Madrid: Papstbesuch löst Proteste aus

19. August 2011, 07:43

Polizei verprügelte Demonstranten - Ratzinger warnt vor "modischen Ansichten" und "Launen des Augenblicks"

Madrid - Inmitten von Protesten hat Papst Benedikt XVI. am Donnerstag seinen viertägigen Besuch des Weltjugendtags in Madrid begonnen. Bei seinem ersten Auftritt vor hunderttausenden Gläubigen im Zentrum der spanischen Hauptstadt warnte er vor "modischen Ansichten" und "Launen des Augenblicks". Die Polizei verhinderte eine Demonstration von Homosexuellen gegen die Lehren der katholischen Kirche und kesselte eine weitere Kundgebung von Gegnern ein.

Die Gläubigen bereiteten dem im Zentrum der Hauptstadt einen begeisterten Empfang. Der Bürgermeister von Madrid, Alberto Ruíz-Galardón, händigte dem Oberhaupt der katholischen Kirche symbolisch die Schlüssel der Stadt aus. Jugendliche übergaben Benedikt XVI. mehrere Geschenke, darunter einen kleinen Olivenzweig als Friedenssymbol.

Auf der zentralen Plaza de Cibeles riet der Papst seinen Zuhörern von einer riesigen Bühne herab, ihr Leben auf "festem Stein" und nicht auf Sand zu begründen, der "vom ersten Windstoß" hinweggefegt werden könne. "Überall warten Versuchungen, und es ist wichtig, ihnen nicht zu erliegen", predigte Benedikt XVI.

Vier Tage in Madrid

Bereits am Mittag sagte er bei seiner Ankunft am Flughafen Barajas mit Blick auch auf die Jugendproteste in Spanien, der Mensch und nicht der Profit müsse Mittelpunkt der Wirtschaft sein. Die Arbeitslosigkeit liegt in Spanien bei mehr als 20 Prozent. Besonders betroffen sind junge Menschen, die sich aus Wut zuletzt zur Protestbewegung der sogenannten Empörten zusammengetan hatten.

Am Flughafen wurde der Papst von König Juan Carlos und Königin Sofia empfangen. Von dort machte er sich im Papamobil auf den Weg ins Stadtzentrum. Der 84-Jährige will sich vier Tage lang in Madrid aufhalten. Höhepunkt seines Besuchs sind ein Kreuzweg am Freitag, eine Abendandacht auf der Luftwaffenbasis Cuatro Vientos vor der Stadt am Samstag und eine Messe am Sonntagvormittag.

"Sie haben mich fünf oder sechsmal geschlagen"

Die spanische Polizei ist mit Schlagstöcken gegen etwa 150 Demonstranten vorgegangen, die am Rande des Weltjugendtages in Madrid gegen den Besuch des Papstes protestierten. Die Demonstration auf dem Platz Puerta del Sol sei am Donnerstagabend von mehr als hundert Polizisten gewaltsam beendet worden, berichtete ein AFP-Journalist. Vor dem Einschreiten der Beamten hätten die Demonstranten eine Aufforderung zur Auflösung ihres Protestes missachtet.

"Sie haben mich fünf oder sechsmal geschlagen", sagte ein 30-jähriger Demonstrant. "Wir sind unbewaffnet gekommen, wir haben nichts getan."

Am Donnerstagabend sollte der Papst mit einer Kussaktion von etwa hundert Lesben und Schwulen konfrontiert werden, aber die Polizei verhinderte die Kundgebung gegen den "Fundamentalismus" und die rigide Sexualmoral der katholischen Kirche. Zudem kesselten Beamte etwa hundert Demonstranten auf einem Platz in der Nähe der Plaza de Cibeles ein und schloss umliegende Bahnhöfe.

Während des Flugs nach Spanien mit seinen großen wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten hatte Benedikt die "Verantwortung" Europas in der Krise, anderen Menschen und Ländern gegenüber bekräftigt. Er wandte sich erneut strikt gegen ein Wirtschaften, das die Ethik vergesse. "Man muss Arbeit schaffen und den Planeten schützen", verlangte das Kirchenoberhaupt, wie Medien berichteten.

Ein Chemiestudent, der einen Giftgas-Anschlag auf eine Kundgebung von Papstgegnern in Madrid geplant haben soll, wurde am Donnerstag vom Haftrichter gegen Auflagen freigelassen. Der 24-Jährige habe nicht ernsthaft die Absicht gehabt, seine in Internetforen verbreiteten Drohungen in die Tat umzusetzen, entschied der Richter. Der Student muss aber seinen Pass abgeben und sich täglich zweimal bei der Polizei melden.

Der Mexikaner hatte im Internet Hasstiraden gegen Kirchengegner und Homosexuelle verbreitet. Die Drohungen mit einem Anschlag aber hatte selbst die Staatsanwaltschaft als "schlechten Scherz" bezeichnet. Einen Anschlag mit Giftgas habe der 24-Jährige nicht verüben können, weil er nicht über die notwendigen Chemikalien verfügt habe. (APA)

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Wolkengedanken
00
21.8.2011, 13:16

Premier Zapatero tut mir richtig Leid. Der würde sicher lieber selbst protestieren gehen, stattdessen muss er gemeinsam mit dem Papst auftreten. Was Finanz- Arbeits- und Sozialminister angesichts ihrer leeren Kassen und den enormen Kosten für den Polizeischutz des Papstbesuches am liebsten tun würden, stelle ich mir lieber gar nicht vor

auch gut...
01
20.8.2011, 21:28
Hmmm...

...trotz hunderter Postings... vor allem sehr vieler gegen dieses Treffens... hat noch keiner erklärt, warum man das Grundrecht auf Religionsausübung nicht der katholischen Kirche zugesteht.

Wenn sich Gläubige treffen, ist es ihr Bier... wen es nicht interessiert soll das Treffen ignorieren, es ist weder ein wirtschaftlicher Nachteil für das Veranstaltungsland, noch werden hier strafbare Sachverhalte vollendet.

Wer das den Katholiken nicht zugesteht, sollte auch die Pappn halten... pardon... wenn es um die Verteidigung anderer Menschenrechte geht.

Pro Freistaat Kärnten!
 
00
24.8.2011, 04:34
Das Grundrecht hat die katholische Kirche auch und gerade in Spanien

und dann gibt es das Grundrecht auf freie Meinungsäusserung und Demonstration.

Gewalt ist abzulehnen. Gegendemonstrationen sind zu akzeptieren, wo liegt dein Problem?

thys
00
20.8.2011, 21:47
und wuerden die ausgaben für ratzis sicherheit nicht den steuerzahler belasten und einige grundhaltungen der katholischen kirche (und natuerlich anderer religionen) nicht andere menschenrechte in frage stellen würd sich auch keiner aufregen

auch gut...
01
21.8.2011, 09:54
Traurig eigentlich...

...das diese umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen überhaupt nötig sind... aber dafür ist wohl weniger die kath. Kirche verantwortlich, sondern eher jene die ein derartiges Gefährdungspotential darstellen...

mumuj
32
19.8.2011, 12:52
Der Teufel soll ihm holen

und die ganze Kirche dazu

Quintus Beckloeffel
08
19.8.2011, 13:35

Und dem Duden auch.

Pro Freistaat Kärnten!
 
00
24.8.2011, 04:36
Ausgezeichnet:-)

Schreck
25
19.8.2011, 12:44

"Moden" wie Demokratie, Toleranz und Menschenrechte, gell?

tobidammit
00
19.8.2011, 14:27

2000 Jahre Christentum gegen 250 Jahre Demokratie in Europa, da taucht die Kirche locker durch.

AntiFa201
00
19.8.2011, 15:25

250 jahre demokratie in europa? durchgehen? auf dem ganzen kontinent? aus welcher dimension kommen sie noch gleich? nicht aus dieser, oder?

Ponte Vedra
05
19.8.2011, 12:24
Die Warnungen des alten Iqnuisitors....

Die von Ratzinger forcierte hastige Seligsprechung seines Vorgängers war doch nichts anderes als eine "modische Ansicht" und eine "Laune des Augenblicks"!

mephisto666
01
19.8.2011, 11:55
bissl off topic

aber weils mir grad wieder einfällt (warum wohl), das volksbegehren gegen kirchen privilegien ist noch bis okt. zu unterzeichnen.

Verdammt Coole Schreckschrauwe
23
19.8.2011, 11:21
Soooo viel Meinungsfreiheit! Fast nicht auszuhalten:

Am Donnerstagabend sollte der Papst mit einer Kussaktion von etwa hundert Lesben und Schwulen konfrontiert werden, aber die Polizei verhinderte die Kundgebung gegen den "Fundamentalismus" und die rigide Sexualmoral der katholischen Kirche. Zudem kesselten Beamte etwa hundert Demonstranten auf einem Platz in der Nähe der Plaza de Cibeles ein und schloss umliegende Bahnhöfe.
Es stimmt schon, Polizisten schützen Faschisten!

DuesselDoofer
00
20.8.2011, 08:08
also wenn's so war...

find' ich's gut.

Lg

insertnamehere
 
12
19.8.2011, 13:36

Sie wissen aber schon, dass Sie nicht alles, was Ihner nicht passt, automatisch mit "fasch istisch" benamsen müssen?

FarbSucht
04
19.8.2011, 11:11
K. K. Lacke
09
19.8.2011, 10:24
Papstbesuch auf Staatskosten ist ein legitimer Demonstrationsgrund

daß im erzkatholischen Spanien solche Kritik nicht unbedingt gut ankommt ist verständlich

daß jedoch die Polizei als ausführendes Organ der Staatsmacht derart offensichtlich Partei ergreift finde ich bedenklich

mMn sollte der Ratzinger im Vatikan bleiben, wenn er reisen oder jemand besuchen will kann er diese Kosten ja durch seinen Kinderschänderverein tragen lassen

ist ja nicht so, als ob der Vatikan so arm wäre, daß man auf die mildtätigen Spenden anderer Länder angewiesen wäre

interessant finde ich auf jeden Fall, daß Ratzinger solch große Töne spuckt wie "Man muss Arbeit schaffen und den Planeten schützen". Andererseits kann man natürlich leicht groß daherreden, wenn man sich selbst aus der Pflicht nimmt...

ein Heuchler also...

Timagoras
 
011
19.8.2011, 10:07
wieso heißt der auf einmal "Papst Benedikt XVI."? sonst ist er doch hier immer nur der "Ratzinger".

.
da fällt mir ein:

Samuel weiß nicht, wie er herausbekommen kann, was sein jüngster Sohn David im Beruf werden wird. Zu diesem Zwecke befragt er den Bruder Isaak, dieser rät ihm folgendes: "Nimm die Torah, ein Fass Wein und einen Geldbeutel.
Biete diese deinem Sohn zur Wahl an. Nimmt er die Torah, wird er Rabbi, nimmt er das Weinfass, wird er Säufer und nimmt er das Geldbeutel, wird er Bankier." Gehört und ausprobiert. Der Samuel kommt nach Hause, legt die genannten Gegenstände auf den Tisch und sagt zu David: "Nun mein Sohn, nimm was dein Herz begehrt!" Nach kurzem Nachdenken nimmt David alle drei Gegenstände und freut sich sehr darüber. Der Vater ist dagegen entsetzt:
"Um Himmels Willen, der wird ja katholischer Priester..."

nichtbriefmarkensammler
10
19.8.2011, 09:56
Lebendfeuerbestattung

diese Ungläubigen, keine Ahnung von Gott, und so undankbar gegenüber der Schöpfung und seiner Vertreter. Man muss nur dran glauben, und das alle, wenn nicht, dann das was im Buch der Bücher steht.

Wir werdens euch schon noch zeigen!!

Kakapo1
00
19.8.2011, 11:45

da werden postings zensiert, nur weil ich das adjektiv das mit "du" beginnt und mit einem doppelkonsonanten endet (jetzt bin ich vorsichtig) vor den namen eines blauen Politikers setzte, aber der Blindgänger darf "Lebendfeuerbestattung" für demonstranten fordern? gehts noch?

19k
03
19.8.2011, 10:04
Heute noch nicht die Tabletten eingenommen?

Zitronenbaum
03
19.8.2011, 10:02

Ich nehme an, das war sarkastisch gemeint - das traurige ist, dass manche Leute solche Aussagen tatsächlich ernst meinen! /:

Alfred Fux
116
19.8.2011, 09:56
Organisationen, die ihre Kinderschänder schützen, gehören nicht subventioniert.

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