Josef Ostermayer hat erfolgreich vermittelt - und der Koalition neue Hoffnung gegeben
Klagenfurt - Etwas verloren wirkt der schmale Staatssekretär, fast schüchtern. Mit protziger Ordenskette um den Hals steht Josef Ostermayer auf der Bühne, das Publikum klatscht sich die Finger wund. "Ich hab gar nicht genau gesehen, was ich da umgehängt bekommen habe", sagt der auf die zweite Reihe abonnierte Sozialdemokrat. So viel Rampenlicht sei eigentlich nicht das Seine.
Doch die Zuneigung der Kärntner Honoratioren im Wappensaal zu Klagenfurt wirkt ehrlich. In monatelangen Verhandlungen haben sie den von der Regierung abgestellten Mediator als einen kennengelernt, der sie verstehen und nicht als verbohrte Ewiggestrige abkanzeln will. Lohn ist ein Pakt über zusätzliche zweisprachige Ortstafeln - und für Ostermayer der meiste Applaus bei den Feiern. "Die Kärntner haben dich ja schon adoptiert", witzelt Lebensminister Nikolaus Berlakovich.
Auch Ostermayer fällt es offenbar schwer, sich loszureißen. Am Mittwoch, einen Tag nach dem offiziellen Festakt, lud er Landeshauptmann, Volksgruppenvertreter und andere Akteure zu einer "Dankeswanderung" auf den Hemmaberg in Globasnitz/Globasnica. Das Motto wirkte nicht aufgesetzt - Erleichterung allerorts.
Keine Stunde dauerte der Spaziergang, den "Marathon" hat Ostermayer schon hinter sich. Als einen solchen bezeichnet er den Weg zum Abkommen, das einige, aber nicht alle Kärntner Slowenenvertreter mittragen. Akribisch hatte sich Ostermayer auf die unzähligen Gespräche vorbereitet, um Vorbehalte und mitunter auch Traumata auszuräumen. Via Landeshauptmann Gerhard Dörfler sei es letztlich gelungen, die "parteipolitische Instrumentalisierung" der Ortstafelfrage zu beenden, sagt der 50-Jährige.
Der meist milde lächelnde Burgenländer, der die politischen Interessen seines Chefs Werner Faymann - sie sind mit den eigenen seit fast 25 Jahren ident - durchaus auch mit unverblümtem Druck durchzusetzen versucht, bescherte damit auch der Regierung einen Erfolg. Die als reformunfähig Verschrienen haben geschafft, woran sogar Bruno Kreisky gescheitert ist. Schon wird das Ostermayer'sche Prinzip der leisen Schritte in (roten) Koalitionskreisen als Königsweg in eine gedeihliche Zukunft gehandelt. Wenn sogar Deutschkärntner und Slowenen auf einen grünen Zweig kommen, dann sollte das auch SPÖ und ÖVP gelingen. (Gerald John, STANDARD-Printausgabe, 18.8.2011)