Architekturjuwel

Sanierung der Wiener Werkbundsiedlung startet

18. August 2011, 13:57
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    foto: pid/a. halada

    Startschuss für die Revitalisierung eines Wiener Architekturjuwels.

Erste Etappe umfasst vier von 48 Häusern, die Stadt übernimmt den Großteil der Kosten von zehn Millionen Euro

Um die Sanierung der in den 1930er-Jahren errichteten Wiener Werkbundsiedlung hat es in den vergangenen Jahren heftige parteipolitische Scharmützel gegeben. Sowohl ÖVP, FPÖ als auch die Grünen wiesen die bis Ende letzten Jahres allein regierende SPÖ immer wieder darauf hin, dass der unrettbare Verfall des Architekturjuwels in Wien-Hietzing drohe, wenn nicht endlich etwas geschehe.

Vor genau einem Jahr gab Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) dann bekannt, dass die Sanierung auf Schiene sei - und am heutigen Donnerstag wurden auch die Bauarbeiten in Angriff genommen. In den kommenden Jahren werden die insgesamt 48 Gemeindesiedlungshäuser revitalisiert, zum Großteil auf Kosten der Stadt.

Erste Phase startet

Für die erste Etappe hat man sich bis Sommer 2012 nun einmal vier der insgesamt 70 Häuser vorgenommen, nämlich die Häuser Woinovichgasse 16, 18 und 20 von Architekt Gerrit Rietveld sowie Veitingergasse 85 von Architekt Josef Hoffmann. Unter anderem werden Fassaden, Böden, Fenster und Türen sowie Sanitärräume instand gesetzt bzw. erneuert, so Ludwig in einer Pressekonferenz.

Das Budget für den entsprechenden Abschnitt liegt bei 1,3 Millionen Euro. Insgesamt kostet das Sanierungsvorhaben rund zehn Millionen Euro, wovon die Stadt etwa sieben Millionen übernimmt. Schließlich reichen laut Ludwig die Mietzinsrücklagen "bei weitem" nicht aus. Als Enddatum der Gesamtrevitalisierung peilt die Stadt das Jahr 2016 an.

Die bis dato letzte Sanierung erfolgte zwischen 1982 und 1985. Aufgrund des in den 1930er-Jahren verwendeten Baumaterials besteht nun jedoch erneuter Sanierungsbedarf. Die Renovierung der Siedlung sei außerdem extrem aufwendig, da die einzelnen Objekte individuellen baulichen Charakter aufweisen. Jedes neue Fenster bis hin zu den Scharnieren müsse beispielsweise in Handarbeit hergestellt werden, skizzierte Ludwig.

Gespräche mit weiteren Besitzern

Neben Außen- und Innenausstattung der Häuser werden zudem Wärmeschutz, Lüftung oder Gartenterrassen eingebaut respektive auf Vordermann gebracht. Abgewickelt wird die Revitalisierung von der eigens gegründeten WISEG (Wiener Substanzerhaltungsgesellschaft & Co KG). An den Besitz- und Mietverhältnis werde sich nichts ändern, so Ludwig. Die 48 Häuser bleiben im Besitz der Stadt, Mietverträge bleiben aufrecht.

22 weitere Objekte der Siedlung befinden sich allerdings im Privatbesitz. Hier sei man in Gesprächen mit den Eigentümern, sich der Renovierung anzuschließen, hieß es. Diese käme für die Inhaber dann dank Synergieeffekten günstiger, so das Argument.

Erbaut ab 1930

Die Werkbundsiedlung entstand in den Jahren 1930 bis 1932 unter der Leitung des Architekten Josef Frank. Die Objekte stammen unter anderem von Adolf Loos, Josef Hoffmann oder Clemens Holzmeister. Die Siedlung gilt heute als eines der bedeutendsten Beispiele moderner Architektur in Wien.

Errichtet wurde die Werkbundsiedlung von der Gesiba, einer dem Bund, der Gemeinde und dem Siedlerverband gehörenden Wohnbaugenossenschaft. Ursprünglich sollte die Avantgardeanlage in der Nähe des Favoritner Wasserturms bei der Triesterstraße entstehen. Frank erachtete den Standort jedoch als ungeeignet und setzte sich erfolgreich für Hietzing ein.

Architektonische Klarheit

Bereits bei der Errichtung war man sich der Feuchtigkeit des gewählten Baugrundes in Lainz bewusst. Zu den wenigen Auflagen für die Architekten gehörte deshalb die Unterkellerung und die Verwendung von Ziegelbauwerk. Zudem sollten die Häuser seriell herstellbar sein.
Frank, dessen Bau das Herzstück der Siedlung bildet, platzierte gleichartige Häuser gruppenweise, wie in der Veitingergasse und Jagdschloßgasse. In der Woinovichgasse stellte er dagegen die stilistisch nicht einzuordnenden Häuser zueinander. Trotz allem Individualismus der Beteiligten entstand so eine Siedlung von architektonischer Klarheit.

Dennoch wurden 1932 nur 14 Häuser verkauft - die Unterkellerung machte die Objekte teuer. Der Rest wurde von der Gemeinde Wien übernommen. (red/APA)

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13 Postings
Karl-Friedrich Sattmann (ehem. Tschuggi)
01
19.11.2011, 19:32
"Neben Außen- und Innenausstattung der Häuser werden zudem Wärmeschutz, Lüftung oder Gartenterrassen eingebaut"

Das heisst jetzt aber hoffentlich nicht das da ein Vollwärmeschutz draufkommt!? Und wenn ja wäre es würdevoller die Gebäude abzureißen.

Peter aus Wien
00
23.8.2011, 22:21

Als Miteigentümer und Bewohner eines (nicht in dieser Siedlung) befindlichen "Architekturjuwels" aus den späten 20ern dvJhdts, dass dann unter Federführung eines ach so begabten und versierten Schüler des Architekten revitalisiert wurde, kann ich nur sagen:
Die Schüler sind NIE besser als die Lehrer.

Wir haben schon ein kleines Vermögen investiert, den ganzen Schwachsinn wieder auszubauen, denn der Herr Schüler-Architekt verbrochen hat. Und es ist noch nicht zu Ende...

Etrillard
13
19.8.2011, 12:18

Ich hoffe, dass wenigstens ab sofort der Mietzins bzw. die Höhe der anzusparenden Rücklage auf ein realistisches Niveau angehoben wird. Wie kommt man als Steuerzahler dazu, anderen Leuten eine (zu) billige Wohnung inkl. Renovierung zu finanzieren?

Gilgamesh
11
21.8.2011, 11:42

Falscher Ansatz.
Wie kommen die Steuerzahler dazu ERNEUT die selbe Anlage zu renovieren, weil der erste Architekt (http://www.krischanitz.at/main.html) dermaßen geschlampt hat, dass dichte Keller plötzlich unter Wasser standen (http://www.werkbundsiedlung.at/1985.html)....
Ja dieser Murkser gibt das Projekt immer noch als Referenz an!

DAS verheimlicht die Stadt Wien nur all zu gerne...
Ebenso Fakt ist, dass sich die Stadt Wien gegen eine Privatisierung der Gebäude vewehrt. Selbst Privatsanierungen (durch die Mieter) wurden durch die Stadt Wien verhindert und mussten rückgebaut werden!

Nebenbei werden die Mieten sehr wohl ansteigen, ebenso wie sie im Karl Marx Hof nach der Renovierung ins astronomische stiegen.

peter schlesinger
00
22.8.2011, 16:12
ins astronomische stiegen

wie hoch ist astronomisch in EURO ausgedrückt?

Gilgamesh
00
22.8.2011, 16:26

Vergleich:
Gemeindewohnung 1991 90m² 3200 ATS
Karl Marx Hof 1991 60m² 6200 ATS (nach Renovierung)

Eine Freundin bekam damals eine Gemeindewohnung zugewiesen im renovierten Teil des Karl Marx Hofes (alleinerziehend).

ken_park
00
22.8.2011, 01:09
planungsfehler des architekten?

klingt eher nach pfusch der baufirmen..

Gilgamesh
01
22.8.2011, 09:07

Und die Bauaufsicht hat wer?

ken_park
00
19.8.2011, 13:54
andererseits

die mieter können nichts dafür dass ihre wohnbauten unter denkmalschutz stehen und die renovierung dadurch so teuer wird..

max ritz
02
20.8.2011, 17:09
ob Denkmalschutz oder nicht

mit den dzt. angeordneten Höchstmieten von € 3,- kann man überhaupt keine Haus erhalten, egal oder denkmalgeschützt oder nicht.

peter schlesinger
12
18.8.2011, 20:33
die Stadt übernimmt den Großteil der Kosten von zehn Millionen Euro

sollte es nicht richtig heissen:
der Steuerzahler übernimmt den Großteil der Kosten.

vielleicht kann die Stadt Wien einmal kontrollieren, ob in der Werkbundsiedlung wirklich nur 'sozial schwache' wohnen, bei allen anderen ist die Miete auf den ortsüblichen Preis anzuheben - sie wohnen ja auch in den Wohnung und haben den Nutzen.

Mirstetta Toni
00
19.8.2011, 11:43

so wie in der kongresssiedlung in wien hietzing (zwischen kalmann- und lainzerbachstrasse). der bau steht seit knapp 60 jahren. in der zeit wurde dort so gut wie nichts gemacht, ausser die mieter zahlten das selbst (neue fenster etc.).

vor knapp zwei jahren kam ein schreiben an die mieter, dass nun eine komplette renovierung ansteht und die mieten drastisch erhöht werden.

peter schlesinger
12
19.8.2011, 14:27
die mieten drastisch erhöht werden

das ist auch richtig so - dafür konnten die Mieter 60 Jahre zu einer äußerst günstigen Miete wohnen. rechnen Sie sich mal aus, wenn die Mieter die ortsübliche Miete bezahlt hätten, könnte man bei einem auftretenden Schaden gleich reparieren und die Häuser würden nicht so wie heruntergekommene Ruinen aussehen.

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