Selbst gut geschützte und fast ständig überwachte Populationen im Visier der Wilderer - Stoßzähne vor allem illegal nach China exportiert
Addis Abeba/Nairobi - Die Elefanten im weltberühmten Samburu-Nationalpark in
Kenia geraten durch den steigenden Elfenbeinpreis zunehmend unter Druck. Allein in den vergangenen zweieinhalb Jahren seien dort mehr Dickhäuter
von Wilderern getötet worden, als in den elf Jahren zuvor, schreibt der
renommierte Experte George Wittemyer von der Colorado State University im
Fachjournal Nature. Gleichzeitig habe der illegale Handel mit Elfenbein stark
zugenommen: "Dieses geht hauptsächlich nach China", erklärte Wittemyer in einem
zusammen mit mehreren Co-Autoren verfassten Brief.
Die Experten fordern eine engere Zusammenarbeit mit den Behörden in Peking,
um dem Töten ein Ende zu bereiten. Die Nachfrage nach Elfenbein müsse eingedämmt
und der Schwarzmarkt-Handel unterbunden werden, hieß es.
Zahl der Elefantenbullen schrumpft
Das Wildern von Elefantenbullen - die besonders
große Stoßzähne haben - habe in Samburu bereits dazu geführt, dass es mehr als
doppelt so viele Weibchen wie Männchen gebe. Mittlerweile seien aber auch Elefantenkühe ins Zentrum des Interesses gerückt, so
dass auch die Zahl kleiner Elefantenwaisen in dem
Park zunehme. Einen traurigen Höhepunkt erreichte das Wildern 2011: Noch nie sei
die Tötungsrate so hoch gewesen wie in den ersten fünf Monaten dieses Jahres.
Hauptgrund für das Gemetzel sind die steigenden Preise für Elfenbein auf dem
Schwarzmarkt. "Die lokalen Elfenbein-Preise rund um Samburu haben sich seit 2007
verdoppelt", schreibt Wittemyer. Die Stoßzähne eines großen Bullen seien so viel
wert wie eineinhalb Jahre Gehalt eines Parkrangers oder 15 Jahre Gehalt eines
ungelernten Arbeiters. "Die Nachfrage nach Elfenbein und die Preise haben einen
Punkt erreicht, an dem die Wilderer bereit sind, auch gut geschützte und fast
ständig überwachte Elefanten-Populationen ins
Visier zu nehmen." (red/APA)