Rot-Kreuz-Helfer seit einigen Tagen im Süden Äthiopiens unterwegs
Wien/Moyale - Obwohl die Nahrung seit Monaten knapp ist, teilen die Menschen am Horn von Afrika das bisschen noch mit ihrem Vieh. Das berichtete der Vorarlberger Rot-Kreuz-Mitarbeiter Werner Meisinger. Er ist einer der Österreicher, die derzeit den Opfern der Dürrekatastrophe an Ort und Stelle Hilfe leisten. "Die Bewohner leben großteils von der Viehzucht, doch die ist nicht mehr möglich", erklärte Meisinger.
Mit einem internationalen Team von zehn Personen ist er seit einigen Tagen im Süden Äthiopiens unterwegs und besucht täglich zahlreiche Dörfer, um sich die Situation der Menschen schildern zu lassen. Und sofort erste Hilfsmaßnahmen einzuleiten - sei es durch Nahrungs- und Wasserlieferungen, durch das Verbessern des bestehenden Wasserversorgungssystems oder hilfreiche Tipps. "Wir müssen immer wieder erklären, dass sie die Tierkadaver sammeln und verbrennen sollen. Teilweise spielen Kinder inmitten der verendeten Tiere, die um die Dörfer verstreut liegen", so Meisinger.
Betroffenes Gebiet so groß wie Österreich
Auch gewisse Hygienestandards müssen vermittelt werden. "Es nützt nichts, wenn wir den Leuten Wasser bringen, das dann wieder durch schmutzige Kanister, schmutziges Geschirr oder kontaminierte Hände verunreinigt wird", erklärte der Vorarlberger weiter.
Das am stärksten von der Dürre betroffene Gebiet an der äthiopisch-kenianischen Grenze rund um die Stadt Moyale, die den Stützpunkt des Rot-Kreuz-Teams bildet, hat etwa die Größe von Österreich. Rund 350.000 Menschen leben dort weit verstreut in Dörfern mit 100 bis 500 Bewohnern. Diese Gegend ist Meisingers Schilderungen zufolge "nur noch braun, trocken, verbrannte Erde, keinerlei Grün", im Gegensatz zu dem Gebiet um die Hauptstadt Addis Abebba, in der noch Regen falle und Vegetation zu sehen sei.
Abwanderung verhindern
Das größte Ziel der Helfer ist es, die Bevölkerung so gut wie möglich mit dem Nötigsten zu versorgen, damit diese nicht zur Abwanderung gezwungen werden. Denn vor allem um den Viehbestand versorgen zu können, nehmen viele Menschen weite Wege auf sich. "Verenden die Tiere, hat man für die Kinder keine Milch mehr, Unterernährung ist die Folge", beschreibt der Rot-Kreuz-Mitarbeiter.
"Wir alle warten hier sehnsüchtig auf die nächste Regenperiode die Mitte September kommen soll. Kommt sie nicht, wird die derzeitige Katastrophe zu einer Megakatastrophe", betonte Meisinger. In ihrer Planung gehen die Helfer vom Ernstfall aus. (APA)