Vom Unterrichtsministerium angekündigte Kostenneutralität nicht nachvollziehbar
Wien - Das Finanzministerium hat in einer nun
veröffentlichen Stellungnahme zum Gesetzesentwurf für die Modulare
Oberstufe zwar das Bestreben begrüßt, Klassenwiederholungen und damit
die Kosten für das Schulsystem zu reduzieren. Gleichzeitig hat das
Ressort Kritik an der Finanzplanung des Unterrichtsministeriums
geübt: Es fehle "eine solide Basis, um die Kosten des geplanten
Vorhabens zu beurteilen".
Die Modulare Oberstufe soll bis 2016 an allen 800
AHS-Oberstufen
und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) ab der 10.
Schulstufe eingeführt werden und die Zahl der Klassenwiederholungen
deutlich reduzieren. Dabei wird der Stoff in mindestens zwei Module
pro Semester unterteilt, wobei ein negativ absolviertes Modul im
nächsten bzw. übernächsten Semester ausgebessert werden kann. Erst ab
zwei bzw. in Ausnahmefällen drei negativen Modulen muss die Klasse
wiederholt werden, dabei sollen aber die positiven Noten erhalten
bleiben. Schüler, denen eine negative Note droht, sollen außerdem von
einem Lerncoach und in Förderkursen unterstützt werden. Besonders
Begabte sollen im Gegenzug einzelne Semester bzw. Teilprüfungen der
Matura vorziehen können. Derzeit laufen an 27 Standorten
Schulversuche zur Modularen Oberstufe.
Kosten für Lerncoaches nicht angeführt
Die Ankündigung von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ),
wonach die Umstellung auf ein Kurssystem kostenneutral möglich sein
soll, "wird nicht mit quantitativem Datenmaterial (Mengen- und
Preisgerüst) untermauert, und entspricht daher nicht den Richtlinien
für Ermittlung und Darstellung finanzieller Auswirkungen" von
Gesetzesmaßnahmen, heißt es in der Stellungnahme. So fehlen laut
Finanzressort Eckdaten wie die Zahl der betroffenen Schüler und die
Mittel, die für sie ausgegeben werden, sowie Zahl der Repetenten und
die Ausgaben für diese. Auch die Kosten für Maßnahmen wie Lerncoaches
und Förderunterricht fehlen. Gefordert wird außerdem eine Prognose,
ab wann die Maßnahmen wirken werden und wie stark sie die Zahl der
Repetenten verringern könnten.
Kritik kommt an dem Plan, dass der Semesterstoff nicht zentral,
sondern an jeder Schule autonom durch die Schulkonferenz in
mindestens zwei Kompetenzbereiche untergliedert werden soll. Das
Finanzministerium sieht dabei "die Gefahr einer heterogenen
Zersplitterung", was vor allem bei einem Schulwechsel dazu führen
könne, dass den Schülern Lehrinhalte fehlen oder dass Stoff doppelt
abgefragt wird.
Der Landesschulrat von Tirol stellt ebenfalls in Frage, ob die
Reform kostenneutral möglich sein wird. Er weist in seiner
Stellungnahme darauf hin, dass die Einsparungen geringer ausfallen
dürften als vom Unterrichtsministerium angeben, da eine geringere
Zahl von Repetenten nicht automatisch weniger Klassen oder
Gruppenteilungen mit sich bringe. Gleichzeitig warnt der
Landesschulrat, dass durch Umschichtungen allein verstärkte
individuelle Förderung "sicher nicht erreicht werden kann", dasselbe
gelte für Zusatzangebote für Begabte. Der Landesschulrat schlägt
daher eine Anhebung der Werteinheiten um fünf Prozent vor.
Prüfer aussuchen
Inhaltliche Kritik übt der Landesschulrat an der Unterteilung
des
Semesterstoffs in einzelne Teile, diese sei vor allem in Fächern mit
wenigen Wochenstunden "sehr schwierig" und "wird daher abgelehnt". Er
ist außerdem gegen die Möglichkeit, dass Schüler ab der zweiten
Prüfungswiederholung ihren Prüfer aussuchen können. Der
Landesschulrat Tirol befürchtet, dass dies dazu führen könnte, "dass
von vielen Schüler/innen der Weg des geringsten Widerstands gegangen
wird". (APA)