Finanzministerium kritisiert Kostenplanung bei modularer Oberstufe

18. August 2011, 10:58

Vom Unterrichtsministerium angekündigte Kostenneutralität nicht nachvollziehbar

Wien - Das Finanzministerium hat in einer nun veröffentlichen Stellungnahme zum Gesetzesentwurf für die Modulare Oberstufe zwar das Bestreben begrüßt, Klassenwiederholungen und damit die Kosten für das Schulsystem zu reduzieren. Gleichzeitig hat das Ressort Kritik an der Finanzplanung des Unterrichtsministeriums geübt: Es fehle "eine solide Basis, um die Kosten des geplanten Vorhabens zu beurteilen".

Die Modulare Oberstufe soll bis 2016 an allen 800 AHS-Oberstufen und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) ab der 10. Schulstufe eingeführt werden und die Zahl der Klassenwiederholungen deutlich reduzieren. Dabei wird der Stoff in mindestens zwei Module pro Semester unterteilt, wobei ein negativ absolviertes Modul im nächsten bzw. übernächsten Semester ausgebessert werden kann. Erst ab zwei bzw. in Ausnahmefällen drei negativen Modulen muss die Klasse wiederholt werden, dabei sollen aber die positiven Noten erhalten bleiben. Schüler, denen eine negative Note droht, sollen außerdem von einem Lerncoach und in Förderkursen unterstützt werden. Besonders Begabte sollen im Gegenzug einzelne Semester bzw. Teilprüfungen der Matura vorziehen können. Derzeit laufen an 27 Standorten Schulversuche zur Modularen Oberstufe.

Kosten für Lerncoaches nicht angeführt

Die Ankündigung von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), wonach die Umstellung auf ein Kurssystem kostenneutral möglich sein soll, "wird nicht mit quantitativem Datenmaterial (Mengen- und Preisgerüst) untermauert, und entspricht daher nicht den Richtlinien für Ermittlung und Darstellung finanzieller Auswirkungen" von Gesetzesmaßnahmen, heißt es in der Stellungnahme. So fehlen laut Finanzressort Eckdaten wie die Zahl der betroffenen Schüler und die Mittel, die für sie ausgegeben werden, sowie Zahl der Repetenten und die Ausgaben für diese. Auch die Kosten für Maßnahmen wie Lerncoaches und Förderunterricht fehlen. Gefordert wird außerdem eine Prognose, ab wann die Maßnahmen wirken werden und wie stark sie die Zahl der Repetenten verringern könnten.

Kritik kommt an dem Plan, dass der Semesterstoff nicht zentral, sondern an jeder Schule autonom durch die Schulkonferenz in mindestens zwei Kompetenzbereiche untergliedert werden soll. Das Finanzministerium sieht dabei "die Gefahr einer heterogenen Zersplitterung", was vor allem bei einem Schulwechsel dazu führen könne, dass den Schülern Lehrinhalte fehlen oder dass Stoff doppelt abgefragt wird.

Der Landesschulrat von Tirol stellt ebenfalls in Frage, ob die Reform kostenneutral möglich sein wird. Er weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass die Einsparungen geringer ausfallen dürften als vom Unterrichtsministerium angeben, da eine geringere Zahl von Repetenten nicht automatisch weniger Klassen oder Gruppenteilungen mit sich bringe. Gleichzeitig warnt der Landesschulrat, dass durch Umschichtungen allein verstärkte individuelle Förderung "sicher nicht erreicht werden kann", dasselbe gelte für Zusatzangebote für Begabte. Der Landesschulrat schlägt daher eine Anhebung der Werteinheiten um fünf Prozent vor.

Prüfer aussuchen

Inhaltliche Kritik übt der Landesschulrat an der Unterteilung des Semesterstoffs in einzelne Teile, diese sei vor allem in Fächern mit wenigen Wochenstunden "sehr schwierig" und "wird daher abgelehnt". Er ist außerdem gegen die Möglichkeit, dass Schüler ab der zweiten Prüfungswiederholung ihren Prüfer aussuchen können. Der Landesschulrat Tirol befürchtet, dass dies dazu führen könnte, "dass von vielen Schüler/innen der Weg des geringsten Widerstands gegangen wird". (APA)

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K. Huber1
00
26.8.2011, 07:34
Fiktive Einsparung versus reale Mehrkosten

Einsparungen könnte es nur in jenen Fächern geben, die geteilt unterrichtet werden und wenn exakt die Teilungsgrenze über-/unterschritten wird. Ganz selten könnte auch zu einer Klassenzusammenlegung kommen.

Individuelle Fördermaßnahmen werden hingegen zum Regelfall werden (müssen) und auch die Kosten für die Ausbesserungspüfungen werden aufgrund der erhöhten Modulzahl steigen.

AUSGENOMMEN: LEHRER/INNEN BEKOMMEN DAFÜR NICHTS BEZAHLT!

asinus
00
23.8.2011, 03:18

Warum bemüht man die Lüge, dass das Sitzenbleiben angeblich horrende Kosten verursacht, um ein schlecht konzipiertes - und sauteures - Modulsystem einzuführen? Wo hohe Kosten entstehen, sind die Fälle, wenn ein Kanditat bei der Matura nicht erscheint, ohne es der Nühe wert gefunden zu haben, die Schule zu verständigen, die endlosen Wiederholungen der Matura usw. - aber die will man ja behalten.

D/E
02
20.8.2011, 16:32
Von den Lemmingen lernen:

Zuerst trommeln Experten und --innen, von WK bis AK, dass das teure und unnötige "Sitzenbleiben" abgeschafft werden müsse, dass da Millionen Euro pro Jahr "verloren" gingen usw.

Wenn ein Lehrer oder gar einer der bösen Lehrervertreter anmerkt, dass die Kosten pro Repetent fiktiv sind und daher auch nicht eingespart werden können, rennt die Walze der Gleichgestimmten einfach drüber.

Jetzt wird eine Husch-Pfusch-Variante einer "modularen Oberstufe" präsentiert, mit nicht mehr ganz so vollen Tönen. Nicht mehr von Einsparungen ist die Rede, sondern von "Kostenneutralität" und auch die ist nur "möglich". Und nicht einmal die kann belegt werden.

Aber die Lemminge sind schon einen Abgrund weiter.

stall
01
19.8.2011, 17:54
detaillierte planungen

doch nicht wir im ministerium. die sollen die lehrer da draußen machen.

soisteshalt
00
19.8.2011, 09:29
Modulsystem, welches keines ist - wieder österreichische Lösungen sind zum Ko****!

Ein wenig das, ein bißerl dies und zum Schluss kommt nur zusammengeflickter Murks heraus ohne Sinn und Ziel!

Wenn ein Modulsystem, welches mM. in der Oberstufe sicher sehr sinnvoll umgesetzt werden kann, dann ein richtiges.
Modulsystem und Klassenverband wiedersprechen sich.
dann gäbe es auch keine (verkürzte) Diskussion umd Sitzenbleiben mit 1,2,3,4,5.. Fünfer.

Grundmodule, die jedert machen muss, Ergänzungs und Vertiefungsmodule sowie für die Schwächeren zusätzliche Unterstützungsmodule. Dauer je 1 Semester.

Ist man Halbzeit negativ -> Unterstützungsmodul.
Ist ein Modul am Ende negativ, dann EINE Prüfungswiederholung und ansonsten ist (nur!) das Modul zu wiederholen.
Kein Sitzenbleiben mit Mitnahme der Noten -> totaler Schwachsinn!?

A. Sieberer
01
19.8.2011, 08:25

Kann es sein, dass es zwischen statistsichen Zahlen und realer Welt doch Unterschiede gibt?
Da kommt man doch glatt drauf, dass ein Repetent nur in der Statistik als "Einzelposten" bewertet werden kann, in der Realität aber ein Teil eines Klassenverbandes ist, der selten extra Kosten verursacht und damit auch kaum Einsparungspotential bietet.

Murmelchen1
00
18.8.2011, 18:06
Die Intention ist edel, die Idee ist gut,

aber so wie das jetzt zu Papier gebracht wurde, kann es einfach nicht funktionieren - ...und es wird in jedem Fall NICHT kostenneutral sein.
Schade, dass viele gute Ideen scheitern, weil sei einfach nicht zu Ende gedacht werden.

LL MM
01
18.8.2011, 14:25

Das Abschaffen des Sitzenbleibens senkt keine Kosten. Mit oder ohne Lerncoaches. Weil es wegen der Sitzenbleiber praktisch nie zusätzliche Klassen gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist eher höher, dass Klassen zusammengelegt werden.

Wenn man das schon vom reinen finanziellen Standpunkt betrachtet, was man ja hier auch tun muss, da ja die vermeintlichen Kosteneinsparungen immer als Hauptargument herhalten müssen.

Cellabe
11
18.8.2011, 13:57
WAS für eine Überraschung?

Die ÖVP will das nicht!

D/E
01
18.8.2011, 15:34
Ich bin kein ÖVP-Sympathisant,

aber Kostenrechnung funktioniert nun einmal so.

Ich bin ja nicht überrascht, dass das Bildungsministerium trickst, aber so plump, die Kosten einfach gar nicht anzugeben, sollte man es doch nicht machen.

Alfred Zopf
00
19.8.2011, 09:00

Gegenfrage, wenn alle zusätzlichen Kosten detailliert aufgelistet werden und natürlich rauskommt, dass ein Mehr an Geld notwendig ist, wird das Finanzministerium freudig zustimmen ?

D/E
01
19.8.2011, 10:30
Außerdem:

Das Modell wurde ja fleißig als "kostensparend" beworben.

Ist halt schon blöd, wenn die Wirklichkeit so gar nicht mitspielt.

D/E
01
19.8.2011, 10:29
Vermutlich nicht.

Aber die jedem erkennbaren Kosten einfach nicht aufführen, ist schlicht und einfach dämlich.

Alfred Zopf
00
19.8.2011, 14:36

Qualität kostet, ich weiß nicht, wieso im Bildungsbereich immer angenommen wird, dass kostenminimierende qualitätsvolle Leistungen erbracht werden müssen und Ministerien, etc. für schwache qualitative Beratungstätigkeiten Millionen € mit einer Selbstverständlichkeit "verpulvern" dürfen und sollen, ganz zu schweigen von Millionen-€-teuren Werbeaktionen, die nur sinnlose Selbstbeweihräucherung darstellen. Wenn die vielen teuren "Blödheiten" eingestellt werden würden, könnten wir uns um dieses Geld einen Super-Bildungsstaat leisten.

D/E
00
20.8.2011, 10:17
Das müssen Sie aber vielleicht doch unserer Frau BM sagen.

Österreich und heute erfreuen sich ja nach wie vor reger Inserententätigkeit des Bildungsministeriums.

Alfred Zopf
00
20.8.2011, 16:56

Die Finanzministerin entscheidet über die Höhe des Budget und nicht die Bidlungsminsterin, die darf nur brav knien !

stall
00
20.8.2011, 17:21
dafür sponsert

die bildungsministerin den notleidenden boulvard wie österr., heute usw. die brauchen dann nicht einmal mehr leser.

Hannes31
01
18.8.2011, 14:12

Immer wenn es um mehr Geld geht für Bildung, wird das Vorhaben gestoppt.

Die Regierung hat das Ziel, die Ausgaben für Bildung zu senken - egal ob SPÖ oder ÖVP.

Nichts anderes soll mit den "Reformen" erreicht werden...

Hubert Ungeist
 
04
18.8.2011, 14:10
Mich überrascht jetzt nicht

mehr das das Bankinsitut der Frau Schmied Pleite gegangen ist - wenn dort auch so gearbeitet wurde

styx12
12
18.8.2011, 12:50

Diese Kritik ist skandalös! Frau BM Schied kommt von der SPÖ und ist daher gut!

didi111
31
18.8.2011, 12:43
Der guten Ordnung halber soll nur dezent darauf hingewiesen werden,

daß das schwarz geführte FinMinisterium damals unter Molterer eine 3-stelligen Euromillionenbetrag in der Karibik versenkt hat.

wAS hört man noch davon (aus der schwarzen Reichshälfte)?

Molto wurde noch belohnt mit einem Posten als Frühstücksdirketor bei der EIB. Weil wegen der fachlichen Qulifikation können sie ihn ja nicht genommen haben...

Aber jetzt ganz gscheit auf das rot geführte Unterrichtsministerium hinzuhauen ist echt kindisch und richtet sich von selbst.

Diese Kraft, die hier verwendet wird, könnte zur Schuldfrage beim verunglückten Karibikdeal gebündelt werden.

Na, was iiiiss?

sternsteinblitz
00
20.8.2011, 20:09

Dann erzählen Sie uns doch mehr davon!
Oder ist das ein Luftgschichtl, oder ein Schuss ins eigene Knie, oder ein hysterisches Ablenkungsmanöver?

Hubert Ungeist
 
00
18.8.2011, 14:11
Welche Geschichte war das?

Und wieviele Finanziellen Blädsinn dürfen die SPler denn jetzt als Ausgleich machen?

Welchen Karibikdeal meinen sie jetzt?

Blitzlicht3
03
18.8.2011, 12:35
Einstundenfächer

In der 6. Klasse steht Geschichte genau einmal pro Woche auf dem Stundenplan, das bedeutet nicht einmal 20 Stunden Geschichte pro Semester. Teile ich das erste Semester in zwei Module, sind das 10 Stunden. In dieser Zeit sol der Lehrer dafür sorgen, dass Schüler Wissen und Kompetenzen vermehren und das bei allen 25 SchülerInnen überprüfen und bei rechtzeitig frühwarnen und beraten, damit das drohende Nichtgenügend ausgebessert werden kann. Bei 10 Stunden und 25 Schülern, viermal im Jahr - geht nicht - also Genügend. Es ist schade, dass die an und für sich gute Idee der Modularen Oberstufe durch sinnlose Details ruiniert wird. Warum macht man Schulversuche, wenn dann erst etwas ganz Anderes ins Regelschulwesen übernommen werden soll ???

Carla Sociale
03
18.8.2011, 12:44
Das sind Details, von denen sich die "Experten" nicht aufhalten lassen.

Bei den Vorbereitungen auf die Zentralmatura wird nach dem selben Muster vorgegangen.
Kollegen, die auf Ungereimtheiten hinweisen werden einfach übergangen, obwohl sie sich zur Zusammenarbeit in entsprechende Gremien überreden ließen.

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