Papst Benedikt XVI. erklärte eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Missbrauch im Priesteramt
Vatikanstadt - In einem ungewöhnlichen Schritt hat der Vatikan am Mittwoch Dokumente zu einem Missbrauchsskandal in den USA ins Internet gestellt. Darin geht es um den inzwischen verstorbenen Priester Andrew Ronan aus dem US-Staat Oregon, der 1965 einen 17-jährigen Jugendlichen missbrauchte. Das Opfer klagte gegen den Vatikan, dem er vorwarf, von Ronans Pädophilie gewusst, aber diesbezüglich geschwiegen zu haben. Der Vatikan erfuhr hingegen nach eigenen Angaben erst 1966 von dem Fall, als Ronan nach Bekanntwerden der Vorwürfe selbst um seine Amtsenthebung bat.
Mit der Veröffentlichung der Dokumente bekräftigte der Vatikan diese Haltung. Die Unterlagen zeigten, dass die Anschuldigungen gegen den Heiligen Stuhl falsch und von "verleumderischem Charakter" seien, erklärte der Verteidiger des Vatikans, Jeffrey S. Lena. Der Fall wird derzeit vor einem Gericht in Oregon verhandelt.
Vor zehn Jahren waren erste Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche in den USA ans Licht gekommen. Seitdem wurden tausende weitere Fälle in Europa und den USA bekannt. Bischöfen und dem Vatikan wurden dabei vorgeworfen, die Augen verschlossen oder sogar pädophile Geistliche geschützt zu haben, um einen Skandal zu vermeiden. Aufgrund der Vielzahl der Fälle erklärte Papst Benedikt XVI. eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Missbrauch im Priesteramt. (APA)