der russischen Flugzeugindustrie ebenso wie für Boeing und Airbus fertigen. Den Startanteil von 25 Prozent will FACC auf 40 Prozent aufstocken sobald die Genehmigungen erteilt werden, erklärte FACC-Chef Walter Stephan dem Standard. Die Gesamtinvestition beider Partner betrage 55 Millionen Dollar (38,3 Mio. Euro). Dafür erwartet er einen jährlichen Beitrag zum FACC-Umsatz von rund 130 Millionen Dollar.
Kein Jobabbau in Österreich
"Wir vertrauen den Österreichern die Herstellung aller Teile an, die unser Superjet zum Fliegen braucht", unterstrich Sukhoi-Präsident Vladimir Prisyazhnyuk. Für FACC sind diese Aufträge sowie die Flügelentwicklung der Einstieg in den exklusiven Klub von Aviation-Zulieferern, die tragende Teile - sogenannte Primärstrukturen wie Flügel, Leitwerk und Rumpf - bauen.
Derzeit werden am Standort Ried Komponenten für 70 Superjets gebaut, ab 2013 soll diese Fertigung in das neue Jointventure verlagert werden. Den Auftragswert pro Flieger bezifferte Stephan auf rund 400.000 Dollar. Gelingt es auch, Interieurs zu liefern, könnte dies auf rund eine Million Dollar steigen. Stephan erwartet, dass von der Serie wenigstens 500 Stück gebaut werden, darunter auch eine verlängerte Baureihe.
Die neuen Projekte wie das russische Jointventure, ein von FACC gemanagtes Werk in Abu Dhabi sowie ein geplantes Gemeinschaftsunternehmen in China würden von Österreich keine Arbeit abziehen, sondern zusätzliches Geschäft generieren, sagt Stephan. Dafür sorgen unter anderem die strengen Exportlizenzen von Boeing und Airbus: Aus Gründen des Geheimnisschutzes dürfen hochwertige Bauteile weder in Russland, noch in den Emiraten oder in China gefertigt werden. Derzeit beschäftigt FACC 1600 Mitarbeiter, davon 600 in der Entwicklung und 900 in der Fertigung. Die Umsätze steigen: Nach 270 Mio. Euro im Vorjahr werden heuer 330 Mio. erwartet, 2012 dann schon 400 Mio. Euro.(Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.2.2011)