Erste Zwischenbilanz: 60 Prozent der etwa 5.500 BezieherInnen der Mindestsicherung sind weiblich
Wien - Etwa 5.500 NiederösterreicherInnen haben im Schnitt im ersten Halbjahr 2011 die Bedarfsorientierte Mindestsicherung (BMS) bezogen: AlleinerzieherInnen, alte Menschen, die wegen mangelnden Pensionsanspruchs nicht in Pension gehen können, Arbeitslose. "Die Zahlen zeigen eines: Armut ist in Niederösterreich weiblich", sagt AKNÖ-Sozialexpertin Silvia Feuchtl. "60 Prozent der Mindestsicherungs-BezieherInnen sind Frauen." Besonders deutlich fällt der Geschlechterunterschied bei AlleinerzieherInnen aus. "Hier gibt es fast keine Männer", sagt Feuchtl.
Auch bei den Beziehern im Pensions-Alter überwiegen die Frauen: "325 Frauen im pensionsfähigen Alter bekommen Zahlungen aus der BMS, im Vergleich zu 73 Männern", sagt Feuchtl. Bei anderen Gruppen fällt eine ausführliche Analyse schwer. "Leider gibt es keine Daten, wie viele Menschen wegen niedrigen Arbeitslosengeldes oder geringen Einkommens etwa bei einer Teilzeitstelle BMS-Zahlungen bekommen", kritisiert die Expertin. "Nur mit diesen Daten ließe sich die Zahl der Working Poor in Niederösterreich abschätzen. Und das ist eine wichtige Voraussetzung für treffsichere Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Arbeiterkammer Niederösterreich-Vizepräsident Markus Wieser erneuert seine Forderung, dass die BMS 14-mal im Jahr ausbezahlt wird, so wie die Pension. "Wer von der Mindestsicherung leben muss, ist auf jeden zusätzlichen Euro angewiesen. In Niederösterreich würde das etwa 5 Millionen Euro im Jahr mehr kosten. Das ist leistbar." (red/derstandard.at, 17. August 2011)