Thurnher barsch: "Zu den anderen Punkten ihrer Latte kommen wir gleich ..."
Hoch oben, im Dachfoyer der Hofburg, ist die Luft recht amikal: Der Gast beim Sommergespräch mit Ingrid Thurnher antwortet auf die gestellten Fragen ja tatsächlich; und das verbale Betonieren der Politkonkurrenz (zwecks Ablenkung von möglichen Leichen im eigenen kleinen Politkeller) kommt zwar zur Anwendung, nicht oft jedoch. Weil dem so ist, muss Josef Bucher (BZÖ) nicht ständig unterbrochen werden.
Wenn's doch passiert, kann es allerdings unfreiwillig lustig werden. "Ich wollte jetzt aber eine ganze Latte aufzählen!", protestiert Bucher. Thurnher jedoch barsch: "Zu den anderen Punkten ihrer Latte kommen wir gleich ..."
Tja. Buchers Latte (an Sparvorschlägen) geriet dann irgendwie in Vergessenheit, klar: Auch wenn sich der ORF beim Sommergespräch fürs klassische Interview entschied, hat er Extras eingebaut, die straffe Gesprächsführung fordern. Nebst eingespielten Publikumsanfragen war da ja auch dieser Kasten, der sechs geheime Fragen barg. Per Fingerdruck konnte Bucher eine wählen.
Der Kasten amüsierte. Um Bucher aus der Reserve zu locken, hätte man ihn jedoch nach dem Motto "Politiker fragen Politiker" schon mit Uwe Scheuch beschenken müssen. So blieb er jener bekannte Mix aus Grasser-Ähnlichkeit, an Jörg Haider erinnernder Wortfärbung und einer unhektischen Gestik, die nicht einmal explodierte, als Bucher abzuheben drohte ("Wer BZÖ wählt, wählt die Zukunft!").
Ob er das Wählerherz rührte? Keine Ahnung. So ihm in Hinkunft zumindest die kränkenden Publikumsanfragen dieses Abends ("Herr Bucher, was machen Sie eigentlich?") erspart blieben - es wäre sein Auftritt schon ein Erfolg gewesen. (Ljubisa Tosic, DER STANDARD; Printausgabe, 18.8.2011)