Bildung

Spieleentwickler werden dringend gesucht

18. August 2011, 13:33

Standards bei Ausbildung fehlen

Level Designer, Graphic Artists oder Modeller - so schillernd wie die Games-Industrie muten auch die Berufsbezeichnungen in den Stellenangeboten an. Rund 1.000 Arbeitsplätze in der Branche sind zurzeit unbesetzt, schätzt der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). "Es gibt einen deutlichen Fachkräftemangel", sagt BIU-Geschäftsführer Olaf Wolters. "Viele Unternehmen haben momentan jährlich zweistellige Zuwachszahlen bei den Beschäftigten und suchen dringend qualifizierte Mitarbeiter." Auf der Computerspielemesse Gamescom in Köln werben Unternehmen und Ausbildungsinstitute bei einer Jobbörse um den begehrten Nachwuchs.

Offene Stellen

"Wir haben 30 bis 40 offene Stellen", sagt etwa Julia Koschel vom Online-Spiele-Anbieter Gameforge. Entwickler, Systemadministratoren, Grafiker - es gebe viele Bewerbungen, aber nicht genug qualifizierte. "Ich glaube, die Leute haben häufig falsche Vorstellungen vom Job, weil in der Spieleindustrie nicht so klassisch ausgebildet wird." Der Markt an guten Kräften sei recht leer gefegt, meint auch Frogster-Personalchef Heiko Schinköthe. "Das Angebot ist weitaus größer als die Nachfrage. Vor allem Positionen, die spezifisch mit Games zu tun haben, sind schwer zu besetzen."

Trotz zunehmender Ausbildungsmöglichkeiten kann die Zahl der Absolventen mit dem Wachstum der Branche noch nicht Schritt halten. Nach BIU-Angaben gibt es bundesweit inzwischen 275 Entwickler und Publisher von Computer- und Videospielen - etwa doppelt so viele wie noch vor zwei Jahren. Insgesamt seien 750 Unternehmen mit 10.000 Beschäftigten in der Games-Branche tätig.

"Vor allem bei Programmierern konkurriert die Spieleindustrie natürlich mit der etablierten IT-Branche", sagt BIU-Chef Wolters. Einige große Entwicklungsstudios rekrutierten ihre Mitarbeiter bereits im Ausland.

Mangelnde Ausbildungsstandards

Spezielle Ausbildungen für Spieleentwickler sind in Deutschland noch recht jung. Vor zehn Jahren ging die erste auf Games spezialisierte Schule in Berlin an den Start, vor etwa fünf Jahren gab es die ersten Abgänger. Mittlerweile bieten laut BIU mehr als 40 private und öffentliche Einrichtungen Games-bezogene Studiengänge oder Forschungsschwerpunkte an.

Ein Problem dabei ist jedoch, dass sich die Ausbildungsangebote sehr voneinander unterscheiden: Einheitliche Standards fehlen. "Man müsste mehrere verschiedene Fachbereiche, die bisher voneinander getrennt sind, zusammenbringen", sagt Prof. Jörg Müller-Lietzkow vom Institut für Medienwissenschaft der Universität Paderborn. Doch ressortübergreifende Verknüpfungen plus Praxisbezug - das sei vor allem an den Unis "sehr schwierig".

Herausforderung: Dynamik

Eine weitere Herausforderung sieht der BIU darin, dass ständig neue Berufsbilder entstehen - so schnell könnten die Ausbildungsinstitute meist gar nicht reagieren. "Community Manager" zum Beispiel, die Kommunikationsportale im Internet betreuen, würden immer häufiger gesucht - einen geregelten Ausbildungsweg gibt es bisher nicht.

Neben dem Staat sehen Experten auch die Wirtschaft gefordert, Hochschulen bei der Ausbildung im Games-Bereich zu unterstützen. "Wenn die Industrie nicht nachhaltig in die Ausbildung investiert, wird es mit der deutschen Games-Industrie genauso schnell bergab gehen, wie es bergauf gegangen ist", warnt Müller-Lietzkow. (APA)

Kommentar posten
19 Postings
Mathias
 
00
19.8.2011, 13:00
Dann bitteschön an die Ausbildungsstätten wenden!

( www.games-academy.de )

jokergirl
00
19.8.2011, 11:29

Ist da nicht gerade anderwo auf derStandard ein Artikel, in dem besagt wird, dass (Brett-)Spieledesigner davon nix verdienen?
Das gleiche Motto gilt auch für Computerspiele eben... Ideen gibt's wie Sand am Meer, gute Ideen sind eben selten.

Und bei den grossen Firmen muss man ja nix zahlen, weil es eben genug D...n gibt, die einen Armutslohn akzeptieren, nur um "Spieleprogrammierer" zu sein.

;)

nobody (likes the records that i play)
01
19.8.2011, 01:13

ich mach jetzt den leveldesigner III - trotz meiner nebenjobs als hautarzt und konditor. bei humbug.

rolin
00
18.8.2011, 16:20

Aus welchem Precomputerzeitalter muss man sein um bei “Level Designer, Graphic Artists oder Modeller” ein Schillern auszumachen?

Da muesste jeder erblinden, wenn ich sage, dass ich Motion Graphics Artist bin…

Degi3000
00
19.8.2011, 15:40

aaaaaahh! meine augen!!

Theatre of Tragedy
00
18.8.2011, 15:58

Warum steht da nicht händeringend? Ich hab mich schon so sehr auf das Wort gefreut... :(

purecynicism
10
18.8.2011, 15:10

game developer is so ziemlich der beschissenste job den man sich aussuchen kann.

bezahlung geht so, arbeitszeiten von 60-80 wochenstunden sind normal und werden erwartet. grad mal das rundherum passt in den usa und canada. aber alles andere is fürn popsch.

badoli from Hell
00
19.8.2011, 22:01
Kommt komplett auf die Firma drauf an.

Meine Kollegen von Ubisoft Montreal sind sehr gern dort, soweit ichs bisher mitbekommen hab.

anno dazumal
14
18.8.2011, 14:40
wirtschaftsheini sucht ...

... megadringend 10 programmierer zwecks umsetzung einer super geilen portal idee. da es sich aber um ein startup projekt handelt kann er nicht viel zahlen - 5 euro pro stunde und die rechte und ideen am portal bleiben bei ihm (geheimhaltungsvereinbarung). wieso meldet sich niemand, wo ist der fehler er hat doch 10 jobs zu vergeben ...

Mello
00
18.8.2011, 14:23

"Einige große Entwicklungsstudios rekrutierten ihre Mitarbeiter bereits im Ausland."

oh mein gott!!!!!!

wer genug bezahlt und gute rahmenbedingungen liefert, bekommt auch gute mitarbeiter...

trollvottel
00
18.8.2011, 15:53

Das Problem ist eher, dass die Spieleentwickler in Deutschland größtenteils Amateure sind, mit unprofessionellem Management, fehlenden Projektplänen, undurchdachtem Design, hingepfuschter Spielerbindungsmechanismen und fehlendem Qualitätsbewusstsein, das dazu führt, dass fast jedes deutsche Spiel ein halbes Jahr zu früh und daher mit schwerwiegenden Bugs auf den Markt kommt.

Ein Ösi-Publisher illustrierte alle diese Probleme beinahe perfekt, doch die oben geschilderten Probleme betreffen alle mir bekannten deutschen Teams, inklusive des als ach so professionell gehypten Crysis-Teams.

JohnC
13
18.8.2011, 14:08
Viele freie Jobs, weil wenig Gehalt

Liebe Leser, bitte lassen sie sich nicht von den Interessenvertretern der Industrie in die Irre führen. Wenn der BIU auf Fachkräftemangel aufmerksam macht, dann nur um künftig Arbeitnehmer billiger einstellen zu können.

Würden Programmierer besser entlohnt werden, hätte Gameforge auch keine Probleme mit den offenen Stellen. Leider scheint das 'Geiz ist geil' Motto gerade auch bei Arbeitgebern immer noch zu ziehen.

trollvottel
00
18.8.2011, 15:56

Gerade im Spielebereich findet man recht wenige Leute, die sowohl gut sind als auch Erfahrung haben: die Spitzenleute werden von Recruitern aus USA und UK abgeworben, der Rest scheitert mit einem Projekt nach dem anderen an der eigenen Unfähigkeit. Die wenigen Ausnahmen hochqualitativer, stabiler und attraktiver deutscher Spiele entstehen oft mit US-Producern und US-Designern.

FarbSucht
00
18.8.2011, 15:53

sie haben (leider) recht..
man braucht nur die berichte auf gamestar.de zu lesen wieviel programmierer und designer ihre entwicklerstudios verlassen haben, weil sie ihnen für die investierte arbeit und zeit einen hungerlohn entrichtet haben...
traurig..ich wollte (eigentlich will ich immernoch) immer in diese branche.
doch langsam überleg ich es mir wirklich..!

Euroumrechner
00
19.8.2011, 12:58

Ich war eine Zeit lang in der Branche und habe festgestellt, dass Spiele spielen Spass macht, Spiele machen jedoch weniger. So bin ich jetzt wieder bei einem Job wo ich nicht nur Spass an der Arbeit habe sondern auch noch Geld verdiene.

badoli from Hell
00
19.8.2011, 22:04
Kann man nicht generalisieren.

Zugegeben, die meisten Firmen in Ö und De sind eher mies, aber international gesehn ist die Situation normalerweise nicht so triest. Insgesamt ist es eine Branche wie jede andere inklusive Skandal-Studios bei EA und letztens Rockstar. Gibt halt überall schwarze Schafe. Ansonsten wär ich schon längst zurück in der Werbebranche. Da verdient man zwar mehr, hats aber mit mehr Vollidioten zu tun... Insofern jedem das seine.

Euroumrechner
00
20.8.2011, 19:50

Werbebranche ist ja nun wirklich mit Abstand das Letzte! Zumindest für mich. Lügen als Beruf ist nicht meins.

Theatre of Tragedy
00
20.8.2011, 17:18

Rockstars? Meinen doch eher Team Bondi, wenn wir beide den Trubel um L.A. Noire meinen.

Euroumrechner
00
19.8.2011, 12:29

Ich war in der Branche und bin geflüchtet. Scheiss Arbeit, scheiss Entlohnung, scheiss Job.
Spieleentwicklung ist in der Realität leider nicht so supa wie es sich anhört. Und nur weil spielen Spass macht heißt das auch nicht, dass Spiele entwickeln Spass machen muss.

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